Vorteil Management

..weil alles, was geschah, weniger den Befehlscharakter trug und mehr
Freiheit und Selbstentschließung hatte. (Theodor Fontane)

Warum hat ein Verein mit einer dem Fußball angepassten Management-Philosophie einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz? Weil dann alles besser läuft. Wie Sie wissen, ist die Qualität des Managements eine wichtige Erwägung, den Wert einer Firma zu bestimmen. Die Qualität des Managements ist bei Firmen, die an der Börse gehandelt werden, im Kurs der Aktie reflektiert. Gut gemanagt, heißt gute Führungseigenschaften an der Spitze der Organisation zu haben, und die traditionellen Management Funktionen besser auszuführen als andere Organisationen. Dies ist auch im Fußball der Fall. Effektive Vereine halten ihren Managementstab für ihre Leistungen verantwortlich.

Also, ein paar Bücher kaufen, zu Workshops gehen, und Konferenzen besuchen - und schon ist man up-to-date. Leider ist Gehörtes und Gelesenes oft schwer in die Tat umzusetzen. Denn Wissen unterscheidet sich von Verstehen und Anwendung. Auch benötigt die Lernkurve, um ein neues Managementsystem einzuführen, oft Jahre. Daher bleiben Vereine meist beim alten System, insbesondere in Deutschland, wo der Status quo, das Alte und Traditionelle bevorzugt wird. Solange alle Vereine gleich denken, geht die Rechnung sogar auf. Aber wenn ein Verein einmal eine neue, dem Verein angepasste Management Struktur und Methode lernt - man kann dies verallgemeinern und sagen, wenn man einmal die Entscheidung trifft, systematisch dazuzulernen, hat er einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Noch wichtiger, je länger die Lernkurve anhält und nach oben zeigt, desto größer wird der Vorteil der Konkurrenz gegenüber, insbesondere wenn die Konkurrenz schläft.

Ein effektives Management System

Wie oft ist ein Management System mehr als die Summe der Teile? Nicht sehr oft. Ziele, Regeln, Praxis und Verhalten müssen dann integriert sein. Aber das allein reicht nicht. Auch hat ein effektives System wenig mit qualifiziertem Personal zu tun. Qualifiziertes Personal allein gibt einem Verein keinen Wettbewerbsvorteil. Der Verein muss auch das "richtige" Management System haben. Ein richtiges System gibt jedem Spieler und Mitarbeiter das Gefühl, dass der Verein sein oder ihr Verein ist. Sie handeln danach, setzen sich voll ein und fühlen sich für das, was passiert verantwortlich.

Eine Reihe von Management Experten argumentieren, dass man einen Managementvorteil gegenüber anderen Vereinen am besten herbeibringt, indem man ein neues, innovatives Management System aufbaut und nicht versucht, das alte System aufzumöbeln. Ein neues, modernes, dem Fußball angepasstes System ist vielleicht im Endeffekt die beste Methode, der Konkurrenz auf lange Zeit davon zu eilen. Denn selbst die besten Organisationen könnten viel mehr Leistung bringen, wenn sie sich besser organisieren und ihre Angestellten besser behandeln.

Wie kann ein Verein ein höheres Management Plateau erreichen? Indem er ein mitbestimmendes, hierarchieloses Management System einführt. Ein solches System gibt dem Verein einen signifikanten Managementvorteil. Weil die Lernkurve lang ist, kann ein früh eingeführtes System den Wettbewerbs-Vorteil für lange Zeit aufrecht erhalten.

Manager von Fußballvereinen, die diese Zeilen lesen, werden es leugnen, dass ein flaches, mitbestimmendes Management System zukunftbestimmende Vorteile bringen kann. Denn sie glauben, dass ihr Verein erfolgreich ist, weil sie ihn jetzt schon "richtig" managen und dass es keinen Grund gibt, das Management System zu ändern. Aber Jahr für Jahr, oft für Jahrzehnte, alte Systeme ein wenig zu verbessern, reicht nicht aus. Der deutsche Fußball braucht dringend Innovation, ja Reformation, auf allen Gebieten, auch, oder besonders, im Fußball. Die Verantwortlichen müssen sich auf innere und äußere Veränderungen schneller einstellen können. Besser, sie müssen diese Veränderungen vorausahnen und dementsprechend handeln, bevor andere Vereine es tun. Das ergibt einen wichtigen Vorteil.

Natürlich, wie der Name dieser Webseite besagt, ist ein Wechsel zum Powerfußball schon eine Revolution. Management wird sich bedroht fühlen, besonders, wenn Sie den Prozess des Powerfußballs nicht richtig verstehen. Und sie sollten sich bedroht fühlen. Denn das traditionelle Denken, gegenwärtig so tief verwurzelt, kommt zu einem Ende. Powerfußball, auch wenn es nicht in Deutschland zuerst eingeführt wird, ist die Spielart der Zukunft.

Hochmotivierte Spieler

Ein innovatives Management System muss in vieler Hinsicht sensibel und feinfühlig sein. Genauer gesagt, es muss in der Lage sein, genau diejenigen Spieler, Trainer und Manager zu finden und zu halten, die der Verein braucht, um zu gewinnen. Damit allein ist es aber nicht getan. Gute Spieler anzuziehen ist relativ einfach; das hängt zum Teil von der Tiefe der Schatztruhe ab. Aber die Spieler dazu zu bewegen, sich voll für den Verein einzusetzen und die eigenen Fähigkeiten voll zu nutzen, ist eine andere Sache. Und das ist die Hauptschwäche des deutschen Fußballs. Welcher Trainer kann das schon, auch wenn es der Anschein ist?

