Den Fußball zur Kunst erheben

Robert Knoop

Man glaubt, dass das gegenwärtige System, Fußball zu spielen, eine ideale Spielweise ist. Man irrt sich. Es gibt viel zu verbessern. In Schulnoten ausgedrückt, erhält der jetzige Fußball, hier und in anderen Ländern, von mir eine 3- Note. Das allgemeine Niveau liegt auf dem einer Hauptschule. Obwohl ich sagen muss, dass sich beim deutschen Team schon einiges vorteilhaft geändert hat.

Für ein Land von Dichtern und Denkern sollte es eigentlich ein Leichtes sein, zu einer ähnlichen Schlussfolgerung zu kommen. Nehmen Sie sich die Zeit, ein oder zwei Spiele im Detail zu analysieren. Eine Methode, Spiele zu analysieren, finden Sie unter www.powerfussball.net, Briefe an Vereine, Spielanalyse. Setzen Sie Ihre objektive, kritische Brille auf. Nach der etwa 10-stündigen Analyse werden Sie zu erstaunlichen Ergebnissen kommen, und mit vielem von dem, was folgt, übereinstimmen.

Seit über hundert Jahren bedient sich der Fußball gewisser taktischen Formationen und Positionen.  Anfänglich gab es das Knäuel. Wie auf alten englischen Filmen zu sehen ist, liefen alle Spieler, wie Kinder, oft laut lachend, hinter dem Ball her. Aus dem Knäuel wuchs die Einer-Formation, eine lange Zigzag Linie, wohl vom Rugby abgekuckt. Danach kam die Zweier Formation: fünf Spieler hinten und fünf vorne, mit Variationen. In den letzten vier Jahrzehnten haben wir uns bis zur Dreier Formation hochgearbeitet. Mutige Vereine machen mitunter sogar von einer Vierer oder Fünfer Variante Gebrauch, also vom Gegenteil der Einer Formation. Aber eine horizontale Linie macht genau so wenig Sinn wie eine vertikale Linie.

Aber alle bisherigen Taktiken, das heißt, Vorgehensweisen, haben einen Grundfehler: sie sind Spielfluss hemmend, ausgedacht, gezwungen, künstlich, unwirklich. Eine definitive, geschlossene Taktik – wie die jetzige – ist wie eine Fessel, die einen natürlichen Spielfluss verhindert. Daher die langweiligen, sich ähnelnden Spiele bei der WM, die letztendlich nur zu einer mageren Torausbeute führen. 

Und was kommt nach der Dreiertaktik? Vierer und Fünfer Formationen machen keinen Sinn. Und wie könnte man die Taktik ansonsten verbessern? Indem man anders denkt, also umdenkt, oder aufhört zu denken, und seine Intuition befragt, die Funktion der Möglichkeiten: Welche Taktik ist wohl die Beste? Welche ist ideal? Welche passt zum Fußball? Organisationstheorie gibt uns die Antwort.

Gegenwärtiger Fußball (G) und Powerfußball (P)

Unterschiede

Die Entwicklung des Fußballs ist nicht aufzuhalten. Ich nenne den gegenwärtigen Fußball Glücksfußball. Die wenigen Tore, die fallen, sind in den meisten Fällen reine Glückssache. Auch die teuren Stars brillieren meist nur im Mittelfeld. Wenn es ans Tore schießen geht, sind sie nur mittelmäßig. Keiner hat es „richtig“ geübt. Denken Sie an die Fernsehaufnahmen von Maradonna, der seinen Schützlingen dem Ball zuschob, den sie dann aufs Tor schossen. Jeder brasilianische Spieler schoss auf diese Weise ein Dutzend Mal aufs Tor. So etwas kann man nicht Training nennen. In Deutschland dribbeln die Helden um Kegel herum. Das ist Anti-Training, denn Dribbeln ist die langsamste Art, den Ball zu bewegen – dazu oft reine Selbstdarstellung – und sollte nicht zum Trainingsprogramm gehören.

