In Gruppen arbeiten

Menschen mögen es, in Gruppen zu arbeiten, weil Gruppenarbeit viele ihrer Bedürfnisse erfüllt. Die Japaner haben dies früh erkannt. Die Amerikaner und Deutschen, beide autokratische Ländern, noch nicht. Schon gar nicht im Sport, obwohl gerade der Teamsport Gruppenarbeit geradezu einlädt. Die ideale Gruppe, hundertfach erforscht, besteht aus fünf bis sieben Mitgliedern. Was folgt sind zwei Profile, eins für ineffektive das andere für effektive Gruppen.

Profil einer ineffektiven Gruppe

Apathie, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit sind die Norm. Keiner zeigt Interesse für die Aufgabe, welche die Gruppe zu lösen hat (z.B., wie man am besten ein Pfeifkonzert im gegnerischen Stadion wegsteckt; oder wie man sich bei Ecken im eigenen Strafraum verhalten sollte; oder wie man blitzschnell einen Angriff starten könnte, indem man dem Gegner den Ball wegspitzelt und so in Ballbesitz kommt.). Auch ist niemand in der Gruppe daran interessiert, mit einigen anderen Gruppenmitgliedern überhaupt zu reden. Man mag sich nicht.

Schweigen herrscht. Wenn einer etwas sagt, hört keiner zu, oder er bekommt keine Antwort. Wenn geredet wird, dann über Negatives. So wird die Gruppe immer lustloser. Sie nutzt das Wissen und die Erfahrung einzelner Gruppenmitglieder nicht. Keiner ist daran interessiert, andere zu motivieren. Wenige vertrauen ihren Mitspielern. Höfliche und aufbauende Antwort auf Fragen von Mitspielern zu bekommen hat Seltenheitswert. Es herrscht Verwirrung und Desinteresse über die Aufgaben der Gruppe. Sie tun so als ob sie die Ausführungen des Trainers verstehen. Das Durcheinander zwischen Spielern und dem Trainer führt oft zu Feindseligkeiten. Die dominanten Persönlichkeiten bestimmen den Ton und setzen ihre weniger als perfekten Lösungsvorschläge durch. Die Gruppe weiß nicht, dass Meinungsverschiedenheiten wertvoll sein können, wenn die Mitglieder nur die richtige Einstellung hätten. Diejenigen, die es trotzdem wagen ihre Meinung zu sagen werden ignoriert und verachtet. Sie fühlen sich daher befremdet und unverstanden.

Die Bemerkungen und das Benehmen einzelner Gruppenmitglieder wird mit der Zeti immer unfreundlicher.Verborgene, feindliche, Ansichten kommen ans Tageslicht. Man hält zurück, was man wirklich denkt, denn man traut niemanden in der Gruppe. Der Druck, sich anzupassen, verhindert eine offene Diskussion. Man kann die gestellten Aufgaben nicht erfüllen, weil man sich laufend streitet und nicht traut, was gesagt werden sollte, zu sagen. Gruppenloyalität ist nicht ersehbar. Die Normen, Leistungen und Problemlösungen der Gruppe sind niedrig, da sie das eigentliche Problem selten richtig erfassen. Populäre Lösungen werden der besten Lösung vorgezogen. Wenn eine kleine Gruppe eine Präsentation macht, werden sie von anderen Spielern oder Gruppen wegen der Qualität und Effektivität ihrer Lösungsvorschläge und der großen Zeitspanne, um überhaupt zu einer Lösung zu kommen, heftig kritisiert.

Profil einer effektiven Gruppe

Eine effektive Gruppe hat erlernte, inter-persönliche Kompetenzen. Mitglieder haben volles Vertrauen zueinander. Sie unterstützen sich gegenseitig und bewerten das, was gesagt wird, nicht gleich negativ. Sie haben gelernt, individuellen Input so zu kombinieren, dass ein Gruppen Output zustande kommen kann, der von einer höheren Qualität ist, als anfängliche individuelle Inputs. Die Gruppe kann so ein Klima kreieren, in dem maximale Entscheidungen getroffen werden können. Sie sind in der Lage eigene Probleme zu identifizieren, zu diagnostizieren, und zu lösen.

