Eine Organische Taktik (2)

 

Eine Taktik ist organisch, wenn sie sich laufend neu entwickeln und den Umständen entsprechend verändern kann, basiert auf das Vorgehen auf dem Spielfeld.  Sie ist nie gleich sondern immer anders. Man kann sie also nicht direkt lernen, denn sie beruht nicht auf Wissen, Fakten oder Prinzipien. Sie ergibt sich laufend aus dem Spiel heraus. Man muss sie nur erkennen, und lernen danach zu handeln. Raum und Zeit sind die zwei Hauptelemente der organischen Taktik.

Raum und Zeit

  • Um im Fußball zu gewinnen, müssen wir, wie jeder weiß, mehr Tore schießen als der Gegner. Unsere Aufgabe ist daher: selbst Tore zu schießen, und gegnerische Tore zu verhindern. 
  • Im Angriff öffnen wir Räume. In der Verteidigung schließen wir offene Räume.  Unsere Aufgabe im Angriff ist es, offene Räume zu unserem Vorteil zu nutzen. In der Verteidigung nutzen wir wechselnde Kombinationen von Mann- und Raumdeckung, um Tore zu verhindern. Daher, seht alle drei Sekunden hoch, 90 Minuten lang! und analysiert die Raumaufteilung auf dem ganzen Spielfeld. Ihr müsst zu jeder Sekunde auf dem laufenden sein.
  • Warum brauchen wir Raum? In der Offensive, um in Ballbesitz zu bleiben und Tore zu schießen; in der Defensive, um wieder in Ballbesitz zu gelangen und Tore zu verhindern. Im Angriff kreieren und nutzen wir offene Räume, in der Verteidigung schließen wir Räume, so dass der Gegner nicht zum Torschuss kommt.
  • Wenn wir angreifen, sollten wir den Gegner meiden. Wir meiden ihn, indem wir die Räume nutzen, wo er nicht steht. 
  • Wir müssen lernen, wie man offene Räume erkennt, kreiert und nutzt. Räume sind die Lücken zwischen und um den gegnerischen Spielern herum. Stehst du dort, bis du anspielbar. Wenn du den Gegner weglockst, kreierst du Raum. 
  • Eine gute Mannschaft nutzt Raum um im Ballbesitz zu bleiben, anzugreifen und Tore zu schießen.  Wir können Räume manipulieren – durch Position, Bewegung und schnelles Passspiel.
  • Zeit macht Raum wertvoll. Es kostet Verteidigern Zeit, Raum zu überbrücken.  Wie viel Zeit es kostet, hängt von der Große des Raums ab, und von der Schnelligkeit und Geschicklichkeit des Verteidigers. 
  • Wenn wir weit ausgebreitet angreifen, muss der Gegner sich auch ausbreiten.  Das gibt uns mehr Raum, um zum Schuss zu kommen. Die Verteidiger sind dann auf sich allein gestellt.  Breitet sich der Gegner nicht aus, haben wir viel Platz.  Da wir aus 30 bis 40 Metern Tore schießen können – wir üben es ja oft genug in der Schuss- und Passhalle – gibt es viele Torschussmöglichkeiten.
  • Jeder von uns ist daher verantwortlich, sich der Raumaufteilung während des ganzen Spiels immer bewusst zu sein: den Raum zu manipulieren und ihn zu unserem größten Vorteil zu nutzen. 
  • Im Angriff können wir Räume laufend durcheinander wirbeln, bis sich eine Gelegenheit zum Torschuss bietet.
  • Die Kunst des Wirbelns muss gelernt sein. Sie ist unendlich variierbar. 
  • Taucht dort auf, wo der Gegner verteidigen sollte. Dann läuft dorthin, wo ihr nicht erwartet werdet.
  • Wir sollten den Ball laufend im one-touch in Bewegung halten. Wir nutzen das ganze Spielfeld. So ist der Gegner immer vom Ball entfernt und wir können im Ballbesitz bleiben.  So können wir ihn ermüden.
  • Der Ball sollte meist steil nach vorn, selten zur Seite, und fast nie nach hinten gespielt werden.
  • One-touch Pässe verhindern, dass sich die gegnerische Verteidigung am Ball massiert. Sie machen Druck und geben wenig Gelegenheit zum Hineingrätschen. So kommt die Verteidigung durcheinander und wird frustriert.
  • One-touch Pässe geben uns physische und psychologische Vorteile. Wir können Möglichkeiten sofort nutzen, z.B., Steilpässe und Torschüsse. Der Gegner wird zur Verzweiflung getrieben und wird schließlich apathisch und hilflos. Ball und Gegner laufen. Wir stehen still, wenn wir ungedeckt sind. Sind wir gedeckt, laufen wir uns frei. 

