Führungsstile im Fußball

Jeder Mensch in einer Führungsposition hat, bewusst oder unbewusst, die Wahl zwischen vier Führungsstilen: er kann autokratisch, demokratisch, pragmatisch oder charismatisch operieren.  Einer dieser Stile wird dominant, also  charakteristisch, sein. Die anderen Stile werden aktiviert, wenn der dominante Stil versagt, nicht ausreicht oder für eine gewisse Situation unangemessen ist. Wenn bewusst angewendet, erklärt das Wechselspiel der Stil- Präferenzen die Vielzahl der Führungsbenehmen von Menschen. Wählt man unbewusst, vermischen sich die Stile. So wird man schnell als unberechenbar oder unglaubwürdig eingestuft.

Was ist Ihr dominanter Führungsstil?  Und Ihr zweiter, der aushilft, wenn der dominante Stil für eine gegebene Situation nicht passend ist?  Wahrscheinlich wird Ihnen das klar werden, wenn Sie die Beschreibungen der Führungsstile, die folgen, durchlesen.  Unterstreichen Sie, was auf Sie zutrifft. Analysieren Sie jeden dieser Führungsstile einzeln. Fragen Sie sich: Bin ich …

autokratisch – demokratisch – pragmatisch oder  charismatisch?

Autokratische und demokratische Führungsstile sind urteilsvermögend. Das heißt, wenn das Ihr dominanter Stil ist, lieben Sie es, Entscheidungen zu treffen. Die pragmatischen und charismatischen Führungsstile sind perzeptiv, also auf Wahrnehmungen basiert. Wenn das Ihr Stil ist, treffen Sie nicht gern Entscheidungen. Sie zaudern und wollen meist mehr Input bevor sie sich entscheiden. Auch fällt es Ihnen schwer, Gründe für Ihre Entscheidungen zu geben. 

Der autokratische Führungsstil

Wenn der autokratische Stil Ihre Hauptfunktion ist, sagen Sie anderen, was sie zu tun haben. Sie treffen erst dann eine Entscheidung, wenn Sie genug Zeit hatten, über eine Situation nachzudenken.  Sie erwarten, dass andere Ihre Entscheidung ausführen. Input von anderen brauchen Sie nicht, denn Sie haben ja viel Zeit investiert, die Sache genau zu durchdenken. Sie sagen anderen dann im Detail, wie der Job gemacht werden muss, geben Untergebenen einen Zeitrahmen, und sagen ihnen ebenfalls, welches Qualitätsniveau Sie erwarten. Ihre Direktiven sind also auf intellektuellen Überlegungen und  Schlussfolgerungen aufgebaut. 

Wenn Sie analysieren, wie das, was zu machen ist, am besten geplant, organisiert oder verändert werden kann, versuchen Sie die allerbeste Lösung zu finden.  Wenn Sie diese gefunden haben, oft nach langem Denken, handeln Sie dementsprechend.  Da Sie in der Lage sind, Ihren Gedankenvorgang, der zu Ihrer Entscheidung führte, jederzeit wieder hervorzurufen, können Sie den Spielern konsequente und gleichmäßige Anweisungen geben. Das wissen insbesondere die Spieler, die ähnliche psychologische Neigungen haben wie Sie zu schätzen. 

Wenn Sie Erfolg haben, haben Sie die Tendenz, Ihre intellektuellen Betrachtungen und Schlussfolgerungen in eine Formel zu verfassen, oder zu einem Prinzip zu erhöhen, das Sie dann generell nutzen, um Spieler zu führen. Nach dieser Formel wird alles gemessen, und jeder Spieler muss sich dieser, Ihrer, Formel beugen. Einige Ihrer Spieler werden die Klarheit Ihrer Gedanken bewundern und werden die Anweisungen, die Sie geben, zu schätzen wissen.  Andere werden sich unterdrückt fühlen. Sie hätten auch eine Meinung, werden sie sagen, und möchten nach dieser Meinung gefragt werden, weil sie ja schließlich zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Diese Spieler könnten Ihren autokratischen Führungsstil als dogmatisch und unbeugsam empfinden und sich dagegen auflehnen.  

