Wie man Stars behandelt

Mit der Berühmtheit ist es wie mit einer Lawine; die bekommt der
am heftigsten zu spüren, der darunter gerät. (Hermann Hesse)

Was ist die Rolle eines Stars? Wie passen Stars ins Team? Machen viele Stars ein gutes Team aus? Wie bereichern Stars ein Team? Was ist mit den Nicht-Stars? Sind sie nicht wichtig? Hier ist eine Reflexion zu diesen Fragen.

Die Starrolle

Viele Spieler wollen Rollen, die sie ins Glanzlicht bringen. Aber äußerst talentierte Mannschaften (denken Sie an die spanischen und italienischen Startruppen) erreichen oft ihr Potential nicht, weil jeder Spieler ein Star sein will und sich dementsprechend benimmt. Diese Spieler wollen gut aussehen, damit andere Vereine sie bemerken. Sie wollen immer "das ihre" aus einem Spiel herausziehen. Dann sind sie zufrieden. Ob ihre Mannschaft gewinnt oder verliert, ist einigen ziemlich egal. Sie wollen jedenfalls nicht die "schmutzige Arbeit" verrichten, zum Beispiel versuchen, dem Gegner den Ball abzujagen oder jemanden außerhalb des Spielgeschehens zu decken, denn das bringt wenig ein. Und wie sieht man dabei denn aus? Wie ein aufgescheuchtes Huhn, nicht wie ein Star.

Hier ist noch ein Problem. Denken Sie einmal über folgendes nach. Glauben Sie, dass Sie Spiele durch die Anstrengungen Ihrer fünf besten Spieler gewinnen? Oder glauben Sie, dass Sie Spiele mit fünf guten Spielern gewinnen, die gut zusammen spielen? Die Antwort zu diesen Fragen ist schwerwiegend, denn sie kann Millionen kosten oder sparen. Denn wenn Sie glauben, dass eine Ansammlung von Stars Spiele gewinnt, sollten Sie so viele Stars wie möglich kaufen. Glauben Sie aber, dass Spieler, die gut zueinander passen, also die gute Teamwork verrichten, Spiele gewinnen, suchen Sie nach ganz anderen Spielern.

Ein Vorurteil

Hier ist ein Vorurteil: Wenn Sie diese Fragen den Trainern der Topklubs in Europa stellten, würden fast alle behaupten, dass eine Ansammlung von Stars die beste Lösung ist. Fragen Sie aber Trainer, die für Vereine arbeiten, die nur einen Bruchteil des Budgets der großen Klubs haben, aber ziemlich weit oben in der Tabelle stehen, würden diese antworten, dass zusammenpassende Teamspieler effektiver sind als eine Handvoll von Stars. Es ist daher logisch, dass eine Truppe von zusammenpassenden Stars, die sich der Teamarbeit verschreiben, die beste Lösung ist. Nur sind Stars oft nicht bereit, sich dem Team zu opfern. Denn dann sind sie ja nur noch Teamspieler.

Eine andere Schwierigkeit ist, zu wissen, welche Stars zusammenpassen. Das ist auch ein kritischer Punkt. Um das heraufzufinden, müssen Sie in das Innere der Stars Einsicht haben. So ziehen Sie ihnen die verschiedenen Masken, die sie sich mit der Zeit angeeignet haben, ab und können sehen was dahinter steckt. Dann haben Sie den wahren Menschen. Sie können diese Stars dann vielleicht dazu bewegen, teamdienlich zu spielen. Sind die Stars aber Eigenbrödler, die dazu noch süchtig nach Berühmtheit und Sich-zur-Schau-stellen sind, werden sie nie teamdienlich spielen. So kann man leicht Geld vergeuden. So spielt man in der oberen Tabelle auch oft nicht mit.

Wie erkennt man das Wahre im Menschen? Indem man die Fähigkeit hat, in Menschen hineinzuschauen. Indem man gute Menschkenntnisse hat. Indem man nicht glaubt, dass alle so sein müssten, wie man selber ist. Indem man die richtigen Fragen an einen Spieler stellt. Indem man eine Ahnung hat, aus welchem Stoff der andere gemacht ist, wenn man nur ein seiner Nähe ist und ihn reden hört. Indem man sich sein Benehmen auf und außerhalb des Spielfeldes anschaut und es auswertet. Indem man feststellt, welcher Typ von Mensch er ist. Kurz, indem man sich den Menschen ansieht, nicht den Star.

Eines haben Sportsstudien klar bewiesen. Wenn ein Star teamdienlich spielt, hebt er das Niveau der ganzen Mannschaft. Dann spielen auch die Nicht-Stars besser. Und weil sie so besser spielen, kann der Star scheinen und wird so wieder zum Star. Die wirklich großen Stars im Teamsport haben das irgendwann in ihrer Karriere einmal eingesehen. Durch ihre Einsicht wurden sie dann zu Superstars. Diejenigen, die diese Einsicht nicht hatten und die auch keine Trainer hatten, die ihnen diese Einsicht gaben, mussten oft den Verein wechseln, bis sie einen Trainer fanden, der die anderen Spieler zwang, sich dem Star unterzuordnen. Aber das hielt nie lange vor. Daher der Wechsel.

Der Nicht-Star

Vereine, die vorn mitspielen, haben Spieler, die gewillt sind, schmutzige, nichts-bringende, harte, nicht-geschätzte Arbeit zu verrichten. Nicht nur sind diese Spieler willig, diese Arbeit zu verrichten, sie sind stolz darauf. Haben Sie diese Spieler nicht, spielt Ihre Mannschaft nicht optimal. Wenn keiner die Ascheimer entleert, staut sich der Dreck. Wenn ein Star nur vorn verharrt und auf Pässe wartet, damit er Tore schießen kann und so gut aussieht, ist das nicht genug. Er muss sich auch anbieten, sich einige Bälle selbst erlaufen, Positionen wechseln, seine Mitspieler anfeuern, usw.

Hier ist die Story eines Nicht-Stars. Peter verbringt nach dem offiziellen Training unzählige Stunden, um Jens zu helfen sein Passspiel zu verbessern. Obwohl Peter nur selten eingesetzt wird, ist er daher kritisch zum Erfolg der Mannschaft. Ohne ihn und seine Mitspieler, die eine ähnliche Funktion erfüllen, können Spieler nicht ihr Potential erreichen und so dem Verein zum Ruhm verhelfen. Peter gehört zum Team, ist unerlässlich, obwohl wenige ihn kennen. Peter ist der Nicht-Star, unentbehrlich zum Erfolg. Er sollte es wissen, besser gesagt bekommen, und andere sollten es wissen, es ihm sagen. Insbesondere sollten Sie es wissen, dass diese Spieler wichtig für den Erfolg sind.

Powerfußball

Im Powerfußball brauchen Sie eigentlich keine Stars. Man kann diesen Satz auch umdrehen: Im Powerfußball haben Sie eigentlich nur Stars. Denn wenn Sie elf Stürmer haben (ja, auch der Torwart stürmt mit, schon durch seine platzierten Abschüsse), und alle ausgezeichnete Torschützen sind, kann kein Einzelspieler herausragen, es sei denn, er hat einen besonders guten Tag und wird so zum Eintagsstar.

Sie können die Sache auch von der Trainingsseite ansehen. Wenn jeder Spieler in der Mannschaft das Wesentliche im Fußball schon viele hundert Tausend Mal geübt und im Spiel angewendet hat, wer ist der Star?

 

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