Teamwork (1)
Teamwork Dynamik

 

Teamwork ist im Gegenwartsfußball nicht möglich! Es kann keine Teamwork geben! Nicht einmal eine schlechte Teamwork. Warum nicht? Weil der Verein laufend Trainer und Spieler wechselt. Die Vereinsführung hat mit Sicherheit nicht die geringste Ahnung, was die Welt über Jahre in zahlreichen Studien schon alles über Teamwork herausgefunden hat.

Eine Grundvoraussetzung für effektive Teamarbeit ist, dass Trainer und Spieler auf Jahre hinaus zusammenbleiben.
Nur so, und es gibt keine andere Möglichkeit, kann ein Team, unter der sanften Leitung des Fazilitators (Trainers), langsam zusammenwachsen. Kommt ein neuer Trainer, fängt der Teambildungsprozess von vorn an. Kommt auch nur ein neuer Spieler muss sich die Teamdynamik neu gestalten.

Daher bleiben Trainer und der gesamte Spielkader (22 Spieler, also 2 x 11 Spieler)) im Powerfußball bis ans Karriereende zusammen! Ich wiederhole: bis ans Karriereende. Also bis die Spieler so um die 35 Jahre alt sind. Mannschaft und Trainer wachsen mit der Zeit so sehr zusammen, dass sie sich auf dem Spielfeld und außerhalb des Spielfeldes blind verstehen. Jeder setzt sich für jeden voll ein. So ein Team besitzt nur ein Herz und eine Seele. Nur dann kann eine Spielart entstehen, die mehrere Klassen über dem gegenwärtigen Niveau liegt.

Und wie macht man so etwas? Mann sucht den 22 Mann Spielkader sorgsam aus. Die Spieler müssen psychologisch zueinander passen. Ich habe in den letzten 30 Jahren zahlreiche Work- und Lernteams an der Universität formiert. Schon nach nur wenigen Stunden hatten die Teilnehmer das Gefühl, sich bestens zu kennen. Wir müssen uns doch schon einmal irgendwo begegnet sein, sagten sie, es kann ja nicht sein, dass wir uns nach nur zwei Treffen so gut verstehen. Jede Lerngruppe (von erwachsenen Männern und Frauen die im Human Ressource Bereich tätig waren) formierte sich auf der Basis von psychologischer Kompatibilität.

Probieren Sie es selbst aus Gehen Sie ins Netz. Geben Sie www.psychologische-typen.com (oder auf Englisch: www.psychological-types.com) ein. Klicken Sie auf Typen Check. Beurteilen Sie die 80 Fragen. Erhalten Sie Ihr Typenprofil. Lesen Sie die Beschreibungen zu „Wer bin ich?“ und „Wer passt zu mir?“. In den Seminaren, Teilnehmer fanden zusammen, wenn sie ähnliche Profile hatten. Je ähnlicher, desto besser verstanden sie sich (Sehen Sie sich auf „Kompatibilitätsvoraussagungen“ an, so finden Sie auch heraus, wer nicht zusammen passt). Ich sagen Ihnen, auf diese Weise formieren Sie Teams, in denen Teamgeist schon mit eingebaut ist. Es war wahrhaftig erstaunlich. Gelegentlich erhalte ich Emails von Teilnehmern, die sagen, dass sie enge Freunde geworden sind (einige haben geheiratet) und sich immer noch regelmäßig treffen. Nach 20 Jahren!  Ich sollte dazu noch sagen, dass es ebenfalls 20 Jahre dauerte, den Typen-Check zu entwickeln.

Jetzt stellen Sie sich vor, sie könnten selbst eine Mannschaft von 22 (2 x 11) jungen Spielern zusammenstellen. Kommen die Jungen aus der gleichen Gegend, verbindet sie das schon. Suchen Sie sich junge 16 bis 18 jährige Spieler mit ähnlichen Profilen aus, haben Sie ein Team, bevor Sie mit dem Training überhaupt anfangen.

Es entsteht so etwas ganz anderes. Das Kampfspiel wird zur Performance, zur Kunst erhoben. 22 Einzelkönner, die Pässe, Schüsse, Taktik und Täuschung perfekt beherrschen, schmelzen im Spiel zu einer perfekt harmonisierenden Einheit zusammen. Sehr selten werden weniger als zehn Tore erzielt. Der Jahresdurchschnitt wird für Powerfußball Mannschaften bei 15 Tore pro Spiel liegen.

