Kleiner Verein

Kleckersdorf hat Tausend Einwohner. Der Fußballklub ist dementsprechend winzig und spielt in einer der unteren Ligen. Mehr recht als schlecht kommt von Jahr zu Jahr über die Runden.

Nun begab es sich, dass einer der besser situierten Bürger über den Powerfußball im Internet erfuhr. Da die Webseite ziemlich lang ist, und er viel durchlesen wollte, reifte in ihm gleichzeitig ein Plan, wie er den Powerfußball als einer der ersten Vereine in Deutschland in die Tat umsetzen könnte. Er bat ein halbes Dutzend wohlhabender Bürger zu einem Treffen und erzählte ihnen vom Powerfußball. Sie gingen ins Netz und informierten sich selbst. Sie trafen sich oft und diskutierten über diese neue Art, Fußball zu spielen.

So kam es, dass sie sich zusammen taten und eine private Ltd. gründeten, um den Powerfußball in ihrem Dorf einzuführen, mit dem Ziel, ein paar Klassen höher zu klettern. Jeder erhält 200 Aktien und zahlt Euro 1.000 pro Aktie. So hat der Verein plötzlich ein Arbeitskapital von Euro 1.200.000.

Natürlich sitzen die sechs Aktionäre im Aufsichtsrat. Einer von Ihnen wird zum Vorsitzenden gewählt. Sie treffen sich alle paar Monate im Goldenen Hirsch und besprechen die Lage des Vereins, zusammen mit Sabine Ehrenhaft, dem Vorstand, und Holger Stark, dem Fazilitator (früher Trainer genannt). Es hatte einige Zeit gedauert, bis die Aktionäre diese beiden Hauptakteure fanden. Sabine ist sehr menschenbezogen, dazu enthusiastisch und optimistisch. Auch ist sie gut im Organisieren. Sie weiß wie man wirtschaftet, so dass das Geld nicht wegfließt. Sabine kommt mit jedem gut aus, sie hat Ausstrahlungskraft. Im Powerfußball sieht sie eine Möglichkeit, den SV Kleckersdorf in höhere Regionen zu katapultieren.

Holger ist ein echter Glücksgriff. Er arbeitete in der Personalabteilung einer ansässigen mittelgroßen Firma, die einem der Aktionäre gehört. Er liebt den Fußball und ist in der Firma hoch respektiert, weil er ehrlich, offen und inspirierend ist. Seine guten menschlichen Fähigkeiten sind allen bekannt. Er kann z.B. alle Beteiligten in etwas involvieren, so dass diese später der Gefühl hatten, sie hätten selbst alles bewerkstelligt, während Holger nur „da“ war.

Sabine und Holger meldeten sich für einen zwei-wöchigen Kurs über den Powerfußball an. Beide lernten wie man einen Klub managed und wie man Spieler führt. Der Kurs war anspruchsvoll, brachte aber enormen Spaß, da sie an allen Aktivitäten mit Hingabe und Energie teilnahmen. Der Kurs reflektierte, wie sie mit den Spielern umgehen sollten, denn im Kurs waren sie die Spieler und der Kursleiter der Fazilitator. Sie konnten gar nicht abwarten, ihr neu erworbenes Wissen in Kleckersdorf anzuwenden. Im Laufe des Jahres machten sie Notizen über Aspekte, die sie im einwöchigen Follow-up Kurs während der Winterpause ansprechen wollten.

Um geeignete Spieler zu finden, entsandten sie Scouts, deren Aufgabe es war, junge Spieler aufzuspüren. Für jeden Spieler, der angenommen wurde, bekam der Scout eine finanzielle Belohnung. Eigentlich war es leicht, Spieler zu finden, da die Rollenbeschreibungen sehr einfach waren: sie mussten spritzig, drahtig, schnell, reaktionsschnell, geistig hell und bereit sein, sich 100% ig einzusetzen. Die Spieler wussten, dass sie Profifußballer werden würden. Sie sahen das als einmalige Chance an. Auch gefiel Ihnen die David-Goliath Vorstellung, wobei ein kleines Dorf mit Kleinstädten mithalten kann.

Da das Risiko einer Verletzung im Powerfußball gering ist, das es fast keinen Körperkontakt gibt, beschlossen Sabine und Holger, einen Spielkader von 18 Spielern aufzubauen. Den Spielern wurde gesagt, dass sie zu Profis ausgebildet würden, und dass man erwartete, als Team für lange Zeit zusammenzubleiben, wenn möglich bis sie 35 Jahre alt sind.

Gleichzeitig modernisierten Sie das Vereinsgebäude, insbesondere den Seminarraum und die Küche, und bauten zwei Hallen: eine um Jahreinjahraus Torschüsse zu üben; die andere, um Pässe zu üben.

Die Spieler bekamen für die ersten drei Jahre Lehrgeld plus Prämien bezahlt. Im ersten Jahr wurde nur trainiert. Am Ende des ersten Jahres spielte die Powermannschaft im best of three gegen die reguläre Mannschaft. Sie gewann die drei Spiele mit einer beträchtlichen Tordifferenz.

Die junge Mannschaft spielte in erstaunlich kurzer Zeit Ausnahmefußball. Sie stieg jedes Jahr in eine höhere Klasse auf. Gegen das schnelle, effiziente Spiel der Mannschaft, basiert auf die neue organische Taktik, hatten die Gegner keine Antwort. Das Stadion wurde erweitert, weil fast alle Spiele ausverkauft waren. Finanziell ging es dem Klub von Jahr zu Jahr besser, denn es wurde vorsichtig gewirtschaftet.

Am meisten begeisterten sich die Spieler an der Presse und dem Fernsehsender, die regelmäßig Spiele aufnahmen, selbst als sie noch „unten“ spielten. Nach drei Jahren waren die Spieler im ganzen teutschen Land ziemlich bekannt.

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