Was ist Powerfußball?

Powerfußball ist eine neü Art Fußball zu spielen. Diese Art entstand aus einer Betrachtung des Wesentlichen im Fußball. Das Wesentliche scheint verloren gegangen zu sein. Es sei denn, wir haben das Wesentliche noch nicht erkannt. Auf jeden Fall wird es von abartigen Geschehnißen überschattet. Was ist das Wesentliche im Fußball?

Der Torschuß

Das wichtigste Element ist Tore zu erzielen. Tore zu schießen ist der Sinn des Fußballspiels. Wer den Sinn verfehlt, kann nicht meisterhaft spielen. Gut im Mittelfeld zu spielen - wo heute ein hoher Prozentsatz des Spiels stattfindet - ist nicht der Sinn des Spiels; es geht am Sinn vorbei. So sind Tore heutzutage Mangelware. Selbst hochbezahlte Profis sind nicht in der Lage, Tore zu schießen, noch nicht einmal vom Elfmeterpunkt. Viele Spieler köpfen den Ball ins Tor. Wenn eine Mannschaft aber die Hälfte der Tore mit dem Kopf erzielt, spielt sie abartig, am Sinn des Spiels vorbei.

Warum können Spieler gegenwärtig keine Tore mit dem Fuß erzielen? Weil sie es nicht richtig trainieren. Es bringt nichts, wenn jeder Spieler den Torschuß ein Dutzend Mal am Tag trainiert. Diese wenigen Schüße können zu keiner Verbeßerung führen. Jeder Profi sollte aber imstande sein, den Ball aus 20 oder 30 Metern erfolgreich ins Tor zu schießen. Erfolgreich heißt, der Ball muß mit hoher Wahrscheinlichkeit im Netz landen, und nicht woanders. Um diese Wahrscheinlichkeit zu erreichen, muß ein Profi den Torschuß mindestens 200.000 Mal im Jahr üben - und das Jahr für Jahr, ohne Erlaß - auf dem Spielplatz und im Kopf. Dieses fast brutale üben (denn es ist extrem anstrengend und ermüdend, den Ball immer wieder, ohne ihn anzunehmen, mit Härte aufs Tor zu schießen) resultiert in gezielte Powerschüße.

Wenn sich so die Fähigkeiten aller Spieler, Tore zu erzielen, dramatisch verbeßern, wird sich die Torquote mit der Zeit ebenso dramatisch erhöhen. Zweistellige Ergebniße werden zur Norm. Die Torhüter werden in Angst und Schrecken versetzt. Die Zuschaür jedoch werden begeistert sein.

Die Fähigkeit aufs Tor zu schießen muß aber mit anderen Fähigkeiten gekoppelt sein.

Der Paß

Das zweit-wichtigste Element im Fußballspiel ist der Paß. Ein genau ankommender Paß führt zum Torschuß. Das ist sein Zweck, seine Bedeutung. Durch harte, genaü, gut ausgedachte Päße wird der Ball blitzschnell von hinten nach vorne bewegt. Die derzeitige Unfähigkeit von hochbezahlten Profis, einen genaün Paß zu schlagen, ist erstaunlich. Die Päße sind nicht nur ungenau, sie haben keine Power, landen oft beim Gegner oder im Aus, werden abgefangen oder können nicht optimal angenommen und weitergegeben werden. Das heutige Paßspiel ist fast genau so schlecht wie der Torschuß. Das heißt, das ein guter Teil der Misere (denn verglichen mit anderen Teamsportarten steht der Fußball, obwohl der populärste Sport, in seiner Profeßionalität an letzter Stelle) des heutigen Fußballs auf einem Verkennen dieser zwei wesentlichsten Zwecke des Spiels beruht.

Warum aber ist das Paßspiel so schlecht? Es ist der gleiche Grund wie beim Torschuß: er wird nicht richtig trainiert. Das Ziel ist auch hier, daß jeder Spieler, einschließlich des Torwarts, in der Lage sein muß, extrem harte oder butterweiche Päße, über lange oder kurze Distanzen so zu schlagen, daß sie nicht nur bei einem Mitspieler ankommen, sondern auch leicht angenommen und vom Empfänger sofort optimal weitergespielt werden können. Der paßschlagende Spieler muß drei Gedankengänge durchführen. Erstens: Wer steht frei? Zweitens: Welcher der freistehenden Mitspieler hat die beste Chance ein Tor zu erzielen. Und drittens: Wie lege ich ihm den Ball vor, so daß er das mögliche Tor auch mit großer Wahrscheinlichkeit erzielen kann. Das ist die Kunst des Paßspiels.

