Führungsgeheimnis

Mögen Sie es wenn andere Leute Ihnen sagen was Sie zu tun haben? Natürlich nicht. Jeder erwachsene Mensch hat einen starken inneren Drang sein Leben selbst zu gestalten. Das gilt auch für die Arbeit. Viele Forschungsarbeiten sind zu der Erkennung gekommen, dass Leute, die das "wie" ihrer Arbeit selbst, oder wenigstens mitbestimmen können, mehr leisten als Leute, denen man sagt wie sie die Arbeit zu verrichten haben. Und wenn sie auch noch an der Zielbestimmung, dem was, teilnehmen können, steigt die Leistung.

Was bedeutet das Gesagte für den Trainer? Je autoritärer Sie sind, desto weniger haben Sie langjährig Erfolg. Autoritäre Trainer können natürlich kurzfristig erfolgreich sein, weil sie anfänglich frisch und neu sind, und weil die Spieler oft froh sind, wenn einer daherkommt und den Scherbenhaufen wieder zusammenklebt. Wenn die Neuheit einmal abfällt, und Sie weiter autoritär führen - wenn Sie also Ihren Führungsstil nicht ändern - werden Sie als Trainer immer uneffektiver. Eventuell führt ein autokratischer Stil im Fußball zur Revolution.

Der intelligente, erfolgreiche Trainer lässt fast alle Antworten von den Spielern kommen. Er benutzt die platonische Methode: er regt an, stellt Fragen, hilft, ermöglicht und leitet mit sanfter Hand. Die Spieler folgen keinen Anweisungen, sie entscheiden selber. Als Team kommen sie durch Diskussion zum Konsens. Denn nur dann sind sie voll einsatzwillig: wenn die Antworten aus ihrem Inneren kommen, und sie nicht von einem Anderen - Ihnen, dem Trainer - aufgedrängt werden. Spieler müssen an Entscheidungen, die sie betreffen, mit beteiligt sein, damit sie innerlich motiviert sind, ihr Bestes geben und selbstverantwortlich werden.

Warum ist das Gesagte ein Geheimnis? Weil dieser Führungsstil sich gut auf den Fußball anwenden ließe, ihn aber keiner zu kennen scheint, und daher auch nicht anwenden kann. Autokratie ist der natürliche Führungsstil der Denktypen. Daher tun sich Denktypen als Trainer schwer. Nur gehört das Gros der Trainer in der Bundesliga und zweiten Liga zu dieser Kategorie. Daher das zerfahrene Spiel. Denktypen sind meist nicht fähig, ihre eigenen Gedanken den Spielern so zu vermitteln, dass diese sie gern aufführen. Denktypen und Teamsport sind Gegensätze, Oxymoren.

Innere Vorstellung

Wenn es nicht gut läuft, versuchen Sie Verständigung für Ihre Spieler zu haben. Üben Sie keinen Druck aus. Seien Sie freundlich, nett, und fürsorglich - und Sie werden sehen wie sich die Sache umdreht. Sie brauchen kein Softie zu werden. Sie können streng mit den Spielern umgehen, müssen aber dabei fair sein. Wenn ein Spieler einmal nicht gut spielt, sollten Sie zu ihm reden, dabei aber meist zuhören, damit Sie seine Krise besser verstehen und helfen können. Zuhören heißt, Sie stellen ab und zu Fragen, sagen aber wenig und zeigen Verständnis und sind nett, beruhigend und hilfreich. So ein Gespräch motiviert den Spieler. Natürlich sollten Sie auch wissen, dass alle Spieler periodisch Krisen haben. Sie übrigens auch.

Hier ist eine Vorstellungsübung, die einen freundlichen und hilfreichen Führungsstil befürwortet:

Entspannen Sie sich. Sagen Sie vor sich hin: "Ich möchte gern eine entspannte, produktive und glückliche Umgebung für meine Spieler hervorrufen". Erkennen Sie, dass Sie durch dauernden Zwang und Druck die Treue Ihrer Spieler verlieren. Sehen Sie, mit Ihrem inneren Auge, wie sie andere freundlich und gerecht behandeln. Dabei bleiben Sie fest und direkt, aber Sie greifen Ihre Spieler nicht an und beurteilen sie nicht. Stellen Sie sich vor, wie der Mannschaftsprozess frei und konstruktiv abläuft, und wie die Spieler mehr geben als von ihnen erwartet ist, denn Sie haben für sie eine sichere, freundliche und gesunde Umgebung geschaffen. Hören Sie, wie Sie die Spieler fragen, wie die gesetzten Ziele am besten erreicht werden können. Nehmen Sie wahr, dass man Ihnen für Ihr Verhalten großen Respekt entgegenbringt, und dass Sie geachtet sind.


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