Wie baut man Kommunikationsnetze auf?

Gerüchte kommen auf, wenn das Kommunikationsnetz nicht funktioniert. Das Kommunikationsnetz hängt vom Vereinsklima ab. Ist das Klima optimal, ist auch die Kommunikation optimal. Ist das Klima aber schlecht, kann auch die Kommunikation nicht blühen. So wird das Kommunikationsnetz innerhalb des Vereins leicht zu einer Gerüchteküche?

Gerüchte und Grapevine

Welche Art von Kommunikationsnetz bevorzugen Sie: das formelle oder informelle Netz? Formelle Netze sind autoritär und vertikal, vom Aufsichtsrat zum Vorstand, vom Vorstand zum Geschäftsführer, vom Geschäftsführer zum Trainer, vom Trainer zum Spieler. Informelle Netze gehen in alle Richtungen. Sie setzen sich über autoritäre Beziehungen hinweg. Grapevine (Weinstock) wird das informelle Netz "drüben" genannt. Der Grapevine hat drei Merkmale: er wird von Niemandem kontrolliert; er wird von Spielern als vertrauenswerter angesehen als die formellen Kommuniques (Forschungen zeigen, dass ungefähr 75% des Grapevines stimmt); er dient hauptsächlich den Interessen der Spieler.

Gerüchte passen hier auch rein. Wenn immer eine Situation zweideutig oder ungewiss ist, und dazu noch Angst verbreitet, treten Gerüchte auf. Was können Sie als Trainer tun, um negative Konsequenzen von Gerüchten zu mindern? Indem Sie den Spielern sagen, wann wichtige Entscheidungen getroffen werden und wie die Entscheidungen zustande kommen. Am besten ist es, wenn Sie wenig verheimlichen und die Spieler in Alles mit einbeziehen. Dann legen Sie den Grapevine still und es besteht kein Grund für Gerüchte.

Drei Netze

Gerüchte und Grapevine werden durch die Wahl des Netzes bestimmt. Davon gibt es drei. In der Kette ist die Kommunikation formell, von oben nach unten, aber auch von unten nach oben. Im Rad sind Sie in der Mitte; alle Kommunikationen laufen auf Sie zu und von Ihnen aus. Im All-Channel Netz kommunizieren alle miteinander - Geschäftsführer, Trainer und Spieler. Wie Sie sehen, können Gerüchte im All-Channel Netz nicht aufkommen, denn alle kommunizieren laufend und sind so gut informiert.

Wählt Ihr Verein also die ersten beiden Netze, die Kette oder das Rad, wählen Sie ein defensives Kommunikationsklima. Diese Wahl führt gewöhnlich zur Cliquenwirtschaft, zu Powerkämpfen, zum Abweichen einzelner Spieler von der Gruppe, zu persönlichen Attacken und zu vielen anderen negativen Einstellungen und Aktionen. Dieses System ist nicht nur defensiv sondern auch negativ, also unangebracht für einen Fußballverein.

Vereinsklima

Wenn das Vereinsklima gut ist, wird auch die Kommunikation gut sein. Diese beiden Bausteine des Vereins sind positiv miteinander verbunden. Einige klimatische Aspekte wirken besonders positiv auf die Kommunikation:

  • Ehrlichkeit. Versuchen Sie in Ihrer Kommunikation - nach oben und unten -- klar, beständig, direkt und ehrlich zu sein. Haben Sie keine versteckte Agenda. Was gut für die Mannschaft ist, sollte auch offen diskutiert werden können.

  • Feedback. Geben Sie laufend Feedback. So weiß jeder, woran er ist. Wissen bewältigt Unsicherheit und Ängste.

  • Stabilität. Versuchen Sie langfristig eine stabile Mannschaft aufzubauen, ohne viele Veränderungen. Denn laufende Veränderungen beeinträchtigen die Kommunikation und lösen Verängstigungen aus. Anstatt Personal zu verändern, verbessern Sie es; dann brauchen Sie es nicht zu verändern.

  • Kontinuität. Versuchen Sie jedes Mal mit der gleichen Mannschaft aufzulaufen und auch die gleichen Spieler auszutauschen. Das bringt Ruhe und Sicherheit in die Mannschaft und wird von den Spielern akzeptiert, auch von denen, die nicht spielen.

  • Persönlich. Versuchen Sie so oft wie möglich persönliche Gespräche mit jedem Spieler zu haben, auch wenn es nur ein paar Worte während des Essens, auf dem Weg zum Umkleideraum oder während des Trainings sind. Wenn Sie dann das Richtige sagen oder fragen, werden Ihre Worte eine langfristige Wirkung haben.

  • Fokusgruppen. Treffen Sie sich oft mit den Vorn (Stürmern), Mitte (Mittelfeldspielern) und Hinten (Verteidigung) Gruppen. So können Sie gezielt reden, denn die Bedürfnisse jeder Gruppe sind verschieden. Schließen Sie in diese Gruppe auch die Reservespieler ein. So lernen sie und sind voll informiert und spielbereit.

  • Videos. Machen Sie guten Gebrauch von Videos. Viele Spieler lernen visuell und nicht mündlich. Videos sind auch effektiv beim Training, zur Selbstanalyse und somit zur Selbstverantwortung.

  • Teamtalk. Geben Sie dem Team Gelegenheiten nicht nur als Fokusgruppen, sondern auch als ein Team zusammen zu kommen. So vermeiden Sie Cliquendenken und fördern Teamdenken.

Weil das Kommunikationsnetz den ganzen Verein betrifft, ist es nicht leicht aufzubauen. Es ist aber essential, denn der Fußballverein ist total menschenbezogen. Wo immer Sie Menschen finden, brauchen Sie Kommunikation. Ein gutes Netz belebt den Verein. Es gibt ihm Dynamik und ermöglicht ihn zu lernen und wachsen.

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