Verein, Ltd. oder AG?

Ein Verein – und bisher sind ja fast alle Fußballklubs Vereine – ist laut Zeitlexikon „eine vom Wechsel ihrer Mitglieder unabhängige, dauernde Verbindung von Personen unter einem Gesamtrahmen zur Verfolgung eines gemeinsamen, nicht nur vorübergehenden Zwecks, mit einer Satzung, die Zweck und Willensbildung der Gesellschaft regelt.“ Steht e.V. hinter dem Namen, ist der Verein eingetragen ins Vereinsregister und wird somit zur juristischen Person. Es braucht mindestens sieben Gründungsmitglieder.

Nach diesem Muster sind fast alle Fußballvereine in Deutschland gestrickt. Vergleichen Sie diese Version mit der einer Ltd. oder Inc., einer amerikanischen Version der AG, oder mit der AG selbst.

Ltd. oder Inc.

Eine Limited (beschränkte Haftung) oder Inc. ist eine Corporation, in der die Schuldenverantwortung auf eine gewissen Summe begrenzt ist. Es gibt eine private Ltd. oder Inc. (Sie können sich eine dieser Form auswählen, sie beinhalten das gleiche) und eine public Ltd. oder Inc. Unter der privaten Ltd. können sich bis zu 50 Menschen zusammentun und in der Firma, sagen wir im Fußballverein, Aktien kaufen. Sie kostet in den USA und Kanada ungefähr Euro 150. Formulare, einschließlich Aktien, sind in jedem Buchhandel erhältlich. (Sie können diese Art von Vereinsstruktur auch, oft nur durch einen Telefonanruf, wieder abmelden, nicht das ich das vorschlage, aber es zeigt, wie leicht Sie „drüben“ eine Firma aufmachen können. Eine public Ltd. wird durch ein Investment Haus an die Öffentlichkeit verkauft. Eine AG ist ähnlich wie eine public Limited Co. Ltd.s werden auch zunehmend in Deutschland populär.

Die Engländer, die früher einmal beträchtlich weniger als die Deutschen verdienten, jetzt aber beträchtlich mehr, verwandeln mehr und mehr Vereine in Ltd.s. Sie geben Aktien raus und der Verein bekommt dafür Geld. In einigen Fällen kauft eine Person den ganzen Verein. In anderen Fällen sind es mehrere Personen. Größere Vereine verkaufen oft Aktien auf dem Aktienmarkt. Da das deutsche Banken-, Finanz- und Termingeschäftssystem nicht zu den nationalen Stärken zählen, sollten wir uns an einfachen, aber fein ausgeklügelten Systemen anderer Nationen „bedienen“. Denn unser e.V. System ist der Konkurrenz nicht gewachsen.

Mein Vorschlag ist, dass Vereine sich in Aktienvereine verwandeln. Die e.V.s haben ausgedient, jedenfalls ist das bei größeren Vereinen der Fall. Sie sind zu klobig, unhandlich, sperrig, hinderlich und oft lästig. Hier sind klassische Beispiele, wie man Vereine, die Powerfußball spielen, in Ltd.s verwandeln kann.

  • Groß Kleckersdorf hat fünfzig Tausend Einwohner und ein fußballbegeistertes Umfeld. Fritz Groß hat gerade seine Firma verkauft und sich vom aktiven Geschäftsleben zurückgezogen. Er macht dem Verein einen Vorschlag: Wir haben 200 Mitglieder and spielen in der Amateurliga. Ich zahle jedem Mitglied eine einmalige Summe von Euro 200, und gebe ihm oder ihr freie Eintrittskarten für die nächsten zwei Jahre. Dazu wandel ich den Verein in eine private Ltd. um und investieren 5 Millionen Euros, in Form von 5.000 Aktien mit einem Nennwert von 1.000 Euro pro Stück. Herr Groß ist vom Powerfußball überzeugt. Er baut auf einem Nebenfeld eine große Schuss und eine ebenso große Passhalle. Nach langer Suche findet er einen Fazilitator. Zusammen suchen sie sich 22 junge Spieler (zwischen 17 und 19 Jahren) aus dem Umfeld aus. Ziel ist, in vier Jahren in die Bundesliga aufzusteigen.

  • Kleckerstadt hat Zweihunderttausend Einwohner, mit einem Umfeld von einer Million potenzialen Zuschauern. Der Verein spielt seit Jahren in der Oberliga und der Regionalliga, je nach Form. Drei Dutzend Bürger entscheiden sich, dem Verein ein Angebot zu machen. Sie sind bereit je 500.000 Euros in den Klub zu investieren. Sie fordern dafür volle Kontrolle. Außerdem erhält jedes Vereinsmitglied auf drei Jahre Dauerpässe. Der Verein beruft eine Sondersitzung ein. Der Vorschlag wird diskutiert und angenommen. Die Bürger formen eine private Ltd., und kaufen pro Aktionär 500 Aktion für einen Nennwert von 1.000 Euros. So hat SV Kleckerstadt plötzlich 18 Millionen Euros zur Verfügung. Anstatt das Geld für teure Spieler auszugeben, entscheiden sie sich einen Powerfußballklub aufzubauen. Das Interesse des Publikums ist groß. Die Jungs entwickeln sich bestens und man sieht von Woche zu Woche Verbesserungen. Nach einem Jahr spielen sie wieder in der Regionalliga. In den folgenden Jahren arbeiten sie sich zur Bundesliga hoch und spielen um die Meisterschaft. Die Aktionäre danken den Göttern, dass die Bundesligaklubs noch den „alten“ Fußball spielen, der viel Geld verschlingt und wenig bringt. Der schärfste Konkurrent ist der SV Groß Kleckersdorf, der ebenfalls Powerfußball spielt.

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