Die Teile und das Ganze

Stellen Sie sich die Mannschaft als ein komplexes Ganzes vor, das aus verschiedenen Spielern (Teilen) besteht, die alle zusammen Tore schießen wollen, und daher von einander und vom Ganzen abhängig sind. Die Aktion eines jeden Spielers hängt von den Aktionen aller anderen Spieler ab. Das ist die organische Taktik.

Sie muss gelernt werden. Taktik ist 90% Kopfarbeit, 10% Beinarbeit. Sie wird im Seminarraum gelernt, denn Taktik auf dem Spielfeld zu üben ist Zeitverschwendung. Sie muss durch unendlich viele Fragen und Antworten über Jahre im Kopf eingebrannt werden. Denn ohne das Hirn bewegt sich der Fuß nicht. Ist das Gehirn richtig programmiert, ist das Spiel flüssig und erfolgreich. Ohne lange nachdenken zu müssen. Immer!

Man muss jahrelang daran arbeiten. Und früh damit anfangen. Denn sind die falschen Rillen im Gehirn erst einmal eingeritzt, wie es der Fall bei älteren Spielern ist, sind sie schwer zu löschen. Daher sollten die Powerfußballer jung sein, mit einer tabula rasa, die dann von Anfang an „richtig“ beschriftet wird. Auch müssen alle Spieler die einheimische (oder eine gemeinsame)  Sprache sprechen.

Ellipsenförmige Angriffe

Eine organische Taktik ist nicht leicht zu erklären, denn sie ist situationsbedingt, verändert sich daher laufend. Sie besteht aus zusammenhängenden, lose koordinierten Teilen. Jeder Teil des organischen Ganzen beeinflusst jeden anderen Teil. 

Der Teil „ellipsenförmig“ ist einer von mehreren Angriffstaktiken.  Die zehn Spieler bewegen sich ellipsenförmig (wie eine Art „zusammengedrückter Kreis“) in der gegnerischen Hälfte.

  • Einmal bewegt sich die Ellipse nach links; ein anderes Mal wechselt sie blitzschnell die Seite, und bewegt sich nach rechts; oder sie wird statisch. Der Spieler am Ball setzt das Zeichen, in welche Richtung sich die Ellipse dreht.
  • Es können sich kleinere Ellipsen innerhalb der großen 10-Mann Ellipse formen. Ziel ist, den Gegner laufend zu verwirren, Öffnungen zu erzeugen, und so zum Torschuss zu kommen.
  • Jeder Spieler in der Ellipse versucht, anspielbar zu sein, wenn er sich im vorderen Teil der Ellipse bewegt. 
  • Jeder Spieler versucht dann laufend in Schussposition zu stehen. Bekommt er den Ball, schießt er sofort und blitzschnell aufs Tor.
  • Spieler, die im hinteren Teil der Ellipse stehen, sind nicht nur Ballverteiler; sie sind auch Verteidiger. Sie haben also eine Doppelfunktion.
  • So wechselt die Rolle eines jeden Spielers beim Angriff laufend: vom Ballverteiler zum Scharfschützen zum Verteidiger.
  • Verteidigt der Gegner mit allen Spielern, ist die Ellipse flach. 
  • Verteidigt der Gegner vertikal, also ausgestreckt, wird die Ellipse tiefer, kreisähnlicher.
  • Täuschung verhindert, dass der Gegner sich auf ellipsenartige Angriffe einstellt.  Sagt, oder signiert, der Ballverteiler „links“, spielt er den Ball nach rechts; dreht er sich nach rechts, spielt er den Ball nach links.  Ruft er „Yo He“, bekommt Rudi (Yo) den Ball rechts (He) vorgelegt. (Eine besonders wichtige Doppeltäuschung!).
  • Ziel der Täuschung ist, eine halbe Sekunde Reaktionsvorsprung herauszuholen (ungefähr 3 bis 4 Meter), also genug, um zum Torschuss zu kommen.
  • Alle Spieler bewegen sich leicht und flüssig: einmal schnell, dann langsam, dann blitzschnell; sie sind körperlich entspannt, im Kopf jedoch hochkonzentriert.
  • Bekommt der Gegner den Ball, wird aus der Ellipse ein Sichelmond, eines der Verteidigungsformationen.

