Spielanalysen & Trainingspläne
Trainingstag & Trainingstagebuch
Tageskapitän

 

Powerfußball entstand aus Langeweile. Ich saß in den Smoky Mountains in Tennessee, USA, vor dem Fernsehschirm und sah mir die Top Teams der Welt an. Sie langweilten mich, denn ein Spiel glich dem anderen. Die Trainer schienen alle zur gleichen Schule gegangen zu sein, einer Schule mit niedrigem Niveau. Vier von fünf Ballkontakten waren mangelhaft, man hätte sie besser ausführen können. Wenn Sie sich die Zeit nehmen ein Spiel zu analysieren (Beispiel auf der Rückseite), werden Sie zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen.

Die Dribbelkünstler wurden von den Zuschauern jedoch laut beklatscht, obwohl die Spieler am Ende meist den Ball verloren, durch pure Eigensinnigkeit und Sucht zur Selbstdarstellung, und damit zur Gehaltsverbesserung. Fast kein Spieler konnte mit Wucht in eine der vier Ecken des Tores schießen. Auch das Passspiel war miserabel. Sie haben es nie richtig gelernt. Dazu kommt die Dreier-Taktik, die mehr einer Zwangsjacke ähnlich ist, als einer modernen Fußballtaktik. Wenn Sie kritisch hinsehen, und vielleicht selbst einmal ein Spiel analysieren,  sehen Sie die vielen Fehler, die man eigentlich leicht abstellen könnte.

Spielanalysen

Eine Spielanalyse kann Wunder bewirken. Sie ist ein ausgezeichnetes Lehrmeister. Am besten ist es, wenn die gesamte Mannschaft Spiele anderer Vereine analysiert. Es ist zu gefährlich wenn Spieler das eigene Spiel analysieren und sich gegenseitig die Schuld zuschieben.

Wie geht das? Stoppen Sie das Video jedes Mal wenn ein eigener Spieler den Ball berührt und bewerten Sie, wie er mit dem Ball umgeht. Zum Beispiel, wenn sich die Spieler in der eigenen Hälfte den Ball zigmal nutzlos hin und her schieben, bekommt jeder Spieler, der an der Aktion beteiligt ist, und die Aktion selbst, eine schlechte Note. Diese von den Spielern selbst gegebenen Noten werden einen starken Eindruck machen. Kritisiert der Trainer, geht die Kritik schnell verloren. Kritisieren die Spieler, findet Lernen statt. Mit jeder Wiederholung eines Vorgangs lernt er mehr, gleich ob die Aktion gut oder schlecht war.

Eine komplette Spielanalyse dauert ungefähr 8 bis 10 Stunden. Aber diese Zeit ist eine gute Investition. Es wird heftige Diskussionen geben. Allmählich wird sich das Klima jedoch ändern. Spieler werden sofort erkennen, wenn jemand einen Fehler macht – und ihn dann nicht mehr selbst machen! Darum geht es: dass die Spieler selbst Fehler und gute Spielzüge erkennen. Das sitzt. Wenn der Trainer etwas erkennt und versucht seine Erkenntnis zu vermitteln, sitzt es selten! Das kann man verallgemeinern. Wer vorn steht und lehrt, ist ein schlechter Lehrer. Man muss lernen, die Lernenden geschickt zu involvieren.

Spielanalysen lehren gutes Spielen. Sie ändern Sachen im Kopf. Alte Denkmuster werden aufgefrischt oder verändert. Eventuell – und wir reden hier Monate und Jahre, nicht Wochen –

wird das Spiel immer intelligenter. Man hat Fehler oft genug auf den Videos erkannt und macht sie nicht mehr.

Trainingspläne

Aus der Spielanalyse wachsen Trainingspläne. Die schlechtesten und am häufigsten vorkommende Noten werden zuerst in Trainingsziele umgewandelt. Am allerbesten delegieren Sie auch diese Aufgabe an die Spieler. Was immer von den Spielern kommt zählt viel mehr als was Sie selbst sagen. Alles muss immer von den Spielern, durch ihre Gehirne fließen, um effektiv zu sein. Das ist das Geheimnis guten Lehrens und Lernens. Es hat weder die Schulen noch die Universitäten erreicht.

