Vereinsfinanzen

Macht und Geld verführen die Menschen. Selbst Schiedsrichter sind verführbar. Bei Spielereinkäufen und Verkäufen gab es schon einmal Unregelmäßigkeiten. Andere Möglichkeiten wollen wir lieber nicht aufführen.

Dabei ist der Fußball, wie Platini gleich am Anfang seines neuen Jobs richtig und unmissverständlich festgestellt hat, ein Spiel. Es geht nicht um Macht und Geld, obwohl es dazu ausgeartet ist, sondern um ein Spiel, ein einfaches, jedem verständliches Spiel. So sollte es und kann es wieder sein, indem man die Vereinsstruktur und die Vereinsfinanzen verändert.

Viele Vereine haben nicht viel Geld, insbesondere wenn sie meist in der unteren Tabellenhälfte spielen. Andere haben Schulden, meist durch teure Spielereinkäufe bedingt. Die Frage ist: Was können Vereine tun, um voranzukommen und trotzdem keine Schulden aufzunehmen? Die Antwort ist: Sie sollten variable Kosten von den Einnahmen (also Leistungen) abhängig machen. Feste Kosten, wie Stadionmiete oder Unkosten, Gehälter von Platzwart, Ticketverkäufern, Ordnern, Strom, Heizung etc.) werden zuerst bezahlt (sie sind meist voraussehbar). Was folgt, ist eine einfache Gewinn und Verlustrechnung:

Beispiel

Einnahmen und Ausgaben

Verein X
August 1, 20xx – July 31, 20xx+1
Euro
Einnahmen (1)     
Sponsoring                                                                             3.000,000
Ticketverkauf                                                                         2.000,000
Catering und Merchandising                                                    2.000,000
TV-Rechte                                                                             2.000,000
Spielerverkäufe (Glücksfußballer)                                            1.000,000                   10,000,000

Kosten

            Feste Kosten
                        Stadion (2)                                                         500,000       
                        Personal (3)                                                        500,000
                        Reisekosten                                                        200,000
                        Sonstiges                                                            500,000            
                        Spieler-Grundgehalt (22 Spieler x €72,000)     1,584,000
                        Fazilitator-Grundgehalt (1)                                    60,000
                        Manager-Grundgehalt  (1)                                   50,000                   3,394,000

Rohgewinn                                                                                                               6,606,000  

            Variable Kosten
                        Spieler (70% von 6,606,000)                          4,624,200
                        Fazilitator (8%)                                                  528,480
                        Management (6%)                                             396,360
                        Angestellte (2%)                                                132,120
                        Aktionäre (10%)                                                660,600
                        Eigenkapitalspolster (4%)                                264,240                         6,606,000

Verlust/Gewinn                                                                                                                        0

(1)  Angenommene Einnahmen. Auf welche Weise Fußballklubs ihre Einnahmen in den kommenden Jahren erhalten, wird sich wohl laufend verändern, insbesondere dann, wenn Computer und Handys zu Fernsehern werden.
(2)  Stadien der Zukunft werden wohl von den Vereinen für X Tage im Jahr gemietet werden.
(3)  Nicht-Management Personal. Auch sie sind am Bonus beteiligt. 

Spieler, Manager und Fazilitator erhalten also jährlich Geld aus vier Quellen: ein Grundgehalt; eine Leistungsprämie (Bonus); eine Dividende, wenn sie Aktionäre sind, und eine Aktienkurserhöhung durch Sparpolster und erhöhte Umsatzerwartung. Spieler, die ja im Powerfußball für ihre ganze Karriere an den Verein gebunden sein sollten, erhalten daher, als Superentertainer die sie sind, den Löwenanteil des Gewinns: ein Grundgehalt pro Spieler von Euro 72,000, eine Leistungszulage von 210,909, plus Dividende, plus Kapitalerhöhung, wenn sie Aktien (zum Vorteilspreis) gekauft haben – alles basiert auf Einnahmen von €10 Millionen.

Die Gehälter von Spielern, Fazilitator und Management wechseln also von Jahr zu Jahr, da sie auf Leistung basiert sind. Sind die Leistungen schlecht, gibt es wenig Geld. Auch die 10% Dividende für Aktionäre hängt von der Leistung der Spieler und Verantwortlichen ab. Läuft alles normal, erhalten die Aktionäre 10% Dividende, plus eine Kapitalerhöhung von 4%. In den eigenen Heimatverein zu investieren ist also sehr profitabel – und sicher. 

Natürlich variieren die Prozentsätze der Einkommen und Ausgaben von Verein zu Verein. Aber die Idee, Gehälter von Leistung abhängig zu machen, sollte bestehen bleiben. So brauchen die Verantwortlichen des Vereins sich über Verluste keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil, man kann sich über die Jahre ein kräftiges Sparpolster erarbeiten.

Business-Model

Ich habe dieses Model vor dreißig Jahren in meinen MBA-Kursen an der Concordia Universität in Montreal befürwortet. Dieses Erfolgsmodel ist gerecht und sozial. Es hat Tausende akademische Befürworter, ist total logisch und theoretisch wohl begründet. 

Das Model hat nur einen großen Nachteil: Es befriedigt die Gier der Manager nicht. Manager in allen Ländern, angeführt von den USA – und über die Jahrzehnte willig und dankbar in Deutschland übernommen – glauben, sie sollten mindestens hundertmal so viel verdienen wie andere in der Organisation. Sie halten sich in ihrer auf Nichtwissen begründeten Arroganz und Vermessenheit für kleine Götter, unfehlbar und unentbehrlich. Es sind sie und die Geldhaie – Fondmanager, Finanzinvestoren etc. –, die dem Kapitalismus und dem Globalismus einen schlechten Ruf verleihen 

Das Erfolgsmodel sorgt die zwei wichtigsten Ziele einer jeden Organisation:  Anpassung und Überleben (adaptation and survival). Diese beiden Elemente sind sozusagen in das vorgeschlagene Finanzsystem mit eingebaut. Ein Sportklub, der auf Aktien und Leistung aufgebaut ist, kann nicht untergehen.

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