Wie man Spieler motiviert

Spieler zu motivieren ist eine besondere Kunst. Sie braucht Menschenverständnis und Einfühlungsvermögen. Wenn ein Trainer sie beherrscht, kann er viel erreichen, auch mit einem durchschnittlichen Team.

Motivation: von innen und außen

Es gibt einige Spieler, die selbst-motiviert sind. Das sind oft introvertierte Spieler. Da diese Spieler einwärts blicken, und hauptsächlich in ihrem Inneren leben, ist Motivation, die von außen kommt, also von Ihnen, oft nicht effektiv.

Im Gegensatz zu introvertierten Spielern, wollen extravertierte Spieler gerne von außen motiviert werden, da sie sich generell nach außen hin orientieren. Da kann der Trainer Wirkung haben mit seinen Motivationsversuchen. Nur sind die Bedürfnisse eines jeden Spielers anders, gleich ob sie extravertiert oder introvertiert sind. Was den einen motiviert, lässt den anderen kalt. Es ist also schwer möglich, die ganze Mannschaft durch ein paar Floskeln in der Umkleidekabine zu motivieren. Da jeder Spieler anders vom nächsten ist, muss man da einzeln vorgehen.

Neben introvertierten und extravertierten Spielern gibt noch eine dritte Kategorie. Das sind die neuen und die jungen Spieler, die sich einen Stammplatz erobern wollen. Sie motivieren sich oft selbst. Denn sie wollen gut spielen, um wieder aufgestellt zu werden. Nur spielen sie nicht unbedingt mannschaftsdienlich. Auch wollen sie nicht unbedingt gewinnen. Hier muss man also anders motivieren.

Theorien

Es ist nichts Praktischeres als eine Theorie. Denn Theorien kommen ja oft aus der Praxis. Sie fassen zusammen was in Wirklichkeit passiert. Was folgt ist eine Zusammenfassung alter und neuer Motivationstheorien.

Bedürfnistheorie - Maslow

Maslows Theorie ist eine Stufentheorie. Eine Stufe führt zur nächsten. Wenn man sich sicher fühlt, motiviert das Zusammensein. Fühlt man sich zugehörig, motiviert die Wertschätzung, die eigene und die Anderer. Selbsterfüllung ist das i Tüpfelchen.

Sicherheit - Schutz vor physischem und emotionalem Schaden.
Sozial - Zuneigung, Zärtlichkeit, Liebe, Zugehörigkeit, Akzeptanz, Freundschaft
Wertschätzung - innerlich: Selbstrespekt, Autonomie, der Drang zur Leistung. Äußerlich: Status, Anerkennung, und Beachtung.
Selbsterfüllung - der Drang das zu werden, zu dem man fähig ist; es schließt ein: Wachstum, sein Potential zu erreichen, und Selbsterfüllung.
Maslow's Theorie ist zwar alt, aber sehr beliebt. Viele Leute können sich darin wiederfinden.

Theorie X und Y - McGregor

Man kann zwei Ansichten über Spieler haben. Eine Ansicht, Theorie X, ist negativ:

1. Die Spieler tun so wenig wie möglich, um ihr Brot zu verdienen
2. Weil sie den Einsatz scheuen, muss man sie zwingen, kontrollieren und mit Strafen drohen
3. Spieler meiden Verantwortung und brauchen dauernde Aufsicht
4. Spieler wollen sich nicht verletzen und spielen dementsprechend

Hier ist eine mehr positive Einstellung, genannt Theorie Y.

1. Die Spieler arbeiten gern, und strengen sich von allein an
2. Sie wollen gewinnen und können sich selber motivieren und zusammenreißen
3. Sie können lernen, Verantwortung zu akzeptieren, sogar zu suchen
4. Sie haben die gleiche Fähigkeit, innovative Urteile zu fällen wie der Trainer

Wenn Sie als Trainer eine X Einstellung hat, werden Sie sich schwer tun. Eine natürliche, gesunde und insbesondere positive Einstellung zu Ihrem Mitmenschen kann Wunder bewirken.

Motivation-Hygiene Theorie - Herzberg

Folgendes motiviert, sagt Herzberg.

Etwas zu leisten
anerkannt zu werden
das Spiel selber
Verantwortung
in der Stammelf zu spielen
persönliche Entwicklung und Wachstum

Folgendes motiviert Spieler nicht, kann aber Arbeitstunbefriedigung verursachen:

Regeln
Strafen
Beaufsichtigung
ein schlechtes Verhältnis zum Trainer
ein vergleichsweise niedriges Gehalt
harte Arbeitsbedingungen
ein schlechtes Verhältnis zu den Mitspielern
ein unbefriedigendes persönliche Leben
Status
Sicherheit

Eine interessante und anwendbare Theorie. Beachten Sie bitte besonders die letzte Kategorie, die nicht befriedigt, schon gar nicht motiviert.

Bedürfnistheorie - McClelland

Dies ist eine zweite Bedürfnistheorie. Folgendes motiviert:

1. Das Bedürfnis, etwas im Leben zu erreichen
2. Der Drang zur Macht (Power)
3. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Alle drei sind im Fußball ausgeprägt, besonders das Bedürfnis etwas zu erreichen.

Zielsetzungstheorie - Locke

Lockes Theorie kann in einem Satz zusammengefasst werden:

Klare schwierige Ziele führen zu hoher Leistung.

