Führungswesen

Betrachten Sie bitte diese Formel der Menschenführung:

Führung = Integrität x Kommunikation x Menschenverständnis x Fachkenntnis


Sie besagt, dass ein effektiver Trainer hohe Integrität hat, gut kommuniziert, gute Menschenkenntnis hat und seine Sache gut versteht. Sie besagt auch, dass diese vier Teile der Formel interaktiv sind, dass sie sich also untereinander beeinflussen. Untersuchen wir die vier Teile einmal separat.

Führung ist die Fähigkeit, andere zu beeinflussen etwas zu machen. Es ist also ein Beeinflussungsprozess. Da gibt es zwei Arten von Einfluss: Zwang oder Freiwilligkeit. Sie können andere zwingen, das zu tun, was Sie wollen, indem Sie Ihre formelle Position und Autorität im Verein nutzen, mit Belohnungen locken oder mit Strafen drohen. Sie sind der Boss. Oder sind Sie es nicht? Ist ein Trainer ein Boss, im konventionellen Sinne?

Nur mögen Menschen, gleich ob jung oder alt, nicht von anderen gezwungen werden, etwas zu tun. Zwang geht gegen den menschlichen Strich, gegen die persönliche Freiheit, gegen das Menschsein. Insbesondere beim Fußball. Fußball ist ja eigentlich nur ein Spiel. Kann Zwang beim Spiel zu optimalen Leistungen führen? Zu Leistungen schon, denn Fußballspieler sind ja bezahlte Angestellte, unter Vertrag bei einem profit-orientierten Verein. Da müssen sie schon etwas leisten. Aber Topleistungen kann man im Fußball durch autokratisches Führungsverhalten nicht erzwingen. In Fabriken, die Autoteile herstellen, vielleicht schon eher, obwohl auch das zweifelhaft ist. Aber nicht in Organisationen, wo es kein Produkt gibt, sondern nur Menschen, die mit einem Ball spielen.

Also, Zwang führt zu wenig. Da bleibt der Nichtzwang. Wie Sie von der Formel sehen, gibt es mindestens vier große Einflüsse, die alle mit der Person des Trainers, also nicht mit der formellen Struktur und Hierarchie des Vereins, zu tun haben. Der erste Einfluss ist die Integrität.

Integrität

Über allem müssen Trainer und Geschäftsführer Integrität besitzen. Sie müssen rechtschaffen sein und die Spieler fair behandeln. Sie müssen vertrauenswürdig sein - den Spielern ihr Vertrauen geben und von den Spielern Vertrauen bekommen. Sie müssen glaubenswürdig sein: unverdächtig, untadelig und anständig sein, mit jedem Spieler und mit der Mannschaft. Diese Eigenschaften sollten nicht wie ein Mantel übergelegt werden, wenn man im Verein tätig ist. Man sollte also keine Rolle spielen, sondern diese Charaktereigenschaften sollten tief eingesessen und so permanent sein.

Respekt und Loyalität gehören auch zur Integrität. Man muss jeden einzelnen Spieler respektieren, sonst kann man nicht erwarten, von den Spielern respektiert zu werden. Respektieren und respektiert werden, gehen Hand in Hand. Respekt muss verdient werden, er ist am Anfang nicht da, es sei denn, der Trainer hat sich schon einen Ruf als Respektsperson bei anderen Vereinen verdient. Sonst ist anfänglich nur die Höflichkeit da. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in allem, was man tut, sind Eigenschaften, die zu Respekt führen. Selbst in geordneten Verhältnissen zu leben, gehört dazu, auch anständig, authentisch und redlich zu sein. Kurz, Integrität zu haben, heißt ein guter und anständiger Mensch zu sein.

Kommunikation

Schlechte Kommunikation hindert den Erfolg. Wenn nur wenige Spieler gut deutsch verstehen, wie kann der Trainer sich in Seminaren und Workshops bei seinen Spielern verständlich machen? Und wenn Spieler nicht verstehen, was der Trainer meint, insbesondere, wenn die Spieler die Feinheiten des Spiels nicht verstehen, wie kann die Mannschaft dann effektiv spielen? Das ist ein großes Problem im deutschen Fußball, denn, wie Sie wissen, kann ein hoher Prozentsatz der Spieler nur wenig deutsch sprechen und verstehen. Zeichensprache ist ein Ausweg; Übersetzer ist ein anderer. Aber beide Auswege beinhalten Missinterpretationen; dann leidet die Kommunikation und damit das Spiel. Wenn man sich im täglichen Umgang aber auf ein- oder zweihundert Worte beschränken muss, kann man elementare Dinge kommunizieren. So wird dann auch das Spiel sein. (sehen Sie bitte auch Kommunikation im Powerfußball).