Utopie? Nein! So wird es kommen. Leider sträuben sich die Vereinsfunktionäre, der DFB und die FIFA mit aller Macht dagegen. Der Rubel rollt, und die fat cats , die den Rahm abschöpfen ohne einen Finger zu rühren, wollen nichts verändern. Der Powerfußball steht auf der schwarzen Liste. Kein europäischer Spitzenverein hat je auf ein Schreiben über den Powerfußball geantwortet. Kein Land auf Erden, denn alle 186 Fußballverbände der Welt erhielten Informationen über den Powerfußball (unter www.power-football.net), hat auch nur einen Muckser von sich hören lassen.

Aber Leute, die so dumm sind, dass sie glauben, den Vorschritt aufhalten zu können, und die noch nicht einmal die negativen Konsequenzen eines ständigen Trainer und Spieler An- und Verkaufs verstehen und so die negativen Folgen abschätzen können, sind kein ernst zu nehmender Gegner. Denn es braucht nur eine Powerelf, die das Feld von hinten aufrollt, alle Preisgelder einkassiert, und die Stadien bis zum Bersten füllt, um die fat cats zu überzeugen. Menschen, die den Fortschritt aufhalten wollen, werden eventuell von den Ereignissen überrollt, auch wenn sie sich noch so heftig dagegen stemmen. Stumpfsinnige Gegner sind leicht zu besiegen.

Es wäre ebenfalls interessant, eine separate PowerLiga aufzubauen, so wie es in den USA und Kanada beim Football, Baseball, Basketball und Eishockey üblich ist. Oder die Frauenliga könnte sich absondern und eine eigene Struktur aufbauen (IFL, International Frauen Liga, DFL, Deutsche Frauen Liga).

Von effektiven Teams wissen wir einiges, hauptsächlich Einzelteile. Von der Teamdynamik verstehen wir am wenigsten. Sie ist die Interaktion von positiven und negativen Einflüssen. Was folgt, sind bekannte Einflüsse.

Teamwork: Positive Einflüsse 

Spieler/Spielerrinnen ...

  • formen eine zusammenhaltende, geschlossene Einheit
  • verstehen sich bestens untereinander
  • sind ein organisches Team: sie können sich neuen Situationen leicht anpassen
  • arbeiten genauso hart, Teamziele wie individuelle Ziele zu erreichen
  • spielen für die Mannschaft, nicht für sich selbst*
  • fühlen sich verantwortlich, wenn Mannschaftsziele nicht erreicht werden
  • vertrauen und respektieren einander
  • schätzen Ehrlichkeit und Wahrheit
  • stehen zueinander
  • sind offen miteinander, tauschen laufend Ideen und Informationen aus
  • spielen gleichbleibend gut
  • entscheiden mit, wenn sie von einer Entscheidung betroffen sind
  • sind bereit, alles für die Mannschaft zu geben
  • sind gut aufeinander abgestimmt
  • haben eine positive Wirkung aufeinander
  • sind flexibel in der Auffassung ihrer Aufgaben
  • werden ganz automatisch zu Führungsspielern (des Tageskapitän’s wegen)
  • verstehen sich gut, weil sie wissen, dass sie voneinander abhängig sind
  • fühlen sich verpflichtet, ihre Aufgaben immer optimal zu erfüllen
  • schätzen und beschützen ein offenes Mannschaftsklima
  • setzen gemeinsam Ziele
  • brauchen eine Umgebung, in der jeder sein/ihr Potenzial innerhalb des Teams voll entwickeln kann
  • schätzen und praktizieren Kollaboration
  • suchen gemeinsam nach Lösungen von Problemen
  • hören zu, wenn Mitspieler etwas Relevantes zu sagen haben
  • fühlen sich frei, abweichende Meinungen auszusprechen
  • strengen sich an, anderen gegenüber offen und verständnisvoll zu sein
  • versuchen die Erwartungen anderer in ihrer Meinung und ihrem Handeln mit einzubeziehen
  • fühlen sich verpflichtet, bei wichtigen Sachen einen Konsens zu suchen
  • haben es gelernt, eine positive Einstellung zu haben – zum Spiel und zum Leben
  • haben eine hohe Arbeitsbefriedigung: “Mir bringt das Fußballspielen richtig Spaß!”
  • reden viel darüber, wie sie das nächste Spiel am besten gewinnen können
  • brauchen eine ideale Umgebung, damit sie sich individuell und als Team entwickeln können
  • sehen den Fazilitator als Ratgeber, als Weisen an
  • machen Gebrauch von Motivationskräften, die aus dem Teamprozess entstehen
  • sprechen oft mit dem Fazilitator
  • glauben an sich und die Mannschaft
  • vertrauen und unterstützen einander
  • haben hohe Normen für das Team 
  • sind fähig Schwierigkeiten selbst zu bewältigen
  • gehen hohe Risiken ein weil sie wissen dass ihre Mitspieler sie unterstützen
  • maximieren ihre verschiedenen Erfahrungen, Erlebnisse und Einsichten
  • erwarten konstruktiven Feedback vom Fazilitator und von ihren Mitspielern
  • lösen Probleme gemeinsam: auf eine sympathische und verständnisvolle  Art und Weise
  • unterstützen Mitspieler sich auszudrücken, wenn sie eine abweichende Meinung haben
  • besprechen Enttäuschungen genau so frei wie Ermutigungen
  • akzeptieren Geben und Nehmen als Norm, da man sich gegenseitig vertraut
  • akzeptieren persönliche Meinungsunterschiede
  • schützen das Team vor Persönlichkeitskonflikten
  • respektieren einander
  • gehen bis an die Leistungsgrenze
  • haben den Kopf immer klar, weil alles Ungeklärte geklärt wird
  • träumen von großen Spielen und erleben sie dann - immer wieder
  • haben die psychische Stärke auf einem hohen Niveau zu spielen
  • lernen hilfsbereit zu spielen
  • glauben an sich selbst und an das Team
  • übernehmen Verantwortung für die Mannschaft
  • versuchen in jedem Spiel ihr bestes zu geben
  • wissen dass gute Einzelspieler keine Garantie für ein gutes Team sind
  • haben eine ansteckende positive Einstellung
  • ermutigen sich gegenseitig wenn es schwierig wird
  • sind mental bestens eingestellt
  • trainieren viel mental
  • werden mit der Zeit immer besser
  • sind dem Verein treu:  bleiben lange, weil sie gute Leistungen bringen und sich wohlfühlen

