Bildliche Vorstellungen erzeugen

Zu lernen, sich geistig etwas vorstellen zu können, ist beim Fußballspielen äußerst wichtig. Wenn Sie nicht visualisieren können, spielen Sie nur mit halber Kraft und können Ihr Potential nie erreichen und rausschieben.

Sich bildlich etwas vorzustellen heißt, dass Sie in Ihrem Kopf Bilder hervorzaubern, entstehen lassen können. Wenn Sie heute zum Beispiel Elfmeterschießen geübt haben, können Sie jetzt die Augen schließen und weitere Elfmeter im Kopf schießen. Oder Sie stellen sich vor, wie das nächste Spiel ablaufen soll. Sich Vorstellungen zu machen ist ein natürlicher Prozess, und was Sie da sehen und tun, beeinflusst Ihr Handeln und Ihre Denkweise auf dem Spielplatz.

Wie visualisiert man?

Ihr zentrales Nervensystem, ja Ihre Zellen, unterscheiden nicht zwischen wirklichen und vorgestellten Ereignissen. Sie akzeptieren Ihre Vorstellungen, als ob sie Wirklichkeit sind. Auf das Training angewendet heißt das, dass Sie im Kopf viel schneller trainieren können als auf dem Platz. Ein großer Teil Ihres Training muss daher in Ihrem Kopf stattfinden. Was Sie auf dem Platz zehnmal üben, können Sie im Kopf hundertmal üben. Anders ausgedrückt, Sie können zwei ein halb Monate Trainingsarbeit in einer Woche absolvieren. Noch anders ausgedrückt, Sie können zehnmal (oder mehr als zehnmal) so viel trainieren wie Spieler, die nicht mental trainieren. Das gibt Ihnen und Ihren Mitspielern dem Gegner gegenüber einen riesigen Vorteil.

Was geht in unserem Kopf vor, wenn wir uns bildliche Vorstellungen machen? Unser Gehirn hat zwei Hemisphären. Wir benutzen beide, laufend. Die linke Hälfte ist unser Logik und Analysen Center; es ist verbal, benutzt Worte, verbindet uns mit der Welt. Visualisieren tun wir aber mit der rechten Hälfte. Dort sitzt die Imagination, die in Bildern arbeitet. Wenn Sie Bilder herstellen und mit ihnen arbeiten, verbinden Sie die beiden Hemisphären. So ist das Gehirn voll eingeschaltet, um Sie erfolgreich zu machen.

Je klarer die Bilder sind, die Sie sich vorstellen, desto heller glitzern die Nervenpfade vom Bild zu Ihren Muskeln und Zellen. So widerspiegelt die elektrische Aktivität in den Muskeln die Wirklichkeit. Es ist, als ob die Muskeln üben, trainieren, sich auf den Ernstfall vorbereiten. Sie konditionieren Ihr Gehirn, Ihr Nervensystem, Ihren Körper und Ihre Zellen, etwas so auszuführen, wie Sie es sich vorstellen. So erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, diese bildliche Vorstellungen in der Praxis zu wiederholen.

Ein kleines Experiment

Sie glauben es immer noch nicht? Versuchen Sie es einmal:

Entspannen Sie sich. Machen Sie die Augen zu. Stellen Sie sich eine frische, saftige Zitrone vor. Schneiden Sie ein großes Stück davon ab, und stecken Sie es sich in den Mund. Kauen Sie das Stück Zitrone gut durch, so dass Ihr ganzer Mund voll Saft ist. Fühlen Sie, wie sich Ihr Mund zusammenzieht und mit Speichel anfüllt?

Man kann sagen, dass das Geschehen auf dem Platz das Resultat der inneren, bildlichen Vorstellungen ist, die alle Spieler mit sich herumtragen. Wenn Ihnen ein Bild vor Augen flackert, dass Ihr nächster Pass nicht ankommt, kommt er auch nicht an. Wenn Sie sich nicht vorstellen können, wie der Elfer ins Tor gehen soll, geht er auch nicht hinein. Je mehr negative Vorstellungen Sie mit sich tragen, desto ängstlicher und wütender werden Sie, denn es wird Ihnen nicht viel gelingen. Wenn Ihr Kopf aber voller Erfolgsbilder ist, werden Sie erfolgreich sein. Sie spüren den Erfolg fast. Sie sind innerlich ruhig, voll Vertrauen auf Ihre eigenen Stärken und äußerlich entspannt.

Mit offenen Augen träumen

Träumen Sie vom nächsten Spiel. Stellen Sie sich vor, dass alles bestens läuft. Sehen Sie sich selber spielen: locker, elegant, ohne große Anstrengung, leichtfüßig, kontrolliert. Fühlen Sie, wie diese Gedankengänge Sie entspannen, und Ihnen die Angst vor dem nächsten Spiel nehmen?

Der Golfer Jack Nicklaus schrieb, dass er vor jedem Schlag klare, scharfumrissene Vorstellungen hat: "Erst sehe ich, wo der Ball landen soll, sanft und weich, auf grünem Rasen. Dann wechselt die Szene plötzlich und ich sehe, wie der Ball dort hinfliegt: wo er lang geht, wie er erst steigt und sich dann senkt und wie er dann aufprallt. Dann ist nichts. Die nächste Szene zeigt mir, wie ich schwingen muss, damit das vorherige Bild Wirklichkeit wird." Nicklaus ist nicht der einzige Sportler, der mit bildlichen Vorstellungen arbeitet. Beim Golfspiel ist es fast die Norm, jedenfalls für die Profis. Man kann sogar sagen, dass Sportler, die nicht mit bildlichen Vorstellungen arbeiten, keine richtigen Spitzensportler sind, denn Sie schöpfen Ihr Potential nicht aus und können so nie das werden, was sie sein könnten. Das ist im Fußball der Fall. Man kann daher sagen, dass der Fußball noch in einem elementaren, primitiven Zustand ist. Es gibt große Verbesserungsmöglichkeiten.

Bildliche Vorstellungen sind keine Magie. Sie sind eine Fähigkeit, die man lernen kann. Wenn Sie es regelmäßig üben, werden Sie Ihr Potential nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Es ist wie eine Probe, wie ein Drehbuch: Sie wissen dann, was im Spiel geschehen wird. Sie wissen, wie Sie sich zu benehmen haben. Während des Spiels haben Sie das Gefühl, was passiert schon einmal erlebt zu haben, so leicht und familiär ist alles. Auch kommen negative Gedanken nicht auf, die zu Fehlern führen können.

Trainieren Sie täglich durch bildlichen Vorstellungen. Studien zeigen, dass außergewöhnliche Athleten beide Fähigkeiten täglich üben: mentale und physische. Machen Sie es sich zur Gewohnheit. Früh am Morgen und spät am Abend sind gute Zeiten. Morgens, wenn Sie aufwachen, stellen Sie sich den Tag vor, wie er sich entwickeln sollte. Dann vergleichen Sie abends, ob Ihre Vorstellung der Wirklichkeit nahe kam. Anfänglich werden Vorstellung und Wirklichkeit verschiedenartig sein. Mit Übung wird die Differenz kleiner werden. So werden Sie zu einem Powerfußballer.

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