Großstadt AG

Der Großstadt SC spielt seit Jahren in der Bundesliga, ohne je einen Titel zu gewinnen. „Wir sind zufrieden, wenn wir nicht absteigen“, sagt der Coach. Es tut sich also wenig im Klub. Spieler werden eifrig gekauft und verkauft, wohle um die Zuschauer zufrieden zu stellen, denn die kommen in Scharen ins Stadion, um einen neuen Spieler zu begutachten. Leider bringen die Spielereinkäufe nicht viel, ein echter Teamgeist kann nie entstehen, weil die Zusammensetzung der Mannschaft sich laufend verändert. Der Tabellenstand nicht verbessert werden. Immer geht das Abstiegsgespenst umher. Der Verein hat Schulden, die aber heruntergespielt werden.

Verwandlung in Großstadt AG

Dann entscheidet sich der e.V. (er hat zwei Tausend Mitglieder; jedes Mitglied hat eine andere Meinung zu den zahlreichen Vereinsproblemen) sich von einem Verein in eine AG zu verwandeln. Ein anderer Verein hat es ihnen vorgemacht, Geld durch Aktienverkauf einzunehmen, nur versickerte das Geld schnell. Keiner weiß richtig wie und wohin. Daher waren die Mitglieder nicht gerade vom Börsengang begeistert. Aber sie versuchen von den Engländern zu lernen. Die kennen sich mit Geld und Geldbeschaffung besser aus.

Sie verfassen einen kurzen, aber motivierenden Plan von der Zukunft des Vereins, wie sie sich diese vorstellen. Die lokale und nationale Presse ist involviert und berichtet jede Nachricht und jeden Schritt ausführlich. Überraschenderweise befürwortet die Presse dieses „gewagte Unternehmen.“ Eine Investment Bank wird beauftragt. Der GSV will ein Grundkapital von 100 Millionen Euros beschaffen. Eine Million Aktien werden der Öffentlichkeit angeboten. Der Preis der Aktie beträgt 100 Euro. Das Interesse ist groß, denn der Verein wagt es, sich auf den Powerfußball umzustellen.

Aktionäre und Powerfußball

Die Prinzipien des Powerfußballs werden erläutert. Die Zeitungen sind sehr neugierig. Die Zuschauer auch. Sie unterstützen das Wagnis. Die Nachfrage nach Dauerkarten ist groß. Endlich geschieht etwas Großes, denken die Zuschauer, sind gespannt und kaufen Aktien. Sponsoren kaufen ebenfalls Aktien. Sie wollen sich früh im neuen Klub einnisten, denn es könnte sich ja übermäßig bezahlt machen. Nach zwei Monaten sind die Hälfte der angebotenen Aktien verkauft.

Was das Aktienangebot so interessant macht, ist die neue Finanzstruktur des Klubs. Jeder Klub bekommt jedes Jahr 10% der Netto Einnahmen (Einnahmen minus feste Kosten) als Dividende ausgeschüttet! (Sehen Sie bitte Vereinsfinanzen). Wo hat es so etwas schon gegeben! Das sind ungefähr 7 ½% auf das anfänglich eingezahlte Geld. Steigt der Klub in der Tabelle nach oben, wird der Prozentsatz nach oben gehen. Selbst wenn er sinkt, bekommt der Investor immer jedes Jahr eine Dividende. Das kann nicht einmal Mercedes bieten. Dazu gibt es mögliche Kursgewinne. Sinkt der allgemeine Zinssatz, steigt der Preis der Aktie, auch wenn die Performance des Klubs gleich bleibt.

Dividende und Kursgewinne

Fasst der Powerfußball nach zwei oder drei Jahren Fuß, verbessert sich der Verein also in der Tabelle, steigen Dividende und Kursgewinne. Also sind Aktien des Großstadt SV für Aktionäre eine nicht zu verachtende Geldanlage. Spieler, Fazilitator, Manager und Aktionäre werden daher nach Leistung bezahlt. Klappt alles bestens, fließt das Geld. Selbst Fans, die für ihre Dauerkarte ein paar Hundert ausgeben, werden sich ein paar Aktien leisten. Man kann ja nicht verlieren! Wo gibt es schon ein Spiel, in dem Sie nie verlieren können? So wachsen Verein und Zuschauer enger zusammen, alle sind Gewinner. Die Zuschauer haben jetzt zwei Motive dem Verein die Daumen zu drücken: ihn siegen zu sehen, um im Gefühl des Sieges zu baden und um ein zusätzliches Einkommen zu haben.

