Der Einfluss von Trainerwechsel & Spielerwechsel auf die Teamarbeit

 

Das Schlimmste, was ein Verein machen kann, ist, nach ein paar Niederlagen den Trainer zu wechseln und/oder neue Spieler einzukaufen. Sie töten auf diese Weise jegliche Teamarbeit, dazu das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern. Der Fußball besteht jedoch ausschließlich aus Teamarbeit, denn Fußball ist ein Teamsport. Der einzelne Spieler zählt nicht, denn er kann allein nichts ausrichten.

Alle Forschungsarbeiten über Teamarbeit sind sich einig: kommt auch nur ein einziger Neuer in ein eingespieltes, effektives, harmonisches Team, sinkt die Produktivität sofort. Es dauert oft Jahre, bevor „der Neue“ vom Team „verdaut“, harmonisiert und eingegliedert wird. Also, wir reden hier von nur einem einzigen Spieler!!! Nun stellen Sie sich drei oder vier „Neue“ vor, oder Zugänge während der laufenden Saison. Auf diese Weise zerstören die nicht-wissenden Verantwortlichen ein Team total. Dies betrifft insbesondere den Trainer. Wird ein Trainer ersetzt, braucht eine Mannschaft Jahre, um sich an einen neuen Trainer zu gewöhnen; und umgekehrt. Aber das kann im Fußball gar nicht passieren, da Menschenhandel (früher Sklavenhandel) en vogue ist und ein Verein es dem anderen abguckt, ohne die negativen Konsequenzen zu sehen.

Daher mein Urteil: die gegenwärtige Angewohnheit Trainer und Spieler laufend zu wechseln spricht von einer totalen Ignoranz der Prinzipien von Teamwork. Dazu kommt noch die ebenfalls völlig veraltete, ineffektive Taktik, die sich ohne viel Denken über die Jahrzehnte mehr oder weniger einfach so ergeben hat. Das i Tüpfelchen des Ganzen sind die total veralteten, unpassenden und ineffektiven Trainingsmethoden.  Alles was unwichtig ist und nicht zum Erfolg führt, wird mit (kein Wunder) wenig Begeisterung trainiert. Das Wichtige wird ignoriert oder nur marginal trainiert.

Weil aber alle Teams auf Erden so spielen, und einer es dem anderen abguckt, und Spieler, wenn sie ihre Karrieren beenden, oft Trainer werden, und unter dem „alten“ System aufwuchsen, verewigt sich das System. Dieser Blödsinn muss ein Ende haben. Man muss auch im Fußball einsehen, dass nur üben, üben, üben zu etwas führt. Und zwar das Richtige, das Essenzielle zu üben. Wenn junge Fußballer es Sportlern in anderen Disziplinen nachmachen – etwa im Tennis, Golf, Badminton, Squash, Basketball – und Pass und Schuss (der Rest ist unwichtig) einige hundert Tausend Mal in speziell dafür gebauten Hallen üben (damit das Training nie unterbrochen wird), lernen sie zu schießen und werden zu Scharfschützen, die genaue Steilpässe in den Lauf des Mitspielers geben können, und die den Ball mit 50%iger Wahrscheinlichkeit ins (nicht aufs) Tor knallen können. Gegenwärtig erhalten Pässe und Schüsse die Note „mangelhaft“.

Ähnlich sieht es mit der Taktik aus. Der Positionsfußball, anscheinend eine gute Idee, hemmt das Spiel, den Spielfluss. Er ist verantwortlich für das viele Hin und Her Geschiebe des Balls, dass den gegenwärtigen Fußball so enorm langweilig macht. Nach ein paar Minuten mache ich den Fernseher aus, weil ich das ideenlose Gekicke nicht mehr mit ansehen kann. Spiel für Spiel. Jahr für Jahr. Auch ein Klein-auf-Klein hin und her Geschiebe des Balles im one-touch Format, bringt nichts, außer Aah Rufe von einem uninformierten, alles akzeptierenden weil an nichts anderem gewöhnten  Publikum.