Sichel Verteidigung

Verteidigung im Powerfußball ist wie Angriff. Nur, wir müssen den Ball erobern. Haben wir ihn, beginnt der Angriff.  Haben wir ihn nicht, greifen wir trotzdem an, um ihn wieder zu bekommen.

Sie kennen eine Sichel.  Man schneidet etwas damit ab. Wie den gegnerischen Angriff.

  • Bei Ballverlust wird aus der Ellipse eine Sichel, es formt sich also, auf natürliche Weise, eine andere taktische Struktur. 
  • Als Sichel kann man einen halbrunden Kreis bezeichnen, der dreißig Meter vor dem Tor das Tor nach allen Seiten hin abriegelt. 
  • Die Sichel sollte Zacken haben, das Innere könnte also so aussehen wie eine grafische Darstellung des täglichen Dax Aktien Index.
  • Aus zehn Angreifern werden blitzschnell zehn Verteidiger. 
  • Sie ziehen sich bei Ballverlust vertikal, also auf kürzestem Wege zurück.   
  • Spieler stehen daher bei jeder Verteidigungswelle anders. 
  • Dort verteidigen sie, im Zickzack Kurs „ihren“ Raum, bis der Ball abgefangen ist oder am Tor vorbei geht.
  • Das Ziel ist also den Ball abzufangen oder wegzuspitzeln, nicht!, den Gegner anzugreifen. (Greifen Sie an, können sie leicht umspielt werden.)
  • Dem Gegner darf auf keinen Fall erlaubt werden, aufs Tor zu schießen. (Das ist besonders wichtig, wenn Sie gegen eine andere Powerelf spielen).
  • Der Gegner, der den Ball führt, muss immer von zwei Spielern gedeckt werden, einer steht als Sicherung hinter dem anderen.
  • Daher ändert es sich laufend, wer wen deckt. 
  • Die Sichel Verteidigung ist also eine Mischung aus Raum- und Manndeckung.  Sie ist generell Raumdeckung.  Nur der Gegner, der den Ball führt, wird direkt passiv angegriffen.
  • Jeder Spieler sollte die vielen Täuschungsmanöver anzuwenden wissen, die den Gegner dazu verleiten, den Ball so abzuspielen, dass die eigene Mannschaft ihn erobern kann.
  • Wird der Ball zurückerobert, wird aus der Sichel blitzschnell eine Ellipse.
  • Jeder Spieler läuft gradlinig so schnell wie möglich nach vorn, um durch Steilpässe in seinen oder ihren Lauf zum Torschuss zu kommen.
  • Sind Steilpässe keine Option, formt sich die kreisende Ellipse wieder.  Für den einzelnen gegnerischen Verteidiger erscheint es, als ob er laufend andere Angreifer zu decken hat. Das führt zu Verwirrungen, die wiederum Räume öffnen, und zum Kräfteverschleiß

Eine organische Taktik entsteht also auf natürliche Weise. Sie ist immer anders. Teile dieser Taktik harmonieren jedoch immer mit dem Ganzen. Sichelverteidigung und ellipsenförmige Angriffe sind nur zwei Teile. Selbst diese Teile, da sie zehn Spieler umfassen, sehen als Formation immer anders aus, denn wer wo spielt, ergibt sich vollends aus dem Spiel.     

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