Ins Kino gehen

Physikalisches Training, gefolgt vom psychologischen Training, ist wirksames Training. Nur auf dem Platz zu trainieren, hat bedingten Erfolg.  Nur etwas im Kopf zu trainieren, ohne praktische Anwendung, ist sinnlos.  Aber wenn eine das andere unterstützt, kann das Training hohe Wirkung haben.

Wie beeinflusst der Verstand den Körper?  Das zentrale Nervensystem macht keinen Unterschied zwischen realen und eingebildeten Vorgängen.  Wenn Sie im Kopf perfekte Elfmeter schießen, reagiert das zentrale Nervensystem, also die Zellen in diesem System, als ob Sie die Tore in Wirklichkeit schießen.  Daher können klare mentale Vorstellungen von körperlichen Bewegungen als Training angesehen werden.  Wenn Sie tausend Elfmeter im Kopf schießen, ist es kein großer Sprung zur Wirklichkeit.  Der Körper kennt die Sache, der Blaupause ist da, die Zellen sind programmiert.  Kopf und Körper wissen, was zu erwarten und zu tun ist, denn sie haben es ja schon tausend Mal gemacht.  Vorstellungen können sogar feine Muskelzusammenziehungen hervorbringen, die ein Spiegelbild dessen sind, was man sich vorstellt.  Je besser die Vorstellung also, desto erfolgreicher wird der Spieler die Übungen auf dem Platz realisieren können.

Anwendung

Viele Top Athleten trainieren seit Jahrzehnten "im Kopf".  Im Fußball scheint diese Art Training weniger verbreitet.  Aber die Implikationen sind enorm!  Man kann damit in kürzester Zeit ein enormes Trainingsprogramm absolvieren!   (sehen Sie bitte auch Eine neue Trainingsformel – das NAVA System).  Zum Beispiel, kann man Eckbälle, Körperwendungen oder Raumdeckung üben.  Tausendmal, in kurzer Zeit.  Jack Nicklaus nennt es "ins Kino gehen", ein guter Ausdruck.  Nicklaus sitzt 50% der Trainingszeit im Kino. Tiger Woods auch.  Armstrong, der Ullrich Bezwinger, auch.  Die Liste ist endlos.

Was auf dem Platz trainiert wird, ist dann nur eine Andeutung.  Das richtige Training findet im Kopf statt.  Von hochbezahlten Profis kann man verlangen, dass sie vom Fußball träumen, ihn immer im Kopf haben.  Aber gezielt im Kopf.  Eine Übung nach der anderen.  Immer wieder, bis das Vorgestellte perfekt läuft.  Dann auf dem Platz ausprobieren.  Wenn es nicht gut klappt, andere Spieler studieren und sie imitieren.  Dann weiter im Kopf trainieren, bis man herrlich schießen, köpfen, passen oder in Position laufen kann.  Body-Mind (Körper-Kopf) Koordination nennt man es im Amerikanischen, das körperliche mit dem mentalen verbinden, bis beide eins, automatisch werden.

Das Reale und das Unreale

Finden Sie im Kino Wirklichkeit?  Was Sie auf der Leinwand sehen, ist zwar wirklich, aber die Handlung ist unecht, gespielt.  Und doch hinterlassen Filme oft einen großen Eindruck.  Das Gespielte wird fast zur Wirklichkeit.  Es bewegt und beeinflusst uns.  Wenn Sie im Kopf trainieren, ist es ein ähnlicher Vorgang.  Sie liegen im Bett und gehen in ihr eigenes Kino.  In der ersten Szene schießen sie Elfmeter.  Jeder Schuss täuscht den Torwart und landet im Netz.  In der zweiten Szene schießen Sie Strafstöße.  Ihr erster Schuss streift die Haare eines der Spieler in der Mauer, biegt sich gerade rechtzeitig und senkt sich ins lange obere Eck.  So schreiben Sie ihr eigenes Drehbuch, dass sie täglich immer wieder abspielen. 

Für Außenstehende ist dieses Training total unreal.  Stellen Sie sich vor, sie absolvieren dieses Training auf dem Platz, und ein paar tausend Zuschauer kommen um zuzusehen.  Da stehen, sitzen oder liegen Sie und Ihre Kameraden – und nichts passiert.  Die Zuschauer werden enttäuscht wieder nach Hause gehen, obwohl jeder Spieler ein enormes Trainingspensum abgeschlossen hat.  Für  Sie war das Training total real, denn es spielte sich eingehendst vor ihrer inneren Leinwand ab.  Das interne Training ist eine seltsame Art zu trainieren.  Es ist gewöhnungsbedürftig.  Es wird Ihnen so vorkommen, als ob Sie nichts tun.  Nur beim Platztraining und im Wettspiel werden Sie erkennen können, ob es Fortschritte gegeben hat.  Sie müssen also Vertrauen haben, dürfen sich nicht entmutigen lassen. 

Fabrizieren Sie sich eine große, schöne innere Leinwand.  Stellen Sie diese in Ihrem Kino auf.  Benutzen Sie einen erstklassigen Projektor.  Spielen Sie dann Ihr Trainingspensum ab.

 

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