Wie man die Mannschaft aufstellt

Das alte (gegenwärtige) System der Mannschaftsaufstellung basiert auf Rollenbeschreibungen. Jedem Spieler wird ein gewisser Aktionsbereich, bei Angriff und Verteidigung zugeteilt. Ihn ihm hält er sich auf. Die Rollenbeschreibungen ändern sich leicht, je nach dem System (z.B. 2-4-2, 4-3-3, etc.), das Sie befürworten.

Das neue System, im Powerfußball, basiert auf Prinzipien (sehen Sie bitte Powertaktik): elf Stürmer, elf Verteidiger. Die Formation ändert sich laufend. Sie sagen gar nichts, denn was Sie zu sagen haben, haben Sie schon lange im Seminarraum gesagt, dort, wo die Taktik geübt wird.

Das alte System

Das alte System ist das gegenwärtige System. Sie stellen die Mannschaft auf. Das ist Ihre Power Basis. Deswegen machen die Spieler, was Sie sagen. So haben Sie Kontrolle über die Spieler. Stellen Sie jemanden nicht auf, wird der Spieler sich schwer tun im Verein. Wohl auch in anderen Vereinen, denn diese sehen, dass er nicht oft gespielt hat, also nicht talentiert sein kann Oder er ist talentiert, hat aber eine schlechte Einstellung oder ist faul. Ihre Macht beruht auf die Positionspower Ihres Amtes. Sie nominieren die Mannschaft, die im nächsten Spiel spielt.

Ihre Entscheidungen bringen nicht nur Freude für die Tüchtigen und Glücklichen, sie haben auch negative Konsequenzen. Diese sind oft schwerwiegend und verhindern, dass Sie jemals einen Teamgeist entwickeln können. Das heißt, wenn Sie von der Power Ihres Amtes Gebrauch machen, also Zwang benutzen, können Sie nie gute Teamarbeit verrichten. Das ist eine schwerwiegende Aussage, fast eine Anklage. Wenn dem so ist, sollten Sie Ihre Positionspower nicht mehr in Anspruch nehmen, denn sonst schaden Sie der Teamarbeit. Zwang zwingt die Spieler selbst gut auszusehen, und nicht gute Teamarbeit zu leisten. Bestrafen Sie Ihre Spieler, indem Sie sie nicht aufstellen, wenn sie nicht tun, was Sie wollen, schaden Sie dem Team und den betroffenen Spieler.

Wenn Sie also starke Machtgefühle haben und auf diktatorische Weise alle Entscheidungen über die Mannschaftsaufstellung selbst treffen, fügt diese Charaktereigenschaft und Benehmensweise der Mannschaft und dem Verein Schaden zu.

Wie könnten Sie diesen Schaden verhindern?

Die Wahl und die Qual

Nehmen wir einmal an, Sie hätten einen Spielkader von 22 Spielern. Also jede Position ist doppelt besetzt. Nehmen wir ferner an, dass die Rollenbeschreibungen von jeweils zwei Spielern identisch sind. Dann könnten Sie theoretisch zwei Mannschaften auflaufen lassen. Das werden Sie wohl auch im Training tun. Sie haben so vor jedem Spiel theoretisch elf Entscheidungen zu treffen: Wer von den zwei Spielern, die sich auf eine Position spezialisiert haben, soll spielen?

  • Soll derjenige spielen, der im letzten Training herausstach? Der sich besonders einsetzte (vielleicht, weil er Sie kennt und weiß, dass Sie so Entscheidungen treffen), weil er einen guten Tag hatte, sich dabei aber verausgabte und dann im eigentlichen Spiel nicht besonders gut spielte. Ihre Entscheidungsbasis - diejenigen Spieler aufzustellen, die sich im Training hervortun - ist also fragwürdig.


  • Sollten Sie den besseren Teamspieler oder Einzelspieler einsetzen? Wenn Sie den Teamprozess nicht gut verstehen, oder ihn nicht hoch bewerten, könnten Sie leicht den besseren Einzelspieler einsetzen, obwohl dieser nur selbst gut aussehen will und sich wenig für das Team einsetzt. Sie müssen also Ihre zugrundeliegenden Annahmen prüfen.


