Gegenwärtiger Fußball und Powerfußball
Unterschiede, anders ausgedrückt

 

Gegenwärtiger Fußball

Dies ist der Stand der Dinge.  Seit über 50 Jahren (!) hat sich im Fußballsport nichts verändert.  Wird es nicht höchste Zeit, dass wir uns etwas Neues einfallen lassen? Im Moment haben wir ein leicht auszurechnendes Angriffs- und Verteidigungssystem, begrenzte Kreativitätsmöglichkeiten; ein Hang zur Selbstdarstellung; ein langweiliges, statisches Hin und Her Geschiebe des Balles; ein Dribbelzwang (die langsamste Art den Ball vorwärts zu bewegen) da selten jemand freisteht oder sich frei läuft; Fehlpässe und Tormangel, da diese wichtigen Dinge nur bedingt trainiert werden; seltene Anzeichen von Teamwork, da Spieler miteinander konkurrieren und sich oft anschreien; mangelnde Spielintelligenz, da Spielweisen sich immer wiederholen und dem Spiel keine neuen Impulse gegeben werden; etc.  Die Liste ist endlos.  Das Wesentliche im Fußball, denn darum geht es, nämlich Tore zu schießen, können nur wenige. Das ist erstaunlich! Daher ist die Torquote so jämmerlich.

Die Zuschauer kommen zwar noch vor die Fernsehschirme und in die Stadien, aber sie sind irgendwie unzufrieden, ohne dass sie wissen, warum. Verbesserungen jeglicher Art haben Seltenheitswert.  Das ist das Erstaunliche: auf der einen Seite wissen wir, dass Spieler ein unbegrenztes Potenzial haben, auf der anderen Seite verbessert sich das Gros der Spieler über Jahre nicht. Warum wohl? Weil sie Wesentliches nicht üben, üben, üben. So leben sie von ihren technischen Dribbel (Fummel) fähigkeiten, die sie irgendwo aufgelesen haben.

Warum lernen Spieler nichts dazu?  Weil ihre Trainer, fast ausschließlich ausgediente Fußballer, es ihnen nicht beibringen.  Woher sollte ein, sagen wir, rechter Verteidiger, der brav für 15 Jahre in der obersten Liga gespielt hat, selbst wenig dazu lernte, das Potenzial aller seiner Spieler hinausschieben können?  Bestimmt nicht durch den bürokratischen Kurzlehrgang, um den Trainerschein zu erlangen.  Es passiert einfach nicht, die Spieler spielen immer das gleiche Spiel, unterbrochen von gelegentlichen Karrierehöhepunkten.

Die Zeit für einen Paradigmenwechsel ist gekommen.  Jetzt fordert ein neues System das alte System heraus. Es heißt Powerfußball.

Powerfußball

Im Gegensatz zum gegenwärtigen mechanistischen System ist Powerfußball ein zukunftsorientiertes  organisches Bewegungssystem. Im Powerfußball gibt es keine Formationen und Positionen. Die organisatorische Struktur basiert auf Raum, Zeit und einer Ballbewegung, die jederzeit, auch während der Defensive, auf den kritischen Pfad (critical path) zum Tor ausgerichtet ist. Die Struktur ist logisch, theoretisch gut fundamentiert, daher auswertbar, anwendbar, und für Spieler leicht verständlich. Das Spiel ist nie gleich, es ist variabel und kreativ. Alle Spieler sind laufend in geordneter Bewegung, die das Spiel eines traditionellen, positionsorientierten Vereins total aus der Fassung bringen wird.

Power zu haben heißt, besondere stark ausgeprägte Fähigkeiten zu besitzen. Das Wort erscheint mir treffend.  Neun Merkmale prägen den Powerfußball. Sie zu erlernen, zu verinnerlichen, anzuwenden und zur Perfektion zu bringen dauert ungefähr zwei bis fünf Jahre. 