Stellen Sie sich bitte ein Spiel vor, in dem die ganze Mannschaft in der Lage ist, perfekte Päße zu schlagen. Der Gegner wird dann kaum Zeit haben zu reagieren, so schnell werden die Bälle von einem zum anderen geschoßen. Wie trainiert man das? Wie beim Torßchuß, nur sollte das Trainingspensum verdoppelt werden (weil der Paß leichter zu üben ist). Also jeder Spieler sollte sechs Mal die Woche, täglich 800 Mal auf dem Spielfeld und im Kopf den Paß üben. Das ergibt ungefähr 400.000 Päße im Jahr. Wenn junge Spieler diese Fähigkeit früh üben - sagen wir mit 15, 16 oder 17 Jahren - werden sie mit 20 Jahren den besten Brasilianern in nichts nachstehen. Im Gegenteil, kein Brasilianer wird diesen jungen Spielern das Waßer reichen können.

Die Taktik

Das dritt-wichtigste Element, das Gerippe oder Gerüst für Torschuß und Paßspiel, ist die Taktik. Sie muß zu diesen Fähigkeiten genau paßen, sie komplementieren. Wie sieht so eine Taktik aus?

Vor hundert Jahren liefen alle Spieler im Knäül hinter dem Ball her. Aus dem Knäül entwickelte sich mit der Zeit eine Linie. Die Spieler standen aufgereiht und bewegten sich, wie Ebbe und Flut, hin und her. Aus der Einerreihe entwickelte sich eine zweite: fünf Spieler vorn und fünf hinten. Vor einigen Jahren setzten wir noch eine Reihe dazu. Wir sprechen jetzt vom 4-4-2, 4-3-3 oder einem ähnlichen Dreier-Systemen. Wenn man genaür hinsieht, kann man fast schon sagen, daß wir auch in vier, fünf oder gar sechs Reihen spielen, den jeder Trainer variiert die Dreier-Taktik ein wenig.

Was ist wohl der nächste logische Schritt in der Entwicklung der Taktik? Die Vierer-Taktik. Danach die Fünfer-Taktik. Danach die Sechser-Taktik. Usw. Was hindert die Entwicklung der Taktik? Warum überspringen wir Systeme nicht? Warum entwickelt sich alles so langsam? Weil es Tradition ist so zu spielen, wie es gegenwärtig der Fall ist. Andere spielen ja auch so; warum sollten wir es anders machen? Es läuft doch einigermaßen gut. Partizipationsmystik nennen die Psychologen es. Alle machen mit, keiner denkt drüber nach. Mentale Trägheit gemischt mit Gewohnheit ist ein beßerer Grund. Es braucht aber so nicht zu sein. Warum nicht?

Die Basis der Taktik ist die Rollenbeschreibung. Das ist die Domäne des Trainers. Das Spielfeld wird in elf Teile eingeteilt. Jeder Spieler erhält einen Teil, mit überschneidung. Das hört sich gut an, fast logisch, obwohl es überhaupt nicht zum Fußballspiel paßt und daher total unlogisch ist. Der Hauptgrund, warum kein guter Spielfluß zustande kommen kann, ist die Rollenbeschreibung. So werden auch Spieler eingekauft. "Wir brauchen jemand für links hinten", sagen die Trainer. Sie gehorchen dem System. Was sie machen, ist darauf aufgebaut. Nur ist das System unsinnig, der größte Störenfried für ein flüßiges Spiel.

Das heutige System ist daher, zusätzlich des Unvermögens im Paßspiel und Torschuß, und aus Angst vor dem Versagen, auf Verteidigung aufgebaut. Kein Tor reinlaßen, lautet die Parole und abwarten: vielleicht haben wir ja Glück und erzielen ein Tor. So wird der Ball aus allen Lagen hoch in den Strafraum geschoßen in der Hoffnung, daß er durch Glück im Tor landet. Dann ist die Freude riesengroß. Man benimmt sich dann, als hätte man im Lotto gewonnen. Der heutige Fußball ist also nicht auf Vermögen und Fähigkeiten, sondern auf Unvermögen und Glück, getrieben von Angst, aufgebaut. Daher erleben wir Woche für Woche ein leidliches, wildes Gekicke, ohne Sinn und Verstand. Aber die Zuschaür verzagen nicht, denn sie sind nichts Beßeres gewohnt. Noch nicht.