Diese Theorie ist wichtig für den Fußball. Setzen Sie hohe, aber nicht unerreichbare Ziele.

Gerechtigkeitstheorie - Adams

Spieler vergleichen ihre Leistungen, und ihr Gehalt, mit denen von anderen. Sie benehmen sich dann so, das Ungerechtigkeit ausgeschaltet wird. "Andere" fallen in drei Gruppen:

1. Der Spieler vergleicht sich mit seinen gegenwärtigen Mitspielern
2. Der Spieler vergleicht sich mit Spielern seines vorherigen Vereins
3. Der Spieler vergleicht sich mit Spielern von anderen Vereinen.

Eine sehr interessante, kostspielige Theorie, denn sie bezieht sich hauptsächlich auf das Gehalt. Wenn zwei Spieler gleich gut sind, aber einer zweimal so viel verdient der andere, fühlt sich der mit dem geringeren Einkommen unzufrieden. Da muss das Management gut aufpassen, denn der Gerechtigkeitssinn ist in den meisten Spielern sehr ausgeprägt. Sie lieben den Verein, fühlen sich aber gekränkt, wenn sie weniger Geld bekommen als andere, die sie für gleichwertig halten. Wenn sie nicht gleichgesetzt werden, wollen sie den Verein verlassen. Die Höhe des Gehaltes spielt für den Spieler oft eine untergeordnete Rolle, nur gerecht muss es sein.

Verstärkungstheorie - Skinner

Auch eine interessante Theorie, wichtig für das Training. Sie besagt, dass

Wiederholung und Verstärkung von Vorgängen das Benehmen beeinflussen.

Also, wenn man den Doppelpass nur mehrere Male im Training übt, wird man im Spiel keinen großen Unterschied sehen. Wenn man den Pass aber tausend Mal im (mentalen) Training übt, wird man ihn auch bestens im Spiel anwenden, da perfekte Pässe zu schlagen dann im Gehirn vorprogrammiert sind.

Erwartungstheorie - Vroom

In dieser Theorie gibt es drei Beziehungen:

1. Die Beziehung zwischen Anstrengung und Leistung.
2. Die Beziehung zwischen Leistung und Belohnung.
3. Die Beziehung zwischen Belohnung und des Spielers. persönliche Ziele

Diese Theorie hilft zu erklären, warum einige Spieler nicht motiviert sind und nur das Nötigste tun. Wenn man genug Geld hat (oder wenn man gesetzter Stammspieler ist), und wenn eine gute Leistung genau so belohnt wird wie eine schlechte Leistung, dann gibt es keinen Grund sich besonders anzustrengen.

Gelegenheitstheorie - Peters

Diese Theorie kann man auch in einer Formel erfassen:

f(F x M x G), wobei Leistung eine Funktion der Interaktion von Fähigkeit, Motivation und Gelegenheit ist.

Da Fußball ein Mannschaftssport ist, kann es vorkommen, dass die Gelegenheit fehlt zu brillieren. Wenn Herr Bierhof fortwährend die richtigen Bälle zugespielt bekommt, kann er in einem Spiel viele Tore schießen. Ist dies nicht der Fall, sieht er schlecht aus.

Typentheorie - Jung

Jung sagt, dass jeder Mensch anders ist. Er hat 25 Jahre gesucht, bis er vier Gemeinsamkeiten fand, die er Typen nennt. Diese vier Funktionen verbinden Menschen: das Denken und Fühlen, und das Empfinden und die Intuition.

Denktypen sind motiviert durch den Intellekt, die Logik und die Fähigkeit zu analysieren. Sie können durch ihr Denken zu Schlüssen kommen, die sie begeistern und für die sie Leistung bringen. Aber alles muss durchdacht werden. Ohne Denken geht bei diesen Typen nichts. Einige Spieler sind Denktypen.

Gefühlstypen schätzen eine Situation ab und bewerten sie. Sie gehen also nach Schätzwerten. Der Schätzwert ist ausschlaggebend, ob sie, sagen wir, Verantwortung (Ernennung zum Mannschaftskapitän) als motivierend empfinden. Wenige Spieler sind Fühltypen.

Empfindungstypen sind motiviert, wenn ihre fünf Sinne angeregt werden. Sie mögen das richtige Wetter, viele Zuschauer, einen attraktiven Gegner, Applaus, gute Mitspieler. Die meisten Spieler sind Empfindungstypen.

Bei intuitiven Typen muss die Fantasie eingeschaltet werden. Wenn sie das ist, gleich wodurch sie ausgelöst wird, kann dieser Typ Berge versetzen. Sie sind die kreativen Spieler. In Deutschland sind sehr wenige Spieler intuitiv.

Jeder Menschentyp motiviert sich also anders, oder muss anders motiviert werden. Typentheorie ist sozusagen ein Rahmen für die Motivationstheorien.

Motivieren ist eine Kunst, denn alles wechselt und ist laufend anders. Ein Spieler kann einmal durch etwas motiviert werden, aber nicht ein zweites Mal. Andere können von der gleichen Sache mehrmals motiviert werden. Es ist wie beim Essen. Wenn ein Restaurant nur Erbsensuppe anbietet, geht man da nicht jeden Tag hin, auch wenn sie noch so gut schmeckt. Als Trainer muss man also das Motivationsmenü laufend ändern und schmackhaft machen.

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