Führungsqualitäten eines Faszilitators

Ein autoritärer Führungsstil ist konträr zum Powerfußball, denn er schließt die Ideen der Spieler aus. Die Spieler halten sich zurück. Meinungsverschiedenheiten kommen nicht zum Vorschein. Der Problemlösungsprozess wird ignoriert. Alle Entscheidungen kommen von Ihnen, dem Trainer. Der Nettoeffekt ist, dass die Mannschaft nicht so erfolgreich ist, wie sie es sein könnte, wenn alle Spieler an Entscheidungen mit teilgenommen hätten. Im Gegensatz hat der Führungsstil eines Fazilitators viele Vorteile, wie zum Beispiel neue Ideen zu erzeugen, schlummernde Probleme zu identifizieren, die Synergie der Gruppe zu wecken und die Ideen der Spieler zu bereichern. 

Dieser Führungsstil reduziert negative Gefühle und steigert die Kooperation und das Vertrauen innerhalb der Mannschaft. Er erzeugt eine offene Atmosphäre, in der die Spieler Ideen erzeugen und austauschen können. Spieler werden ermutigt, sich zu verbessern. Die Lösungen von Problemen werden gemeinsam maximiert. So werden mehr hochqualitative Entscheidungen gefällt. Die Spieler fühlen sich für alles mitverantwortlich. Mit der Zeit, wenn dieser Stil einmal tief Fuß fasst, steigert sich die Spielqualität und der Erfolg oft dramatisch. Wie macht man das?

Führungsqualitäten

Hier sind einige Qualitäten. Ein Fazilitator …

  • hört zu (sehen Sie bitte auch Kommunikation im Powerfußball). Leicht gesagt, aber schwer getan, wenn man es nicht gewohnt ist und lieber gern selbst redet.
  • stellt Fragen. Stellen Sie ehrliche Fragen, das heißt, stellen Sie Fragen ohne manipulierende Hintergedanken. Auch sollten Sie mit Ihren Fragen keine genaue Antwort erwarten. Geben Sie den Spielern genügend Zeit, über die Frage nachzudenken. Die Spieler sollten keinen Druck spüren, die Frage „richtig“ zu beantworten, das heißt wie Sie es erwarten. Wenn die Spieler merken, dass Sie eine gewisse Antwort erhalten wollen, brauchen Sie keine Fragen mehr zu stellen. Dann verlieren Sie an Glaubwürdigkeit.
  • tauscht Ideen und Gefühle mit den Spielern aus. Sie können den Anfang machen, dann aber ruhig sein, damit andere ihre Ideen und Gefühle ausdrücken können. Wenn ein Spieler etwas sagt und Sie aufmerksam zuhören, erwerben Sie den Respekt des Spielers. Unterbrechen Sie ihn aber laufend und drängen Sie ihm Ihre eigene Meinung auf, wird es keinen Austausch mehr geben.
  • hilft, gemeinsame Probleme zu lösen (sehen Sie bitte auch Wie man Probleme löst). Lernen Sie einen Standard-Problemlösungsprozess und wenden Sie ihn routinemäßig an. Noch besser, lehren Sie Ihre Spieler diesen Prozess. Die Stufen sind: eine Problemsituation zu analysieren, das Problem zu definieren, Alternativen vorzuschlagen, sich für die beste Alternative zu entscheiden und einen Aktionsplan zu entwerfen, ihn durchzuführen und zu bewerten.
  • hilft Konflikte zu lösen (sehen Sie bitte auch Wie man Konflikte löst). Konflikte sind unvermeidlich. Effektive Trainer wissen, wie man Konflikte wohlwollend untersucht und konstruktiv löst.
  • entscheidet mit den Spielern. Wenn Sie ein effektives Team haben wollen, müssen Sie einen partizipativen, wenn nicht sogar einen delegierenden Führungsstil entwickeln (sehen Sie Führungsstil im Powerfußball). Spielerbeteiligung ist ein Muss im Teamsport. Ein autoritärer Stil, die Norm, ist im Fußball fehl am Platz.  
  • akzeptiert, was die Spieler zu sagen haben. Sie sind willig, den Spielern zuzuhören, ohne dass, was diese zu sagen haben, lächerlich zu machen und sie als dumm oder geistlos darzustellen. Geben Sie den Spielern eine Chance, sich auszudrücken, insbesondere den ausländischen Spielern, denn sie brauchen Zeit, in ihrem Gedächtnis nach den richtigen deutschen Worten zu suchen. Wenn eine Idee nicht durchführbar ist, sagen und begründen Sie es dem Spieler, der sie vorschlägt. Aber akzeptieren Sie, was man Ihnen sagt.
  • entwickelt ein Einfühlungsvermögen. Wenn Sie es noch nicht können, müssen Sie und die Spieler es lernen, Empathie zu entwickeln. Sie müssen versuchen zu verstehen, wie der andere denkt und fühlt – also nicht, wie Sie denken und fühlen – und Ihr Verstehen dem anderen vermitteln können. 
  • entwickelt ein Gruppenführungsstil. Nicht nur Sie, auch die Spieler sollten es lernen, wie man eine Gruppe führt. Dazu gehören Fähigkeiten, zusammen Aufgaben zu lösen und Einfluss auf die Spieler zu haben. Zum Beispiel Diskussionen zu steuern, ohne vom Thema abzukommen. Oder den Ideenaustausch der Spieler zu steuern, ohne Ihre eigene Meinung in den Vordergrund zu drängen.

Ein Beispiel

Wenn ein Spieler mit einem Problem zu Ihnen kommt, bitten Sie ihn, das Problem zu beschreiben. Sagen Sie so etwas wie: „Das ist interessant. Hast du schon an mögliche Lösungen zu deinem Problem gedacht?“ Je nach Antwort könnten Sie weiterfragen: „Was für mögliche Lösungen gibt es?“ Dann: „Welche von diesen ist die beste?“ So sagen Sie nie, was Sie denken, sondern helfen, dem Spieler seine eigenen Probleme zu lösen. Sie müssen nur genau zuhören und dem Spieler Ihre ganze Aufmerksamkeit widmen.

Üben Sie diesen Problemlösungsstil laufend, wird er zur Gewohnheit. Sie stellen Fragen und helfen Ihren Spielern, Antworten zu finden. Sie geben die Antworten nie selbst. Denn im Umgang mit Menschen gibt es oft keine „richtige“ Antwort. Sie helfen Ihren Spielern, die Antwort zu finden, die für sie, Ihren Spielern – nicht für Sie – richtig ist. Das Wichtige ist, dass die Antwort von den Spielern kommt. Sie ist dann deren Eigentum und Verantwortung. Sie fühlen sich so verpflichtet, denn ihre Antwort kommt aus ihren eigenen Gedanken und Gefühlen. Sie helfen nur, sanft und mit Gefühl, die Ideen, Gefühle und Energien der Spieler in eine gemeinsame Richtung zu steuern:  zusammen Fußball zu spielen. Das heißt Menschen führen. Für eine Fußballmannschaft ist das der ideale, der einzig erfolgreiche Führungsstil. 

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