Powerfußball, eine neue Art Fußball zu spielen, sieht ganz anders aus. Wenn eine Starelf des gegenwärtigen Fußballs auf eine Mannschaft trifft, die Powerfußball spielt, hat die Starelf keine Chance, auch wenn sie technisch noch so beschlagen zu sein scheint. Die Unterschiede der zwei Systeme sind vielfältig.  Hier sind einige:

G – Tore sind Glückssache.
P – Tore werden gezielt herausgespielt.

G – Niedrige Torquote (2:1, 1:0, 3:2).
P – Hohe Torquote (12:8, 15:7, 9:9).

G – Spielaufbau langsam.
P – Spielaufbau blitzschnell.

G – Irgendjemand muss sich etwas einfallen lassen, sonst tut sich nichts.
P – Jeder Spieler weiß genau, was er zu machen hat.

G – „Brillante“ Einzelspieler, oft Selbstdarsteller, dominieren die Elf.
P – Brillante Einzelspieler sind nicht gefragt.

G – Es wird lange kreuz und quer gespielt, bevor jemand aufs Tor schießt.
P – Es wird fast nur steil nach vorn gespielt.

G – Dreier System: hinten, Mitte und vorn.
P – Fußball Total: elf Angreifer, elf Verteidiger.

G – Taktik inflexibel, basiert auf Rollenaufteilung und Rollenbeschreibungen.
P – Taktik flüssig, organisch, immer anders, nicht auszurechnen.

G – Entscheidungen auf dem Spielfeld sind mittelmäßig: daher wenig Torschussmöglichkeiten.
P – Entscheidungen werden fast immer optimiert:  daher viele Torschussmöglichkeiten.

G – Mittelmäßiges bis schlechtes Passspiel.
P – Erstklassiges Passspiel, hundert Tausende Mal geübt.

G – Niedrige Wahrscheinlichkeit, dass Torschüsse in Tore resultieren.
P – Hohe Wahrscheinlichkeit, dass Torschüsse in Tore resultieren (wieder: hundert Tausende Mal! geübt).

G – Der Trainer weist die Richtung, er hat das Sagen.
P – Der Trainer sagt selten etwas; er nutzt die effektivste Lehrmethode: er stellt Fragen.

G – Training uneffizient: man bemerkt keine Verbesserung.
P – Training hocheffizient:  das Spiel verbessert sich sichtbar! von Woche zu Woche.

G – Teamarbeit mittelmäßig: die Spieler spielen selbstdarstellend, von echter Teamarbeit ist wenig zu sehen.
P – Teamarbeit erstklassig: die Spieler spielen wie aus einem Guss.

G – Kommunikation auf dem Spielfeld ist oft destruktiv (viel Gemecker und Geschimpfe).
P – Laufende, konstruktive, sich gegenseitig unterstützende Kommunikation.

G – Der Ball wird erst gestoppt, dann meist ungenau abgespielt.
P – Der Ball wird meist hart, flach und genau im one-touch weitergegeben.

G – Ein paar Spieler schießen die Tore.
P – Die Torschützen sind gleichmäßig in der Mannschaft verteilt, da jeder es unendliche Male geübt hat.

G – Viele Spieler spielen eigennützig.
P – Jeder spielt für den Anderen, eigennütziges Spiel ist verpönt.

G – Training und Spiel fokussieren auf das Wesentliche und Unwesentliche gleichermaßen.
P – Training und Spielt fokussiert ausschließlich auf das Wesentliche im Fußball.

G – Die Mannschaft besteht aus ähnlichen Spielertypen, so fehlt Vielfältigkeit.
P – Die Mannschaft besteht aus verschiedenen, sich ergänzenden Spielertypen.

G – Die Spieler üben viele Sachen ein wenig und verbessern sich auf diese Weise nicht.
P – Die Spieler üben, üben und üben um das Wesentliche zu perfektionieren.

G – Die Spieler lieben es, im Mittelfeld umher zu dribbeln um den Zuschauern ihre technischen Fähigkeiten zu zeigen.
P – Die Spieler dribbeln fast nie..
 
G – Die Spieler köpfen den Ball oft.
P – Die Spieler köpfen den Ball selten, weil Kopfbälle zu ungenau und langsam sind.

G – Die Spieler trainieren selten mental, wenn überhaupt, mental.
P – Die Spieler arbeiten viel mental, indem sie Schüsse, Taktik und Spiele visualisieren.

