Scharfschützen produzieren
Schuss- und Passhallen

Ein Gedicht wird „gemacht“ , sagte Gottfried Benn. Er rang, wie Nietzsche, der deutschen Sprache Ausdrucksmöglichkeiten ab. Dirigenten werden gemacht. Tennisspieler (Steffi Graf!) werden gemacht.  Schriftsteller werden gemacht. Religion wird gemacht, heißt es in der literarischen Welt.  „Wir holen keine Stars, wir machen welche“ sagt Friedrich Schirmer, neuer Intendant des Deutschen Schauspielhauses. Alle, die in einer Gesellschaft herausragen, wurden gemacht. Keiner wird zu irgendwas geboren. Selbst Mozart nicht. 

So ist es auch im Fußball.  Kein Fußballspieler erhält sein Talent durch die Muttermilch.  Auch sie werden gemacht.  Durch Übung, durch zehntausendfache, ja hunderttausendfache Übung der zwei wichtigsten körperlichen Elemente: Pass und Torschuss, und durch Tausende Seminare, denn Fußball wird, trotz des Namens, durch den Kopf gespielt. 

Das „Machen“ fehlt gegenwärtig

Das deutsche Trainingssystem ähnelt dem deutschen Schulsystem: es ist international gesehen leider nur drittklassig.  Die Topteams kaufen lieber „gemachte“ Spieler, eine bunte gemischt Schar aus aller Herren Länder, mit unterschiedlichsten Sprachkenntnissen. Fehlt die gemeinsame Sprache jedoch, kann der Trainer schwer etwas „machen“. In England müssen ab jetzt alle ausländischen Spieler staatlich geprüfte Sprachtests absolvieren. Also wer zukünftig in England spielt, spricht gutes Englisch. In Deutschland gibt es so etwas nicht, denn Deutschland ist keine Weltsprache, die man anfordern kann. Sie ist eine Nebensprache, gesprochen von einem winzigen Teil der Weltbevölkerung.

Kann man sich jedoch nicht verständigen, darf man vom Trainer keine Wunder erwarten. Denn es ist fast unmöglich, einer bunt gemischten, vielsprachigen Truppe etwas zu lehren. So kann ebenfalls keine gemeinsame Spielintelligenz entstehen. Dies ist ein riesiges Manko im deutschen Fußball. Die Antwort ist natürlich einfach: eigene Weltklassespieler produziert. Aber keiner weiß wie man das macht, schon gar nicht die Beamten, die sich durch Sporthochschulen auch den Fußball einverleibt zu haben scheinen. Nur können Sie von Beamten keine Spitzenleistungen erwarten, denn sie werden ja auch nicht für Leistung bezahlt, nur für Anwesenheit.

Wie sollte es sein? Während einer dreijährigen Lehrzeit, mindestens 40 Stunden die Woche, jahrein, jahraus, werden junge Spieler (auch die, die noch nie vorher Fußball gespielt haben) zu Powerfußballern „gemacht“, d.h., ausgebildet. Eigentlich machen die Spieler sich selbst, denn der Trainer stellt nur Fragen, leitet mit sanfter Hand, gibt selten Antworten auf Fragen, lässt die Antworten lieber von den Spielern kommen. Denn das Spiel ist einfach und es kommt darauf an, wie die Spieler es sehen, nicht wie der Trainer es sieht. Denn der Trainer spielt ja nicht mit! Man produziert Spieler durch ein erstklassiges, langjähriges, volltägiges, bestens ausgeklügeltes Trainingssystem. Powerfußball ist so ein System.

Beispiel: Ein Seminar

Bilden Sie Gruppen von 5 Spielern. Jede Gruppe sitzt an einem separaten Tisch, hat Newsprint, Stifte und Klebeband zur Verfügung.

Die Frage an die Spieler ist: „Mit welchen Körperteilen kann man Tore erzielen?“ Sie sollen alle Möglichkeiten aufzählen (z.B., mit der Pike, dem Innenriss, dem Außenriss, der Seite, dem Vollspann, der Hacke, dem Kopf, dem Knie, der Brust).

Haben sie alle Möglichkeiten aufgelistet, sollen die Spieler die Möglichkeiten nach der Wahrscheinlichkeit ordnen, dass ein Tor aus der Berührung dieser Körperteile mit dem Ball entsteht.

Was werden die Spieler herausfinden? Dass der sicherste Schuss der mit der Innenseite ist, gefolgt vom Innenriss. Warum? Weil Körper und Ball so die größte Berührungsfläche haben. Schüsse mit Innenseite oder Innenriss ergeben die höchste Torbeute.