Spieler in den Verein so einzuflechten, dass sie sich persönlich verantwortlich fühlen wenn es einmal nicht läuft, ist nicht einfach. Dazu kommen Sprachschwierigkeiten, da der Spielkader ja immer internationaler wird. Es ist schwierig, eine Einheit aus einer Mannschaft zu machen, wenn die Werte, Ansichten und Präferenzen der einzelnen Spieler so unterschiedlich sind. Das Endresultat ist das gleiche: der Verein, der besonders effektiv mit der Mannigfaltigkeit der Spieler umgehen kann, hat einen Vorteil, denn er kann die vorhandenen Talente der Spieler besser nutzen.

Ist das die Norm? Sind Vereine so strukturiert? Oder folgen wir dem traditionellen top-down, pyramidischen, mechanistischen, bürokratischen Modell, das auf Hierarchie und Kontrollen aufgebaut ist? Kürzer ausgedrückt, welches System ist effektiver: das partizipative oder das autokratische?

Ein Kontroll-orientiertes System

Das Kontroll-orientierte System ist uralt. Es ist auf die Annahme ausgerichtet, dass Hierarchie und vertikale Arbeitsbeziehungen am besten dazu geeignet sind, Arbeit auf eine produktive und qualitative Weise zu organisieren und zu verrichten. Vereine, die dieses Modell adoptiert haben, vereinfachen die Arbeit der Spieler so viel wie möglich, standardisieren Spielpositionen und holen sich Spieler, die in das System passen. Geld wird benutzt, um Spieler zu motivieren.

Management denkt für den Verein und passt auf, dass alles gut läuft. Es wird erwartet, dass die Spieler ihr Bestes geben, denn sie wissen, was sie zu tun haben. Schließlich werden sie auch bestens bezahlt. Jeder Spieler hat seine besonderen Anweisungen und Aufgaben, an die er sich halten muss.

Ein Kontroll-orientiertes Management System wird auch Theorie X Management genannt, nach McGregor. Theorie X Management ist auf die Annahme aufgebaut, dass Leute gezwungen und kontrolliert werden müssen, um gute Leistungen zu bringen. Theorie Y Management basiert auf dem Glauben, dass man Leuten Vertrauen schenken kann, und dass sie motiviert sind gut zu arbeiten, wenn man die Arbeit interessant und herausfordernd gestaltet. Kurz gesagt, es besagt, dass das Arbeiten natürlich ist und dass Leute gern gute Arbeit verrichten.

Ein Beteiligung-orientiertes System

Dieses System, ein Theorie Y System, ist auf Selbstkontrolle und Selbstmanagement basiert. Der Verein ist so organisiert, dass die Arbeit herausfordernd, interessant und motivierend ist. Jeder Angestellte des Vereins erhält die Power, Entscheidungen zu beeinflussen. Alle sind gut informiert über Vereinsangelegenheiten, Methoden und Ziele, so dass sie sich gut auskennen und sich dementsprechend benehmen und einsetzen. Insbesonders die Mannschaft hat Kontrolle über ihr eigenes Schicksal. Alle Spieler sind mit einbezogen. Verantwortungsbewusstes Einzeltraining ist die Norm bei den Spielern.

Die Hauptannahme des Beteiligungs-orientierten Systems ist, dass, wenn man Leuten Arbeit gibt, die sie herausfordert, sie ihr eigenes Benehmen kontrollieren wollen und können. Das ist im Fußball ja weitgehend der Fall. Die meisten Spieler lieben den Fußball. Und obwohl der Trainer anfänglich gebraucht wird, um die Spieler zu organisieren, zu trainieren, zu führen und zu koordinieren - können die Spieler dies nach kurzer Zeit selbst machen. Der Powerfußball darauf auf gebaut.

Das Beteiligungs-orientierte Powerfußball System will also nicht nur den Körper des Spielers, sondern auch seinen Kopf. Spieler werden laufend nach Vorschlägen gefragt, wie man Sachen besser machen kann, und man erwartet Antworten und Vorschläge. Die Spieler denken also mit. Querdenker werden ermutigt, ihre Gedanken auszusprechen. Es wird viel diskutiert. Kein Thema ist tabu. Die Spieler werden nicht als zu programmierende Roboter angesehen, von denen man zu jeder Zeit (unrealistische) 100% Leistung erwartet, sondern als Individuen, die dauernd dazu lernen, empfänglich für Veränderungen sind und sich selbst programmieren.

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt

Das Beteiligungs-orientierte System hat gegenwärtig Seltenheitswert. Das Kontroll-orientierte System ist die Norm. Der Hauptgrund ist die Angst, die Kontrollfunktion aufzugeben. Hier besteht eine Chance für den Fußball. Mehr als fast jede andere Organisation sind Fußballvereine für das Beteiligungs-orientierte System geeignet, weil sie ja nur mit Menschen handeln. Würde der Verein Nägel, Schrauben oder Hammer herstellen, wäre das Kontroll-orientierte System wohl (auch das ist zweifelhaft) angebrachter. Aber beim Fußballspiel dreht sich alles um Menschen. Und in dieser Situation ist das Kontrollsystem fehl am Platz. Wenn das Managementsystem aber dem Zweck nicht bestens dient, kann man keine außerordentlichen Leistungen erwarten. Kontrollleinen und Zwangsjacken sind bei einem Spiel nicht angebracht. Wieder gilt das alte Prinzip: Wenn ein Verein anfängt, werden andere folgen. Wer das zuerst erkennt, hat einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

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