Mannschaftliche Geschlossenheit

Mannschaftliche Geschlossenheit, Kohäsion und Zusammenhalt sind stark verbunden mit Erfolg. Geschlossenheit steigert die Kommunikation und minimiert Konflikte. Ist das Team geschlossen, haben Sie es als Trainer leicht. Wenn die Spieler sich gegenseitig respektieren und gerne zusammen sind - und wenn Sie dazu passen, weil Sie sich als Teil des Teams ansehen - wird Ihr Job zur Freude. Ist es umgekehrt - ist die Mannschaft eine lose Ansammlung von Spielern, die von Ihnen regiert und kontrolliert werden muss, weil sonst gar nichts läuft - wird Ihr Job zur Qual.

Geschlossenheit bringt Commitment

Mannschaften, die durch Freud und Leid zusammenhalten, leisten mehr als eine Ansammlung von Egoisten. Denn der Fußball ist ein Teamsport. Einzelne können nicht gewinnen, nur die Mannschaft kann das. Dabei brauchen sich Mitspieler nicht unbedingt zu lieben, das wäre der Idealfall, aber sie sollten die Meinungen, Ansichten und Entscheidungen ihrer Kameraden respektieren. Eine geschlossene Mannschaft fördert gute Beziehungen, bringt Spaß ins Spiel und ermöglicht Einzelspielern, entspannt aufzuspielen. Der Druck ist auf die Mannschaft verteilt. Das Resultat ist am Ende wie folgt: ist die Geschlossenheit hoch, spielt die Mannschaft auf der oberen Leistungsstufe. Ist sie es nicht, sinkt das Niveau.

Wenn Ihre Mannschaft eine Einheit ist, zögern Spieler, den Verein zu verlassen. Denn Einigkeit zieht an und verbindet. Es ist wie eine Droge. Die Spieler kommen dann gern zum Training, weil es Spaß macht und sie viel lernen. Mannschaftstreffen insbesondere sind gefragt, denn sie sind interessant, man wird in sie verwickelt und kommt erlabt und bereichert aus ihnen hervor. Man trifft sich auch oft außerhalb des Vereins, weil man eben gern zusammen ist. Auch wird die Familie mit einbezogen. So hat man doppelte Befriedigung: beruflich und sozial. Welche Berufe haben das schon? Sehr wenige. Die Spieler wissen das, denn sie haben schon für andere Klubs gespielt. Also bleiben sie, auch für weniger Geld, denn Geld motiviert weniger als andere Dinge (sehen Sie bitte auch Motivation). Je länger der Prozess der Einigung und Geschlossenheit braucht - das heißt, je länger es dauert, seine Mitspieler gut kennen zu lernen, sie zu mögen und ihnen zu vertrauen - desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Spieler im Verein bleiben wollen, auch wenn ihre Agenten ihnen lukrative Angebote vorlegen.

Eine geschlossene Mannschaft kann auch Krisen überstehen. Wie wir aus vielen dokumentierten Kriegserlebnissen wissen, gibt es keine bessere Kohäsion, als zusammen schwierige Zeiten zu durchstehen. Sie stärken die Banden der Freundschaft. Eine geschlossene Mannschaft kann also eine Serie von Niederlagen gut wegstecken. Sie nimmt keinen Schaden, sondern lernt daraus. Auch Auswärtsspiele gegen einen starken Gegner und ein feindliches Publikum beeindruckt sie nicht sehr.

Voraussagungen

Geschlossenheit (oder Einheit oder Kohäsion) kann man aufteilen. Was im Verein geschieht, ist eine Art mannschaftliche Geschlossenheit. Was außerhalb des Vereins geschieht, ist eine andere Art, mehr Verbundenheit. Hier sind vier Voraussagungen, was die Effektivität der Mannschaft und deren Geschlossenheit anbetrifft:

1. Ist die Mannschaft im Verein geschlossen und außerhalb des Vereins verbunden, ist sie sehr effektiv.

2. Ist die Mannschaft im Verein geschlossen, aber außerhalb des Vereins nicht verbunden, ist sie effektiv.

3. Ist die Mannschaft im Verein nicht geschlossen, aber außerhalb des Vereins verbunden, ist sie nicht sehr effektiv.

4. Ist die Mannschaft weder im Verein geschlossen, noch außerhalb des Vereins gebunden, ist sie ineffektiv.

Es ist also wichtig, dass Sie eine Mannschaftskultur formen und fördern, in der die Spieler innerhalb und außerhalb des Vereins oft und gern zusammenkommen. Innerhalb des Vereins werden Sie verstehen, denn das betrifft ja die Arbeit. Außerhalb des Vereins ist schwerer zu verstehen. Unterschätzen Sie aber nicht die Power des Sozialen, der Familie, zum Beispiel. Die Ehefrau, die Kinder und die Freunde des Spielers haben einen großen Einfluss auf den Spieler. Ignorieren Sie das Private, lassen Sie eine wichtige soziale Dimension außer Acht. Denn das berufliche und das private ergeben etwas Vollständiges, etwas Gesamtes, etwas Interaktives. Wenn man Arbeitsbefriedigung mit sozialer Befriedigung verbindet, ergibt es eine Lebensbefriedigung. Man kann daher sagen, dass die Geschlossenheit und Verbundenheit innerhalb und außerhalb des Vereins ungefähr von gleichem Wert sind.

Einflüsse

Was sind Symptome einer mannschaftlichen Geschlossenheit? Hier sind einige Faktoren.

· Die Spieler sind zufrieden, wenn nicht begeistert. Die Moral ist hoch. Die gemeinsam gesetzten Ziele werden erreicht.

· Die Mannschaft ist stabil. Die meisten Spieler sind schon seit Jahren beim Verein. Neue Spieler werden schnellstens integriert.
· Eine Cliquenwirtschaft wird vermieden. Obwohl viele Spieler aus dem Ausland kommen und die deutsche Sprache nicht gut sprechen, fühlen sie sich trotzdem wohl und akzeptiert und verkehren mit allen Spielern.

· Kommunikation ist offen. Jeder spricht zu jedem. Introversion wird akzeptiert, nicht bemängelt. Mit Nichtdeutschsprechenden gibt sich jeder Spieler besondere Mühe.

· Es gibt keine Konkurrenz innerhalb der Mannschaft. Die Spieler haben klare Vorstellungen, ob sie spielen, wann sie spielen und wie lange sie spielen.

· Stress ist moderat. Hoher Stress kommt selten auf.

· Die Rolle eines jeden Spielers ist klar. Sie wissen, was zu erwarten ist, akzeptieren ihre Rolle und geben volle Leistung.

· Die Spieler kommen oft informell zusammen. Die Spieler bringen ihre Frauen, Freundinnen und Kinder mit. Sie fühlen sich wohl, wie in einer Familie.

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