Die Taktik im Powerfußball hat keine Rollenbeschreibungen. Sie ist auf Prinzipien und Regeln aufgebaut. Es gibt Prinzipien für den Angriff: für jeden Spieler, für die Organisation des Angriffs und für das taktische Verhalten. Es gibt ähnliche Prinzipien für die Verteidigung. Diese Powertaktik befürwortet elf Angreifer (der Torwart ist auch mitunter ein Feldspieler, wenn er z.B., einen Steilpaß einleitet) und elf Verteidiger. Sie ändert sich laufend, weil die Bewegungen der 22 Spieler sich laufend ändern. Die Powertaktik ist also unbegrenzt flexibel. Sie erfordert hohe Spielintelligenz, denn die Spieler (und nicht der Trainer!, das ist der entscheidende Unterschied, denn der Trainer spielt ja gar nicht mit) müßen laufend optimale Entscheidungen treffen: z.B., wo zu stehen oder wohin zu schießen wenn im Ballbesitz. Die Spieler werden so ermutigt, durch einige wenige powervolle Regeln und Prinzipien alle Entscheidungen auf dem Spielfeld selbst zu treffen.

Das Auge

Das viert-wichtigste Element des Powerfußballs ist die Fähigkeit "drittäugig zu sehen" zu erlernen. Ein Spieler muß zu jeder Zeit wißen, wo Mitspieler und Gegenspieler stehen, und wie sie sich bewegen. Dazu muß er alle vier oder fünf Sekunden hochgucken, lernen, den Stand der Dinge aus den Augenwinkeln zu erspähen, oder unter den Augenwimpern hervorzuschaün - wenn er ein Sinnestyp ist. Ist er eine intuitiver Typ, muß er es zur Gewohnheit machen seinen sechsten Sinn zu schärfen und einzusetzen. Diese Art zu sehen ist ein fortwährendes Schweifen des Blicks. Man sieht sich mit wandernden, peripherischen Augen laufend um. Es ist ein Sehen ohne hinzugucken.

So wißen Spieler, wo die Mitspieler stehen und wohin sie sich bewegen. So können sie feststellen, wo sie selbst stehen und wie sie sich bewegen sollten, basiert auf die Grundlagen der Powertaktik. Durch drittäugiges Sehen können sich Spieler fast ausrechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein vorgesehener Paß ankommen oder abgefangen wird, und ob ein Torschuß im Tor landen wird (vielleicht, weil der Torwart gerade auf dem Falschen Fuß steht oder die Winkel nicht richtig abgedeckt hat) oder abgefangen werden kann. Auch können Spieler so Lücken und öffnungen sehen - wenn der Gegner z.B. falsch steht, also nicht gut deckt - und sie nutzen.

Jeder Spieler, der drittäugig späht, sieht so Möglichkeiten, die der Gegner nicht bemerkt. So hat die Mannschaft viele Vorteile. Das dritte Auge beschert und fördert die Spielintelligenz, oft ziemlich drastisch. Der Gegner kann die eigene Mannschaft so nicht ausrechnen. Er wird laufend überrascht. So wird er leichtsinnig und unkonzentriert. Eventüll wird er deprimiert und gibt auf, besonders wenn die Torquote wächst.

Das Zusätzliche

Neben diesen vier wesentlichen Eigenschaften muß der Powerfußballer auch noch viel Zusätzliches lernen. Er muß z.B. lernen, ohne Anstrengung zu laufen, sich während des Spiels zu entspannen und zu regenerieren, neü Energien zu erzeugen, Ausdaür zu entwickeln (durch tiefes atmen) und die Körperhaltung zu ändern. Er muß lernen im Kopf, durch Visualisation zu trainieren, also bildliche Vorstellungen zu erzeugen und mit ihnen zu arbeiten. Er muß eine Bilderbibliothek aufbaün können und dann oft ins eigene Kopfkino gehen.

Dazu muß jeder Spieler einige auf seine Person zugeschnittenen Dribbeltricks und täuschende Tanzbewegungen bis zur Perfektion beherrschen - um anzugreifen und abzuwehen. Kopfbälle, Standardsituationen, Freistöße und Eckbälle sollten ebenfalls geübt werden. Aber wie gesagt, diese Fähigkeiten sind Zusätze, nicht das Wesentliche. Sie sollten nur einen relativ kleinen Prozentsatz der Trainingszeit in Anspruch nehmen.

Die Mannschaft muß auch zu einem engen Team zusammenwachsen. Autonome - also selbstdenkende und -bestimmende und -verantwortliche Spieler zu entwickeln, sollte ein Hauptziel des Trainers sein. Denn Teamchemie, ein Wort oft gebraucht aber schwer zu aktualisieren, ist die Klebe, die Wesentliches und Zusätzliches zusammen hält.