Powertraining.  Das Training konzentriert sich, wie gesagt, auf das Wesentliche im Fußball: den Ball mit Autorität, Härte und Genauigkeit im one-touch weiterzuleiten und ins Tor schießen zu können.  Diese beiden Fähigkeiten, Torschuss und Pass, werden nicht wie jetzt, einige Tausend Mal, sondern einige hundert Tausend Mal auf dem Spielfeld und im Kopf geübt. Wie es in anderen Sportarten üblich ist. So wird jeder Spieler in der Lage sein, bei Schüssen aus einer Distanz von 30 Metern mit hoher Wahrscheinlichkeit Tore zu erzielen. Die Pässe werden haargenau in den Lauf des bestplazierten Mitspielers gegeben. Um zum Torschuss zu kommen, sollte jeder Spieler außerdem ein Repertoire von zehn bis zwanzig Täuschungsmanövern perfektionieren, um unter fast allen Umständen zum Torschuss zu kommen.
 
Powertaktik.  Das Gerippe für Torschuss und Passspiel ist die Taktik.  Sie muss genau auf Pass und Torschuss zugeschnitten sein, sie komplementieren. Wie sieht diese Taktik aus?  Powertaktik besteht aus elf Stürmern und elf Verteidigern. Powertaktik ist Fußball Total. Sogar der Torwart wird zum Stürmer, denn er leitet den Angriff ein, weil er die beste Übersicht hat. Alle Spieler rotieren laufend, keiner hat feste Positionen. Leere Räume leiten die Bewegungen der Spieler. Die Taktik ist also total organisch, sie entwickelt sich aus dem Spiel heraus, aus den Raum- und Zeitverhältnissen. Rollenbeschreibungen, das Haupthindernis eines flüssigen Spiels, gibt es im Powerfußball nicht. Bei Ballverlust werden offene Räume zugemacht. Die Spieler organisieren sich selbst, basiert auf die Bewegungen des Gegners.  Powertaktik ist also unbegrenzt flexibel und anpassungsfähig. 

Teamarbeit.  Teamarbeit fehlt im heutigen Fußball. Sie kann nicht vom Trainer befohlen oder von den Spielern beschworen oder auf dem Spielfeld erlernt werden. Teamwork besteht aus einer Hingezogenheit zum Mitspieler, aus einem sich Gernmögen – basiert auf Respekt, Vertrauen, ja fast Liebe zu Mitspielern, und aus Freude am Spiel. Teamwork hat also mit dem Menschen, nicht mit der Sache zu tun. Wenn gute Teamwork existiert, bemerkt man es sofort, denn sie manifestiert sich in einem fühl- und sichtbaren  Teamgeist. Gute Teamarbeit führt durch Hingabe zum Spiel, durch Harmonie, Gemeinsamkeit, Einheitlichkeit, Selbsterneuerung, Dynamik, Kultur und Autonomie zur Effektivität, d.h. zu Toren  Eine Mannschaft mit unbändigem Teamgeist, selbst wenn die Spieler keine Starqualitäten besitzen, ist schwer zu besiegen.

Mentale Arbeit.  Torschüsse, Pässe, Täuschungsmanöver, Taktik, das nächste Spiel, das eigene Benehmen, die Einstellung zum Spiel – kurz, alles was trainiert und gelernt wird, muss im Kopf vielfach wiederholt und so verinnerlicht werden.  Der Gedanke ist der Samen der Tat.  Die Tat selbst ist die Reaktion des Unterbewusstseins auf die Art und Weise des Gedankens. Sieht ein Spieler sich in Gedanken auf dem Spielfeld – wie er sich frei läuft, in Schussposition bringt, Pässe schlägt, Tore erzielt – werden diese Vorstellungen sich mit der Wirklichkeit verknüpfen.  Die Macht (Power) der mentalen Arbeit wird in vielen Sportarten erkannt und genutzt. Im Fußball ist sie weitgehend unbekannt. Dabei gibt es ausreichende Beweise, dass z.B. mentales Training genau so erfolgreich oder sogar erfolgreicher ist wie „reales“ Rasentraining. 