Gruppenmitglieder wissen, wie sie miteinander umgehen sollten, und können im voraus einschätzen, welchen Impakt ihre Beiträge auf andere Mitspieler haben. Die Gruppe gibt jedem Gruppenmitglied die Möglichkeit, ihre eigenen Bedürfnisse innerhalb der Gruppe zu befriedigen. Sie können daher ein höheres Risiko eingehen. Sie wissen auch, wie man mit Problemen und Schwierigkeiten umgeht. Ein Geist für Offenheit entwickelt sich. Man hat den Mut, Risiken eingehen und das scheinbar Unerlaubte zu sagen. Kreative Gruppenlösungen sind möglich, da alle in der Lage sind, ihre verschiedenen Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Gesichtspunkte vorteilhaft darzustellen. Sie mögen es sogar, wenn man ihre Ideen von allen Seiten beleuchtet. So wird die Mannschaft intellektuell nicht träge. Diversität wird zu einem Stimulus, um gute Lösungen zu Problemen zu finden, und um Lösungsmöglichkeiten zu kombinieren.

Effektive Gruppen untersuchen anstehende Aufgaben mit Sympathie und Verständnis. Ihre Haltung Abweichlern gegenüber ist unterstützend, damit diese an Bord kommen. Ziel ist, kooperative Einstellungen, Beziehungen und Loyalität zwischen allen Gruppenmitgliedern herzustellen, damit die Gruppe ihr aufgetragenen Aufgaben bestens bearbeiten kann. Unterschiedliche Auffassungen werden offen ausgedrückt und besprochen, ja unterstützt und ermutigt. Ideen, Gefühle und Information werden mit den Mitspielern geteilt. Gespräche gehen hin und her, man vertraut einander. Dass jeder eine andere Meinung haben kann, wird akzeptiert. Ein Gruppenführer wird nicht gebraucht. Besser gesagt, alle Gruppenmitglieder sind auch Gruppenführer, basiert auf  Sachkenntnis, Wissen und Einsichten.

Natürlich möchte jeder Spieler Mitglied einer effektiven Gruppe sein. Diese Art von Erfahrung ist nicht nur für den einzelnen Spieler befriedigend, weil es macht Spaß macht, in so einer Gruppe zu sein, sondern die ganze Mannschaft hat Vorteile, wenn die Anstrengung positive Ergebnisse bringt. Die Frage für alle ist: Wie können wir Ihre Mannschaft effektiver machen? Eine Möglichkeit ist, das beiliegende Blatt zu kopieren, es an die Mannschaft zu verteilen, und es zuerst in kleinen Gruppen, danach mit der ganzen Mannschaft, zu besprechen. Sie werden sehen, wie ein Ruck durch die Mannschaft geht, und wie das Mannschaftsklima sich positiv verändert.

Es gibt mehrere Art und Weisen, wie man Gruppen erstellt. Da Sie ja aus dem gesamten Spielkader eine Mannschaft formen müssen, stellt sich die Frage, auf welche Weise Sie am besten Unter-Gruppen von 5 bis 6 Spielern zusammenstellen sollten. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

Sie können …

  • die Gruppen selbst einteilen, nach sorgfältiger Überlegung. Das ist eine Alternative, aber keine gute, denn Sie wollen ja, dass alles von den Spielern kommt.
  • ihre Spieler sich selbst in Gruppen einordnen lassen.Diese zweite Möglichkeit ist ebenfalls nicht die beste, da aus informellen Cliquen oft  formelle Cliquen werden.
  • Gruppen nach psychologischen Neigungen der einzelnen Spieler formen. Das wäre eine gute Wahl, denn Menschen, die auf gleicher Wellenlänge sind, bilden sehr effektive Teams. Nur brauchen Sie im Fußball ein Team, und nicht drei Gruppen innerhalb eines Teams.
  • Lose ziehe lassen. Eine gute Methode. Objektiv. Etwas zeitaufwendig, aber effektiv.
  • mit dem Zeigefinger aufs Geratewohl auf Spieler zeigen, und ihnen eine Nummer von 1 bis 5 (4 Gruppen a 5 Spielern) geben. Das muss blitzschnell gehen, so dass alle das Gefühl haben, dass Sie die Nummern nach dem Zufallsprinzip und nicht bewusst ausgeben. Dann sind alle „1“ in einer Gruppe, alle „2“ in einer anderen Gruppe, usw. Für Ihre Zwecke ist das wohl auch die schnellste Methode. Zudem bricht sie Cliquen und Gruppendenken auf

