Wie man Spieler aufbaut

Vereine gehen oft nicht angemessen mit jungen Spielern um. Sie fügen diesen Spielern dabei großen Schaden zu. Wie integriert man junge Spieler am besten in den Verein?

Was der Verein nicht tun sollte

  • Indem man sie ignoriert. Junge Spieler brauchen viel Rat und Aufsicht. Sie werden oft, mit Hilfe der Presse, aus dem Nichts in Stars verwandelt. Das können die meisten jungen Leute nicht einordnen. Wenn sie auf sich selbst angewiesen sind, reagieren sie oft unangebracht, zu stark oder nicht genug. Ihre Eltern sind nicht immer eine Hilfe, denn die Jungen müssen sich ja zur gleichen Zeit auch vom Elternhaus lösen, weil sie so um zwanzig erwachsen werden. Ob ihre Agenten ihnen den Rat geben, den sie brauchen, ist auch fraglich. Ihnen ist ihre Kommission und der Marktwert des Spielers oft wichtiger als die seelische Betreuung. Also sind Sie, als Trainer, gefragt. Sie müssen sich den jungen Spielern besonders widmen. Treffen Sie sich oft mit ihnen, auch informell. Geben Sie ihnen Ihr Ohr. Leiten Sie die Spieler dazu an, durch geschickte Fragestellung eigene Antworten zu finden. Helfen Sie ihnen, gesund aufzuwachsen. Überlassen Sie die Jungen nicht ausschließlich den alten Haudegen im Team. Geben Sie ihnen Rat.


  • Indem man sie als Stars behandelt. Das ist das Gegenteil von ignorieren. Hier übertreiben sie es und machen zu viel aus ihnen. Sie füllen ihren Kopf mit überspannten und überzogenen Gedanken. Sie führen die Jungen weg von ihrem eigenen Center und machen sie glauben, dass sie etwas sind, was sie gar nicht sind. So werden die jungen Spieler innerlich entzweit und nehmen eine Rolle an, die sie oft überfordert. Sie schrauben die Erwartungen so hoch, auch vor der Presse, dass der junge Spieler sie gar nicht erfüllen kann. Sie machen aus ihm einen Helden, der er gar nicht ist und auch nicht sein will. Sie zwingen ihn so in eine Rolle, die er nicht erfüllen kann. Sie bringen ihn innerlich so durcheinander, dass er gar nicht mehr gut spielen kann, weil sein Kopf voller irreführender Gedanken ist.


  • Indem man sie mit Geld anlockt. Junge Leute haben nicht viel Geld, da ihr Berufs- oder Lernleben mit Zwanzig gerade erst anfängt. Dann kommt plötzlich ein Verein und lockt mit Millionen. Der Spieler will das Geld, denn so kann er sich all die Wünsche, von denen er bisher nur träumen konnte, über Nacht erfüllen. Plötzlich fahren sie ein großes Auto, kaufen sich die beste Kleidung, essen in den besten Restaurants, denken an ein eigenes Haus, möblieren es in Gedanken schon. Was passiert? Fußball wird zur Nebensache, denn der junge Spieler bekommt das Materielle nicht mehr aus dem Kopf. So erfüllt er nicht die Erwartungen, die der Verein an ihn stellt. Sein Kopf ist nicht frei. Er ist angefüllt mit anderen Dingen. Der äußere Druck auf ihn wächst. Erfülle dein Potential, sagt man dem Zwanzigjährigen. Dieser aber kommt immer mehr durcheinander.


Was der Verein tun sollte

  • Indem man Zwanzigjährige wie Zwanzigjährige behandelt. Junge Leute brauchen Fürsorge. Sie müssen sanft behandelt und in die Welt des Profifußballs eingeführt werden, denn sie sind noch im Werden. Sie brauchen Richtlinien, eine gute Routine, auf die sie zurückfallen können. Ein Mentor würde ihnen gut tun, aber nur, wenn der Mentor auf ihrer Wellenlänge ist, wenn der Spieler sich verstanden fühlt, wenn die Kommunikation mit dem Mentor beiderseitig gut läuft. So können junge Spieler mental richtig "eingestellt" werden, eine Übersicht bekommen und sich selbst im Verhältnis zum Ganzen (ihrem Privat- und Vereinsleben) sehen. Zwar müssen die rohen Energien junger Spieler verfeinert und gelenkt werden, damit sie im Fußball Früchte tragen können. Wichtiger aber ist das Mentale. Da gibt es viel Arbeit, denn das Mentale darf nicht nur auf den Fußball abgestimmt sein. Es muss auch das Private mit einbeziehen.


  • Indem man sie wie andere Spieler behandelt. Wenn man jung ist, möchte man gerne älter sein, damit man von älteren Erwachsenen akzeptiert wird. Da sollte es den Verantwortlichen im Verein nicht schwer fallen, die jungen Spieler wie alle anderen Spieler zu behandeln. So fühlen sie sich gleichberechtigt und behandelt, wie Erwachsene, auch wenn sie innerlich noch nicht ganz erwachsen sind. Das Verhältnis mit den Mitspielern wird sich von allein ergeben. Ältere Spieler sorgen sich oft gern um die Jüngeren. Es ist Ihre, des Trainers, Einstellung, die wichtig ist. Wenn Sie den richtigen Ton und das richtige Maß zu den Jungen finden - sie als gleichwertig und gleichrangig ansehen - können sie sich schnell den Normen und Gewohnheiten der Mannschaft angleichen. Starallüren kommen dann gar nicht erst auf.


  • Indem man mit ihnen nicht viel über das Geld redet. Wenn die Agenten der jungen Spieler einsichtig in die Psychologie eines jungen Menschen sind, werden auch sie nicht viel vom Geld reden, schon gar nicht öffentlich. Verhandeln Sie ein Gehalt oder eine Ablösesumme, schnell und schmerzlos, und reden Sie dann nicht mehr vom Geld. Es wird regelmäßig überwiesen, als sei es unwichtig, und damit hat sich die Sache. Machen Sie es überhaupt zur Norm, dass über das Geld im Verein und außerhalb des Vereins (insbesondere zur Presse) - außer während der Vertragsgespräche - nicht gesprochen wird. Geld verdirbt den Charakter, sagt man. Sie aber wollen das Gegenteil: starke Charaktere in Ihren jungen Spielern.


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