Optimale Spielerentscheidungen.  Die Spieler lernen, bei jeder Ballabgabe optimale Entscheidungen zu treffen. Anstatt also den Ball ohne viel zu denken an den nächststehenden Spieler abzugeben, die Norm,  versucht jeder Spieler bei jedem Abspiel eine optimale Entscheidung zu treffen, basiert auf einer laufend erneuerten Übersicht von „wer wo steht“ und wer die beste Möglichkeit zum Torschuss hat.  Diese äußerst wichtige Fähigkeit, die sehr schwer zu erlernen ist, die aber die Qualität eines Spiels bestimmt, wird von sehr wenigen Spielern beherrscht.  Die Basis für optimale Entscheidungen ist eine effektive Nutzung der offenen Räume. So hat jeder Spieler zu jeder Zeit viele Anspielstationen. 

MenschenkenntnisWer sieht die Möglichkeiten, wer ist kreativ?  Intuitive Typen.  Wer ist gut im Planen und Organisieren?  Denktypen.  Wer sind die Vollstrecker, die praktischen Realitätstypen.Wer sind die sozialen Spieler, die eine Mannschaft zusammenhalten?  Gefühlstypen.  Im Fußball unbekannt, werden C. G. Jungs Typen im amerikanischen Teamsport (und von einer Mehrheit der Fortune 1000 Firmen) genutzt, um effektive Teams zusammenzustellen. Der größte Fehler, den Vorstand und Trainer routinemäßig machen, ist Spieler zu kaufen, die so sind, wie sie selbst, oder wie ihr inneres Idealbild eines perfekten Fußballspielers für die elf Positionen, die zu besetzen sind.

Spielerpower.Alles (alles!) was gelernt werden muss, muss von den Spielern kommen: Trainingsinhalt, Trainingsplan, Trainingszeiten, Powertaktik, mentales Training, usw. Auch wenn Sie als Trainer, es besser wissen, es muss von den Spielern kommen. Die Spieler müssen total involviert sein und sich so für die Entscheidungen 100%tig verantwortlich fühlen. Denn die Summe der Spieler weiß ein Vielfaches von dem, was ein einzelner Spieler weiß oder was Sie als Trainer wissen. Eine Mannschaft, in der der Trainer alles bestimmt, spielt immer unter ihrem Niveau.  Autokratisches Trainerverhalten und Teamsport sind Gegensätze, ein Oxymoron!  Wenn nur einer für alle denkt, vergeudet man wertvolle Brainpower.  Das darf im Teamsport nicht der Fall sein. Beim Spiel sitzt der Trainer ruhig auf der Bank. Besser, auf der Tribüne oder zu Hause vor dem Fernseher. Denn was er zu sagen hat, sagt er vor dem Spiel, nicht während des Spiels. Wenn er überhaupt etwas zu sagen hat, was nicht der Fall sein dürfte. Denn die Summe der Spieler weiß ein Vielfaches von dem was der Trainer weiß. 

Die Rolle des TrainersIm Powerfußball wird der Trainer zum Fazilitator.  Ein Fazilitator hilft, ermöglicht, leitet mit sanfter Hand, gibt Rat, stellt Fragen. Er macht fast nichts selbst. Er gibt keine Anweisungen. Je besser er seine neue Rolle versteht (er sollte Sokrates lesen) und je mehr er weiß - desto weniger sagt er.  Der Fazilitator ist der Weise im Verein. Für seine Weisheit wird er respektiert, verehrt und bezahlt. Er wandelt den Verein in einen Lernverein um, in dem jeder versucht sich laufend zu verbessern. Er hilft Spielern ihr Potenzial nicht nur zu erreichen, sondern zu überschreiten. Er hat den natürlichen Führungsstil eines Team Leaders. Er aktiviert das Team. Er ist der Vertraute von allen. Er ist daher selten ein ehemaliger Spieler, sondern jemand der sich mit Menschen auskennt. Eine Frau könnte diese Rolle besser ausfüllen als ein Mann.  