Verhaltens-Richtlinien

In Ihrer Gruppe …

  • schlagen Sie einen Ton an der entspannend und unterstützend ist.
  • seien Sie auch höflich, wenn es etwas laut wird.
  • zeigen Sie Ihren Mitspielern, dass Sie am Thema interessiert sind.
  • bestrafen Sie Mitspieler nicht, nur weil diese anders denken.
  • unterstützen Sie originelle und ungewöhnliche Ideen.
  • trennen Sie die Quelle einer Idee von ihrem Inhalt.
  • behalten Sie Ihren Humor, auch wenn es hart auf hart zugeht.
  • unterstützen Sie ein offenes Klima, so dass spontane Ideen wachsen können.
  • lassen Sie denjenigen Spieler sprechen, der am meisten über ein Thema weiß.
  • versuchen Sie, die Bedürfnisse eines jeden Spielers zu befriedigen.
  • unterstützen Sie die Anstrengungen und Bemühungen eines jeden Einzelnen.
  • achten Sie Ihre Kameraden als gleichwertige Menschen.
  • geben Sie jedem Spieler das Gefühl dazuzugehören.
  • entwickeln Sie Verantwortlichkeit für das, was die Gruppe beschließt.
  • fassen Sie periodisch zusammen, was die Gruppe bisher erreicht hat.
  • lernen Sie zu beobachten, wie Ihre Aktionen die Gruppe beeinflusst.
  • lernen Sie, wie man unterstützend zuhört.
  • geben Sie anderen das Gefühl, dass das, was sie sagen, wichtig und interessant ist.
  • geben Sie Ihren Mitspielern das Gefühl, dass Sie sie als Mensch schätzen.
  • zeigen Sie Ihre Bereitschaft, andere Gesichtspunkte zu hören und zu verstehen.
  • geben Sie Ihren Mitspielern starke, positive, unterstützende Antworten.
  • versuchen Sie zu verstehen, was andere sagen, bevor Sie urteilen.
  • versuchen Sie andere zu verstehen, indem Sie sich in sie hineinversetzen.
  • lernen Sie, Meinungsverschiedenheiten in einem positiven Licht zu sehen.
  • üben Sie keinen Druck auf Mitspieler aus, die anders denken.
  • versuchen Sie die Gruppeneffektivität laufend zu steigern.
  • seien Sie freundlich, warm, ermutigend, mitteilsam, flexibel und harmonisierend.
  • dominieren Sie die Gruppe nicht, indem sie andauernd reden.
  • seien Sie Ihren Mitspielern gegenüber weder aggressiv noch abwertend.
  • distanzieren Sie sich nicht von der Gruppe, indem Sie den Beleidigten spielen.
  • verfolgen Sie nicht nur Ihre eigenen Interessen.
  • versuchen Sie in Ihrer Gruppe eine übereinstimmende Meinung zu erreichen.

Heute morgen erhielt ich eine Email von einer früheren Kollegin, einer Professorin namens Patricia Cranton, die an einer amerikanischen Eliteuniversität unterrichtet. Sie ist No. 1 in der Welt in ihrem Spezialfach: Transformierendes Lernen. Tippen Sie ihren Namen in Google ein und sehen Sie selbst. Sie schrieb:

„Du fragst mich, wie ich ein 8-Stunden Seminar ausfüllen kann, ohne dass es langweilig wird? Durch Gruppenarbeit, nicht, indem ich rede. Ich gebe eine kurze 15 Minuten-lange Mini-Vorlesung. Wenn die vorüber ist, sage ich meinen „Studenten“ (Durchschnittsalter 40): so viel wie eben werde ich während der nächsten 6 Monate nicht mehr reden. Die Studenten lachten, Hah, hah, hah, aber sie werden bald sehen, dass ich durch Gruppenarbeit, und nur durch Gruppenarbeit unterrichte, denn alle anderen Unterrichtsformen sind weniger wirkungsvoll.“
 
Ich stimme voll mit Patricia überein. Mein ganzes Leben lang habe ich durch autonome Gruppen unterrichtet, ohne selbst viel zu sagen.. Mit großem Erfolg. Keine Unterrichtsmethode ist so effektiv wie Gruppenarbeit, die einen demokratischen Führungsstil benötigt. Das trifft besonders auf den Fußball zu; nur ist es noch nicht die Norm.

 

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