Das Lehren dort ist schlecht. So wird Lernen zur Qual, zur Plage. Und es sollte eine Freude sein, ein aufregendes Ereignis.

Sie werden sehen, dass Spielanalysen immer zu den gleichen Trainingsplänen führen. Wenn man lernt, den Ball immer blitzschnell (one-touch) wieder abzuspielen, kommt es nicht zu Zweikämpfen. Wenn man lernt, den Ball laufen zu lassen, ermüdet man den Gegner, nicht sich selbst. Wenn man lernt, das „dritte Auge“ zu entwickeln, kommen die Pässe nicht nur gut an (in den Lauf, nicht auf den Fuß) sie führen auch zu was, nämlich zum Torschuss.

Natürlich, wenn Sie Powerfußball spielen, brauchen Sie nach einer Weile keine Trainingspläne mehr. Alles reduziert sich auf drei Sachen: den Pass üben, den Torschuss, und die Taktik. Das sind die wichtigsten drei Elemente im Powerfußball. Daher ist der Powerfußball einfach zu lernen. Eng verbunden mit diesen drei Trainingskomponenten sind Täuschung und Geheimsprache. Diese Fähigkeiten, plus Einstellungen, Werte, etc., werden im Seminarraum geübt.

Der Powerfußball ist so einfach, dass er eigentlich lächerlich ist.  Der Körper wird in der Pass- und Schusshalle eingesetzt. Dazu kommen Yogaübungen (nie Kraftraumübungen!), um den Körper geschmeidig zu halten. Der Kopf wird die übrige Zeit eingesetzt. Basta. Fertig. Und das jeden Tag, immer wieder, 15 Jahre lang. Bis zur Pension. Bis zur Perfektion. 

Ein Trainingstag

Das tägliche Training ist immer gleich. Er könnte z.B. so aussehen:

06.00 –22.00  Einzeltraining in der Schuss-Halle und im Pass-Karussell.*

08.00 – 09.00 Leichtes vegetarisches Frühstück **

09.00 – 10.30  Powertaktik, im Seminarraum.

10.30 – 12.00  Physische Körperübungen:  Yoga und Tae Bo.

12.00 – 13.00  Leichtes vegetarisches Mittagessen.

13.00 – 14.30  Fußball wird durch den Kopf gespielt:  Seminar.  Die Themen wechseln.***

14.30 – 15.00  Einzeltraining (Sprints, Täuschung, Trampolin Training).

15.00 – 16.00 Mannschaftstraining auf dem Spielfeld, 11 gegen 11.

16.15 – 17.00  Leichtes vegetarisches Abendessen

*  Jeder Spieler verbringt jeden Tag (5 Tage die Woche), ohne Fehl!, je eine halbe Stunde in der Schuss- und Pass-Halle.  Die Übungszeiten können sich die Spieler selbst wählen, indem sie ihre bevorzugten Trainingszeiten selbst eintragen.

** Täglich drei Mal zusammen essen fördert den Teamgeist. Enorm!

***  In den ersten fünf Jahren, lernen die Spieler in ungefähr 1.250 Seminaren – jedes Seminar ist zeitlich so lang wie ein Fußballspiel, 90 Minuten – die verschiedensten Dinge. Sie lernen auch drei oder vier Sprachen, natürlich nicht perfekt, aber genug, um sich auf internationalen Spielfeldern verständlich zu machen. Sie lernen ferner Werte, Benehmen, Einstellungen, Anständigkeit, Bescheidenheit, etc. Andere Themen sind Literatur, Tanz, Ballett, Schauspielkunst, Mathematik (bes. Geometrie: Winkel).  Da jedes Seminar 1 ½ Stunden dauert, lernen Sie Fussball-beeinflussende Themen in über 2.000 Stunden in den ersten fünf Jahren.  Rechnen Sie das um auf ein Uni-Jahr, ergibt es dreißig Kurse (70 Stunden pro Kurs).  Das ist ungefähr das Equivalent von einem 3-jährigen Bachelor Grad (3 x 5 Kurse) und einem anschließenden 2-jährigen Master Kurs (2 x 5 Kurse, plus eine Masterarbeit = Trainingstagebuch). Wenn erwünscht kann das Powerfußballprogramm durch eine oder mehrere, hiesige, wohl eher ausländische Universitäten akkreditiert werden. Oder, mundaner gesehen, man kann das Trainingsprogramm als Lehre ansehen: 3 Jahre Lehre plus 2 Jahre Meisterschaft.