Wenn Sie es für wünschenswert halten, könnten Sie in Ihre Prinzipien auch Konzepte wie Konsultation, Partizipation und Delegation mit einbauen. Nur geben Sie ungern die Kontrolle über das, was vorgeht, auf.  Schließlich bin ich ja für das Training verantwortlich, werden Sie sagen. Wenn Sie trotzdem die Kontrolle lockern, fühlen Sie sich unwohl dabei.

Extravertierte Denker sind von Natur aus autokratische Trainer. Ihr Denken wird unterstützt durch zwei Arten von Wahrnehmungen: entweder von der Sinnesfunktion, also von Ihren fünf Sinnen, oder von der intuitiven Funktion, die einem Ahnungssinn ähnlich ist. Die Schwäche autokratischer Trainer ist ihre Gefühlsfunktion. Gefühle halten Sie für minderwertig. Ich würde sagen, dass im Fußball ungefähr zwei Drittel aller Trainer autokratisch sind.

Der demokratische Führungsstil

Unter dem demokratische Führungsstil teilen Sie Autorität und Verantwortung mit Ihren Spielern. Demokratische Trainer konsultieren und konferieren, auch mit einzelnen Spielern, und schließen deren Ansichten in ihre Entscheidungen mit ein. Bei wichtigen Entscheidungen, die eine Mehrzahl der Spieler betrifft, werden demokratische Trainer versuchen, meist durch Gruppen Arbeit, eine gemeinsame Lösung, also Konsens, zu erreichen.

Demokraten wissen, dass bloße Mehrheitsentscheidungen nicht wirksam sind. Diese Art von Entscheidung, wo sagen wir 12 von 20 Spielern „Ja!“ sagen und die anderen 8 „Nein!“, kann Konflikte heraufbeschwören und zur Disharmonie im Team führen. Wenn Sie und Ihre Spieler alle einer Meinung sind, lässt sich die gemeinsame Entscheidung leicht in die Tat umsetzen. Demokratische Trainer delegieren Entscheidungen gern, meist an diejenigen Spieler, die Ansehen und Fachkenntnis innerhalb der Mannschaft haben.

Demokratische Trainer verrichten ihre Arbeit auf rücksichtsvolle Art und Weise. Sie versuchen, die Bedürfnisse ihrer Spieler zu befriedigen. Sie akzeptieren, was Spieler für wertvoll halten und stehen voll hinter ihren Spielern. Sie wissen dass, wenn Spieler glücklich sind, die Arbeit, also das Training und das Spiel selbst, leicht und gut von der Hand gehen.

Einige Spieler, insbesondere die Denker, werden Ihren Mangel an Direktion anfänglich (und fälschlich) als Unentschlossenheit  oder Schwäche beurteilen. Dabei sorgen sich demokratische Trainer um ihre Spieler. Sie mögen es, mit Spielern Sachen vorher abzusprechen. Sie legen Wert auf Vorschläge und Ideen der Spieler. Demokratische Trainer sind im Stande, eine konfliktfreie, harmonische Mannschaft zu kreieren, in der jeder Spieler sein oder Ihr Bestes gibt. Meiner Einschätzung nach gibt es bisher relativ wenige demokratische Trainer.  

Der pragmatische Führungsstil

Pragmatische Trainer sind realistisch, konkret und erfolgsorientiert.  Sie handeln nach praktischen Gesichtspunkten und nach der momentanen Wichtigkeit von Situationen und Problemen.  Wenn pragmatische Trainer Entscheidungen treffen, interessiert sie hauptsächlich die sofortige Wirkung der Entscheidung. Wird das Problem durch die Entscheidung behoben? fragen sie sich. Sie versuchen Entscheidungsaktionen auf ihre eigenen Erfahrungen zu basieren. „Als ich … habe ich immer … fangen viele ihrer Sätze an.

