Der Wir Verein

Die Organisation, die ein Wir Gefühl erzeugen kann, hat einen großen Vorteil. Dies trifft besonders auf Fußballvereine zu. Ohne ein Wir Gefühl können Spieler, Trainer und Vorstand nicht gut zusammenarbeiten. Im Fußball sind Menschenkenntnis und Menschenverständnis unerlässlich. Es gibt im Spiel nichts Sachliches, außer dem Ball.

Es ist leider äußerst schwer, ein Wir Gefühl zu erzeugen. Nur sehr wenige Clubs schaffen es. Sie finden Wir Clubs vereinzelt in amerikanischen Profi-Clubs, aber nicht im Fußball. Wäre ein deutscher Verein fähig ein Wir Gefühl zu erzeugen, und könnte er dieses Gefühl noch mit dem Prinzip des Powerfußballs verbinden, würde dieser Verein zu einer Macht im deutschen Fußball werden, auch wenn er jetzt noch in der dritten Liga spielt. Der Wir-Verein ist die Basis des Powerfußballs. Was folgt ist eine kurze Beschreibung eines Wir Vereins.

Aufsichtsrat

Stellen Sie sich eine umgedrehte Pyramide vor. Die Spitze ist also unten. Ganz unten, auf dem spitzesten Punkt, balanciert der Vorsitzende des Aufsichtsrats den Verein. Er ist dabei unterstützt von seinen Kollegen, den Mitgliedern des Aufsichtsrats. Sie alle haben nur zwei Ziele. Erstens, den Verein durch vorsichtiges und sorgfältiges Jonglieren am Leben zu erhalten, also den Forbestand und das Überleben der Organisation zu gewährleisten. Zweitens, im Verein ein Klima zu erzeugen, in dem alle nicht nur gedeihen können, sondern auch ihr Potential erreichen und erweitern können.

Dieser Aufsichtsrat wird von anderen als weise, klug und einsichtsvoll angesehen werden. Er hätte das Vertrauen des ganzen Vereins. Der Rat spräche mit einer, immer positiven Stimme. Auch wenn er Kritik übt, ist die Kritik immer konstruktiv und richtungsweisend. Der Rat ist das Rückgrad des Vereins. Durch seine vernünftigen und gut durchdachten Überlegungen überlebt der Verein nicht nur, sondern erzielt Vorteile gegenüber anderen Vereinen. Der Rat ist ein Vorbild für den Rest des Vereins. Er ist hoch respektiert und ein wichtiger, vorwärtsschauender Bestandteil des Vereins. Der Rat bestimmt den Ton im Verein und führt durch Beispiel: durch Teamarbeit und Teamgeist, die gleichen Charakterzüge, die vom Vorstand, vom Trainerteam und von der Mannschaft erwartet werden. Aufsichtsratmitglieder benutzen das Wort "Wir", selten das "Ich".

Vorstand

Über dem Aufsichtsrat - wir reden immer noch von der auf den Kopf gestellten Pyramide - agiert der Vorstand. Im Gegensatz zum Aufsichtsrat, der sich regelmäßig, also nicht täglich trifft, leitet der Vorstand die täglichen Geschäfte. Der Vorstand handelt nach Grundsätzen, Kerngedanken und Richtschnüren, die vom Aufsichtsrat vorgegeben sind. Sie reflektieren die Gedanken und Vorstellungen des Rats, bezüglich der Mission des Vereins. Sie versuchen laufend, dem Verein durch schnelle Einführung innovativer Praktiken und Methoden und kluger Personal- und Spielerentscheidungen einen Vorteil zu geben. Ihr Führungsstil ist von hoher Beteiligung geprägt, im vollen Bewusstsein, dass ein autokratischer, Hierarchie-orientierter Führungsstil in einer Menschen-orientierten, auf Teamarbeit angewiesenen Organisation total unangebracht ist. Selbstkontrolle, Selbstmanagement und Selbstverantwortung sind die Norm. Der Vorstand hört auf Trainer und Spieler, kommuniziert täglich mit ihnen und kümmert sich um jeden Einzelnen. Der Managementstil und der Entscheidungsprozess sind, wie der Führungsstil, partizipativ. Wie der Aufsichtsrat, handeln sie nach dem "Wir" Prinzip. Auch hier wird das Wort "Ich" vermieden.

So wie der Vorstand vom Aufsichtsrat unterstützt wird, ist es die Hauptaufgabe des Vorstands, Trainer und Spieler zu unterstützen, damit diese ihr Potential nicht nur erreichen, sondern dehnen können und so dem Verein Ehre tun. Der Vorstand hat ein ausgezeichnetes Verhältnis zum Trainer, seinem Stab und zu den Spielern. Die Vorstandsmitglieder setzen hiermit das Klima innerhalb des operativen Teils des Vereins. Offenheit, Ehrlichkeit und gegenseitiger Respekt kennzeichnet ihr Benehmen. Sie ermöglichen, öffnen und ebnen Wege. Wie die Mannschaft, der sie dienen, planen, kontrollieren und verbessern auch sie Menschen und Dinge durch Teamarbeit - und ernten so die Vorteile einer weitverbreiteten Entscheidungsbeteiligung: hohe Selbstverantwortung, innere Motivation, uneingeschränkte Verpflichtung und konzentrierte Zielbestrebung.