Spielintelligenz: Der Fazilitator entwickelt durch tägliche, mehrstündige, gut ausgedachte und angelegte Seminare und Workshops die Spielintelligenz seiner Spieler. So weiß jeder Spieler am Ende der Lernzeit so viel über das Spiel des Fußballs wie die Summe der Spieler. Die Spieler kennen sich auch selbst gut.  Nach der Lernzeit, also während ihrer Spielkarriere, denken und kommunizieren die Spieler weiterhin fast nur über den Fußball, dem sie sich 100% hingeben. So haben sie eine lange Karriere vor sich und können, wenn es ihnen liegt, sich mit der Zeit durch Nachahmung und Anwendung des Gelernten in Fazilitatoren verwandeln. 

Durch Powerfußball kann ein Verein sich laufend verbessern und erneuern. Spielereinkäufe kommen so gut wie nie vor. Denn auch nur ein neuer Spieler zerstört das Team.Vereine sparen somit auch eine Menge Geld.  Binden Vereine ihre jungen Spieler an den Verein, bekommt die Mannschaft auch wieder einen lokalen Charakter. So können die Zuschauer sich mit ihrem Verein noch besser identifizieren.  Spielen sie dazu noch einen aufregenden Fußball, legen sie also eine Performance hin, werden Heimspiele immer ausverkauft sein.

Da es im Powerfußball keine Verteidiger, Mittelfeldspieler oder Stürmer gibt, sind alle Powerfußballer sofort integrierbar – im eigenen Verein, in andere Vereine und in der Nationalmannschaft.  Der Bundestrainer hätte so einen großen Vorteil. Er bräuchte Spieler nur nach ihrem Gesamtpotenzial auswählen und könnte sie ohne Training sofort erfolgreich einsetzen. Noch besser: er könnte das Internet nutzen und die Zuschauer wählen lassen, wer im nächsten Spiel dabei sein sollte. Gewagt, aber interessant.  

Der Trainer spielt eine große Rolle im traditionellen Fußball. Er trifft fast alle Entscheidungen. Das heißt, ein Gehirn arbeitet, die Gehirne der Spieler liegen brach. Wenn immer Sie eine Organisation antreffen, die auf diese Weise organisiert ist, können Sie gewiss sein, dass sie eine ineffektive Organisation vor sich haben. Die Japaner haben dies schon vor Jahrzehnten herausgefunden. Sie haben flache Organisationen entwickelt, in denen fast alle Beteiligten voll involviert sind. So erzeugt eine Organisation Brainpower. Leider ist „flache“ Organisationen selten in der Industrie, schon gar nicht in der Bürokratie, und ebenfalls nicht im Fußball zu finden. Nur einige haben die Macht, das Sagen. Sie ergötzen sich an dem erhebenden Gefühl, und erheben sich dadurch. Leider verschwenden sie auf diese Weise die Gehirnpower aller anderen Mitglieder ihrer Organisation. Ein Kardinalfehler. Selbst im Militär sollten die Gehirne aller Soldaten genutzt werden. Haben nur ein paar (Generäle) das Sagen, vergeuden Sie Brainpower.

P – Der Trainer sagt alles, was er zusagen hat, vor dem Spiel. Er sitzt auf der Tribüne. Das heißt nicht, dass er überhaupt viel zu sagen hat. Im Idealfall sagt er niemals, was zu tun ist, sondern bringt seinen Spielern bei, Probleme selbst zu definieren und zu lösen. Der Trainer delegiert, in anderen Worten. Er tut nicht so, als ob er mehr weiß als die Spieler, denn das Fußballspiel ist einfach, und daher populär. Anstatt zu sagen, stellt er Fragen. Er gibt nie Antworten. Auf diese einfache Weise involviert, energetisiert, harmonisiert und koordiniert er den ganzen Verein, von der Vereinsführung bis zum Platzwart. Er wird zum Weisen, zum Ratgeber, zum Vertrauten, kurz, zum Fazilitator.
 
A – Jeder Mensch ist anders. „Es gibt nichts im Universum (!!!) das komplexer ist als das menschliche Gehirn“ (Eric Kandel, u.a.). Die Anordnung der schätzungsweise zweihundert Milliarden Gehirnzellen, mit zugehörenden Synapsen, ist in jedem Menschen anders. Dies ist für uns kaum verständlich, fassbar. Und die Bedeutung dieser wissenschaftlichen Kundgebungen sind uns noch nicht einmal keimweise aufgegangen. Schon gar nicht im Fußball. Da muss ganz anders trainiert werden. Jede individuelle Neigung muss ausgekundschaftet und dementsprechend angeregt, und optimal ins Spiel mit eingegliedert werden. Aber wer kann das schon?

