Teamentwicklung

Eine Mannschaft besteht zwar aus Einzelspielern, tritt aber als Team auf. Das Ziel ist, die Einzelspieler zu entwickeln, damit sie bessere Spieler werden und sie gleichzeitig in effektive Teamspieler zu verwandeln. Das daraus entstehende Team muss im Laufe der Zeit zu einer Einheit werden, die größer ist, als die Summe der einzelnen Spieler. Ist sie das, haben Sie ein effektives Team. Dieses Konzept ist zwar schwer zu verstehen und noch schwerer zu messen, erklärt aber, worum es bei der Teamarbeit geht.

Beobachten Sie einmal ein Spiel am Fernseher. In der einen Mannschaft besteht das Spiel oft aus Einzelleistungen. Zwar wird der Ball auch hin und her gepasst, aber man sieht, dass das Spiel aus der Summe der Einzelleistungen der Spieler besteht. Die andere Mannschaft spielt teamdienlich. Jeder spielt für den anderen. Die Essenz des Spiels ist der Spielfluss. Wenn das Spiel fließt, ohne dass die Spieler auffallen, sehen Sie ein gutes Team bei der Arbeit. Umgekehrt, wenn die Spieler auffallen, ohne dass das Spiel fließt, sehen Sie ein schlechtes Team bei der Arbeit. Teamentwicklung heißt also, die Spieler zum Spielfluss zu bewegen und sich selbst zu vergessen. Je besser die Fähigkeiten und Attitüden der Spieler und je größer der Teamgeist, desto besser wird die Mannschaft. Ein Verein muss daher beides, die Spieler und die Teamarbeit, entwickeln. Die Spieler, damit sie dem Team besser dienen können, und die Teamarbeit, damit die Fähigkeiten der Spieler zusammen geschmolzen und maximiert werden können.

Individuelle Persönlichkeiten

Jeder Mensch hat den Drang, sich selbst zu erkennen und entwickeln. Jeder will sich von der Masse trennen und eine eigene Persönlichkeit formen. Wenn dieser Individualitätsprozess behindert wird, kann der Mensch sich oft nicht finden und geht so leicht in der Masse unter.

Wenn sich die Persönlichkeit eines Spielers noch gar nicht entfalten konnte - weil er jung oder unbewusst ist - wenn er also noch nicht weiß, wer er ist, wird es für Sie, den Trainer, schwierig werden, ihn zu betreuen und zu entwickeln. Er wird in seinen Meinungen und Benehmen schwanken und bei gleichen Vorkommnissen jedes Mal anders reagieren. So sagt er in einer Situation A, meint aber B und benimmt sich wie C. In der nächsten, ähnlichen Situation sagt er C, meint aber A und benimmt sich wie B. Er scheint viele Persönlichkeiten zu haben, wirkt launenhaft, und spricht - wie die Indianer von den Weißen behaupten - mit vielen Zungen. Wenn Sie viele solcher Spieler haben, wird es nicht leicht für Sie sein, aus diesen Spielern ein effektives Team zu formen, das regelmäßig gute Leistungen bringt.

Spieler sind nicht nur Einzelwesen, sondern auch Bestandteile des Teams, des Ganzen. Ein Spieler muss daher lernen, sich an die Mannschaft und den Verein anzupassen; und das so schnell wie möglich. Er muss also durch einen Sozialisierungsprozess gehen, dessen Ziel es ist, ihn in das Team einzuordnen und an den Verein zu gewöhnen.

Teamspieler

Der Sozialisierungsprozess darf aber nicht übertrieben werden. Sie wollen keine Klone. Man sollte daher eine Mannschaft zusammenstellen, die effektiv als Team spielen kann, aber zur gleichen Zeit die größtmöglichste Freiheit des Einzelnen bewahrt, damit er sich auch selbst entwickeln kann. Wenn einer sich total dem Team hingibt, also sich selbst aufgibt, ist er weniger wertvoll für die Mannschaft, als wenn er sich dem Team optimal anpasst, aber auch versucht, sich selbst voll zu entfalten. Diese beiden Leistungskräfte - das Potential des Einzelnen und des Teams - zusammenzubringen und zu vereinen, ist eine Kunst, denn sie erfordert verschiedene Fähigkeiten.

Jeder Spieler muss zwei Fähigkeiten entwickeln: sich dem Team anzupassen und unterzuordnen; und sich vom Team abzusondern und differenzieren. Es ist eine rein-raus Intelligenz, ein Zwiespalt, eine Widersprüchlichkeit, eine Spaltung, eine Sonderheit. Diese Sonderheit darf aber nicht von anderen abgeguckt oder allgemein gesucht oder bestimmt werden. Sie wird aus jedem Spieler anders aufkommen, sich anders entfalten, weil wir Menschen alle so verschieden sind. Auch darf der individuelle Standpunkt nicht gegensätzlich zu dem der Mannschaft sein. Er darf aber anders orientiert sein. Die Teamnorm besteht so aus der Gesamtheit der individuellen Wege und des Seins der einzelnen Spieler. Sie ist aber nur dann wirksam, wenn individuelle Wege, die sich von Zeit zu Zeit an der Teamnorm orientieren, überhaupt vorhanden sind. Konflikte kommen auf, wenn der Weg eines Spielers, und nicht aller Spieler, zur Norm erhoben wird. An der Norm eines Spielers können sich andere Spieler nicht orientieren.

Es ist nicht leicht, einen Spieler, der sich nicht selbst kennt - der also unbewusst ist - in die Mannschaft zu integrieren. Er braucht zweierlei Hilfen. Er muss lernen, sich selbst zu erkennen und herauszufinden, wer er eigentlich ist, sich also gesondert von der Mannschaft sehen. Zur gleichen Zeit muss er lernen, sich an der Teamnorm (an dessen Schöpfung er beteiligt war) zu orientieren und sie zu schätzen. Individuation bedeutet daher eine Erweiterung des Bewusstseins eines jedes einzelnen Spielers, und die Entwicklung und Nährung einer Teamnorm.

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