Trainer

Über dem Vorstand steht in unserer umgedrehten Pyramide der Trainer und seine Assistenten. Der Trainer hat das feste Vertrauen und die volle Unterstützung des Vorstands. Er kommuniziert täglich mit dem Vorstand, teilt seine Meinungen und äußert seine Besorgnisse. Trainer und Fazilitator sind der Dreh- und Angelpunkt des Vereins, denn beide moderieren zwischen Vorstand und Spielern. Wenn der Trainer kein Wir Gefühl hat, können der Verein und die Spieler es auch nicht haben. Bei den Spielern drückt sich das Wir Gefühl als Teamgeist aus. Kann ein Trainer oder Fazilitator das Wir Gefühl lernen, wenn er es nicht hat? Ja, aber es ist ein beschwerlicher Prozess. Es ist schwierig, ein Ich Gefühl in ein Wir Gefühl umzuwandeln. So wird der Trainer oft zum wunden Punkt des Vereins. Wenn ihnen das Wir Gefühl fehlt, wird die Mannschaft nicht als Einheit spielen können. Auch werden die Spieler ihr Potential nicht erreichen und schon gar nicht hinaufschieben können. Der Trainer ist also der Dreh- und Angelpunkt des Vereins, obwohl er gar nicht an der Spitze steht.

Wenn Aufsichtsrat und Vorstand kein Wir Gefühl haben, sondern ein Sortiment zerstrittener Ichs sind, werden sie auch ihr eigenes Abbild, einen Ich Trainer und Fazilitator anheuern, denn Wir Trainer wären ihnen fremd und als zu weich und daher verdächtig erscheinen. Entscheiden sie sich so für einen Ich Trainer, kann der Verein keine großen Erfolge erreichen, denn ohne gute Teamarbeit (das ja, welches das Wir Gefühl beinhaltet) kann die Mannschaft nie das sein, was sie sein könnte. Es ist also wichtig, dass alle Schichten des Vereins das Wir Gefühl befürworten und es zur Vereinskultur erheben. Denn Fußball ist ein Mannschaftsport, kein Einzelsport. Einzeln denkende mit großem Ego haben im Fußball nichts zu suchen.

Spieler

Ganz oben, auf dem flachen Teil der Pyramide, weit ausgebreitet, stehen die Spieler, der raison d'etre des Vereins. Mögen sie kommen oder gehen, sie sind das Kapital des Vereins. Um ihr Bestes geben zu können, müssen die Spieler sich im Verein sicher und wohl fühlen. Sie müssen wissen und spüren, dass Aufsichtsrat, Vorstand und Trainer voll hinter ihnen stehen, sie voll unterstützen. Die Spieler erwerben so ein gesundes Selbstvertrauen. Sie können dann befreit, stimuliert und voller Energie aufspielen. Auch Niederlagen erschüttern ihren Glauben an sich selbst, an ihr Team und an den Verein nicht. Sie kommen bestens miteinander aus, denn Sie wissen, dass nur die Mannschaft, nicht der Einzelne, Spiele gewinnen kann. So spielen sie für die Mannschaft und heben sich selbst nicht hervor. Sie ermutigen, unterstützen und respektieren einander. Sie kommunizieren viel und haben ein ausgeprägtes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die guten Spieler in der Mannschaft wissen, dass sie nur zu Stars werden können, wenn sie ihren Mitspielern helfen, sich selbst zu verbessern - denn nur so können auch sie sich verbessern. Der Erfolg kommt in hohem Grade durch Teamarbeit und durch ihre Commitment zum Powerfußball. Die Spieler wissen auch, dass sie davon profitieren, wenn sie sich weniger mit sich selbst und mehr mit dem Wir befassen. Je mehr positiv-eingestellte Führungsspieler der Verein hat, die an das Wir und nicht das Ich glauben, desto erfolgreicher wird die Mannschaft spielen.

Um Früchte zu tragen, muss das Wir Gefühl den Verein durchdringen. Der Aufsichtsrat, als untere Spitze des Vereins, ist für die Strömung des Wir Gefühls nach oben verantwortlich, denn wählt den Vorstand, der den passenden Trainer und die passenden Spieler aussucht. Wenn der Verein auf diese Weise von unten bis oben zielbewusst und mit einer von allen Mitgliedern geteilten Philosophie - gekoppelt mit einem tief verinnerlichten Verstehen des Powerfußballs - zusammenarbeitet, wird er erfolgreich sein. Ist er das nicht, wird der Erfolg dem Zufall und der Schwäche der Konkurrenz überlassen.