G – Die Spieler freuen sich wahnsinnig über Erfolge, werden aber durch Niederlagen geknickt.
P – Die Spieler können mit Erfolgen und Niederlagen gleich gut umgehen.

G – Die Spieler laufen mit voller Kraft; nach dem Spiel sind sie ausgelaugt.
P – Die Spieler haben gelernt ohne große Anstrengung zu laufen; sie können den ganzen Tag lang spielen.

G – Die Spieler sind immer angespannt und verschwenden so viel Energie.
P – Die Spieler wissen, wie man sich während des Spiels entspannt, um Energie zu sparen.

G – Die Mannschaft erzeugt wenig Synergie:  gemeinsames und kooperatives Handeln.
P – Die Spieler erzeugen eine hohe Synergie:  zusammen erhöhen sie die Effektivität jedes Einzelnen.

G – Die Mannschaft spielt nur teilweise druckvoll.
P – Die Mannschaft entwickelt einen hohen Druck, 90 Minuten lang.
 
G – Die Spieler gehen kein großes Risiko ein, weil sie nicht schlecht aussehen wollen.
P – Jeder Spieler geht laufend hohe, aber scharf kalkulierte, Risiken ein.

G – Wenn das Spiel nicht läuft, werden die Spieler leicht entmutigt.
P – Die Spieler sind nie entmutigt; sie haben für alle Vorfälle eine „Das schaffen wir!“ Einstellung.

G – Die Spieler sind zufrieden, wenn sie gut spielen.
P – Die Spieler versuchen in jedem Spiel ihre persönlichen Grenzen zu überschreiten.

G – Jeder Spieler ist darauf bedacht, gut auszusehen.
P – Jeder spielt uneigennützig für den anderen.

G – Der Trainer sagt den Spielern, was sie zu tun haben.
P – Der Trainer hilft, gibt Rat und leitet mit weiser Hand – sagt jedoch wenig.

 

G – Der Trainer hat früher selbst in der Bundesliga gespielt.
P – Der Trainer hat selten Bundesligaerfahrung – denn der Trainer-Beruf ist ein ganz anderer Job als Spieler zu sein.

G – Der Verein braucht Glück, damit während der Saison alles gut läuft.
P – Der Verein ist ein Lernverein; alle Aspekte im Verein werden angehend laufend verbessert.

G – Die Spieler sind körperlich nicht sehr beweglich und ziemlich langsam.
P – Die Spieler sind spritzig; sie laufen 100 Meter in unter 12 Sekunden.

G – Der Verein ist für die Spieler ein Mittel zum Zweck.
P – Die Spieler leben für ihren Verein und den Fußball.

G – Die Spielintelligenz ist niedrig; sie wird wenig gefördert.
P – Die Spielintelligenz ist hoch; sie wird täglich bewusst weiterentwickelt.

G – Wenige Spieler können regelmäßig Tore erzielen, nicht einmal aus naher Distanz.
P – Jeder Spieler kann aus 30 Metern mit 50%iger Wahrscheinlichkeit ein Tor erzielen.

G – Der Spielfluss ist kompliziert und stockend.
P – Der Spielfluss ist flüssig.

G – Die Spieler beschweren sich laufend beim Schiedsrichter.
P – Die Spieler akzeptieren die Entscheidungen des Schiedsrichters bedingungslos.

G – Taktik ist Sache des Trainers; sie wird vor dem Spiel abgesprochen.
P – Taktik ist Sache der Spieler; sie wird vom Spielgeschehen bestimmt.

G – Im Verein wendet man das an, was man woanders gelernt hat.
P – Der Verein ist wie eine Schule:  Man lernt dort viel.

G – Fußball ist eine Geldmaschine, man bedient sich ihrer.
P – Fußball wird als Kunst angesehen, die Spieler fühlen sich als gut bezahlte Künstler.

G – Die Spieler gebrauchen ihre fünf Sinne; einen sechsten haben sie nicht entwickelt.
P – Alle Spieler lernen es, drittäugig zu sehen; d.h., sie entwickeln und nutzen ihren sechsten Sinn.