  • Setzen Sie vielleicht unbewusst den Spieler ein, der Ihnen vom Typ her ähnlich ist, der Ihnen also sympathisch ist? Das ist häufig der Fall, denn man fühlt sich zur eigenen Art (zu denen mit dem eigenen Schwingungsfeld) stark hingezogen. Andere, einem entgegengesetzte Typen findet man oft unausstehlich (sehen Sie bitte auch Vorurteile der Typen). Man wählt also Gleichtypische, wenn man die Wahl hat, die Sie haben. Sie müssen also versuchen, den richtigen Spieler für die Position, für das Team und für die Eigenarten des nächsten Gegners auszusuchen.


  • Bevorzugen Sie vielleicht die älteren, erfahrenen Spieler, auf die Sie sich verlassen können? Lassen Sie so die jungen, hungrigen Spieler auf der Bank schmoren, weil sie deren Jugend und Unerfahrenheit misstrauen? Wenden Sie so das industrielle Konzept des Dienstalters (amerik. LIFO: last in, first out) und nicht die Performance an?


  • Gehen Sie rein nach Leistung, sagen wir nach dem Kickerspielerdurchschnitt der laufenden Saison? Wie aber sollen junge oder neue Spieler ihren Durchschnitt steigern, wenn sie nie spielen? Oder ist dies keine Erwägung? Würden Sie die jungen Spieler auch nicht als Auswechselspieler einsetzen?


  • Sollte derjenige spielen, der solide und verlässlich ist, aber wenig Kreativität hat? Oder sollte der kreative Spieler eine Chance bekommen, obwohl seine Leistungen unterschiedlich sind?


  • Müssen Sie die Stars spielen lassen, weil Sie sich selbst rechtfertigen wollen oder weil die Zuschauer es erwarten, denn sie haben diese Spieler geholt, obwohl sie nicht so recht ins Team passen und ihre mentale Einstellung auch nicht stimmt, was Sie aber nicht wissen konnten oder nicht getestet haben?
Die Qual und die Wahl

Sie werden es nie richtig machen können, ohne dass es negative Konsequenzen gibt. Sie können nicht verhindern, dass Spieler sich egoistisch benehmen, dass sie eifersüchtig auf andere Spieler sind, dass es Konflikte in der Mannschaft gibt, dass die Spieler miteinander konkurrieren, nicht miteinander reden, schlecht voneinander reden, angespannt und unter Stress sind, usw. Die Liste der negativen Konsequenzen ist endlos. Und diese Liste existiert nur, weil Sie nicht elf, sondern 22 Spieler haben. In Wirklichkeit haben Sie noch mehr Auswahl, wenn Sie die Amateure mit einbeziehen. Und weil Sie die Power haben zu bestimmen, wer spielt. Was können Sie tun, um die Qual zu minimieren und die Wahl zu maximieren?

  • Auf Ihre Philosophie der Praxis zurückgehen. Was sind Ihre Grundsätze? Woran glauben Sie? Was sind Ihre Annahmen, Ihre Prinzipien? Sind diese solide, vertretbar, zusammenhängend? Haben sie in der Vergangenheit zum Erfolg geführt? Sind Sie objektiv? Werden sie von den Spielern und der Vereinsführung akzeptiert? Ist Ihre Philosophie gesund, wird Ihre Wahl vertretbar sein und die Qual so minimiert.


  • Sie können sich mit den elf Spielerpaaren (oder Spielertrios) treffen und gemeinsam eine Strategie entwickeln. "A ist unser Stammspieler. B spielt nur, wenn A verletzt oder krank ist, wenn er einen schwarzen Tag erwischt hat, oder wenn wir mit mindestens drei Toren führen oder zurückliegen. In den letzteren beiden Fällen spielst B die letzten 15 Minuten, oder früher, wie immer die Umstände sind." Dann wissen die beiden Konkurrenten für die, sagen wir einmal, rechte Verteidigerposition, was sie zu erwarten haben.


