Die Trainerfalle

So wie das System im deutschen Fußball im Moment aufgebaut ist, spielt der Trainer eine magische Rolle. Er verbindet die Vorstellungen und Hoffnungen vom Management, Spielern und Zuschauern. Was für eine Last! Er sitzt in der Mitte, allein, auf dem ungewissen, wackligen Trainingsstuhl. Wenn es nicht läuft und die Mannschaft Spiel um Spiel verliert, wird er zum Sündenbock abgestempelt. Nur er ist verantwortlich. Es kommt nie vor, dass das Managementteam oder die Spieler entlassen werden. Wer geht, ist der Trainer.

Management, Fans und Spieler

Management sagt, er hat unsere Erwartungen nicht erfüllt, daher muss er gehen. Einfach! Dass sie vielleicht den falschen Trainer für die gegebene Mannschaft angeheuert haben, oder dass sie einen Trainer eingestellt haben, der so ist und denkt wie sie, und dass sie daher indirekt die Schuld an den Niederlagen tragen, kommt dem Aufsichtsrat und Vorstand nicht in den Sinn. Das ist ja letzten Endes überall so: Wenn ich den Falschen hole, gehe nicht ich, der den Falschen eingestellt hat, sondern der Falsche. So sind wir Menschen nun einmal. Wir würden nie daran denken, uns selbst die Schuld zuzuschieben. Die Schuldigen sind immer andere. Nur so können wir mit uns selbst leben.

Management leitet den Verein ja eigentlich für die Fans, für die Zuschauer, denn sonst würden sie nicht gebraucht. Also sprechen sie im Grunde für die Fans. Und das klappt ja ganz gut. Wenn die Mannschaft verliert, halten die Fans "Trainer raus!" Transparente hoch. Herrlich. So hat das Managementteam kein Problem. So fühlt sich Management gerechtfertigt, den Trainer zu entlassen, obwohl sie selbst den Fehler gemacht haben, diesen, und nicht den anderen Trainer einzustellen. Das Symptom wird beseitigt, die Ursache bleibt.

Die Spieler spielen oft ohne Hingabe und Feuer, ohne Engagement, weil sie den Trainer nicht mögen. Sie respektieren ihn nicht, er befiehlt sie herum, er stellt sie nicht auf, sein Trainingsprogramm ist zu hart, zu lasch oder zu unbefriedigend. Sie kommen mit ihm als Mensch nicht zurecht, sie bemängeln seine taktischen Pläne, erkennen sein Unwissen oder seine Unfähigkeit - es gibt viele, sehr viele Gründe, weshalb ein Trainer bei den Spielern unbeliebt ist. Weil die Spieler zwar am meisten verdienen, aber keine direkte Power über den Trainer (oder den Verein) haben, lassen sie ihren Unmut in passiver Resistanze aus: sie strengen sich nicht an, spielen lasch und verlieren. So zeigen sie ihre indirekte Power über den Trainer und den Verein. Werft ihn raus und wir werden besser spielen, ist ihre Message an Management.

Erfahrung

Fast alle Bundesligatrainer haben Erfahrung. Erfahrung wird nach der Anzahl von Bundesligaspielen gemessen, die sie vor ihrer Trainerlaufbahn absolviert haben. Denn wenn ein Spieler 300 mal in der Bundesliga gespielt hat, sollte er ja ein toller Trainer sein. Das ist die irrsinnige Annahme. Wenn er 300 mal als rechter Verteidiger gespielt hat, sollte er sich ja auf dem Trainerposten bestens auskennen. Denkt man.. Wenn er so oft gespielt hat, sollte er ja auch gute Menschenkenntnisse haben, einen Teamgeist erzeugen können, bestes taktisches Verhalten haben und einem Stürmer sagen können, wie man Tore schießt. Was für eine unsinnige Annahme.

Sie sehen selbst, dass diese Ansicht irrsinnig und unlogisch ist. Erstens lernen nur wenige Menschen von der Erfahrung. Die meisten duplizieren nur, was sie schon vorher gemacht haben. Aber lernen tun sie wenig, oder gar nichts. Sie können das selbst beobachten. Wie viele Spieler verbessern sich mit den Jahren? Sehr, sehr wenige. Die meisten Spieler schwanken in ihren Leistungen. Zweitens besteht keine Verbindung zwischen Erfahrung als Verteidiger und den benötigten Qualifikationen eines Trainers. Es gibt da überhaupt keine Verbindung. Woher sollte ein rechter Verteidiger Menschenkenntnisse erwerben, außer denen, die er schon hatte, bevor er in zum Verein kam? Woher sollte er Teamdynamik lehren können, obwohl er sie vielleicht in seiner Karriere vage erfahren hat? Woher sollte er all die anderen tausend Dinge wissen, die ein Trainer braucht, um effektiv zu sein? Doch nicht in den kurzfristigen Trainerkursen. Die führen zu einem Schein, sind aber wenig nützlich.

