Kommunikatives Wissen

Menschen wollen sich gegenseitig verständigen und verstehen.  Das ist besonders wichtig im Fußball, hat doch jetzt jeder Verein Spieler anderer Nationalitäten.  Kommunikatives Wissen entsteht, wie der Begriff aussagt, durch Kommunikation.  Im Fußball kommunizieren wir, um herauszufinden, was die Ziele und Pläne sind, was geschätzt und geachtet wird und wie trainiert und gespielt wird. Das Ziel dieses Wissens ist, dass wir uns gegenseitig verstehen.  Wenn Sie und Ihre Spieler übereinstimmen, wie etwas gemacht werden sollte, dann haben Sie kommunikatives Wissen erzeugt.  Es ist also ganz anders als instrumentales Wissen, das aus Fakten besteht.  Was folgt, sind vier Strategien, um kommunikatives Wissen im Verein zu erleichtern:  durch Diskussion, Gruppenarbeit und Rollenspiele.

Diskussion

Warum sollten Sie mit Ihren Spielern diskutieren? 

  1. Um verschiedene Perspektiven auf einen Konsens zu bringen
  2. um Spielern zu helfen, neue Perspektiven zu entdecken
  3. um die Kompliziertheit oder Zweideutigkeit einer Sache herauszuheben
  4. um Spielern zu helfen, ihre eigenen Annahmen zu erkennen
  5. um Spieler zu ermutigen, gut zuzuhören
  6. um Spieler in ein Thema hineinzuziehen
  7. um Spielern anzudeuten, dass ihre Erfahrungen von Wert befunden werden
  8. um eine Mannschaftsidentität zu erzeugen
  9. um Information durch die Erfahrungen der Spieler zu sammeln
  10. um Spielern Respekt vor den Meinungen anderer zu lehren
  11. um in Spielern die Fähigkeit zu entwickeln, an Gesprächen teilzunehmen
  12. um zu zeigen, wie man Konsens erreicht

Diskussionen sollten interessant sein.  Es gibt nichts Schlimmeres als eine langweilige Diskussion, die sich dahin zieht und in der sich keiner für das Thema wirklich interessiert.  Auch dürfen ein oder zwei Leute die Diskussion nicht monopolisieren.  Wie kann man Diskussionen effektiv machen?  Indem man...

  1. den Zweck der Diskussion klar macht 
  2. wenn nötig, die Spieler auf die Diskussion vorbereitet
  3. das Thema relevant und interessant macht
  4. Tische und Stühle in einer großen Runde arrangiert
  5. den richtigen Ton setzt
  6. alle ermutigt, an der Diskussion teilzunehmen, auch wenn einige Sprachschwierigkeiten haben
  7. sicher stellt, dass jeder Spieler weiß, dass er nicht zu sprechen braucht
  8. es nicht erlaubt, dass ein oder zwei Spieler die Diskussion dominieren
  9. die Spieler dazu anhält, gegenseitige Ansichten konstruktiv zu kritisieren
  10. einen der redegewandten Spieler bittet, die Diskussion am Ende zusammenzufassen
In Gruppen lernen

Die Mannschaft ist ja eine Gruppe.  Nur ist der ganze Kader zu groß, um als Gruppe gemeinsam zu arbeiten.  Wie kann man den Spielkader am besten in kleinere Gruppen aufteilen?

Hier ist eine Idee.  Eine Fußballmannschaft besteht aus Angriff, Mittelfeld und  Verteidigung.  Wäre das nicht eine logische Basis Gruppen zu bilden?  Vorne, Mitte und Hinten?  So wird der Kader in drei Teile geteilt: 

            Gruppe A -  Hinten:  Torwart + 2 bis 4 gesetzte Spieler + Ersatzspieler
            Gruppe B -  Mitte:  3 bis 4 gesetzte Spieler + Ersatzspieler
            Gruppe C -  Vorn:  1 bis 4 gesetzte Spieler + Ersatzspieler

Die Gruppen könnten zusammen lernen und trainieren.  Sie könnten auch helfen, Trainingspläne zu entwickeln, Ziele für sich zu setzen und das Training unter Leitung einer der ihren auszuführen. 

Wie kann man sonst noch Gruppen bilden?  Sie können die Spieler dazu auffordern, selbst Gruppen zu bilden.  Das führt aber leicht zur Cliquenwirtschaft.  Die Spieler können nach Sprachkenntnissen in Gruppen aufgeteilt werden.  Das ist aus verschiedenen Gründen auch nicht ratsam.  Die Spieler können nach ihrem Typenprofil in Gruppen geteilt werden.  Sie werden sich so bestens verstehen, da sie alle auf der gleichen Frequenz kommunizieren.  Die Spieler können auch aufs Geratewohl aufgeteilt werden; nur könnte es da zu Persönlichkeitskonflikten innerhalb der Gruppe kommen.  Die Typenprofile sind also die beste Methode.

Rollenspiele

Ein Rollenspiel ist ein kleines Schauspiel.  Das Manuskript könnte zum Beispiel sein, was passieren könnte, wenn man den Schiedsrichter anpöbelt.  Das Ziel des Rollenspiels ist aufzuzeigen, dass man in dieser Situation zu viel verliert und fast nie gewinnt.  Ein Spieler spielt den Schiedsrichter, einer den Betroffenen und einer den Gegenspieler.  Zwei andere könnten den Betroffenen unterstützen oder ihn vom Tatort wegziehen.   Zwei andere Spieler können als Beobachter fungieren.  Die Rollen werden verteilt oder improvisiert, kurz verinnerlicht, und schon beginnt das Schauspiel.

Am Ende des  Rollenspiels sollten die beteiligten Spieler zuerst berichten, wie sie sich fühlten und was ihre Perspektive war, gefolgt von den Beobachtern und Zuschauern.

Ein Rollenspiel ist kurz, zwischen 2 und 10 Minuten.  Wenn es gut inszeniert ist, können Sie in diesen wenigen Minuten eine große Wirkung erzielen, welche die Spieler auf Jahre hinaus nicht vergessen.  Sie wissen dann, wie negativ sich ein Haufen gelber und roter Karten auf die Saison auswirken kann.  Wenn sich durch das Rollenspiel die Zahl der Karten halbiert, kann diese Art der Kommunikation enorm erfolgreich sein.

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