Wird dieses Finanzmodel populär – und eigentlich ist es an der Zeit, sich vom alten Vereinsmodel zu trennen, das nun wirklich nicht für Profivereine geeignet ist – werden deutsche Vereine es viel leichter haben, sich Kapital zu beschaffen, und sich so den Powerfußball leisten zu können. Die beiden neuen Systeme, für Finanzen und Spiel, werden eine neue Symbiose formen, die für das kommende Jahrhundert ausreicht.

Manchester United ging vor 14 Jahren an die Börse. Manchester kaufte gute Spieler. Die ManU-Aktie legte seit dem Börsengang um 1300 Prozent zu. Ein gutes Geschäft. Herr Glazer, der neue Mehrheitsaktionär (97,6% Anteile) hat den Club jedoch wieder delistet. So kann es gehen. Nur, der Unterschied, machen Sie Spieler, Sie kaufen sie nicht. Denn ein gekauftes Ensemble kann nie die Qualität eines Teams erreichen, dass bis zum Karriereende zusammenbleibt und Powerfußball spielt.

Gesucht: Fazilitator, Spieler und Manager

Der Fazilitator ist die Schlüsselperson. Er oder sie erleichtert und ermöglicht, sagt aber nie, wie etwas gemacht werden sollte. Das fällt Männern sehr schwer, so zu denken und handeln. Das Ego steht im Weg. Basiert auf Jahrzehnte lange Erfahrungen mit Fazilitatoren, würde ich eine Frau aussuchen. Sie kann mit jungen Spielern besser umgehen und die richtigen Fragen stellen. Ein Mann muss die Sache lernen, es ist ihm fremd. Nicht, dass Männer nicht lernfähig sind, aber Frauen haben den richtigen Lehrstil oft von Natur aus. Ein Fazilitatoren Team wäre eine andere Idee, aber nicht notwendig.

Stellen Sie den „falschen“ Fazilitator ein, also einen autoritären Menschen, der glaubt, alles besser zu wissen, und der nicht weiß, dass jeder Mensch anders ist und anders lernt und anders behandelt werden muss – beeinträchtigen Sie den ganzen Powerfußballverein. Auch wird er die „falschen“ Spieler aussuchen

Spieler sollten aus der näheren Umgebung kommen. Da sie „gemacht“ werden, wird die Wahl zur Qual, denn viele junge Spieler eignen sich in Powerfußballer ausgebildet zu werden.

Einen Manager zu finden, ist relativ einfach. Er oder sie muss die grundlegenden Managementfunktionen kennen: Wie man Ziele setzt, plant, organisiert, kontrolliert. Der Manager ist dem Aufsichtsrat verantwortlich. Einen Vorstand per Se gibt es eigentlich nicht, denn der Manager steht niemanden vor. Er steht auf eigenen Füßen und kümmert sich um all das, was nicht mit Spiel, Spielern und Fazilitator zu tun hat.

Die ersten Jahre

Die gegenwärtige Mannschaft wird noch für ein oder zwei Jahre den Klub vertreten, bis die junge Elf flügge ist. Die beiden total verschiedenen Trainingsarten der zwei Systeme werden ausführlich in der Presse beleuchtet. Die Erwartungen sind hoch. Und werden erfüllt. Nach ein oder zwei Jahren (Probespiele können wöchentlich stattfinden) übernehmen die Jungen die erste Mannschaft. Sie spielen von Anfang an einen berauschenden, ganz anderen, total nüchternen, blitzschnellen Fußball mit hoher Torquote. Das Stadion (das dem Verein nicht zu gehören braucht) ist immer ausverkauft, und die wöchentlichen Fernsehquoten für die Spiele sind immer die höchsten.

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