Sinn und Irrsinn

Es ist also ein Irrtum, eine Fehleinschätzung, ein Fehlurteil, verdiente Spieler ohne langjährige Ausbildung zu Trainern machen zu wollen. Einige haben zweifellos Ansätze, gute Trainer zu werden. Sie können nach drei oder vierjähriger Ausbildung zu guten Trainern heranreifen. Aber jemanden einmal kurz zu einer Sporthochschule zu schicken und dann auf die Trainerbank zu setzen, ist total irrsinnig. Dieser Irrsinn durchdringt das Fußballgeschäft nicht nur in Deutschland. Dieser Denkfehler ist dafür verantwortlich, dass sich der Fußball in den letzten Jahrzehnten weltweit nicht verbessert hat. Man kann sogar argumentieren, dass er sich verschlechtert hat. Die Trainer wissen nicht viel, die Spieler schon gar nicht. So zottelt das Fußballgeschehen so dahin. Keiner scheint es zu merken, denn es war ja immer schon so. Die Lernkurve ist flach. Die gleichen Trainer spielen Karussell. Was soll man sonst auch machen? Dieser Vorgang erinnert uns an das politische Spektrum. Dort geht es ähnlich zu.

Ein guter Trainer ist ein außergewöhnlicher Mensch. Ist er als Mensch nicht außergewöhnlich, kann er kein außergewöhnlicher Trainer werden. Einen guten Trainer findet man weitaus seltener als einen guten Spieler. Wenn Sie den Mut und die Ausdauer haben, diese Website ganz durchzulesen, werden Sie ein Gefühl, eine Ahnung bekommen, wie so ein Trainer als Mensch sein sollte und was er wissen müsste. Ein guter Trainer ist so selten, wie ein guter Lehrer und ein guter Führer, zwei Qualitäten, die auch er haben muss. Wo findet man ihn? Kann er aus dem mittelmäßigen deutschen Fußball- und Erziehungssystem emporsteigen, wie ein Phoenix aus der Asche? Kaum.

Powerfußball

Was ist die Antwort? Seine Rolle drastisch zu beschneiden. Die Verantwortung von ihm auf die Spieler zu verteilen. Ihm beizubringen, wie man delegiert und wie man das Wissen aller Spieler aktiviert und auf den Fußball fokussiert. Die Hälfte des Trainings sollte aus vorgeschriebenen Einzeltraining bestehen (sehen Sie bitte Powertraining, Eine neue Trainingsformel - das NAVA System; und Das Wesentliche im Powerfußball). Diese Art zu trainieren garantiert eine sichtbare Verbesserung der technischen Fähigkeiten eines Spielers.

Die Powertaktik können Spieler und Trainer zusammen lernen (sehen Sie bitte Wie man Powertaktik übt). Es gibt Angriff- und Verteidigungsprinzipien und Bewegungsregeln, die leicht zu lernen sind und eine optimale Lösung darstellen, das gegenwärtige taktische Dilemma zu ersetzen. Auch die Teamwork, die wohl am schwierigsten zu lernen ist, kann gemeinsam durch verschiedene Übungen (Sehen Sie bitte Teamwork: Übungen) internalisiert werden. Der Trainer braucht nur mitzumachen, es gibt wenig zu lehren.

Selbst beim Erlernen der anderen hundert verschiedenen Verhaltungsweisen, im Seminarraum erlernt, braucht der Trainer nur ein Teilnehmer zu sein (Sehen Sie bitte Kopfarbeit). Die Spieler können die Seminare selbst leiten, den Text selbst lesen und die Themen selbst diskutieren (Sehen Sie bitte auch Diskussionsthemen - Einführung).

Im Großen und Ganzen verteilt sich so die Last des Lernens zu zwei Drittel auf die Spieler. Der Trainer leitet nur hier und da mit sanfter Hand, stellt Fragen, und hilft den Spielern Antworten zu finden. Er wird noch nicht einmal mehr auf der Bank gebraucht, denn alles wird vor dem Spiel gemeinsam abgesprochen und entschieden. Denn Fußball ist Teamsport. Nicht ein anderer, einer der gar nicht mitspielt, der Trainer, bestimmt wo es lang geht, sondern die Aktivisten selber. Denn es sind die Spieler, die in einem Spiel Hunderte von optimalen Entscheidungen treffen müssen. Nicht der Trainer. Daher die neue Rollenverteilung.

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