In ihrem Umgang mit Spielern sind pragmatische Trainer nüchtern und faktisch.  Sie nehmen ihre Spieler so, wie sie sind, ohne sie dominieren zu wollen. Sie sind am liebsten mitten drin im Geschehen, dort wo die Action ist.  Mit ihren Spielern sind pragmatische Trainer zwanglos, ungezwungen und rücksichtsvoll. Die Spieler respektieren ihren pragmatischen Trainer, weil er einen gesunden Menschenverstand hat. Das heißt nicht, dass praktische Trainer logisch und rational sind, sondern nur, dass sie einen ausgeprägten Sinn für Wirklichkeit und Ordnung haben. Wenn etwas gut läuft und Sinn macht, sind sie dafür. Erneuerungen stehen sie kritisch gegenüber.

Wenn Konsultation, um gemeinsame Entscheidungen zu treffen, oder Delegation, um ihre Spieler zu involvieren, in der Vergangenheit gut gelangen, machen pragmatische Spieler von diesen Strategien oft Gebrauch. Wenn nicht, konsultieren und delegieren sie nicht.  Pragmatische Trainer mögen keine Veränderungen. Nur wenn etwas das Neue besser funktioniert als das Alte – und das muss man ihnen erst beweisen – akzeptieren sie das Neue.

Vermutungen, die über die konkrete Wirklichkeit hinausgehen, also Ahnungen oder Visionen, lehnen sie ab. Pragmatische Trainer sind nicht geneigt, über das, was geschieht, lange nachzudenken. Daher lernen sie oft nicht von der Vergangenheit. Ihre Stärke ist ein Führungsstil der hands-on, praktisch und aktionsorientiert ist. Ich würde schätzen, dass die Hälfte aller deutschen Trainer pragmatisch sind.

Der charismatische Führungsstil

Charismatische Trainer haben das Talent, in ihren Spielern Enthusiasmus und Begeisterung hervorzurufen. Ihre  Inspirationen haben ihren Ursprung in der Fähigkeit charismatischer Trainer, Visionen und Einsichten zu haben, die es ihnen ermöglicht, das, was kommen wird oder geschehen könnte, im voraus zu erahnen. Was sie “sehen”, können sie mit Leidenschaft und Überzeugung artikulieren. Charismatische Trainer versuchen fortwährend neue Möglichkeiten und Gelegenheiten für den Verein und für die Mannschaft zu erspähen. Sogar in gewöhnlichen Situationen fühlen sie sich innerlich gezwungen, neue Wege zu gehen, um das Spiel zu berreichern – mitunter bloß, um von der täglichen Trainingsroutine und dem Spielablauf nicht gelangweilt zu werden. 

Charismatische Trainer haben die Tendenz, Arbeit, die sie nicht interessiert, zu delegieren. Sobald sie keine neuen Möglichkeiten in einer Situation mehr sehen, verlieren sie das Interesse. Stabile Situationen ersticken sie. Sie fühlen sich also innerlich gezwungen, neue Wege zu gehen und laufend etwas Anderes auszuprobieren.

Charismatische Trainer haben daher eine zwiespältige Persönlichkeit. Auf der einen Seite packen sie neue Situationen mit Energie, Intensität und Enthusiasmus an. Ihre andere Seite zwingt sie jedoch, die gleichen Situationen ohne zu zögern aufzugeben – sobald sie diese ausgequetscht haben und sie in ihnen keine weiteren Möglichkeiten mehr sehen.  Da der Fußball aber nie gleich ist, trifft diese Zwiespältigkeit auf charismatische Trainer selten zu, wohl aber auf Vereinsvorsitzende!

Es kann vorkommen, dass charismatische Trainer mitunter erratisch agieren.  Sie ernten oft auch nicht die Vorteile und den Nutzen ihrer Visionen. Trotzdem, charismatische Trainer sind Visionäre, die einen Verein oder eine Mannschaft transformieren und in neue Richtungen führen können. Im Fußball haben charismatische Trainer Seltenheitswert.

Was ist Ihr Führungsstil?

Welchen Stil haben Sie am meisten unterstrichen?  Was ist Ihr dominanter Führungsstil?  Brauchen Sie eine Bestätigung? Oder weitere Erklärungen? Schauen Sie ins Net und lernen Sie sich selbst besser kennen, unter psychologische-typen.com.

 

 

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