Wie man Rituale nutzt

Ein Bild ohne Rahmen hat oft keine Grenzen, es verfließt mit der Wand und verliert so an Bedeutung. Ähnlich ist es mit dem Fußball. Weil er so vielfältig ist, braucht auch er einen Rahmen, eine Einfassung. Rituale können diesem Zweck dienen. Rituale sind Systeme von Riten, zeremonielle oder formelle Prozeduren, die konsequent befolgt werden. Wie können Rituale dem Fußball dienlich sein?

Rituale entwickeln

Rituale müssen entstehen, sich ergeben. Sie dürfen nicht forciert oder angeordnet werden. Sonst werden sie zu Dogmen. Hier ist eine einfache Methode, um unbewusste Rituale bewusst zu machen. Bitten Sie zwei oder drei besonders aufmerksame und einfallsreiche Spieler, die Mannschaft während der Woche zu beobachten. Diese Spieler sollten nach Folgendem Ausschau halten: Verhaltensweisen, die sich vor, während oder am Ende des täglichen Trainings oder des Wettspiels immer wiederholen. Die Kurzberichte dieser Spieler dienen dann als Ausgangsbasis für eine Diskussion mit der Mannschaft. Diese oder ähnliche Fragen könnten gestellt werden:

· Welche dieser Angewohnheiten und Verhaltungsweisen wollen wir beibehalten?
· Warum?
· Was geben sie uns?

Das entstehende Gerippe von Ritualen, mit dem sich die Spieler identifizieren können, weil es aus ihren Benehmensweisen entwickelt wurde, gibt der Mannschaft Halt und Freude. Halt, weil es das Ende einer Aktivität bedeutet und den Beginn einer neuen einleitet. Auch, weil es zur Entwicklung guter Angewohnheiten beiträgt, die besonders dem samstaglichen Spiel zu Gute kommen. Freude, weil man dann wieder zusammen ist, sich ausruhen kann und informell das besprechen kann, was man gerade praktiziert oder erlebt hat.

Gespräch als Ritual

Mannschaftsgespräche sollten zu einem Ritual werden, denn man lernt nicht nur vom Tun. Saisonziele sollten gemeinsam gesetzt werden. Die in dieser Website angegebenen mentalen Themen (sehen Sie bitte Spieler - Mentales Training) könnten als regelmäßig angesetzten gezielten Gesprächsstoff dienen. Spielanalysen des letzten Spiels und des nächsten Gegners sollten auch zum Ritual gehören. Die Entwicklung wöchentlicher Einzel-, Gruppen- und Teamtrainingspläne dazu. Häufige Gespräche, nicht nur physisches Training, sind auch eine wertvolle Quelle des Wissens, des Verstehens und der Verinnerlichung. Sie entwickeln auch die Spielintelligenz.

Das tägliche Training sollte aus gleichen Gründen diskutiert werden. Was lief und was lief nicht? Was sollten wir besser machen? Worauf sollten wir das nächste Mal achten? Nur trainieren, sich dann schnell umziehen und nach Hause fahren, ist nicht wünschenswert. Etwas machen, darüber nachdenken, Meinungen austauschen, es bewerten - erhöht die Trainingseffektivität. Diese Gespräche brauchen nicht formell zu sein. Nur die Gelegenheit sollte da sein und gefördert werden.

Die Rolle des Trainers

Sie, als Trainer, sollten Gespräche fördern, sich aber beim Gespräch heraushalten. Stellen Sie Fragen, geben Sie keine Antworten. Warum nur Fragen? Weil die Spieler die Antworten schon wissen. Alle Gedanken, die in Ihrem Kopf aufkommen, kommen auch in den Köpfen der Spieler auf. Daher ist es müßig etwas zu sagen, was andere schon wissen. Stellen Sie aber Fragen, regen Sie das Interesse der Spieler an. Durch Fragen machen Sie in den Spielern Dinge bewusst, die vorher unbewusst waren. Der Unterschied ist, dass Sie nicht die Antworten und Anordnungen geben. Kommen diese von den Spielern, liegt die Last und Verantwortung bei den Spielern. Es ist dann Sache der Spieler, kein Diktat von Ihnen. Denn Diktate sind im Fußball selten effektiv. Im Gegenteil, sie bilden Antagonismus. Daher ist es besser, gezielte Fragen zu stellen. "Wie beurteilt ihr unser Kopfballspiel?" "Was können wir tun, um unser Kopfballspiel zu verbessern?" "Wann und wie sollten wir es üben?" Der Plan, der aus dieser Konversation entsteht, gehört der Mannschaft. So sollte es immer sein. Eigentum der Mannschaft. Nicht Ihr Eigentum. Dann brauchen Sie sich um Motivation, Einsatz und Verantwortung nicht zu kümmern.

Rituale der Mitbestimmung von all den Dingen, die mit dem Fußball zu tun haben, haben eine enorme Power. Die Power der Mitbestimmung müssen Sie nützen, nicht mit Ihrer eigenen Meinung zerstören. Die Mannschaft spielt Fußball. Sie nicht. Also muss alles von der Mannschaft kommen. Sie sind der Ermöglicher, der Helfer, der Mitspieler. Die Rituale sind Ihr Plan, obwohl der Plan von den Spielern kommt. So ist alles Ihr Plan, obwohl alles von den Spielern kommt. Manipulation? Nein, einfach moderne Menschenführung. Rituale sind ihre Helfer, auch wenn sie von den Spielern kommen.

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