Söldnertruppen

Die Grundprämisse im Fußball ist total falsch.  Man glaubt, dass sich eine gute Mannschaft zusammenkaufen lässt.  Das ist ein Irrglaube.  Wenn der Fußball – ein Teamsport – Einheit, Einigkeit, Ganzheit, Verbundenheit, Harmonie, Eintracht, Gesamtheit, Zusammengehörigkeit, Verschmolzenheit, Einklang und Einstimmigkeit fordert, wie kann ein Verein dann laufend Spieler kaufen, die (a) konträr zu diesen Zielen stehen, weil sie die Einheit und Eintracht laufend wieder auf- und zerbrechen, sie also nie zusammenschmelzen lassen, und die (b) sich nicht verständigen können, trotz des allmählich aufkommenden Bewusstseins, dass Fußball durch den Kopf gespielt wird, und dass gute Kommunikationsfähigkeiten ein absolutes Muss im Teamsport ist.  Dabei ist es gleich, ob Spieler und Trainer Hindustanisch, Sanskrit oder Deutsch sprechen.   Solange Spieler und Trainer sich nicht allesamt perfekt verständigen können, kann eine Söldnermannschaft, allein dieses Kriteriums wegen, niemals eine Topmannschaft werden.  Diese einfache Tatsache wird total ignoriert.

Wenn Sie ein erstklassiges Team zusammenstellen wollen, müssen die Teamplayer nicht nur sorgfältig, nach gewissen Kriterien, zu dem z.B. gehört, das sie psychisch alle auf einer Wellenlänge sind, ausgesucht werden.  Sie müssen auch auf lange Zeit zusammenbleiben, damit sie zu einem Team zusammenwachsen können.  Wenn es geht, sollten die Spieler für ihre gesamte Fußballkarriere zusammenbleiben.  Denn, wird auch nur ein einziger Teamplayer ersetzt, fängt die Teamarbeit noch einmal von vorn an!  Warum?  Weil die Teamdynamik dann eine ganz andere ist.  Das wissen wir zwar schon seit langem, aber im Fußball ist die Message noch nicht angekommen.

Homogene und heterogene Teams

Baut man homogene Teams auf, also Spieler, die psychisch etwas gemeinsam haben, die sich wie selbstverständlich mögen, und sich auf Anhieb bestens verstehen, hat man schon einmal eine gewisse Einheit.  Ich habe es dutzende Male erlebt, dass Menschen, die auf diese Weise ausgesucht werden, und sich in sorgfältig neu geformten Teams zum ersten mal trafen, schon nach ein paar Stunden des Zusammenseins zueinander sagten:  „Kennen wir uns nicht von irgendwo her?  Du kommst mir so bekannt vor“.  Sie gingen zusammen essen, trafen sich nach der Arbeit gesellschaftlich,  und, auch das ist interessant, wiesen Mitglieder anderer, ebenfalls homogener, aber anders gearteter, Teams ab.

Heterogene Teams sind das genaue Gegenteil.  Sie haben psychisch wenig gemeinsam.  Sie mögen sich oft nicht.  Es gibt Reibereien.  Sie argumentieren laufend, ohne sich einigen zu können.  Sie streiten, ohne nachzugeben.  In schlimmen Fällen, hassen sie sich.  Mitunter werden sie sogar handgreiflich.  Ich erinnere mich an eine Frau, die sich in ihrem heterogenen Team fortwährend so sehr mit einem männlichen Teammitglied stritt, dass sie ihm eines Tages in einem Wutanfall ein schweres Buch über den Kopf schlug.  Handgreiflichkeiten dieser Art, die von unterschiedlichen psychischen Gesinnungen stammen, kommen im Fußball mit Sicherheit auch vor.

Im Powerfußball werden die Spieler nach dem Typen Check ausgesucht (sehen Sie bitte auch Menschentypen und Spielertypen), in Nordamerika altbewährt, in Europa (fast) unbekannt.

Ein Teamkader zusammenstellen

Im Powerfußball wird der Teamkader von, sagen wir 22 (2 x 11, also zwei Mannschaften, bestens zum Training geeignet) Spielern, sehr sorgfältig ausgesucht.  Die Spieler sind zwischen 17 und 20.  Sie bleiben bis zum Ende ihrer Spielkarriere zusammen, also bis die Spieler um die 35 Jahre alt sind.  Wenn es geht, sollten nur Spieler ausgesucht werden, die, um es übertrieben auszudrücken, aus einem Mutterleib stammen, und einen gemeinsamen Vater haben.  Moderater ausgedrückt, sie sollten aus der gleichen Umgebung, dem gleichen Ort kommen.  Sie sollten also eine Heimmannschaft darstellen.  So war es nach dem Krieg. 

Dann kam der „Fortschritt“.  Man warb Spieler zuerst aus Nachbarvereinen ab, dann aus Vereinen, die aus den verschiedenen geografisch aufgeteilten Ligen kamen, dann aus dem ganzen Land, danach aus Nachbarländern und schließlich aus der ganzen Welt.  Die Annahme ist, dass 11 Stars aus verschiedenen Ländern in eine erstklassige Mannschaft geformt werden können. Wiederum irrt man sich.  Gewaltig sogar.  Die Prämisse ist total falsch.  Elf Stars, aus verschiedensten Ländern zusammengekauft, können niemals, bei Definition, in ein erstklassiges Team zusammenwachsen.  Lesen Sie die Teamliteratur.  Es ist nicht möglich.  Ein „Team“ bedeutet das genaue Gegenteil:  Einheit, nicht Verschiedenheit.  Wie gesagt, am besten aus einem Ei gepellt.
 
