Warum verstehen einige Spieler den Trainer nicht,
auch wenn der die gleiche Sprache spricht?

Ein Grund, weshalb man sich nicht immer perfekt unterhalten kann, sind die kommunikativen Hindernisse, die im Wege stehen und die man zu überbrücken hat. Wenn Sie also versuchen, einem Spieler etwas zu erklären, und er es nicht versteht, gibt es dafür verschiedene Gründe. Es ist gut diese zu verstehen. So machen Sie sich selbst keine Vorwürfe, auch beschuldigen Sie den Spieler nicht des bösen Willens. Hier sind einige Hindernisse:

  • Filtern. Wenn Sie das, was Sie zu sagen haben, so fassen, dass die Spieler es leichter akzeptieren oder günstiger beurteilen, dann manipulieren oder filtern Sie Information. Oder Sie können Information manipulieren, indem Sie sie sortieren und so hinstellen, dass Sie die Antwort bekommen, die sie erwünschen. Das Negative und Unangenehme wird so gefiltert, aussortiert, um die Message akzeptabler zu machen, nach dem Prinzip: "Ich sag ihm, was er gern hört." Das ist dann bewusste Manipulation. Man filtert aber oft unbewusst, weil man das Negative auch selbst nicht gern denken oder wahrnehmen will, insbesondere, wenn die Message von der Vereinsführung kommt. Oft filtert man aber bewusst, besonders dann, wenn man seine Message gern "verkaufen" oder akzeptiert sehen will. Manchmal will man auch die Gefühle des Empfängers schützen. Der Effekt des Filterns macht sich oft später bemerkbar, denn Menschen haben die Fähigkeit, sich selbst zu täuschen und anzunehmen, dass sie das Gesagte doch wohl ungefiltert überliefert haben. In ihrem Gehirn sitzt das Gefilterte und Ungefilterte in einem Klumpen zusammen, so dass man nachher gar nicht mehr weiß, was man eigentlich gesagt hat. Verworrenes Denken nennt man das.

  • Perzeption. Man kann nicht nur das Gesagte filtern, sondern auch das Gehörte. Denn die Spieler hören nicht unbedingt, was Sie sagen, gefiltert oder nicht, sondern was sie auf Grund ihrer Bedürfnisse, Motivation, Erfahrung, Hintergründe und anderer persönliche Eigenschaften wahrnehmen. Sie suchen sich also das aus, was ihnen gefällt und ignorieren den Rest. Stellen Sie sich bitte einmal vor, was dabei heraus kommt, wenn Sie als Trainer eine Message filtern, und die Spieler diese Message dazu noch verschieden aufnehmen. Wenig. Sie reden, die anderen hören - und wenig wird übermittelt. Wenn Sie dazu noch Sprachschwierigkeiten berücksichtigen, kommt noch weniger dabei heraus. Das ist aber noch nicht das Ende der Verwirrung. Hinzu kommt noch, dass die Spieler beim Zuhören auch ihre Interessen und Erwartungen in die Wagschale der Perzeption werfen. Wenn sie etwas Bestimmtes erwarten, und das Erwartete auch nur in etwa erwähnt wird, hören sie nur dies und schieben den Rest der Message beiseite. Ist es ein Wunder, dass die menschliche Kommunikation so schwierig ist?

  • Gefühle. Auch Gefühle beeinflussen die Interpretation der Message. Wenn die Spieler entspannt und bei guter Laune sind, hören sie eine Message. Wenn sie aber verärgert oder verängstigt sind, wird die Message eher verzerrt. Auch schalten die Emotionen aus, wenn Sie in Ihrer Denkfunktion sind. Umgekehrt schaltet das Denken aus, wenn Sie in Ihrer Gefühlsfunktion sind. Denn Denken und Fühlen sind ja Gegensätze. Wenn das Gefühl die Oberhand hat, kann das Gehörte nicht auf einer rationalen und objektiven Weise verarbeitet und verstanden werden. Wenn das Denken die Oberhand hat, hören Sie zwar das Rationale, ignorieren aber die Gefühle, die dann zu einem späteren Standpunkt das Rationale oft angreifen, ignorieren oder wegspülen.

  • Sprache. Auch die Sprache behindert eine effektive Kommunikation. Denn Wörter haben oft verschiedene Bedeutungen und jeder sucht sich natürlich die aus, die am besten in sein Denkkonzept passt. Das Alter, die Erziehung und der kulturelle Hintergrund eines Spielers sind nur drei Einflüsse, welche die Sprache beeinflussen. So wird das Gesagte verschieden ausgelegt. Mediziner und Rechtsanwälte benutzen oft Worte, die der Mann auf der Strasse nicht versteht. In Fußballvereinen kommen die Spieler aus aller Herren Länder, können oft nur wenig deutsch und haben dazu noch andere Sprachmuster. Wie können Sie sich unter diesen Umständen verständlich machen?