Von Täuschung haben die Spieler anscheinend noch nie etwas gehört. Jeder Zuschauer weiß im voraus, wo Spieler den Ball hinspielen werden. Der Gegner natürlich auch. Wenn das Hin-und-Hergeschiebe des Balles wenigstens etwas bringen würde. Aber es bringt nichts. Irgendwann, aus Verzweiflung, schießt ein Spieler den Ball dann hoch nach vorn und hofft, das sich etwas daraus entwickelt – was selten der Fall ist.

Gewinnen oder verlieren ist reine Schicksalssache. Erzielt man in 90 Minuten ein Tor, ist der Jubel groß. In Wirklichkeit ist es ein Armutszeugnis, ein totales Versagen des Trainings, dass elf Spieler in 90 Minuten nur ein Tor erzielen können!!!  Im Powerfußball haben Spiele in denen weniger als 10 Tore erzielt werden Seltenheitswert.

Geld, Macht und Ruhm

Der Fußball ist enorm steigerungsfähig. In allen Belangen. Man muss ihn nur für eine Weile vom Geld abkoppeln und an das Spiel selbst denken. Ist das Spiel schön und schnell, fallen viele Tore, wird das Einkommen der Vereine nicht leiden. Im Gegenteil. Aber die Vereinsvorstände haben leider die konservative Einstellung, dass der Rubel bestens rollt und man etwas Lukratives nicht verändern sollte. In anderen Worten, Fußball ist nur noch Geschäft, kein Spiel mehr. Solange man gewinnt, wie auch immer, und solange die Hartz IV Empfänger regelmäßig ein Teil ihres Einkommens dem Verein übergeben, sind die Vereinschefs zufrieden. Alles andere interessiert sie wenig. Der Bürokratie, dem DFB oder der FIFA interessiert es ebenfalls nicht, denn sie leben ja von den Vereinen. Eine tolle Einstellung. Darwin pur! Alles Neue wird von alten Seilschaften blockiert, denn ihr Vorstellungsvermögen ist nicht besonders ausgeprägt. Sie wissen nicht, was kommen wird, und glauben, dass alles Gute immer so weiter läuft, bis ans Ende der Zeit. Sie irren sich. Veränderungen liegen in der Luft.

Die Medien spielen mit. Auch Journalisten, Reporter und Kommentatoren verdienen ihr Geld durch den Fußball. Sie halten sich mit ihrer Kritik zurück und machen zwangsläufig Mut für das nächste Spiel. Die Hoffnung der Zuschauer stirbt ebenfalls nie aus. Sie identifizieren sich mit dem Fußball, als ob sie kein Eigenleben hätten, sind im Siebten Himmel, wenn „ihre“ Mannschaft gewinnt, oder zu Tode betrübt, mitunter wütend, dann gibt es Sach- und Körperschaden, wenn sie verliert. Wenn die Fans brüllen: „Trainer raus!“, wackelt die Trainerbank. Wenn sie sich einen Spieler ausgesucht haben, den sie nicht mögen, pfeifen sie den Spieler aus, sobald er am Ball ist. Dann wird er normalerweise schnell ersetzt. So werden wieder Millionen für einen neuen Spieler ausgegeben. Aber so lange man prozentual am Kauf und Verkauf beteiligt ist, schlägt man auch aus dem Negativen Kapital.

Effektive und ineffektive Teams

Jetzt werden wir effektive und uneffektive Teams einmal direkt gegenüberstellen. Sie können dann selbst beurteilen, wo Sie und Ihre Mannschaft stehen. Ein + kennzeichnet ein effektives Team, ein – ein ineffektives Team.

Atmosphäre 

+ Die Atmosphäre, die man nach wenigen Minuten spürt, ist informell, komfortabel und entspannt.  Man kann es eine gelockerte Arbeitsatmosphäre nennen. Sie und Ihre Spieler sind in der Arbeit verwickelt und an der Arbeit interessiert. Keiner langweilt sich.

- Die Atmosphäre ist entweder von Gleichgültigkeit oder langer Weile geprägt.  Die Spieler flüstern sich oft etwas zu, oder haben kleine Nebengespräche. Was Sie oder ihre Mitspieler zu sagen haben, interessiert die Spieler  wenig, selbst wenn sie der deutschen Sprache fähig sind. Die Atmosphäre ist meist angespannt. Man spürt eine leichte Feindseligkeit, einen Antagonismus, eine gewisse Steifheit und eine übertriebene Formalität. Die Spieler sind nicht bei der Sache.