Da Fußball mit dem Kopf gespielt wird, sollten die Spieler jeden Tag mindestens eine Stunde im Seminarraum sein. Hier lernen sie Hunderte verschiedener Fähigkeiten. Zum Beispiel, Selbstvertraün zu entwickeln, sich selbst zu motivieren, selbstverantwortlich zu werden, Geduld zu üben, immer ein Anfänger zu bleiben, Durchhaltevermögen zu entwickeln, zentriert zu sein, bescheiden zu bleiben, gewißenhaft zu sein, nach Exzellenz zu streben, auf Erfolge aufzubaün, einen starken Drang zu entwickeln, Ziele zu setzen, Grenzen zu überschreiten, Spielfreude zu entwickeln, den Fußball als Kunst anzusehen, das Spiel zu lieben und zu genießen, den inneren Lehrer zu kultivieren, zu lernen mit Erfolg umzugehen, ein Rollenmodell für andere zu werden, eine "Das kann ich!" Einstellung zu entwickeln, Verhaltungsweisen zu Schiedsrichter und Gegner auszuklügeln, mit Niederlagen fertig zu werden, die Angst zu bezwingen, Krisen zu bewältigen, positiv zu denken, das Unterbewußtsein richtig einzustellen, sich Veränderungen anzupaßen, Situationen zu akzeptieren, den Fußball einfach zu halten - und andere Fähigkeiten. So entwickelt man zusätzliche Spielintelligenz. So weiß man mehr von dem was zählt. So hat man mehr Möglichkeiten. So kann man beßere Entscheidungen treffen.

Auch sollten Spieler richtig leben. Dazu gehört, das Leben einfach zu halten und sich periodisch die Zeit nehmen zu reflektieren. Das richtige Eßen ist auch wichtig, denn vollgestopft mit "Nichtnahrung", also mit Mitteln, die dem Leben schaden, kann man nicht gut spielen.

Die Spieler sollten ferner eine gute Menschenkenntnis erwerben. Jungs Typentheorie, in Nordamerika weit verbreitet, in Europa fast unbekannt, ist ein ausgetestetes Mittel (durch den PET oder MBTI), um Mitspieler und Gegner schnell und gut kennen zu lernen.

Der Trainer

Im Powerfußball ändert sich die Rolle des Trainers dramatisch. Es werden keine Autokraten (auto - selbst) mehr benötigt. Denn Teamsport und Autokratie sind Gegensätze, Oxymoren. Im Powerfußball wird der Trainer zum Lehrer, zum Fazilitator. Ein Fazilitator hilf, ermöglicht und leitet mit sanfter Hand. Während des Spiels hat er wenig zu sagen, denn was die Spieler wißen sollten, haben sie schon in vielen täglichen Seminaren (unter seiner Anwesenheit aber nicht seiner Leitung) bis ins Kleinste miteinander durchgesprochen. So sind sie bereit für alle Gegebenheiten. Nichts kann sie überraschen, aus dem Gleichgewicht oder aus dem Spielfluß bringen. Sie haben alle möglichen Szenarien in ihrem Kopf mehrfach vor jedem Treffen durchgespielt. Die Spieler sind autonom, sie treffen alle Entscheidungen auf dem Platz selbst, sogar wer wann ein- und ausgewechselt wird. Sie fühlen sich auf für alles verantwortlich.

Der Trainer im Powerfußball lernt und vermittelt, wie man Sachen macht. Wie man Probleme löst, Entscheidungen trifft, Konflikte schlichtet, Kreativität beflügelt, den Gegner analysiert, individülle Trainingspläne aufstellt, kommuniziert, etc. Der Trainer lernt, wie der den Spielern Sachen beibringen kann, ohne viel zu sagen. Das ist die Kunst des Erziehers. Denn er weiß: alles muß und kann von den Spielern kommen. Denn es gibt im Fußball nichts, was die Spieler nicht schon gehört, gesehen, erfahren oder gelesen haben. Er muß dieses Wißen nur lösen, bewußt machen. So wird er zum weisen und respektierten Ratgeber und Freund. Das ist seine neü Rolle im Powerfußball.

Der Verein

Im Verein herrscht ein "Wir" Gefühl. Denn viele Clubs heißen ja "Eintracht", "Spielvereinigung", "Union", "Verein". Einheit und Harmonie zählt im Fußball. Aus Vielen muß eine harmonische Einheit geformt werden. Alles Handeln und Treiben muß auf das nächste Spiel zugespitzt sein. Es dürfen keine Energien innerhalb des Vereins zugelaßen werden, die nicht auf dieses eine, für den Verein mit Abstand wichtigste Ziel gebündelt sind. Aufsichtsrat, Vorstand und Trainer helfen, jeder auf seine Art, nur dieses alleinige Ziel zu verfolgen: das nächste Spiel. So ist es gegenwärtig nicht. Das eigene Ego steht oft im Weg. So leidet die Einheit. So kann kein Wir-Gefühl aufkommen.