Es schmerzt, zu sehen, wenn sich Spieler, die den Ball von einem Mitspieler perfekt zugespielt bekommen, so dass sie ihn leicht ins Tor lenken können, den Mitspieler von sich stoßen um zur Ecke zu rennen, um sich selbst zu profilieren, indem sie sich, wie die Affen im Urwald, auf die Brust schlagen. Allein an diesem Einzelbeispiel können Sie sehen, wie es mit der Teamarbeit im gegenwärtigen Fußball bestellt ist.

Teamwork: Negative Einflüsse

Die Spieler...

  • sind verlegen nach einer Niederlage
  • setzen sich nicht ein, sind lustlos
  • zeigen wenig Zusammenarbeit
  • schieben sich gegenseitig die Schuld zu
  • schreien einander an
  • rebellieren gegen das Spielsystem
  • haben kein gutes Verhältnis zum Trainer
  • sind aneinander nicht interessiert
  • wollen keine Probleme lösen, betrachten das als Aufgabe des Trainers
  • beschweren sich oft über alle möglichen Dinge
  • sagen wenig während Mannschaftssitzungen
  • kümmern sich um nichts
  • versuchen teamdienlich zu spielen, aber ihre Anstrengungen werden vom Team nicht genutzt
  • sind selbst nicht motiviert, müssen vom Trainer motiviert werden
  • haben Konflikte zur Norm gemacht
  • lassen sich von dominierenden Persönlichkeiten weniger perfekte Lösungen aufzwingen
  • zeigen wenig Lust, sich an Entscheidungen zu beteiligen
  • sind sich nicht bewusst, dass verschiedene Meinungen wertvoll sind
  • unterstützen die Meinung anderer nicht, sondern beharren auf ihrer eigenen Meinung
  • sagen nichts, weil keiner zuhört
  • fühlen sich befremdet
  • machen böse Bemerkungen
  • haben ihre eigene Agenda und hören anderen kaum zu
  • behalten, was sie interessiert, für sich selbst
  • enthüllen sich selten
  • versuchen halbherzig sich anzupassen,
  • haben Reibungen und Spannungen mit Mitspielern
  • verhalten sich feindlich
  • misstrauen sich gegenseitig
  • haben eine niedrige Teamnorm
  • setzen sich selten voll ein
  • sind lethargisch und labil
  • sind unsicher, machen viele Fehler
  • gehen halbherzig zur Sache
  • lassen gleich nach, wenn es nicht gut läuft
  • halten nichts vom Mentalen
  • verbessern sich nicht
  • zeigen mit dem Finger auf den Trainer, wenn etwas schief läuft

Jeden Tag dazulernen

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass wenige Spieler sich im Laufe der Jahre verbessern?  Junge Spieler, zum Beispiel, werden bekannt, wenn sie ein gewisses Niveau erreichen, bleiben dort aber in ihrer Entwicklung stecken. Sie glauben, sie hätten ihr Plateau, ihr Potenzial erreicht.  Ausländer kommen nach Deutschland, akklimatisieren sich so gut es geht, und spielen dann auf Jahre hinaus gleich und beständig, aber ebenfalls, ohne sich zu verbessern. Ältere deutsche Spieler, oft Stammspieler in ihren Vereinen, spielen meist für Jahre auf dem gleichen Niveau. Man möchte fast glauben, dass jeder Spieler glaubt, sein Potenzial erreicht zu haben, wenn er endlich in der Bundesliga spielt, und dass es keine Verbesserung geben kann.