Das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall.  Spieler werden für viel Geld aus allen Herren Ländern zusammengekauft.  Ohne Sprachkenntnisse werden sie ein eine Mannschaft hineingezwängt, mit der sie nichts gemeinsam haben.  Sie trachten einzig danach, sich persönlich zu profilieren, damit ihr Vertrag erneuert wird.  Sie nicken viel, obwohl sie nichts verstehen, nicht, weil sie nicht willig sind, sondern weil sie der Sprache nicht Herr sind. 

Wie kann aus diesem spielerischen Mischmasch je ein perfektes Spiel resultieren?  Denken Sie zusätzlich an die Dreier-Taktik und die Rollenfestlegung der einzelnen Spieler.  Man kann nicht viel erwarten.  Und so sieht die Wirklichkeit auch aus.  Langweilige, voraussehbare Spielstrukturen.  Fällt einmal ein Tor, freuen sich die Jungs riesig und klopfen sich mit der Faust gegen die Brust, vor lauter Selbstübereinschätzung.  Es ist kaum zu glauben, dass so ein veraltetes, belangloses, ermüdendes, eintöniges, einschläferndes, flaues, monotones, ereignisloses, geistloses Spiel die Massen mobilisiert.

Brillante Techniker gegen Scharfschützen

Vereinsbosse, Zuschauer und Fernsehmoderatoren lieben und bewundern brillante Techniker.  Sie ergötzen sich an Fähigkeiten wie Fallrückziehern, Dribbelkünstlern,  gekonntes Spiel auf engem Raum, den Gegner ausspielen, etc.  Auf diese Weise beweisen insbesondere Neueinkäufe ihren Kaufwert.  Alle nicken zufrieden, wenn den Neuen selbstverliebt eine gute Schau gelingt.  „Der war die elf Millionen wert“, bestätigen sie übereinstimmend.  Diese irre Ansicht hat weltweite Gültigkeit.  Alle bewundern brillante Techniker.  Ihr Kaufwert ist hoch.

Im Powerfußball sind brillante Techniker nicht gefragt. Sie werden nicht benötigt.  Sie kommen nicht ins Team.  Powerteams bestehen aus Scharfschützen.  Sie nehmen den Ball nur selten an, meist wird er im one-touch weitergespielt.  Ziel ist, auf schnellsten Wege zum Torschuss zu kommen.   Jeder Spieler kann aus 30 oder 40 Meter beidbeinig den Ball so hart aufs Tor knallen, dass dem Torwart Angst und Bange wird.  Die Wahrscheinlichkeit, dass der Schuss in einer der vier Torecken landet ist hoch.  Schließlich hat jeder Spieler diese Fähigkeit in den ersten fünf Jahren seiner Fußballkarriere einige hundert Tausend mal geübt.

Der Ball wird flach gehalten, immer, auch bei Ecken.  Der Ball wird mit großer Wucht über das Spielfeld gedroschen, so schnell und immer überraschend, dass der Gegner oft gar nicht weiß, wo er stehen oder hinlaufen soll.  Der Powerfußball ist daher eine ganz andere Art Fußball zu spielen.  Er hat mit dem gegenwärtigen Spiel wenig zu tun.  In zwanzig Jahren wird man auf heutige Spitzenspiele zurückblicken – und nur milde lächeln.

Fußball wird durch den Kopf gespielt

Wie kann ein Trainer etwas im Kopf der Spieler verändern – Trampelpfade im Gehirn bilden, die später, nach harter Arbeit, zu kleinen Wegen und eventuell, zu Autobahnen werden – wenn er sich nicht mit seinen Spielern verständigen kann?  Er kann den Spielern nichts beibringen!  Es ist nicht möglich, wenn die Spieler den Trainer nicht verstehen, und der Trainer die Spieler nicht.  Über den Inhalt des Trainings wollen wir lieber nicht reden.  Sagen wir nur eines:  ein hoher Prozentsatz des Inhaltes des Fußballtrainings ist unwesentlich und ineffektiv. 

Sie sehen es im jeden Spiel:  kein Spieler kann serienmäßig genaue Pässe schlagen.  Sie haben es nie richtig geübt.  Nicht, dass sie es nicht üben.  Aber das Training ist ineffizient.  Es bringt nicht viel.  Man sieht Spiel für Spiel keine Verbesserung.  Der Fußball wird auf dem Spielplatz geübt, aber nicht im Kopf. Ein Riesenfehler. So können sich keine klaren Rillen im Gehirn bilden, so dass, zum Beispiel, jeder Pass flach, hart und genau auf dem Fuß des Mitspielers landet, oder jeder zweite Torschuss unhaltbar im oberen oder unteren Eck des Tores landet. 

Die Nationalmannschaft würde vom Powerfußball enorm profitieren.  Der Bundestrainer bräuchte die Mannschaft nur kurz vor dem Spieltag einzubeziehen.  Alle Powerfußballspieler, gleich von welchem Team, würden nahtlos, ohne Training, in die Mannschaft passen.  Denn sie alle würden die taktischen Prinzipien, basiert auf Raum und Zeit, längst verinnerlicht haben.  Das Land, das den Powerfußball früh adoptiert, wird den Fußball auf Jahre hinaus weltweit dominieren. Ähnlich ist es in der Bundesliga.  Der SV Klein Kleckersdorf könnte eine Mannschaft „produzieren“, die traditionell Top-Mannschaften auf Dauer von der Spitze drängt.

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