Diskussion

+ Es wird viel diskutiert. Fast alle Spieler nehmen daran teil. Der Trainer hält sich zurück. Der Fokus der Diskussion ist auf zu besprechende Aufgaben bezogen. Wenn der Fokus wandert, bringt jemand ihn zurück zur Aufgabe.

- Einige Spieler dominieren die Diskussion. Meist sind ihre Kommentare nicht aufgabenbezogen. Oder nur der Trainer spricht. Keiner macht Anstrengungen, die Gruppe wieder aufs Gleis zu bringen. Alle warten auf das Ende der Besprechung.

Aufgaben

+ Die Aufgabe oder das Ziel ist jedem Spieler bekannt und wird voll akzeptiert. Die Aufgabe wurde lange und frei diskutiert und dann so formuliert, dass jeder Spieler die Aufgabe oder das Ziel verstehen, annehmen und ausführen kann.

- Wenn man zuhört, wie die Spieler reden, ist es schwer zu verstehen, was die momentane Aufgabe oder das Ziel der Gruppe ist. Sie, der Trainer, haben Aufgabe oder Ziel zwar am Anfang erwähnt, sogar klar gestellt, aber es gibt keine Anzeichen, dass die Spieler die Aufgabe gehört oder akzeptiert haben. Im Gegenteil, es scheint, als ob die Spieler verschiedene persönliche Ziele haben, die oft miteinander, oder mit dem Gruppenziel, im Konflikt stehen.

Zuhören

+ Die Spieler hören einander zu. Die Diskussion bleibt sachlich, man hüpft nicht von einer Idee zur nächsten. Jede Idee wird angehört. Die Spieler kommen sich nicht lächerlich vor, wenn sie kreative, extreme Gedanken vortragen. Man vertraut einander.

- Die Spieler hören sich gegenseitig nicht zu. Gute Ideen werden ignoriert, oder man setzt sich über sie hinweg. Die Diskussion springt von einem Punkt zum anderen, ohne Sinn oder Zusammenhang, und ohne voran zu kommen. Die meisten reden nur, um Eindruck zu machen. Die eigentliche Aufgabe wird ignoriert oder erhält wenig Aufmerksamkeit.

Meinungsverschiedenheiten

+ Es gibt oft Meinungsverschiedenheiten. Sie sind Gruppennorm und machen den Spielern nichts aus. Sie weichen Schwierigkeiten nicht aus, sie wollen nicht alles leicht und bequem haben. Wenn ein Spieler anderer Meinung sind, wird diese nicht unterdrückt. Man setzt sich auch nicht über sie hinweg. Die Gründe werden sorgfältig analysiert, und die Gruppe sucht einen gemeinsamen Entschluss. Wenn ein Spieler nicht übereinstimmt, tut er es nicht, um Widerstand hervorzurufen, oder um die Gruppe zu dominieren. Auch ist er nicht feindlich eingestellt. Meinungsunterschiede sind echt und werden offen diskutiert. Man erwartet, dass alle ihre Meinung sagen können, damit ein Entschluss gefasst werden kann. Es kommt aber vor, dass man eine Handlung bewusst verzögert, um die Sache genauer zu studieren. Oder man beschließt auf die Sache zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückzukommen.

- Die Gruppe weiß nicht richtig, was sie mit all den verschiedenen Meinungen anfangen soll. Sie, der Trainer, können einige Meinungen zwar unterdrücken, wenn Sie Angst vor Konflikten haben, da Sie wissen, dass Meinungsverschiedenheiten oft zu offenen Feindseligkeiten führen können. Die Folge ist dann aber meist, dass eine Gruppe die andere unterdrückt, oder sich ihr feindlich gegenüber stellt.  Oder der Meinungsunterschied wird durch eine „demokratische“ Wahl gelöst. Die Mehrheit siegt, die Minderheit ist frustriert. Mitunter ist eine kleine Minderheit so aggressiv, dass die Mehrheit nachgibt, nur um den Frieden zu erhalten und die Aufgabe zu Ende zu bringen. So setzen die aggressiven deutschsprechenden Spieler ihren Willen durch. Weniger aggressive Spieler sagen entweder nichts, oder sie geben den Kampf nach kurzen, wirkungslosen Versuchen auf. 