Hier ist noch eine andere Dimension, die wir mit in den Fußball mit einbinden müssen: „Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will; daher gibt es ebenso viele Unterschiede zwischen uns und uns selbst, wie zwischen uns und anderen“ sagt Michel de Montaigne. Angewendet auf den Fußball bedeutet das, dass jeder Mensch zum Beispiel Pass und Schuss im Gehirn anders konzipiert. Daher gibt es keine Allgemeinformel: so passt oder schießt man. Jeder Mensch muss für sich herausfinden, wie für ihn ein idealer Schuss oder Pass aussieht. Wie macht man das? Indem man zum Beispiel den Spielern auferlegt, nicht vormacht, es im Seminarraum (mit Ball) herauszufinden, indem jeder Spieler es allen anderen Spielern erklärt, was für ihn die natürlichste Weise ist, den Ball zu passen. Das macht er täglich, im Zeitlupentempo, für ein paar Monate, mit wechselnden Partnern. So wird der Schuss oder Pass bis ins kleinste Detail gefeilt, immer wieder, bis der Spieler eine innere Zufriedenheit spürt, diese dann ausweitet, so dass sich im Gehirn anfänglich ein kleiner Trampelpfad bildet, den er dann mit der Zeit in eine Pass- oder Schuss-Bundesstraße, und eventuell in eine Pass- oder Schuss-Autobahn verwandelt. Das heißt, er kann dann, nur dann! perfekte Chi-Pässe schlagen. Der Kopf weiß, was zu tun ist. Erst dann darf er in die Passhalle oder Schusshalle, um die Gehirnvorlage für Schuss und Pass durch ständige, langjährige Übungen zu perfektionieren.

Daher müssen die Spieler jung sein und ihr Fleckchen Gehirn, das sich mit dem Fußball befasst, unbefleckt, blank sein, damit alle Aspekte des Fußballs von Anfang an von den Spielern, mit Hilfe des Fazilitators, bestens selbst programmiert werden können.

Eine noch andere Sichtweise:
Mechanistischer Fußball & organischer Powerfußball

Beleuchten wir die beiden Systeme, für Schüsse und Pässe, noch von einer dritten Seite. Systeme bestimmen Effektivität und Erfolg von Organisationen. Ist das System schlecht (nicht gut durchdacht, veraltet, etc.), hemmt es Leistung und Erfolg. Im Design von Organisationen – Fußballvereine sind ja auch Organisationen – gibt es zwei extreme Systeme. Eines ist das mechanistische System; es ist gekennzeichnet, u.a., durch formelle Strukturen und wenig Mitbestimmung der Mitarbeiter. Die Struktur definiert, wie Aufgaben, z.B. Tore zu schießen und zu verhindern, aufgeteilt, gruppiert und koordiniert werden. Auf der anderen Seite des Spektrums finden wir das organische oder offene System; es ist flach, kennt  keine Abgrenzungen und involviert Mitarbeiter auch als Entscheidungsträger. Welches System passt wohl besser zum Fußball? Und, welches System wird im Fußball angewendet?