G – Cliquenwirtschaft, Neid, Angst und Freudlosigkeit prägen den Verein.
P – Im Verein herrscht totale Harmonie; die Einstellung aller ist zuversichtlich und positiv.

G – Man glaubt, ohne Stars nicht erfolgreich sein zu können.
P – Die Mannschaft hat keine Stars; Einheit – einer für alle und alle für einen – ist das Ziel.

G – Die Fähigkeit mental zu trainieren besitzt fast kein Spieler.
P – Alle Spieler trainieren mental – z.B., vor dem Schlaf, beim Essen, während der Fahrt.

G – Die Spieler kommunizieren wenig über den Fußball.
P – Die Spieler kommunizieren laufend über den Fußball; nichts ist für sie interessanter.

G – Die Abwehr ist durchdringlich.
P – Die Abwehr ist fast undurchdringlich.

G – Wenn ein Spieler einen Fehler macht, wird er von seinen Mitspielern ausgeschimpft.
P – Wenn ein Spieler einen Fehler macht, wird er von seinen Mitspielern ermutigt und unterstützt.

G – Es gibt wenige durchdachte Spielzüge.
P – Jeder Spielzug ist schon hundertfach durchdacht worden.

G – Der Verein verdient wenig Geld, weil die Stars hohe Gehälter beziehen.
P – Der Verein verdient viel Geld, weil die Gehälter moderat sind – Stars sind unerwünscht.

G – Der Verein hat eine Nachwuchsabteilung, heuert aber lieber teure Stars an.
P – Der Verein hat eine erstklassige Nachwuchsabteilung; sie produziert eine Welle von Powerfußballern nach der anderen.

G – Einsatz:  je nach Laune.
P – 100% Einsatz, immer.

G Es gibt keine sichtbaren Beweise mentaler Spielplanung.
P Jedes aufkommende Spiel wird vorher mehrere Male mental durchgespielt. Das heißt, das Spielmuster jedes einzelnen Spielers wird vor dem Spiel von jedem Spieler selbst festgelegt. 

G Jeder Schuss, jeder Pass ist Glücksache; er sollte jedoch immer dort landen, wo er hingedacht wurde.
P Jeder Schuss und jeder Pass ist das Produkt eines im Gehirn fest verankerten, zig-tausend Mal durch Training in Schuss- und Passhalle – geübten und gefestigten Musters. 

G – Hohe Flanken nach vorn.
P – Scharfe flache Pässe nach Vorn; hohe Flanken sind viel zu ungenau, beinahe sinnlos.

G – Der Vorteil von Einwürfen wird meist vergeudet.
P – Einwürfe sind der Anfang eines neuen Angriffs.

G – Ecken werden hoch in den Strafraum geschossen, in der Hoffnung, dass ein eigener Spieler mit dem Kopf ein Tor erzielt, was selten geschieht.
P – Ecken sind Pässe die zum Torschuss führen.

G – Die Spieler schießen den Ball ohne Differenzierung mit der Innenseite, der Außenseite, dem Innenriss, dem Außenriss, dem Vollspann und der Pike.
P – Die Spieler üben nur zwei Schussarten, diese aber bis zur Perfektion: den Schuss und Pass mit der Innenseite und dem Innenriss.

G – Die Spieler gehen angespannt ins Spiel.
P – Die Spieler gehen entspannt und lässig ins Spiel, weil sie das, was kommen wird, mental schon oft durchgespielt haben.

G – Wenige Spieler können genaue Pässe schlagen. Ein genauer Pass kommt nicht nur an, sondern er kommt so an, dass der Spieler den Ball im one-touch optimal weitergeben kann.
P – Pässe werden pro Jahr über 100,000 Mal geübt. Sie kommen an wie gewollt.

G – Eckbälle werden hoch in den 16 Meterraum geschlagen, in der Hoffnung, dass ein eigener Spieler ihn mit dem Kopf ins Tor nickt.
P – Eckbälle werden wie normale Schüsse behandelt, denn Schüsse mit dem Fuß sind viel genauer als Kopfbälle.

G – Einwürfe werden meist auf den Kopf oder die Brust des Mitspielers geworfen.
P – Einwürfe werden flach, mit Spin, in die Laufbahn des best-platzierten Angreifers geworfen.