  • Menschentypen. Typen von Menschen kommunizieren auf verschiedene Art und Weise. Denktypen empfangen Ideen und bereiten sie zur Übertragung vor, durch ein Konzept oder Urteil, das ihnen absichtlich oder unabsichtlich durch den Kopf geht. Sie kommunizieren also durch aktives oder passives Denken. Beim aktiven Denken schalten sie den Willen ein. Passives Denken geschieht einfach von selbst. Der aktive Wille enthält Rationalität und Urteilskraft. Beim passiven Denken sind selbstgeformte Vorstellungen am Werk. Gefühlstypen bewerten den Inhalt von dem, was sie versenden oder empfangen. Sie mögen, was Sie sagen oder sie mögen es nicht, sie schätzen es oder sie schätzen es nicht. Sie kommunizieren, was sie stimuliert und was ihren Bewertungsprozess auslöst. Das Gefühl drückt sich so in Annahme oder Ablehnung aus. Es ist nicht auf intellektuellen Schlussfolgerungen aufgebaut. Sinnlichkeitstypen können konkrete Sinneswahrnehmungen gut aufnehmen und ausdrücken, denn ihre fünf Sinne sind bestens ausgeprägt. Was sie sehen, hören, riechen, schmecken und berühren, können sie auch genau kommunizieren. Intuitive Typen nehmen auch wahr. Aber ihre Wahrnehmung ist nicht wirklichkeitsbedingt. Sie kommt von sich allein, ohne Erklärung, oft aus dem Nichts. Was sie wahrnehmen ist eine instinktive Festnahme, die schwer zu verstehen und daher schwer auszudrücken ist. (sehen Sie bitte auch Kommunikation und Menschentypen )

  • Persönlichkeitskonflikte. Wenn zwei gleichgesinnte Typen miteinander kommunizieren, gibt es keinen Persönlichkeitskonflikt, höchstens einen Meinungsunterschied. Also wenn zwei Denktypen diskutieren, können sie zwar verschiedene Meinungen vertreten, aber sie kommunizieren auf der gleichen Wellenlänge. Wenn gegensätzliche Typen diskutieren (z.B., Denktypen mit Gefühlstypen, oder Sinnestypen mit intuitiven Typen) sind Persönlichkeitskonflikte in die Diskussion mit eingebaut. Gegensätzliche Typen verstehen sich oft überhaupt nicht; sie scheinen verschiedene Sprachen zu sprechen und sind sich einander nicht wohlgesonnen. Sie verstehen einander nicht, weil sie zu verschieden sind.

  • Annahmen. Sie nehmen an, dass jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. In Wirklichkeit weiß er das nicht, oder er ist sich nicht sicher, will sich aber vor Ihnen nicht blamieren und sagt lieber nichts. Er spielt dann unentschlossen, weil er verunsichert ist, wenn er sieht, wie Sie ihn von der Bank aus ausschimpfen. Der Spieler nimmt also an, dass Sie wissen, was er zu tun hat, dass Sie aber noch keine Zeit gehabt haben, es ihm in Ruhe zu vermitteln. Seine Annahme ist falsch. So kann ein arges Meinungsgewirre entstehen.

  • Rollenkonflikte. Hier gibt es drei Möglichkeiten. Spieler wissen nicht genau, welche Rolle sie spielen sollen. Oder sie sind sich dessen sicher, mögen ihre Rolle aber nicht. Manchmal steht ihre Rolle im Konflikt mit der eines anderen Spielers. Wenn Sie sich mit jedem Spieler hingesetzt haben und die Rolle, die er zu spielen hat, ausgiebig diskutiert und schriftlich belegt haben (sehen Sie bitte auch Rollenbeschreibung), wird es diesen Konflikt nicht geben. Wenn Sie dazu noch den Spieler vorher genauestens befragt haben, welche Rolle ihm am besten liegt, ist die zweite Möglichkeit eines Rollenkonfliktes eliminiert. Wenn Sie drittens die Rollen der Spieler so definiert haben, dass ein Rollenkonflikt zwischen Spielern nicht möglich ist, so haben Sie auch das dritte Hindernis eines Rollenkonflikts ausgeschlossen.

  • Hackordnung. Menschen, wie Hühner, müssen wissen, wo sie in der Hackordnung stehen. Da die Spieler oft kommen und gehen, ist dies ein fortwährender Prozess. Hier können Sie helfen. Setzen Sie sich mit den Spielern zusammen und bestimmen Sie gemeinsam, welche Rolle ein jeder Spieler im Verein spielt. Dies ist von besonderer Bedeutung an Spieltagen: wer spielt, wer zur Stammelf gehört, wer Reservespieler ist - all diese Fragen müssen Sie mit den Spielern klären, so dass sie nicht zu Hindernissen werden, nicht nur in der Kommunikation, auch bei der Teamarbeit.

  • Kulturelle Missverständnisse. Weil der Fußball heutzutage ein multikulturelles Ereignis ist, müssen Sie es durch die Klarheit Ihrer Wortwahl vermeiden, kulturelle Schnitzer zu begehen, und so bei den Spielern anzustoßen. Sie sind also gezwungen, sich mit der Kultur Ihrer Spieler zu befassen, wenn nicht im Einzelnen, so doch im Überblick. Die Körpersprache spielt hier auch eine Rolle, denn mitunter werden Worte allein nicht ausreichen, insbesondere in der Hitze des Gefechts, wenn Wörterbücher nicht zur Verfügung stehen. Checken Sie, ob Ihre Message ankommt. Benutzen Sie Worte, die leicht verständlich sind. Nonverbale Kommunikation ist mitunter Ihr letztes Mittel, sich verständlich zu machen.

  • Ungerechtigkeiten. Als Coach können Sie Spielern leicht auf die Füße treten, indem Sie Entscheidungen treffen, die von einigen Spielern als unfair angesehen werden. Es ist daher am besten, wenn Sie wichtige Entscheidungen vorher mit den Spielern absprechen, so wie die Mannschaftsaufstellung oder das Austauschen von Spielern während des Spiels. Regeln helfen, die bei sofortigen Entscheidungen angewendet werden können. Außerdem sollten Sie einen Feedback Prozess aufbauen, durch regelmäßige Meetings oder durch angegebene Stunden der offenen Tür (open door policy). So halten Sie die Kommunikation offen und verhindern, dass sich "der Wurm einschleicht".

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