Harmonie erzeugen

Sie haben es sicher schon selbst erlebt. Sie haben ein Mannschaftstreffen und alles läuft gut. Die Atmosphäre ist locker und gelöst, alle sind voll bei der Sache, es wird oft laut und es wird viel gelacht. Warum sind einige Meetings so angenehm?

Es gibt mehrere Gründe. Zum einen hat es mit dem Thema zu tun. Ist das Thema angenehm, besteht wenig Grund für ein unangenehmes Beisammensein. Wenn dazu einige Spieler noch befreundet sind, will man sowieso eine nette Zeit miteinander haben. Außerdem können Sie als Trainer die Spieler dazu anregen, sie dafür empfindlich machen, alle Treffen harmonisch und effektiv zu gestalten. Diese Sensitivität verwandelt sich mit der Zeit in eine gewisse Treue und in den Wunsch, alle Treffen, trotz heikler Themen, harmonisch zu gestalten. Das braucht gar nicht viel Anstrengung, denn die meisten Spieler wollen, dass es gut läuft, denn es befriedigt, wenn die Arbeit Spaß bringt. Das bezieht sich nicht nur auf Treffen, sondern auch auf das Training.

Ein Außenstehender bemerkt sofort, wie das Treffen gelaufen ist. Die Tür zum Gesprächszimmer öffnet sich und man hört lautes Geschnatter, Gelächter und hin und her fliegende Bemerkungen, wenn die Spieler den Raum verlassen. Sie sind erfreut mit dem Ausgang. Die Franzosen nennen es joi de group. Diese Freude ist oft das auffallendste Merkmal des Treffens. Da fragt man sich: Wie kommt diese Gruppenharmonie zu Stande?

Ursachen der Mannschaftsharmonie

· Mitglieder einer Mannschaft sind von Natur aus mehr zur Harmonie also zur Disharmonie geneigt. Die Spieler machen meistens keine bewussten Anstrengungen sich unangenehm zu verhalten. Im Gegenteil, sie tun, was nötig ist, damit die Meetings harmonisch verlaufen. Was tun sie? Sie loben einander, sie gutheißen, stimmen überein und sie helfen einander. Was vermeiden sie? Sich gegenseitig zu beschuldigen, den anderen herunterzumachen, zu kritisch zu sein und sich aggressiv zu verhalten. Je erfolgreicher die Mannschaft ist, desto größer ist der Drang der Mitglieder zur Harmonie.

· Die Harmonie in der Mannschaft wächst mit der Zielübereinstimmung. Wenn alle mit den Zielen (nicht nur mit den Saisonzielen, auch mit den Trainingszielen) und dem angestrebten Niveau und den Standards übereinstimmen, wächst die Harmonie.

· Eigentlich kann man Harmonie ganz leicht erzielen. Heuern Sie nur Spieler an, die ein ähnliches Typenprofil haben, und es wird keine Disharmonie geben. Nur ist dies nicht wünschenswert. Eine Mannschaft braucht eine Vielfalt von Typen, um effektiv zu sein. Leider bringt Vielfalt automatisch Disharmonie, denn verschiedene Typen verstehen und mögen sich oft nicht, sie sind auf verschiedenen Wellenlängen.

· Die Fähigkeit, mit den Mitspielern gut auszukommen, ist oft wichtiger als Talent zu haben. Egoistische Spieler, auch wenn sie bekannt sind und bewundert werden, können die Harmonie in einer Mannschaft leicht zerstören. Gute Teamspieler sind daher oft wünschenswerter als Stars. Denn nur das Team kann ein Spiel gewinnen.

· Ein Gefühl der Einheit kann in der Mannschaft erregt werden, indem die Spieler emotional gleich reagieren. Der Erreger kann Humor sein, Enthusiasmus, Angst, Stolz. Er kann ausgelöst werden durch Sie, durch Gesang, Beifall oder Musik.

· Die Gehaltsstruktur könnte modernisiert werden. Grundgehälter könnten verschieden sein. Aber ein zusätzliches Leistungslohnsystem, basiert auf den angestrebten Tabellenplatz, fördert eine gegenseitige Kooperation, aber auch Abhängigkeit. So erkennt man die Bedürfnisse eines Mitspielers leichter an. Man unterstützt einander und akzeptiert die Werte anderer.

· Eine Mannschaft kann Druck auf die Mitspieler ausüben, um eine Einheitlichkeit der Überzeugungen, Attitüden, Werte und Benehmen herzustellen. Diese Einheitlichkeit wird eventuell zum Standard, ein mehr oder weniger bewusstes Übereinkommen, das von allen befolgt wird. Das Ergebnis dieses Drucks ist (wenn er erfolgreich ist), dass die Absichten und Aktionen gleich sind. Dieser Druck und der daraus resultierende Standard kann aber nur erfolgreich sein, wenn die Mannschaft schon harmonisch ist. Es ist daher schwer zu sagen, was zuerst kommt: die Mannschaftsharmonie oder der Mannschaftsstandard. Beide sind zum Einklang erforderlich.

· Man kann die Power der Mannschaft stärken, indem man die Bindung der Spieler an die Gruppe stärkt. Das ist nicht leicht, denn so eine Bindung ist außervertraglich. So kann man versuchen, einem Spieler klarzumachen, dass er ohne die Mannschaft nicht viel erreichen kann, dass er sie also braucht, um erfolgreich zu sein. Oder man kann den Spieler fragen, was er sich von der Mannschaft erhofft, und ihm dann erklären, wie die Gruppe ihm helfen kann, seine Bedürfnisse und Hoffnungen zu erfüllen.

· Man kann auch eine Einheitlichkeit erzeugen, indem man Spieler einfach oft zusammenbringt. Dafür sind im Konferenzzimmer stattfindenden Teamübungen bestens geeignet. Sie haben oft nichts mit dem Fußball zu tun, bringen die Spieler aber einander physisch und emotional näher. So knüpft man Körper- und Gefühlsbande. Die Körper lernen sich zu mögen, sozusagen, sie sind sich jedenfalls nicht mehr fremd. Je freundlicher und einander benötigender die Übungen sind, desto enger werden die körperlichen und emotionalen Beziehungen.

· Psychologische Nähe führt ähnlich zur Harmonie. Haben Spieler die gleichen Werte, Ansichten und Einstellungen mögen sie sich und verstehen sie sich. Es wäre also gut, wenn Sie Gelegenheiten für physische, emotionale und psychische Annäherung schaffen würden. Dann kommt die Harmonie fast automatisch.

 


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