Organischer Angriff

Organisch heißt, sich aus dem Leben auf natürliche Weise entwickelnd.  Organisches ist also  nicht künstlich produziert (wie Regeln und Positionen im Fußball).  Etwas Organisches ist ein regelloses Ganzes, mit von einander abhängigen, sich natürlich entfaltenden Teilen.

So sollte ein Ideal des Angriffs strukturiert sein.  Ein Gefüge von Spielern, das sich je nach Begebenheit auf natürliche Weise entfaltet.  Eine Angriffsorganisation ist dementsprechend eine sich ergebene, systematische Anordnung von Spielern, die als Ziel haben, ein Tor zu schießen. 

Ohne Regeln

Ein organischer Angriff fließt auf natürliche Weise.  Jeder Spieler steht dort, wo er stehen sollte, um das Ganze zu perfektionieren.  Er steht also immer woanders – einmal vorn, einmal dahinter, einmal links, einmal rechts.  Er ist immer in Bewegung und versucht sich dort zu positionieren, wo er, im Großen und Ganzen gesehen, stehen sollte, um den Angriff so effektiv wie möglich zu machen.

Fragen und Antworten beim Training – im Seminarraum, die Spieler stehen um den Fußballtisch herum und sehen die Formationen der eigenen und anderen Seite – ähneln diesen: 

  • „Warum stehst Du wo Du stehst?“  „Weil ich so drei Anspielmöglichkeiten habe, sollte ich den Ball bekommen.

  • „Warum hast Du den Ball nicht steil auf Peter zugespielt?  „Er hätte doch eine gute Torschussmöglichkeit.“  „Weil Max besser stand.  Ein Pass auf ihn führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass der Ball im Tor landet.“

  • „Warum spielst Du den Ball zurück zu Tim?“  „Weil ich vorn keine Anspielmöglichkeiten sehe.  Wo Tim steht, ergeben sich mehr Möglichkeiten.

  • „Warum rückst Du nicht mehr auf?“  „Weil ich zwei Gegner abdecken muss, denn, wenn die den Ball bekommen sollten, könnten sie bei uns zum Torschuss kommen.“

  • „Warum stehst Du so eng beim Gegner?  So ergibt sich doch keine Torschussmöglichkeit.“  „Tut mir leid.  Du hast recht.  Ich hätte mehr rechts stehen sollen.“

Die Liste der Fragen und Antworten ist unendlich.  Warum sollten sie eigentlich gestellt werden?

Die Teile und das Ganze

Stellen Sie sich die Mannschaft als ein komplexes Ganzes vor, das aus verschiedenen Spielern besteht, die alle zusammen Tore schießen wollen, und daher von einander und vom Ganzen abhängig sind.  Die Aktionen eines jeden Spielers hängen also von den Aktionen aller anderen Spieler ab.  Das ist die organische Taktik, ein Vorgehen, um Tore zu schießen. 

Diese Vernetzung muss gelernt werden.  Sie ist Kopfarbeit, nicht Beinarbeit.  Sie wird im Seminarraum gelernt, denn Taktik auf dem Spielfeld zu üben ist Zeitverschwendung.  Sie muss durch unendliche Fragen und Antworten über Jahre im Kopf eingebrannt werden.  Denn ohne Hirn bewegt sich der Fuß nicht.  Ist das Gehirn richtig programmiert, ist das Spiel flüssig und erfolgreich. 

Ellipsen, Sicheln und andere Formationen sind nur Brücken auf dem Weg zur perfekten organischen Taktik.  Man muss jahrelang dran arbeiten.  Und früh damit anfangen.  Denn sind die Rillen im Gehirn erst einmal eingeritzt, sind sie schwer zu löschen.  Daher sollten die Powerfußballer jung sein, mit einer tabula rasa, die dann von Anfang and „richtig“ beschriftet wird.

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