Im Powerfußball verwandelt sich der Verein in einen Lernverein. Das Ziel eines jeden aktiven Vereinsmitglied ist, jeden Tag etwas Neüs, etwas Konstruktives, etwas dem Verein Helfendes dazuzulernen. So kann, eine Organisation, in unserem Falle der Verein, immer überleben. So kann er nie untergehen. Das gilt besonders für die Spieler. Wenn alle Spieler vor Lernbegierde nahezu vibrieren und auch tatsächlich jeden Tag etwas dazulernen - und wenn es ernüchternde Einsichten sind - wird die Mannschaft immer an ihrer obersten Leistungsgrenze spielen. Lernen sie nichts dazu - und das ist die Norm - ist der Spielausgang Glückßache. So ist es gegenwärtig. Muß Wißen von Außen kommen? Nein, es ist schon vorhanden, in den Spielern, im Trainer, im Vorstand. Es schlummert nur. Aber so lange das Wohl eines Vereines von hauptsächlich einem Manne, dem Trainer, abhängig ist (denn er trifft alle Entscheidungen), kann es im Fußball keinen Fortschritt geben. Autokratische Vorstände und Trainer, die auf Hierarchie bestehen, sind dafür verantwortlich, daß die Lernkurve der Vereine seit Jahrzehnten flach ist. Alle scheinen das Gleiche (Falsche, Eintönige, Pseudoelementare) gelernt zu haben (ein Lehrprogramm, das sich über Jahrzehnte nicht geändert zu haben scheint), denn sie sind fast auswechselbar, wie das jährliche Trainerkarußell bestätigt.

Auch sollte niemand im Verein glauben, daß der Erfolg nur durch den Kauf von Spielern gesteigert werden kann. Wenn ein Verein effektiv trainiert, oder eine gute Taktik verfolgt, oder tolle Teamarbeit leistet, braucht er keine neün Spieler zu kaufen. Wenn alle Mannschaften im eigenen Verein, auch die ganz kleinen, intensiv Powerfußball erlernen und spielen, ist der langjährige Erfolg gewährleistet, denn Sie sehen bei allen täglich Fortschritte.

Die Umstellung

Wie kann sich ein Verein, gleich ob an der Spitze der Bundesliga oder im unteren Drittel der Amateurliga, auf Powerfußball umstellen? Allmählich. Fangen Sie mit dem Training an. Danach die Taktik. Geben Sie anfänglich Ihren Stürmern totale Bewegungsfreiheit. Verwandeln sie diese Stürmer zur gleichen Zeit in Abwehrspieler. So wird die Verteidigung gestärkt, und der Angriff kann sich aus der eigenen Hälfte entwickeln. Danach kommt das vordere Mittelfeld. Sie werden zu Angriffßpielern und Verteidigern. Dann das hintere Mittelfeld. Danach die Verteidiger. Der Zeitraum der Umstellung ist nicht wichtig. Sie können die Umstellung forcieren oder sich Zeit laßen.

Sich auf Powerfußball umzustellen ist eine Glaubensbekehrung. Diese Art zu spielen hat es noch nie gegeben. Sie brauchen Zeit, Geduld und Mut. Der Erfolg überwiegt das Risiko. Denken Sie an automatische Getriebe bei den Autos: Erst hatten wir das Dreiganggetriebe, dann das Vier-, das Fünf-, jetzt das Sechsganggetriebe. Und schon gibt es auch stufenlose Getriebe. Powerfußball ist vergleichbar mit einem stufenloses Getriebe. Es geht hin und her, genaür gesagt, schnell hin (zum Tor des Gegners) und langsam her (Verzögerung des gegnerischen Angriffs zum eigenen Tor).

Powerfußball ist ein offenes, organisches System. Für den Fußball, in dem elf Spieler versuchen, möglichst viele Tore zu schießen, ist dieses System ideal. Es gibt kein beßeres System. Und warum sollte man sich nicht am Besten orientieren? (Die Japaner haben es uns vorgemacht.) Noch wichtiger ist die Frage: Können Sie es sich erlauben, weiter altmodischen und traditionellen Fußball zu spielen, wenn die Konkurrenz Powerfußball spielt?

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