Drittäugig sehen

Der Spieler hat den Blick auf den Ball gerichtet, er schießt und der Ball landet beim Gegner. Der Spieler springt dem Eckball entgegen, trifft den Ball voll, schießt aber direkt auf den Torwart. Der Spieler schießt einen Elfmeter genau in die Ecke, in die der Torwart sich wirft. Einzelfälle? Kaum. Vermeidbar? Ja! Lernen, drittäugig zu sehen, gehört zum Powerfußball. Die Fähigkeit drittäugig zu sehen ist relativ leicht zu erlernen.

Ein drittes Auge entwickeln

Sie können sich angewöhnen, immer zu wissen, wie sich Mitspieler oder Gegenspieler bewegen. Wie? Indem Sie laufend blitzschnell hochgucken, obwohl Sie sich auf den Ball konzentrieren, den sie gerade vor sich herdribbeln. Oder indem Sie aus den Augenwinkeln spähen, obwohl Sie den Kopf nicht bewegen. Oder indem Sie unter den Augenwimpern hervorschauen, ohne den Anschein zu geben, dass Sie hochsehen. Oder indem Sie Ihren sechsten Sinn einsetzen, der für Sie sieht, vorausgesetzt, Ihnen ist dieser Sinn gegeben. Oder indem Sie sich angewöhnen, alle drei bis fünf Sekunden hoch- und umzusehen. Diese Art zu sehen ist eine Angewohnheit, die Sie sich leicht zu eigen machen können und die Ihnen große Vorteile bringt. Machen Sie es für eine Weile bewusst. Später machen Sie es automatisch.

Diese Art zu sehen ist fast so, als ob Sie in drittes Auge hätten, das nicht bei der normalen Sache ist (das können die zwei normalen Augen machen), sondern umherschweift und Ihnen mitteilt, was sonst noch auf dem Spielfeld vorgeht. Mit diesem Auge sehen Sie all das, was Sie sonst nicht sehen würden. Es ist ein wanderndes, peripherisches Auge. Es sieht nicht nur, wo Spieler stehen, es sieht auch, wie sie sich bewegen. So können Sie sich fast ausrechnen, ob Ihr hart und genau geschlagener Pass ankommen oder abgefangen wird. Sie können so auch Lücken und Öffnungen entdecken, um zum Beispiel Steilpässe zu schlagen. Auch sehen Sie, wenn der Gegner falsch steht, also nicht gut deckt. Das macht Sie effektiv und gefährlich. Es macht Sie auch begehrt.

Aufs Tor schießen

Am wichtigsten ist ein drittes Auge beim Torschuss. Denken Sie einmal an den Elfmeter. Sie laufen an, sehen mit den normalen Augen auf den Ball, aber mit dem dritten Auge auf den Torwart, so von unten heraus, oder vom Rande her, oder durch blitzschnelles Hochsehen, oder durch Intuition. Wenn Ihr Fuß dann den Ball berührt, eine hunderstel Sekunde vorher, wissen Sie, wo Sie hinschießen müssen, denn Sie haben mit Ihrem dritten Auge gesehen, wie der Torwart steht und, noch wichtiger, wohin er sich bewegt. Denn der Torwart sieht auf Ihre Füße und Ihre Körperhaltung, um zu erahnen, wo Sie den Ball hinschlagen werden. Sie können ihn also leicht täuschen, indem Sie vorher eine Richtung angeben - oft indem Sie vorgeben dorthin zu sehen, wo der Ball hingehen wird - sie aber im allerletzten Moment ändern, nachdem der Torwart seine Entscheidung getroffen hat. Wenn Sie so lernen zu denken und zu sehen, schießen Sie nie auf den Torwart, sondern immer in die entgegengesetzte Richtung, also gegen die Bewegung des Torwarts.

Bei Freistößen ist es ähnlich. Sind Sie in Tornähe, konzentrieren Sie sich angeblich auf den Ball: ihn richtig hinzulegen, langsam zurückzutreten ohne den Blick zu heben, dann anzulaufen und zu schießen, scheinbar blind, ohne zu sehen, wo Sie hinschießen. Aber mit Ihrem dritten Auge sind Sie bestens informiert und wissen, wer wo steht, insbesondere der Torwart. Bildet sich eine Mauer, sehen Sie nicht nur die Schwachpunkte in der Mauer - durch die Augenlider, sozusagen - sondern auch das Verhalten des Torwarts. Sie optimieren den Pfad des Balles, indem Sie den Schwachpunkt in der Mauer nutzen, der mit dem falschen Standbein des Torwarts übereinstimmt. So schießen Sie dorthin, wo der Torwart nicht steht, oder in die entgegengesetzte Richtung von der, wo er gerade hineilt. Das Gleiche gilt auch für Freistöße und Eckbälle, die Sie in den 16 Meterraum schießen. Durch die Information, die Ihr drittes Auge vermittelt, schießen Sie dahin, wo der Gegenspieler (das schließt den Torwart ein) entweder nicht steht, auf dem falschen Fuß steht, in Unterzahl ist oder unabsichtlich eine Lücke gelassen hat.

Im Powerfußball sehen Sie so, und Ihre Kameraden sehen auch so. Nur der Gegner nicht, wenn er noch traditionellen Fußball spielt. Das dritte Auge ist fast wie eine Geheimsprache. So können Sie den Gegner meistens überraschen, denn er erwartet nicht, was Sie tun werden, weil er denkt, Sie hätten die Lage nicht übersehen. So wird er leichtsinnig und unkonzentriert. Ihre Kameraden wissen aber, dass Sie genau wissen, was vorgeht. Sie werden nicht überrascht sein, sondern richtig reagieren, zum Beispiel auf Abpraller lauern. So haben Sie laufend einen Vorteil.

Die sind nur zwei Beispiele, wo das dritte Auge von Nutzen ist. Wenden Sie die Vorteile, die ein drittes Auge bringt, aber auf das ganze Spielgeschehen an, insbesondere auf die Taktik. So sind Sie immer bestens informiert.

[zurück]