Das stimmt natürlich nicht. Es gibt kein begrenztes Potenzial. Dem Potenzial eines Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Potenzial ist dehnbar. Potenzial ist immer das, was man im Moment als Verbesserungsmöglichkeit ansieht. Auf diese Weise kann man auch sein Leistungsvermögen immer höher schrauben. Wenn man eine Grenze erreicht hat, kann man sie durchbrechen, weil die neue Grenze schon sichtbar ist. Immer wieder, ohne Ende. Man kann also mit dem Alter immer besser werden, wenn man dazulernt. Das heißt, man kann länger spielen, die eigene Spielkarriere ausdehnen. Das passiert zwar heute schon, aber nicht, weil ein Spieler mit dem Alter besser wird, sondern weil er nicht schlechter wird. Ältere Spieler könnten also theoretisch besser sein als junge Spieler. Wie? Indem sie jeden Tag etwas dazulernen. In anderen Worten, indem sie nicht für den Rest Ihrer Karriere auf einem früh erreichten Plateau stehen bleiben, sondern ihre Leistungsfähigkeit laufend steigern.

Einträge ins Tagebuch

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Tagebuch, in das Sie jeden Tag eintragen, was Sie dazugelernt haben. Es braucht keine große Sache zu sein, es kann zum Beispiel eine Einsicht sein: „Ich will mich nicht mehr provozieren lassen.“ Oder die Anwendung einer vorherigen Einsicht: „Ich habe heute meine Energien besser eingeteilt.“ Oder ein erreichtes Ziel: „Ich habe 150 Mal aufs Tor geschossen, davon 50 Mal in eine der vier Ecken.“ Oder etwas Neues: „Ich habe zum ersten Mal einen neuen Trick ausprobiert, um am Gegner vorbei zu kommen.“; Oder etwas Altes wiederholt: „Ich habe heute in der Passhalle hauptsächlich Langpässe geübt: jeder zweite kam an“. Oder eine Ansicht geändert: „Ich habe „Den Gegner als Kamerad ansehen“ gelesen.“

Sogar am Spieltag sollten Sie sich ein Ziel setzen und etwas dazulernen. „Ich habe mich heute bemüht, mich während des Spiels fortwährend freizulaufen und anzubieten“; oder „Ich habe heute nur auf positive Weise mit meinen Mitspielern kommuniziert“. 

Bewusster trainieren

Jeder Tag in Ihrem Tagebuch sollte mindestens einen Eintrag enthalten. Wenn Sie sich einmal an diese eigentlich angenehme Routine (denn jeder Eintrag kann positiv sein, also ein Verdienst, ein Lob sein, oder eine Errungenschaft) gewöhnt haben, werden Sie Ihren Tag und Ihr Training bewusster angehen. Das heißt, dass Sie bewusst beabsichtigen, etwas dazuzulernen. Das Training wird dann zur Absicht, zum Vorsatz. Es ist nicht automatisch, mechanisch, etwas, was vom Trainer bestimmt wird und das Sie über sich ergehen lassen.  Zwischen diesen beiden Einstellungen liegt ein gewaltiger Unterschied. Bewusstes, berechnetes Handeln, das von Ihnen ausgeht, ist weitaus effektiver als unbewusstes, unbeabsichtigtes Handeln, das man Ihnen aufzwingt oder dass Ihnen einfach widerfährt.

Wenn Sie so denken, also jeden Tag etwas dazuzulernen, und dementsprechend handeln, Ihre Taten täglich in einem Tagebuch festhalten, werden Sie sich laufend verbessern. Das hat wichtige Implikationen. Sie werden von Spiel zu Spiel sichtbar besser. Das heißt, Sie werden immer eingesetzt, Sie spielen immer mit. Sie können Ihre Karriere um Jahre verlängern.  Sie können dieses einfache Verfahren – jeden Tag etwas dazuzulernen und es im Tagebuch zu dokumentieren – auch auf Ihr Privatleben ausweiten, es sogar Ihren Kindern lehren oder es als künftiger Trainer jungen Spielern vermitteln. So werden Sie zu einem bewusst lebenden Menschen. Und das, so sagen die Weisen, ist das Hauptziel des Lebens.

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