Das mechanistische Model

Alle Fußballvereine auf der ganzen Welt spielen nach dem mechanistischen System. Es besteht aus Positionsbeschreibungen (z.B. hinten links, Mitte, rechts) und einem starren taktischen Spielsystem (z.B. 4-3-3, 3-4-3).  Ein Verein hat’s dem anderen abgeschaut. Es wird so in den Sporthochschulen gelehrt. Das System ähnelt dem einer kleinen Bürokratie, mit genauen Rollenbeschreibungen. Einer, der Trainer, hat das Sagen. Er trifft fast alle Entscheidungen. Die Spieler machen nur das, was sie vom Trainer aufgetragen bekommen, d.h., wofür sie verantwortlich gehalten werden. Die Spieler erhalten verschiedene Anweisungen (du spielst vorn in der Mitte; hier ist dein Gebiet)  Diese Anweisungen füllen oft eine ganze Seite. Keiner weiß genau, was die Aufgaben seiner Mitspieler sind, denn die Rollenbeschreibungen sind meist zu lang, um sie auswendig zu lernen. Daher weiß jeder Spieler relativ wenig über die Aufgaben der Mitspieler, deren Territorium an sein angrenzt.  Nur der Trainer übersieht das Ganze. Er hat Positionspower. Er hält alle Fäden in der Hand und trifft fast alle Entscheidungen. Die Spieler folgen seinen Anweisungen. Wenn sie aufmucksen, werden Sie bestraft: sie dürfen, z.B. nicht mitspielen oder sie werden ausgewechselt. Wenn Spieler mit der Zeit bockig werden und nicht den Vorstellungen des Trainers entsprechen, werden sie verkauft. Übertreibt der Trainer sein autokratisches Führungsbenehmen, kommt es zur Spieler Revolte.  Die ist meist passiv, auf Apathie und Lustlosigkeit aufgebaut. 

Unter diesem System wird heute Fußball gespielt.  Elf Spieler folgen den Anweisungen von einem Menschen, dem Trainer. Er ist verantwortlich. Wenn es nicht klappt, also wenn die Mannschaft zu oft verliert, wird er, der Entscheidungsträger, entlassen. Dabei reden wir oft von Teamwork. Die Spieler sind ein Team, sagt man – und hat natürlich recht.  Nur passt das mechanistische Design nicht zum Teamsport. Da liegt der Fehler. Es ist nicht nur ein kleiner Fehler: es ist ein riesen-großer Design Fehler, fast ein Oxymoron. Kreativität, flüssiges Spiel, Spielfreude und eine hohe Torausbeute werden durch falsches Design unterdrückt. Gute Teamarbeit kann als gar nicht aufkommen. 

Kurz gesagt, Design und Sinn des Fußballs passen nicht zueinander. Der heutige Fußball ist also nicht das, was er sein könnte. Ein Systemwechsel ist dringend benötigt, damit der Fußball seine auferlegten Fesseln abstreifen kann. 

Das organische Model

Wenn man bedenkt, dass Fußball ein Teamsport ist, dass also Entscheidungen von den Teammitgliedern mitgetroffen werden sollten, und dass Spieler, wenn sie als Team arbeiten, Generalisten wie auch Spezialisten sein sollten, passt das mechanische Model überhaupt nicht zum Fußball. Daher das abgehackte, leicht auszurechende, oft einfallslose Spiel, das zu Recht von Reportern und Kommentatoren kritisiert wird. Ein Spieler-Generalist kann überall spielen, vorn und hinten, rechts und links. Er kann auch mit beiden Füßen Tore erzielen. Wenn er angreift, lernt er eine Reihe von Täuschungsmanövern, um an gegnerischen Verteidigern vorbei zu kommen.Wenn er verteidigt, nutzt er dieses Wissen, um Angreifern effektiv entgegen zu treten. Ein guter Stürmer wird so leicht nicht vom Gegner ausgespielt, wenn er verteidigt. Im gegenwärtigen Spiel ist dies noch ziemlich leicht. Die Taktik ist ein offenes Raumsystem: jeder Spieler öffnet Räume wenn er angreift; und schließt Räume wenn er verteidigt.  So wird das Spiel dynamisch, offen und immer anders. Es gibt also keine auswendig gelernten, künstlichen, taktischen Varianten. Das Spiel wird laufend modifiziert, um sich den laufend verändernden Situationen anzupassen und diese zu optimieren. Innoviert wird auf dem Platz, während des Spiels, nicht vor dem Spiel. 