Konsens

+ Die meisten Entscheidungen werden durch Konsens erreicht. Konsens heißt, dass alle in etwa übereinstimmen und willig sind, die Entscheidung der Mehrheit zu akzeptieren und auszuführen. Es kommt selten vor, dass Spieler öffentlich mit einer Entscheidung übereinstimmen, aber trotzdem persönlich dagegen sind, nur damit es nach wirklichem Konsens aussieht. Man zählt keine Stimmen, denn man betrachtet eine einfache Mehrheit eben nicht als angemessene Aktionsbasis.

- Entschlüsse werden oft vorzeitig gefasst, bevor die strittigen Punkte untersucht und gelöst werden können. Nach dem Treffen wird viel gemunkelt, hauptsächlich von Spielern, die nicht mit der Entscheidung übereinstimmen, aber nicht den Mut hatten, sich dagegen auszusprechen. Eine einfache Mehrheit wird als genügend befunden, um zu handeln. Es wird erwartet, dass die Minderheit sich der Mehrheit anpasst. Die Minorität bleibt aber meist ablehnend, ist an der Entscheidung nicht sehr interessiert, und führt sie nur mit halbem Herzen aus.

Kritik

+ Die Spieler kritisieren einander häufig und offen. Sie attackieren Mitspieler aber nicht persönlich. Die Kritik ist konstruktiv. Sie bezieht sich meist auf die Hürden, welche die Gruppe von der Aufgabe abhält.

- Die Spieler fühlen sich durch die Kritik verletzt. Oft enthält die Kritik persönliche, feindselige Aussagen. Die Spieler kommen damit nicht zurecht. Die Kritik von Ideen wird destruktiv. Mitunter werden alle Ideen „zerschossen“. Dann wagt sich keiner mehr neue Ideen vorzutragen.

Gefühle

+ Die Spieler lassen ihren Gefühlen über Probleme und Aufgaben freien Lauf. Es gibt wenige versteckte Agenda Punkte. Jeder weiß, wie der andere über Sachen und Ereignisse fühlt.

- Man zeigt seine Gefühle nicht. Die Ansicht der Mannschaft ist dass Gefühle in einer Diskussion unpassend sind und zu explosiv sein können. So bleiben die Gefühle der Spieler unterdrückt. Die Machos in der Mannschaft glauben sowieso, dass nur „Weicheier“ Gefühle haben.

Aktion

+ Wenn gehandelt wird, weiß jeder Spieler genau, was er zu tun hat. Er akzeptiert das auch und fühlt sich für die Ausführung der Aktion voll verantwortlich.

- Handlungsaktionen sind nicht klar: keiner weiß genau, was er selbst zu machen hat und was seine Mitspieler machen sollten. Wenn die Verantwortung für die Aktionen aufgeteilt wird, bestehen Zweifel, ob die Spieler auch verantwortlich handeln werden.

Führungsrolle

+ Wenn man als Außenstehender zuschaut, sieht man, dass die Führung laufend wechselt, wie es die Umstände erfordern. Sie, der Trainer, sind einer von vielen, der führt, wenn Sie etwas Wichtiges zu sagen haben.

- Der Trainer ist der Führer. Ob schwach oder stark, er sitzt immer am Kopfende des Tisches. Er sagt den Spielern, was sie zu tun haben. Er ist autoritär und duldet keine andere Meinung. Er hat die Spieler voll unter Kontrolle und findet es richtig so.

Qualitätskontrolle

+ Die Mannschaft ist sich ihrer Arbeit bewusst. Sie unterbrechen ihr Training mitunter, um zu prüfen, ob es gut läuft und fragen sich, ob etwas verbessert werden könnte. Ist das der Fall, werden Dinge öffentlich diskutiert, bis eine gute Lösung oder eine Verbesserung gefunden ist.

- Trainer und Mannschaft halten nicht viel von Qualitätskontrollen. Nach dem Spiel oder Training wird zwar laut diskutiert, über das, was falsch lief, aber positive Einsichten werden selten in die Tat umgesetzt.

 

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