Das Trainingstagebuch

Ein Trainingstagebuch dokumentiert den Fortschritt eines Spielers.  Sie halten es für sich selbst, nicht für andere. Sie können es dem Fazilitator geben, wenn Sie Feedback erhalten wollen, aber ansonsten ist das Tagebuch eine private Angelegenheit.

Es ist ein Buch, das Spieler laufend benutzen, zum Eintragen und Nachschlagen.  Es ist Ihre persönliche Bibel.  Es dokumentiert ihre Karriere als Fußballspieler.  Es ist auch ein Tagebuch, dass Spieler später, wenn ihre Karriere als aktiver Spieler dem Ende zugeht, nutzen können, um selbst Fazilitator zu werden und eine Mannschaft zu trainieren.  Auch dient es als Nachlass für die Kinder. Es hat also viele Zwecke, jeder nobel. 

Der Tageskapitän

Unter anderem, um die Führungsqualitäten der Spieler zu fördern, aber auch, um den Spielern zu lehren, alle Entscheidungen selbst zu treffen, wird jeden Tag ein anderer Spieler Tageskapitän. Er leitet alle Aktivitäten, von früh bis spät.  Für einen Tag. Er leitet, wie der Fazilitator/Trainer selbst, der Vorbild ist – mit sanfter Hand.  Er sagt: Sollten wir hier nicht ein wenig aufräumen?  Und fängt an aufzuräumen.  Er fragt, in der Passhalle: läuft alles bestens?  Er leitet die Seminare:  Ist Gruppe A fertig?  Dann fangt mal an Jungs. Der Tageskapitän ist für den reibungslosen Ablauf des Tages verantwortlich. Der Tageskapitän wird so im Laufe der Jahre langsam zu einem Fazilitator.

Auf diese Weise wird jeder Spieler im Führungswesen ausgebildet.  Sein Führungsstil ist jedoch nicht autokratisch.  Vielmehr wendet er den gleichen Stil an, wie der Fazilitator: er hilft und ermöglicht. Er stellt Fragen. Er leitet das Seminar, ohne selbst etwas zu sagen. Er passt auf, dass es keine Engpässe in der Schusshalle und dem Pass-Karussell gibt. Er leitet die Yoga und Tae Bo Übungen. Er leitet das Powertaktik Seminar.  Er organisiert das Einzel- oder Mannschaftstraining. Er führt die Mannschaften aufs Spielfeld.  Er ist der tägliche Ansprechpartner für alle.

So lernt jeder Spieler, Verantwortung zu tragen. Deshalb besteht die Mannschaft nach kurzer Zeit nur aus verantwortlichen Spielern. Jeder ist Spieler und Fazilitator zugleich. Der „richtige“ Fazilitator/Trainer  bleibt im Hintergrund. Die Mannschaft leitet sich mehr oder weniger selbst. Sie wird autonom.

Der Tageskapitän ist auch dafür verantwortlich, die Ergebnisse der täglichen Seminare zu summieren und eine schriftliche Zusammenfassung an die Spieler zu verteilen, die dann in die Fußballakte eines jedes Spielers kommt. Diese Akte, oder diese Akten, denn es werden im Laufe der Jahre einige sein, kann jeder Spieler als Ausgangsbasis für den Trainerjob nutzten, eine Laufbahn, die er nach seiner Spielerlaufbahn anstrebt. Er lernt das Trainingsamt also während seiner Spielerkarriere. Auch lernt er Mannschaften zu führen, denn in den fünf Lernjahren ist er ungefähr 60 Mal Tageskapitän, eine gute Einführung in den Job des Trainers, besser, Fazilitators.

 

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