Lehrphilosophie

Wenn Sie sich als Fußballlehrer betrachten, brauchen Sie eine Lehrphilosophie.  Was folgt, sind einige Prinzipien, die Sie als Richtschnur verwenden können, auch wenn sie Ihnen ein wenig häretisch und abtrünnig erscheinen mögen, weil sie von der traditionellen Lehrphilosophie abweichen. Es bedarf  nur einer leichten Wendung im Denken, um sie anzuwenden. 

Zum Powerfußball gehört aber nun einmal eine gesunde, vorwärtsgerichtete, moderne Lehrphilosophie.  Nur durch sie können Sie die erhabenden Höhen des Powerfußballs erreichen.  Eine klare, tiefgreifende Philosophie, auf den Prinzipien des Powerfußballs aufgebaut, wird Sie zu einem der Großen unter den Trainern der neuen Generation machen.

  • Dialog und Gedankenaustausch Organisieren Sie Ihre Treffen mit dem Spielkader so, dass alle Spieler die Gelegenheit haben, Erfahrungen auszutauschen, Ideen zu entwickeln, Spiele zu analysieren, Anekdoten zu erzählen und Gefühle auszusprechen.  So werden neue Perspektiven eröffnet, und ein neues Verstehen und Bewusstsein entsteht.  Sie selbst brauchen nicht viel zu sagen.  Der Antrieb muss von den Spielern kommen, um Wirkung zu haben.  Auch wissen die Spieler in ihrer Gesamtheit weitaus mehr als Sie selber.

 

  • Gruppenarbeit.  Formieren Sie kleine Arbeitsgruppen.  5 – 7 Mitglieder sind ideal.  Sie können die Gruppen jedes Mal neu mischen oder die Spieler nach ähnlichen Menschentypen oder Rollenbeschreibungen (vorn, Mitte und hinten) einteilen.  Die Gruppen bearbeiten Spielanalysen, Trainingsaufgaben (physische und mentale), Spieltaktik und Probleme.  Dabei können die Gruppen die folgenden Methoden anwenden:  sie können Fälle und Vorkommnisse besprechen, Drehbücher für das Training oder Spiel schreiben, Probleme lösen, kritische Ereignisse besprechen, debattieren, und Rollen spielen.  In kleinen Gruppen können alle Spieler partizipieren, auch Spieler mit  Sprachschwierigkeiten und introvertierte Spieler.
  • Sie sind Mitspieler und Facilitator.  Sie liefern Lehrmittel, geben von Ihrer Fachkenntnis, beraten die Spieler, unterstützen sie und fordern sie heraus.  Sie leiten nicht und erwarten nichts.  Sie sprechen sehr selten.  Sie lernen  Ihre Spieler kennen und lernen von ihnen.  Sie sind einer von ihnen.  Ihr Schicksal und Erfolg ist mit dem Ihrer Spieler eng verknüpft.

 

  • Seien Sie authentisch.  Sie sind sich selber, immer.  Sie spielen keine Rollen.  Die Spieler sollten Sie als Mensch kennen lernen:  Ihre Persönlichkeit, Ihre Stärken und Ihre Verletzbarkeit.  Ihre Authentizität bringt die Authentizität der Spieler hervor.
  • Teamentwicklung.  Führen Sie die Spieler zueinander.  Setzen Sie den Ton und stimulieren Sie eine freundschaftliche und kameradschaftliche Atmosphäre.  Verknüpfen Sie die Spieler miteinander. 

 

  • Spielerverantwortung.  Verlassen sie sich auf Ihre Spieler, dass sie verantwortlich handeln und viele Entscheidungen selbst treffen können. Betonen Sie dies nicht, lassen Sie aber durchblicken, dass jeder Spieler für seine Aktionen und sein Handeln voll verantwortlich ist. 
  • Demokratischer Führungsstil.  Seien Sie demokratisch, selten autokratisch. Sie wissen, dass der autokratische Stil vielleicht für Sachen angebracht ist, nicht aber für Menschen.  Welcher erwachsene Mensch will denn von einem anderen Menschen gesagt bekommen, was er zu tun hat?  Dazu ist der Fußball reine Menschensache.  Wählen Sie den falschen Führungsstil, können Sie das Potential Ihrer Spieler nie ausschöpfen.

 

  • Spielerselbstbewertung.  Spieler können sich gut selbst bewerten.  Sie sind meistens kritischer als andere.  In Einzelgesprächen ermutigen Sie Ihre Spieler, die eigene Leistung zu bewerten und einen individuellen Trainingsplan aufzustellen, um Schwachpunkte zu verbessern.  Sagen Sie den Spielern aber nie selbst, was sie zu machen haben.
  • Herausforderung und Unterstützung.  Unterstützen Sie Ihre Spieler, aber fordern Sie die Spieler zur gleichen Zeit heraus, Ihre Ansichten und Perspektiven über den Fußball kritisch zu prüfen.  Das wird schnell zur Mannschaftsnorm.  Jeder fordert jeden heraus, auf einer gut gemeinten, konstruktiven Art und Weise.

 

  • Der nachdenkende Trainer.  Sie sind der große Weise der Mannschaft.  Wenn es Ihnen liegt, schreiben Sie Ihre Gedanken regelmäßig in einem Tagebuch auf.  Denken Sie viel über den Fußball nach, und reden Sie laufend mit anderen darüber.  So lernen Sie laufend und können tiefer in die Geheimnisse des Fußballs eindringen.
  • Sie sind ein Vorbild.  Sie benehmen sich zu jeder Zeit so, wie Sie es von ihren Spielern erwarten:  anständig, wie ein Gentleman.  Sie sind zu jeder Zeit – auch gegenüber den Schieds- und Linienrichtern und insbesondere gegenüber den Spielern – ruhig und konzentriert, wie ein pokerplayer.  Ihr beherrschtes Benehmen auf der Bank lässt Ihre Kollegen in anderen Vereinen vor Neid erblassen.

 

 

[zurück]