Wie man Probleme löst

Was folgt ist eine Methode um Probleme zu lösen. Sie sollten diese Methode erst selbst erlernen und sie dann Ihren Spielern lehren. So können Sie auf einfache Art und Weise gemeinsam Lösungen zu Problemen finden. Sie können diese Methode auch dazu benutzen, Ihr Denken zu ordnen - sagen wir, wenn Sie mit Ihren Spielern sprechen - oder sogar um ein zielstrebiges Telefongespräch zu führen.

Die Methode ist einfach, leicht zu behalten und anzuwenden. Sie besteht aus fünf Stufen.

Stufe 1: Die Problemsituation analysieren

Ein Problem zu analysieren heißt, es zu unterteilen und sich jedes Teil genau einzeln anzusehen. So kann man eine Problemsituation leichter erfassen, denn unser Gehirn wird so nicht überladen. Man kann so auch aussortieren, was wichtig und was unwichtig ist, und die Beziehung der wichtigen Einzelteile zueinander sehen. So bekommt man auch komplizierte Situationen schnell in den Griff. Hier ist ein Beispiel von einer Problemsituation:

Die Mannschaft hat 3:2 verloren, nachdem sie bis zur 70sten Minute 2:0 geführt hatte. Kurz vorher hatte einer Ihrer Abwehrspieler die rote Karte bekommen. Zu diesem Zeitpunkt wechselten Sie auch zwei Abwehrspieler aus, um sie für das Pokalspiel in drei Tagen zu schonen. Sie können der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie sich hinten versteckt habe, um das 2:0 über die Runden zu bringen. Sie hat munter angegriffen, wenn auch mit einem Mann weniger.

Stufe 2: Das Problem identifizieren

Das Herz (und oft der schwierigste Teil) des Problemlösungsprozesses ist, das eigentliche Problem zu identifizieren und klar auszudrücken. Man muss hier genau erkennen, was an der Situation nicht stimmt. Was ist hier falsch? Was sind die Symptome? Was sind die Ursachen? Man kann das Problem am besten so darstellen, indem man sich fragt: "Was sollen wir tun, um..."

Es gibt zwei mögliche Gründe für die Niederlage: (1) Die Mannschaft wurde durch die rote Karte geschwächt. (2) Zwei Abwehrspieler wurden ausgewechselt. Da die Mannschaft weiter angegriffen hat, kann man ihr nicht vorwerfen, mit minimalem Einsatz nur zu verteidigen. Das Symptom ist einfach: Die Mannschaft verlor. Das Problem kann man wie folgt ausdrücken: "Was sollen wir tun, damit wir in Zukunft nicht wieder in den letzten 20 Minuten so viele Tore reinlassen, dass wir verlieren?"

Stufe 3: Alternativen erzeugen und bewerten

Entscheidungsalternativen sind Möglichkeiten, ein Problem zu lösen. Die Möglichkeiten sollten voneinander unabhängig sein. Alternativen sollten zuerst erzeugt, erst dann bewertet werden. Alternativen erzeugen heißt, nach Ideen und Möglichkeiten zu suchen, die das Problem, so wie es identifiziert worden ist, lösen. Die Bewertung besteht daraus, die Qualität der Alternativen zu beurteilen.

Es gibt drei offensichtliche Möglichkeiten: 1. In Zukunft gelbe und rote Karten zu vermeiden. 2. Keine Abwehrspieler in den letzten Minuten mehr auszuwechseln. 3. Nicht mehr so offensiv zu spielen, um einen Vorsprung zu verteidigen.

Die erste Alternative, Karten zu vermeiden, ist schwer zu realisieren. Karten kann es zu jeder Zeit geben, obwohl man versuchen kann, vorsichtiger zu spielent. Es ist daher keine gute Alternative, das Problem zu lösen. Man kann nicht darauf bauen, keine Karten zu bekommen.

Die zweite Alternative, in den letzten Minuten keine Abwehrspieler auszuwechseln, sollte man in Erwägung ziehen. Es scheint, dass die neuen Spieler sich nicht schnell genug in die zu füllende Rolle einspielen konnten und dass der Gegner diese anfängliche Unordnung ausgenutzt hat.

Die dritte Alternative, nicht mehr so offensiv zu spielen, wenn man einen Vorsprung hat, ist eine fragliche Möglichkeit. Man kann nämlich gut argumentieren, dass Angreifen eine bessere Taktik ist, einen Vorsprung zu halten, als Verteidigen.

Stufe 4: Die beste Alternative aussuchen

Manchmal ergibt sich die beste Alternative aus der dritten Stufe. Wenn das aber nicht der Fall ist, kann man nach zwei Kriterien entscheiden: 1. nach der objektiven, sachlichen und vorurteilslosen Qualität der Entscheidung; und 2. nach der Akzeptanz der Entscheidung von den Spielern. Mitunter wird die beste, objektive Entscheidung nicht leicht von den Spielern akzeptiert. In diesem Fall muss eine Entscheidung getroffen werden, welche die Situation nicht optimiert, sondern beschwichtigt.

Die zweite Alternative, vorerst keine Abwehrspieler in den letzten Minuten mehr auszuwechseln, scheint, objektiv gesehen, die beste zu sein. Die Ersatzspieler, die sich auf einen Einsatz gefreut haben, werden wohl nicht sehr glücklich darüber sein. Das Wort "vorerst" sollte sie beschwichtigen.

Stufe 5: Die gewählte Alternative implementieren

Die Entscheidung muss jetzt in die Praxis umgesetzt werden. Ein Aktionsplan ist gefragt: Die Fragen was?, wer?, wann? und wie? müssen beantwortet werden. Der Plan sollte flexibel genug sein, so dass er leicht modifiziert werden kann.

Es gibt wenig zu implementieren: man wechselt die Abwehrspieler in der letzten Phase des Spiels einfach nicht mehr aus, schon gar nicht zwei Spieler zur gleichen Zeit. Es scheint auch, dass die Rollenbeschreibungen der ein- und ausgewechselten Spieler nicht übereinstimmen. Die eingewechselten Spieler wussten nicht genau, welche Rolle sie spielen sollten und wie sie sich zu verhalten hatten. Die Rollen der gesetzten und nichtgesetzten Abwehrspieler sollten besser abgestimmt und trainiert werden, damit ein Spieler lückenlos die Rolle eines anderen übernehmen kann. Als Trainer sollten Sie die Rollen mit den betroffenen Spielern durchsprechen. Sie sollten den Spielerwechsel auch mehrere Male trainieren, anfänglich drei Mal die Woche, für je eine halbe Stunde. Später periodisch. Das gleiche trifft übrigens auf alle Spieler zu, denn die Abwehr sollte mit diesem Rollenkonflikt nicht allein sein. Sie sollten leicht feststellen können, ob das Problem gelöst wurde: tritt es nicht mehr auf, ist es gelöst.

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