Nach langem Training sollte jeder Pass, auch 50 Meter Pässe, haargenau in den Lauf des Mitspielers geschossen werden können, und jeder Torschuss, auch aus Distanzen von 35 Metern, mit 50%iger Wahrscheinlichkeit in einer der vier Ecken landen. Das heißt auch, dass alle anderen Schüsse, auch „Kopfballschüsse“ nicht, geübt werden. Keine hohen Bälle in den Strafraum mehr, in der vagen Hoffnung, dass sie irgendwie im Tor landen. Zwei Arten von Schüssen genügen, um Scharfschützen auszubilden. Alle andere Arten sind unprofitabel. Kopfschüsse sind sogar abartig.

Powerschüsse

Anstatt, wie allgemein trainiert wird, mit ausgebreiteten Armen auf den Ball zuzulaufen und das Schussbein nach Berührung durchzuziehen und in die Luft zu schwingen, machen Sie im Powerfußball das Gegenteil. Sie betrachten den Ball als eine glühende Feuerkugel. Gleich, ob Sie mit der Innenseite oder mit dem Innenriss schießen, Sie berühren den Ball nur ganz kurz, das aber mit voller Macht. Wie geht das?

Beim Anlaufen halten Sie den ganzen Körper entspannt. Sie sind leicht vorn übergebeugt. Was Sie beim Schuss brauchen sind die Beine. Also halten Sie den Oberkörper beim Schuss entspannt. Die Beine auch, bis kurz vor dem Schuss. Katzenhaft wechseln Sie aus totaler Entspannung auf maximale Anspannung um, wenn Ihre Innenseite oder Ihr Innenriss den Ball berührt.

Karateartig ist vielleicht ein besseres Wort. Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen, wie eine Gruppe von 13 bis 15 jährige Mädchen, alle in weißen Karateanzügen gekleidet, drei dicke Mauersteine mit einem Chop der bloßen Handkante in Stücke schlugen. Eine nach der anderen: chop, chop, chop. Sie hatten die Kunst erlernt. Die gleiche Kunst sollten wir auch im Fußball anwenden. Sie wird den Schuss verändern.

Das ist das Geheimniss von Powerschüssen. Total Entspannung vor und während des Schusses, und eine blitzartige Anspannung, wenn Fuß und Ball sich treffen. Der Oberkörper bleicht währenddessen entspannt, damit mehr Energie in den Schuss gelegt werden kann.

Schussübungen im Seminarraum

Um diese Schussweise zu üben, trainieren Sie diese beiden Schüsse jeden Tag, fünf Tage die Woche, eine halbe Stunde lang, zu zweit im Seminarraum. Und das für zwei bis drei Monate! Beidbeinig. Wechseln Sie die Partner nach ein paar Minuten. Jeder Spieler erklärt seinem Partner bis aufs allerkleinste Detail, wie der Schuss aussehen soll. Immer and immer wieder. Auch wenn die Spieler murren, wiederholfen Sie diese Übungen täglich, bis die Technik zur Perfektion ausgefeilt ist.

Schussübungen in der Schuss- und Passhalle

Erst nach zwei Monaten lassen Sie die Spieler täglich für je 30 Minuten in die Schusshalle und in die Passhalle, um diese beiden Schüsse zu üben. Diese Hallen werden von morgens früh bis spät abends ausgebucht sein. Die Spieler tragen ihre Zeit selbst ein und nutzen ihre Zeit, um in der halben Stunde mindestens 200 Schüsse (und in der Passhalle mindestens 250 Pässe) abzugeben, beidbeinig, genau nach dem Muster, das im Seminarraum geübt wurde.

Sie legen in Ihrem Gehirn also zuerst einen Trampelpfad genannt „Schuss mit der Innenseite“ an.  Im laufe der Zeit machen Sie aus dem Trampelpfad einen kleinen Weg, aus dem kleinen Weg einen großen Weg, aus dem großen Weg eine schmale Straße, aus der schmalen Straße eine breitere Straße, aus der breiten Straße eine untergeordnete Bundesstraße, aus der untergeordneten Bundesstraße eine Bundesstraße, und aus den Bundesstraße, nach jahrelanger Übung, eine Autobahn.                          

 

Würde in Deutschland jeden Tag die Sonne scheinen, und gäbe es weder Regen noch Schnee, und wäre die Temperatur das ganze Jahr lang um die 20 bis 30 Grad, bräuchten wir im Powerfußball weder Passhalle noch Schusskarussell.  Da das Wetter in Deutschland sehr unterschiedlich ist, im Winter ansonsten nur oberflächlich trainiert werden kann, brauchen wir im Profifußball Hallen. Wintertrainingslager im Ausland sind dann nicht mehr notwendig.