  • Den Stammspieler (A) zum Mentor des Ersatzspielers (B) machen. Nach dem Motto: "Ihr Zwei seid für diese Position verantwortlich. A wird sich um dich kümmern und dir helfen, bis du genau so gut bist wie A. Du, B, spielst, wenn A verletzt ist, einen schwarzen Tag hat oder wir mit drei Toren führen oder zurückliegen." Wenn B so gut ist wie A, können Sie die beiden Spieler abwechselnd einsetzen oder einen der Spieler verkaufen und so der Vereinskasse helfen.


  • Sie könnten sagen, dass derjenige, der sich im Training hervortut, spielt. Das hört sich logisch an, ist aber nicht immer ratsam, denn Sie wollen ja innerhalb der Mannschaft einen Geist der Kooperation erzeugen. Konkurrenz tötet Kooperation. Gehen Sie nach dem Naturgesetz des "Überleben des Fittesten", was die Norm zu sein scheint, schaden Sie dem Teamgeist und damit dem Erfolg. Denn die Fittesten gewinnen keine Spiele, nur das Team. Nur ist der Spieler, der sich im Training hervorhebt, mitunter auch wirklich der bessere und konsequentere Spieler während des Spiels. Also, Regeln helfen hier nicht so gut wie Fingerspitzengefühl.


  • Sie können die Spieler auf anderen Positionen einsetzen, also auf Positionen, die nicht in der Rollenbeschreibung stehen. Das öffnet für die Spieler viele Möglichkeiten, denn sie könnten auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Daher steigt ihre Chance zu spielen, insbesondere, wenn die Verletzungsquote hoch ist. Diese Alternative ist aber nicht empfehlenswert. Erstens haben Sie ja Rollenbeschreibungen um Positionsspezialisten zu fördern. Zweitens ist ein Spieler selten Spezialist auf mehreren Positionen. Spielt er auf einer ungewohnten Position, kann er also nicht sein Bestes geben. Es sei denn, sie spielen Fußball Total, haben also ein ganz anderes System.

Es ist nicht empfehlenswert, die Mannschaftsaufstellung gänzlich der Mannschaft zu überlassen. Das würde eine enorme Reife von den Spielern erfordern. Es ist auch nicht ratsam, dass Sie Entscheidungen treffen, die gegen den Willen eines Spielers gehen. Alle Entscheidungen müssen von den Spielern voll akzeptiert werden, sonst haben Sie kein Commitment und kein Team. Sie müssen also zusammen mit den Spielern Entscheidungen und Regeln über Mannschaftsaufstellungen treffen. Und die oben aufgeführten Punkte dabei im Kopf halten.

Powerfußball

Die Mannschaftsaufstellung im Powerfußball erfordert ein ganz anderes denken. Sie spielen meist mit der Standardelf. Auch können Sie leicht Spieler ein- und auswechseln, denn jeder Spieler kann auf jeder Position spielen. Denn Ihr ganzer Spielkader trainiert gleich.

Wechseln Sie also Spieler ein, die nicht zur Standardelf gehören, wenn Sie ein paar Tore mehr geschossen haben als der Gegner. Oder stellen Sie sie von Anfang auf, wenn Sie glauben, dass Sie das Spiel trotzdem leicht gewinnen können.

In anderen Worten, wenn Sie Powerfußball spielen, fällt Ihnen die Mannschaftsaufstellung und das Auswechseln leicht. Sie können es fast schon vorweg mit den Spielern absprechen. Sie können sogar ein Rotationsprinzip mit den Spielern absprechen, so dass jeder Spieler in Ihrem Kader während der Saison mindestens ein halbes Dutzend Mal spielt. So ist Ihr ganzer Kader immer hochmotiviert. So leiten Sie mit leichter Hand. So können die Spieler frei und unbeschwert aufspielen. So sollte Fußball gespielt werden.
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