Einleitung zu den Teamübungen

Die Team Übungen, die hier vorgeschlagen werden, haben nur teilweise direkt mit dem Fußball zu tun. Das ist auch richtig so, denn die Fähigkeit ein enges Team zu bilden, ist auf jede Arbeitsgruppe anwendbar. Ein Team ist einfach eine Gruppe von Menschen, die zusammen an etwas arbeiten. Woran sie arbeiten, ist zweitrangig.

Diese Duplizität der Bedeutung von Teamwork wird für einige Spieler schwer zu verstehen sein. Sie werden oft meinen, dass Teamwork sich hauptsächlich auf den Fußball bezieht. Der Begriff kommt wohl von der Landwirtschaft, von Teams mit Pferden, die zusammen Lasten oder Pflüge zogen. Die Last zu ziehen ist ein Aspekt von Teams, die Fähigkeit, es zusammen zu tun, ist ein anderer.

Autonome Teams

Um gleich zur Sache zu kommen, die wirksamsten Teams sind diejenigen, die autonom - also frei, selbstständig und unabhängig - sind. Man erkennt sie auf dem Fußballfeld daran, dass der Trainer ruhig auf der Bank sitzt. Hüpft der Trainer auf und ab, macht er nonverbale Zeichen, oder bricht er in verbale Zügellosigkeiten aus, ist das Team nicht autonom. Es hat also nicht gelernt, sich selbst zu managen. Das ist die Norm auf den deutschen Spielfeldern und ein Zeichen dafür, dass es mit der Teamarbeit noch arg hapert.

Ein autonomes, selbst empowertes Team ist die höchste Form von Teamwork. In diesem Team sind alle Spieler für alle Aspekte des Fußballs verantwortlich. Die Spieler arbeiten zusammen, um ihr Spiel laufend zu verbessern. Sie reagieren auf Probleme, taktische zum Beispiel, die während des Spiels vorkommen und planen und organisieren alle Aspekte ihrer Arbeit selbst, unter der helfenden Hand des Trainers. In anderen Worten, die Spieler sind nicht nur dafür verantwortlich, dass bestens gespielt wird, sondern sie managen sich auch selbst. Wieso? Weil sie vom Trainer (besser vom Coach oder Fazilitator, denn Teamwork hat mit Training - einer Psycho-Motor Geschicklichkeit - wenig zu tun) empowered worden sind, da er die Spieler gelehrt und ihnen geholfen hat, für sich selbst zu planen und die eigene Arbeit zu kontrollieren und zu verbessern. Weil die Spieler ihre eigenen Ziele setzen (meist höhere Ziele, als die des Vorstands oder des Trainers) und ihr Spiel, im Training und Wettkampf, selbst kritisieren. Weil sie ihre eigenen Pläne entwerfen und ihre Leistung selbst analysieren, um sie laufend zu verbessern. Weil sie ihr eigenes Trainingprogramm entwerfen. Weil sie sich selbst disziplinieren. Weil sie oft neue Spieler, die ins Team passen, anheuern. Weil sie - nicht der Trainer, schon gar nicht der Vorstand - volle Verantwortung für die Qualität des Trainings und Spiels übernehmen.

Wenn Sie so einem Team begegnen, merken Sie es sofort. Die Spieler sehen nie zur Trainerbank. In diesen Teams sind alle Spieler Führungsspieler, jeder fühlt sich voll verantwortlich. Sie verändern Schwächen und Lücken blitzschnell. Sie kommunizieren viel und auf der gleichen Frequenz. Sie werden voll unterstützt von den Zuschauern, da diese sehen, was vor sich geht. Sie gewinnen ein Spiel nicht, um das nächste 0:4 zu verlieren. Sie spielen beständig gut, wie ein leise summender aber enorm kräftiger Elfzylinder.

Eine Sache der Philosophie und Einstellung

Die Übungen, die hier vorgeschlagen werden, sind nicht nur auf autonome Teams ausgerichtet. Sie sind für alle Teams anwendbar. Gebrauch und Anwendung hängen von der Philosophie des Trainers ab. Diese Philosophie wurde oft von der eigenen Spielererfahrung geprägt. Wenn Sie als heutiger Trainer (und damaliger Spieler) den Wert von Teamarbeit nie richtig verstanden oder angewendet haben, werden sie der Teamarbeit wenig Wert zumessen. Also werden Sie einen autokratischen Führungsstil anwenden, auch wenn dieser mitunter wohlwollend ist. Wissen Sie aber, was Teamarbeit bewerkstelligen kann, sind Sie in der Lage, aus einem "Haufen Spielern" eine Einheit zu schmieden.

Das Gleiche gilt auch für die Spieler. Wenn sie einmal die enorme Power von Teamwork persönlich erfahren haben, werden sie sich zu den Vereinen hingezogen fühlen, die Teamwork einen hohen Wert beimessen. Denn Teamwork, ein mental einheitliches Ganzes, kann eine ähnliche Droge für die Spieler sein, wie es das Fußballspiel für die Zuschauer sein kann. Teamwork befreit uns, es nimmt die Angst, weil wir dann Teil eines Größeren sind. Alle Spieler, auch die Stars, unterwerfen sich der Teamwork, wenn es zu mehr führt, als sie selbst zu Stande bringen können. Haben Sie die Power von Teamwork aber noch nie richtig gespürt, werden die Spieler weiterhin sich selbst in Szene setzen wollen. "Einer für alle, und alle für einen", heißt es in Dumas Die drei Musketiere. Das ist Teamwork.

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