Ein organisches System führt zum Powerfußball. Hier gibt es weder Positionen noch eine vorgeschriebene Taktik. Die Spieler hängen nicht vom Trainers ab. Stattdessen maximiert der Trainer das kollektive Wissen seiner Spieler. So wird er zum Fazilitator, zum Ermöglicher. Er lernt auf diese Weise genau so viel von den Spielern, wie die Spieler von ihm und von einander. Entscheidungen werden zusammen getroffen. Das Wissen des Fazilitators kommt von den Spielern, nicht von Tagungen oder Kursen. Er besitzt die Fähigkeit, das oft unbewusste Wissen der Spieler bewusst zu machen. Das ergibt Experten-Power, Macht. Und hört nie auf, denn Wissen, wie auch das Potenzial eines Menschen, ist unbegrenzt. Fazilitator und Spieler – nicht die Vereinsfunktionäre – definieren so den Verein. Sie, nicht der Vereinsboss, sind voll verantwortlich für alles, was auf und außerhalb des Fußballplatzes passiert. 

Im Powerfußball verändern sich alle Ebenen im Verein, vom Präsidenten bis zum Platzwart. Auch die Erwartungen der Zuschauer werden sich steigern, denn sie werden in kürzester Zeit ein gutes, flüssiges, freudiges Spiel zu schätzen lernen und es daher erwarten. 

Zusammenfassung: Worum geht es im Fußball?

Es geht um die Teile und das Ganze. Damit das Ganze, das Spiel, optimal läuft, müssen die Spieler einige Teile, die die Essenz des Spiels ausmachen, nicht nur kennen und zig-tausendfach üben, sondern auch verinnerlichen, ins Gehirn einbrennen, mit sich selbst und mit dem Team in Einklang bringen und anwenden können.  Nur dann ergibt sich ein einfaches, schönes und erfolgreiches Spiel. Fehlen Teile, oder werden Teile nicht zu eigen gemacht, ist ein erfolgreiches Spiel reiner Zufall. 

Es geht um den Kopf. Ohne Kopf bewegt der Fuß sich nicht. Unser Körper ist kopfgesteuert.  Stimmt es im Kopf und ist das kommende Spiel vorprogrammiert, schon vor dem Spiel im Kopf mehrfach durchgespielt spielt man guten Fußball. Stimmt es nicht, ist erfolgreiches Spiel reiner Zufall. Daher muss im Training alles durch den Kopf laufen. Es ist sogar möglich, nur im Kopf zu trainieren und das Gelernte dann im Spiel erfolgreich anwenden zu können.Das passiert im Moment nicht. Von mentaler Reife gibt es keine Anzeichen.

Es geht um den Vorteil. Trainer müssen ihre Spieler veranlassen, laufend neue Ideen, Methoden, Techniken, Strategien, Taktiken, Wege, Handhabungen und Spielweisen zu entwickeln und angehend zu  verbessern, um das Spiel auf diese Weise unendlich zu bereichern und zu variieren. So hat die Mannschaft einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Und auf den Vorteil kommt es an. Denn Vorteile ermöglichen Siege. Hat man dem Gegner gegenüber keine Vorteile, ist erfolgreiches Spiel reiner Zufall.

Es geht um das Wesentliche. Was ist wesentlich im Fußball? Allem voran der Torschuss. Der Sinn des Spiels ist mehr Tore zu schießen als der Gegner. Daher müssen Spieler genaue Pässe schlagen können, denn sie führen zum Torschuss. Täuschungsmanöver helfen, die Reaktionszeit der gegnerischen Spieler zu mindern. Die Taktik muss viele Torschussgelegenheiten ermöglichen. Ein optimales, blitzschnelles Weiterleiten des Balles hilft Spielern, auf schnellstem Wege zum Torschuss zu kommen. Der Teamgeist der Spieler sollte an Liebe grenzen. Eine ausgeprägte, gelernte, immer weiter ausgebaute Spielintelligenz ermöglicht ein einheitliches Denken von Spielern und Trainer. Eine Bereitschaft, eine Offenheit zum lebenslangen Dazulernen sprengt alle Grenzen und Fesseln. So entsteht mit der Zeit eine neue, andere, erfolgreichere Spielart, die kein Zufall mehr ist. Ich nenne diese Spielart Powerfußball.  

 

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