Wie Ihre Spieler lernen

Menschen lernen verschieden.  Auch wenn es keine Sprachschwierigkeiten gäbe, wenn Sie etwas erklären, bekommt es mindestens die Hälfte der Spieler nicht mit.  Warum nicht?  Weil verschiedene Menschentypen anders lernen.  Wenn Sie effektiv sein wollen, müssen Sie als Trainer mit verschiedenen Lernstilen vertraut sein und dieses Wissen so anwenden, dass Sie alle Spieler erreichen.  Das ist nicht einfach. 

Was folgt sind kurze Beschreibungen von Lernstilen der vier extravertierten Typen (sehen Sie bitte auch Menschentypen und Spielertypen).

Denktypen lernen, wenn Sie Sachen logisch erklären.  Sind die Erklärungen nicht logisch, also nicht auf die Vernunft aufgebaut, können Denktypen nicht lernen, weil sie den Inhalt der Rede nicht verstehen.  Das frustriert sie, dann werden sie kritisch.  Also wenn Sie Denktypen in der Mannschaft haben, und die werden Sie haben, müssen Sie Ihr Anliegen nicht nur logisch vortragen, sondern auch gute Gründe für Ihre Argumente geben.  Können Sie das nicht, weil Sie selbst kein Denktyp sind, müssen Sie das Fehlen der Logik umgehen, indem Sie die Sache auf dem Platz üben.  Denn Denktypen lernen auch durch Erfahrung, durch Interaktion mit der Welt.  Die Erfahrung nährt ihre Gedanken, und so assimilieren sie das Neue gedanklich.  Kurz, Denktypen lernen durch logisch vorgetragene Ideen und durch Erfahrung, Fakten und Experimentieren.

Sinnestypen lernen durch Erfahrung, Versuche und Experimentieren - aber nicht durch Logik.  Ihr Lernstil ist trotzdem teilweise dem der Denktypen ähnlich.  Nur benutzen Denktypen die Erfahrung und Fakten um zu denken.  Empfindungstypen aber lernen direkt von Fakten und Erfahrung.  Sie lernen vom Praktischen, von hands-on Situationen.   Die Erfahrung selbst bestimmt, ob sie das Gelernte annehmen.  Was ihre Sinne am meisten anregt, wird zuerst gelernt.  Lernen für Empfindungstypen ist daher mitunter (denn nicht alle Sinnestypen lernen von der Erfahrung) eine Ansammlung von all dem, was sie durch eigene Erfahrung erlebt haben.  Was sie nicht erlebt haben, was für sie also abstrakt oder theoretisch ist, können und wollen sie nicht lernen.  Also wenn Sie für lange Zeit reden, verlieren Sie die Empfindungstypen.  Wenn Sie aber kurze Erklärungen abgeben, gefolgt von Anwendung und Ausprobieren, hören Sinnestypen gut zu und lernen.

Gefühlstypen lernen weder von Ideen noch von der Erfahrung.  Ihr Lernstil ist interaktiv.  Sie lernen aber nur von anderen, wenn das Lernklima harmonisch ist.  Sie müssen dem Trainer zustimmen können, weil sie gleiche Werte haben.  Sie müssen Fragen stellen können – nicht kritisch, eher konstruktiv – und müssen sehen, dass die anderen Spieler das, was der Trainer sagt, annehmen.  Wenn sie sehen, dass ihre Mannschaftskameraden nicht überzeugt sind, werden Sie Gefühlstypen auch nicht überzeugen können, es sei denn, sie finden Sie sehr sympathisch.  Gefühlstypen brauchen Harmonie in der Mannschaft.  Was sie von Ihnen wollen, ist Struktur und Organisation.  Inhalt und Prozess sind für sie mannschaftsbedingt, nicht trainerbedingt. 

Für intuitive Typen ist das Lernen ein kreativer Prozess.  Diese Typen sind selbstdirigiert.  Sie suchen laufend nach neuen Möglichkeiten, um selbst bessere Spieler zu werden und um die Mannschaft zu verbessern.  Wenn Sie etwas sagen, was Möglichkeiten enthält, hört dieser Typ zu.  Wenn nicht, schaltet er sofort ab.  Intuitive Typen sind laufend auf Lauerstellung und erwarten von Ihnen etwas Neues, etwas Interessantes, etwas Phantastisches. Wenn Sie überwiegend eine Sinnestype sind, werden Sie große Schwierigkeiten haben, diese Spieler zu erreichen.  Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum Sie diese Art Spieler gar nicht erst anheuern.  Denn intuitive und Sinnestypen sind gegensätzliche Typen, die sich nicht gern mögen.  Wenn intuitive Spieler immer das gleiche vom Trainer hören, werden sie rebellisch.  Intuitive Spieler wollen keine Struktur in der sie ersticken.  Sie brauchen Freiheit, um ihre Kreativität ausspielen zu können.  Wenn Sie diesem Typ diese Freiheit nicht geben, spielen intuitive Spieler nicht gut.

 

Diese verschiedenen Lernstile sollten einem zu denken geben.  Sie werden viele Unstimmigkeiten zwischen Ihnen und Ihren Spielern erklären. Denn gegensätzlich Typen – wie Denk- und Gefühlstypen und Empfindungs- und intuitive Typen – halten grundsätzlich nicht viel voneinander.  Da muss man als Trainer scharf aufpassen, dass man typen-ähnliche Spieler nicht ausschließt und so verliert, nur weil sie anders geartet sind.  Denn die Mannschaft ist nur dann vollständig und ein Ganzes, wenn alle vier Typen vertreten sind, nicht nur eine oder zwei Typen. 

Es wäre am besten, wenn Trainer und Fazilitator (oder Co-Trainer)  gegensätzliche Typen wären.  Sind Sie eine Sinnestype, sollte der Fazilitator eine intuitive Type sein.  Sind beide der gleiche Typ (wie es oft bei Trainer und Co-Trainer der Fall ist), ist der Verein nur ein Bruchteil von dem, was er sein könnte.  Dann fehlt die Imagination, das Neue, das Risiko, das Einfallsreiche.  Sind Sie eine Denktype, sollte der Fazilitator eine Gefühlstype sein, damit das menschliche (und darum geht es ja im Fußball) sich voll entwickeln kann.

Basiert auf öffentlichen Aussagen der Bundesligatrainer, sind ungefähr 90% der Trainer und Co-Trainer entweder Denk- und Sinnestypen.  Sie sind also pragmatische Denktypen.  Es fehlen die Einflüsse von Gefühls- und intuitiven Trainern.  Das macht sich im Spiel bemerkbar.  Es gibt wenig Imagination und Kreativität, die Stärken von intuitiven Trainern.  Es gibt auch wenig Beachtung des Menschlichen und höchstens durchschnittliche Teamarbeit (die Stärken der intuitive Typen).  So sind die Spiele oft schwerfällig, voraussehbar und langweilig.  Ist das eine gute Charakterisierung von Bundesligaspielen? 

Es ist also höchst ratsam, dass Sie ihre eigenen Schwächen ausgleichen und kompensieren, indem Sie sich Assistenten holen, die nicht so sind wie Sie!  Zwei Hälften ergeben ein Ganzes.  So verdoppeln Sie die Stärken des Trainerteams.  Eine einfache Formel, in anderen Organisationen zigtausendmal bewährt, im Fußball aber anscheinend unbekannt..

 

[zurück]