Im Powerfußball wird jeder Tag voll genutzt. Denn: wenn Sie auch nur einen Tag mit dem Training aussetzen, brauchen Sie zwei Tage, um den einen Tag wieder wett zu machen.  Also verlieren Sie über hundert Trainingstage, wenn Sie jede Woche einen Tag aussetzen. Daher trainieren die Spieler regelmäßig, wenn es geht ohne Ausnahme, von Montag bis Freitag. Am Samstag und Sonntag wird mental trainiert. Zum Beispiel im Bus oder Flugzeug auf dem Weg zum Spiel. Mental trainieren können die Spieler überall und zu jeder Zeit. Sie tun einfach das, was sie normalerweise in der Hallte tun: sie machen die Augen zu und schlagen mental Pässe und schießen aufs Tor.

Die Schusshalle

In der Mitte der langen Halle steht ein Beton Tor.  Es ist ein Meter höher und auf jeder Seite breiter, damit Fehlschüsse zurückprallen können.  Auf die Mauer wird, von beiden Seiten, ein Tor aufgemalt.  In die beiden obigen Ecken werden (X) Kreuze aufgemalt, 20-25 cm von den Innenseiten entfernt.  Es gibt also vier Kreuze, zwei in den oberen und zwei in den unteren Ecken.  Auf diese 4 Ecken schießen die Spieler, mit voller Wucht (Power, Chi) mit beiden Füßen, nur mit dem Innenriss!, ohne den Ball jemals anzunehmen.  Dieses Training ist sehr anstrengend, und die Spieler werden am Ende der halben Stunde ziemlich erschöpft sein.

Das benötigt Übung.  In den ersten Monaten werden viele Schüsse ihr Ziel verfehlen.  Aber nach einem Jahr wird die Zahl der Treffer beträchtlich steigen.  Einer von vier Schüssen aufs Kreuz ist das Ziel.  Im zweiten Jahr sind es einer von drei Schüssen.  Perfektion, dass jeder Schuss auf einer der vier Kreuze landet, ist utopisch und wird es nie geben.  Aber nehmen wir an, jeder zweite Torschuss resultiert in einem Tor.  Dann wären die Ergebnisse schon sehr hoch, denn während 90 Minuten Spielzeit sollte man alle sechs Minuten zum Torschuss kommen.

Das Passkarussell

Das Passkarussell besteht aus einer Reihe von Betonklötzen, ungefähr 2 Meter breit und 50 cm hoch.  In der Mitte eines jeden Klotzes ist ein Fuß aufgemalt, ein Nike Fuß, ein paar  Zentimeter über dem Boden, denn so wird ein Pass ja angenommen.  Die Klötze werden rund um das Zentrums aufgebaut, so dass die Distanz vom Zentrum unterschiedlich ist:  5 Meter, 10 Meter, 15 Meter...bis 30 Meter.  Der Spieler steht in der Mitte und schießt den Ball, mit beiden Beinen, mit der Innenseite für kurze, und mit dem Innenriss für lange, Pässe, aufs Geratewohl auf „die Mitspieler“, also auf die Betonklötze. 

Die Halle sollte zwei Ringen Platz bieten.  So können zwei Spieler zur gleichen Zeit trainieren, genau so wie in der Schusshalle.  Sie sollten sich erinnern, dass Schuss und Pass vorher für mindestens einen, besser zwei, Monate im Seminarraum geübt werden, wo die Technik perfektioniert wird.  Kein Spieler darf anfänglich die Schuss oder Passhalle betreten, ohne dieses theoretische, Auotbahn bildende Muster Training.  Anders ausgedrückt, jeder Spieler muss erst perfekte Schüsse und Pässe im Gehirn abgeben können, immer wieder, bis er in Wirklichkeit so schießen kann, wie Schüsse und Pässe im Kopf perfektioniert worden sind.

Eine notwendige Investition

Schuss und Passhallen sind im Profifußball eine absolut notwendige Investition.  Denn darum geht es im Fußball.  Jeder Spieler muss in der Lage sein, perfekte Pässe und harte, genaue, zu Toren führende  Schüsse abzugeben.  Kann er das nicht, soll er zu einem Verein wechseln der den gegenwärtigen Fußball spielt.  Denn keiner der jetzigen Starprofis wird auch nur annähernd die Schuss und Passgenauigkeit eines Powerfußballers haben oder erreichen.

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