Transformierendes Training

Wenn Sie als Trainer wirklich Impact auf Ihre Spieler haben wollen, müssen Sie Ihre Positions-Power, die mit dem traditionellen Trainer-Amt kommt, aufgeben.  Empfinden Sie das als eine Zumutung?  Wohl.  Nur, wenn Sie ein herausragender Trainer sein wollen, muss Power, Macht, mit den Spielern geteilt werden.  Die Spieler sollten im Vordergrund stehen, Sie im Hintergrund.  Sie müssen also die gesamte Power, die mit der Trainer Position kommt, auf die Spieler transferieren.  Sie behalten aber Ihre persönliche Power – Ihre aus Wissen über Zeit geformte Weisheit und Ihre Erfahrung.  Nur zwingen Sie den Spielern nicht Ihren Willen auf.  Sie befürworten, dass alle Spieler kontrollierte Entscheidungen für alle Aspekte des Spiels haben, basiert auf gleiche Möglichkeiten zur Mitbestimmung des Spielgeschehens. 

Sie bauen also ein Trainingsklima auf, in dem alle Spieler alle Entscheidungen treffen.  Sie sind einer von vielen.  Ihre Stimme zählt, aber sie ist nur eine Stimme.  Sie und die Spieler sind gleichberechtigt.  In anderen Worten, Sie als Trainer suchen, wollen oder brauchen keine Machtansprüche über Ihre Spieler.  Das wird Ihnen schwer fallen, denn Fußballtrainer in der ganzen Welt machen es anders:  sie haben und behalten die Macht.  Wissen Sie eigentlich, wie viel Macht sie über Spieler haben?  Werden Sie sich Ihrer Macht bewusst.  Machen Sie eine Liste und analysieren Sie die Power Ihrer Position. 

Wenn alle, Sie und die Spieler, gleiche Partizipations-Möglichkeiten haben, steuert jeder zu Problem Lösungen bei.  Das bedeutet, dass alle sich mit der Lösung identifizieren können, da sie ja vehement für ihre Position argumentieren konnten.

Ein Beispiel

Haben Sie einen Kader von 22 Spielern und ein zu lösendes Problem („Wie sollten wir uns gegenüber dem Schiedsrichter verhalten?“), könnten sie die Spieler in vier (wohl heterogene Gruppen) aufteilen.  Sie als Trainer können Mitglied einer Gruppe sein, oder sich nacheinander zu allen vier Gruppen setzen.   Die Gruppen diskutieren das Thema und suchen nach Verhaltungsregeln.  Wenn auch die letzte Gruppe ihre Überlegungen abgeschlossen hat und sie auf Zeitungsdruckpapier aufgeschrieben und an der Want befestigt hat, trägt jede Gruppe durch einen Sprecher ihre Ansichten dar.  Der Sprecher der zweiten, dann der dritten und vierten Gruppe tut ein Ähnliches, nur betont er neue Punkte, die vorher noch nicht aufgekommen sind.

Der Trainer, ich nenne ihn Fazilitator, sammelt die Papiere ein, summiert die Überlegungen der Gruppen, und druckt 23 Kopien aus.  Zu Beginn des nächsten Seminars erhält dann jeder Spieler eine Kopie, die in sein „Fußballbuch“ eingeheftet wird, nachdem die Ergebnisse noch kurz aufgelistet wurden.  Periodisch werden all zusammengetragenen Lösungen zu den verschiedensten Problemen von der ganzen Gruppe wieder ins Gedächtnis gerufen.  Gibt es zu diesem Zeitpunkt neue Einsichten, werden diese hinzugefügt.

Kritische Selbst-Reflexion 

Haben Sie als Trainer ein Trainings-Klima, und Idealerweise dazu noch ein Vereins-Klima etabliert, in dem Spieler, wohl der wichtigste Teil eines Fußballvereins, ermächtigt sind ihre eigenen Entscheidungen über alle Aspekte des Spiels zu treffen, sollten Sie Spieler zusätzlich noch zur kritischen Selbst Reflexion stimulieren.

[zurück]