Selbst ohne diese Hürden ist es schwer genug, sich verständlich zu machen oder zu verstehen, was andere sagen. Denn jeder Menschentyp verständigt sich anders (siehe Menschentypen). Gleiche Typen verstehen sich gut, ungleiche Typen verstehen sich oft überhaupt nicht. Zum Beispiel, wenn ein extravertierter Denktyp in ausführliche logische Erklärungen verfällt, bekommt sein Gegenüber, der introvertierte Gefühltyp, das Gesagte gar nicht mit oder fühlt sich überwältigt von dem Wortschwall und hört auf zuzuhören. Schlimmer noch, wenn zwei Denktypen aufeinander treffen, jeder mit seinem eigenen Grundsätzen, Prinzipien und Gedankengängen, werden sie selten überein stimmen, denn keiner von ihnen wird seine Gedankengänge aufgeben. Die Folgen sieht man oft im Druck - wenn Zeitungen die unterschiedlichen Positionen von Trainer und Spielern wiedergeben.

Menschenverständnis

Menschenverständnis bekommen einige durch Erfahrung. "Dieser Typ liegt mir", sagt man. Aber die Erfahrung vieler, besonders junger Fußballspieler, ist gering. Andere, Trainer zum Beispiel, haben zwar Erfahrung, lernen aber nicht immer von der Erfahrung. Am besten kennen sie ihren eigenen Typ, sich selbst. Danach stellen sie dann oft auch ein: sie holen neue Spieler "die zur Mannschaft passen". Diese Spieler sind aber sehr oft der gleiche Typ wie selbst (oder wie der Geschäftsführer). Das ist nicht gut für die Mannschaft, denn sie wird so einseitig. Eine Top Mannschaft braucht alle Typen.

Eine der besten Möglichkeiten, verschiedene Menschentypen kennen zu lernen und zu verstehen, ist Carl Jungs Werk Typologie von Menschen. Es ist sehr verbreitet in Nordamerika durch den PET Typenscheck und den MBTI Typen Indikator. Jungs Einsichten verbreiten Helligkeit, wo es früher ziemlich dunkel war: im Menschenverständnis.

Fachkenntnis

Fachkenntnis besteht aus Wissen und besonderen Fähigkeiten. Fachkenntnis ist eine wichtige Quelle, um Einflusses über Menschen zu bekommen. Ärzte, zum Beispiel, studieren zehr Jahre, um sich Wissen über Krankheiten anzueignen. Im Fußball ist die Wissensmenge gering. Der Trainingslehrgang ist kurz und Geschäftsführer lernen das Fußballgeschäft hauptsächlich on the job, also durch Erfahrung bei der Arbeit. Auch umgeben sich Geschäftsführer und Trainer nicht gern mit Experten (z.B. in Marketing, Finanz, mentalen Dingen), oft, weil dem Verein das Geld dazu fehlt, aber wohl auch aus Furcht, Macht zu verlieren.

Es ist erstrebenswert für Trainer und Manager, ihre Expertise laufend auszubauen. Denn es gibt keinen Einfluss den Spieler mehr annehmen als Wissen. Vereinsfunktionäre sollten viel wissen von Dingen, für die sie verantwortlich sind. Wissen ist Macht. Fortbildende Seminare und Workshops sollten die Norm sein, insbesondere, wenn sie Kontinuität haben, also wenn sie langfristig geplant sind.

Wenn Sie zum Beispiel Powerfußball spielen wollen, müssen Sie sich neues Wissen aneignen. Sie müssen verstehen, worum es geht. Sonst kann es nichts werden. Sie müssen auch in der Lage sein, dieses Wissen and die Spieler zu vermitteln. Sie müssen also lehren.

Wie Sie sehen, ist es nicht leicht, Menschen zu führen. Wenige können es. Gute Leader sind in allen Berufssparten gefragt. Sie wissen es sicher von Ihrem Arbeitsplatz. Fußballtrainer sind keine Ausnahmen. Es kommt laufend vor, dass Spieler den Verein verlassen, weil sie nicht mit dem Trainer zurecht kommen. Oder dass Spieler den Trainer ignorieren, weil sie seine Menschenführung nicht respektieren oder anerkennen.

Trotzdem müssen Trainer und Geschäftsführer laufend danach streben, gute Führer von Menschen zu werden. Tun sie es, können sie zu den Besten gehören. Tun sie es nicht, müssen sie häufig den Verein wechseln.


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