G – Die Verantwortung für das Spiel liegt beim Trainer.
P – Die Verantwortung für das Spiel tragen die Spieler; der Trainer ist nur Fazilitator/Berater.

G – Motivation kommt von Außen, vom Trainer oder von den Mitspielern.
P – Motivation kommt von Innen; innere Motivation ist viel stärker als äußere Motivation.

G – Alles kommt vom Trainer, die Spieler haben nichts zu sagen.
P – Alles kommt von den Spielern; der Trainer stellt nur treffende Fragen.

G – Schlechter Abschluss, daher wenige Tore.
P – Sicherer Abschluss, daher viele Tore.

G – Schnelle Kurzpässe führen oft zu Fehlpässen oder zum Ballverlust.
P – Blitzschnelle Langpässe führen zu Toren.

G – Sehr oft artet das Spiel in einem sinnlosen Gekicke aus.
P – Jede Ballberührung wird im Kopf geplant.

G – Kurzer Denkprozess: der Ball geht immer zum Nächststehenden.
P – Geplantes, strukturiertes Denken: der Ball geht immer zum Beststehenden.

G – Fast alle Spieler nehmen den Ball erst an, bevor sie ihn weiterspielen.
P – Alle Spieler geben den Ball im blitzschnellen one-touch in den Lauf des bestplatzierten Spielers.

G – Es wird viel über die Flügel gespielt.
P – Es wird selten über die Flügel gespielt; weil die Distanz und der Winkel zum Tor zu unvorteilhaft ist.

G – Dribbeln ist die Norm; dribbeln ist jedoch die langsamste Art den Ball zu bewegen; dazu wird Dribbeln oft als Selbstdarstellung genutzt, von den Zuschauern dummerweise oft wild beklatscht.
P – Es wird fast nie gedribbelt.

G – Der Ball wird oft hoch von hinten nach vorn gedroschen.
P – Der Ball wird flach gehalten, nie hoch gespielt, außer bei Torschüssen in die oberen Winkel.

G – Das Spiel ist langsam und langweilig.
P – Das Spiel ist blitzschnell und spannend.

G – Jedes Abspiel ist leicht auszurechnen.
P – Jedes Abspiel ist anders, immer voller Überraschungen, der Täuschung wegen.

G – Spieler nennen sich bei Namen; so weiß der Gegner, wo der Ball hingeht.
P – Spieler haben Geheimnamen, um den Gegner zu verwirren.

G – Täuschung gibt es sehr selten; auf diese Weise werden die Vorteile von Täuschungen vergeudet.
P – Täuschung ist die Norm; so gewinnt man 1 bis 2 m oder Sekunden Vorsprung, genug, um einen Schuss aufs Tor abzufeuern.

G – Spieler, die Tore schießen, freuen sich wahnsinnig, weil es so selten passiert.
P – Ein Tor zu schießen ist „no big deal“; sie fallen fließbandartig.

G – Die Taktik, spielhemmend wie sie ist, ist vorbestimmt; alle müssen sich daran halten.
P – Die Taktik ist organisch; sie entwickelt sich je nach Spielsituation.

G – Trainer gebärden sich oft wie toll auf der Trainerbank, wohl um die Kameras auf sich zu lenken, denn ihre Gebärden haben keine Einfluss auf das Spiel.
P – Trainer sitzen irgendwo auf der Zuschauertribühne und genießen das Spiel ihrer Sprösslinge.

G – Trainer geben laufend Anweisungen während des Spiels.
P – Trainer sagen vor dem Spiel alles, was sie zu sagen haben.

G – Viele Tore werden mit dem Kopf erzielt, ein Armutszeichen für die Füße.
P – Alle Tore werden mit dem Fuß erzielt; der Kopf wird nicht malträtiert, sondern zum Denken benutzt.

G – 90% aller Pässe sind ungenau.
P – 90% aller Pässe kommen haargenau an, dazu noch in den Lauf der Spieler.

G – Wenige Spieler können aus 30-40 Metern Tore erzielen.
P – Alle Spieler können mit hoher (50%) Wahrscheinlichkeit aus der Distanz Tore erzielen.

G – Ballannahme, dribbeln, dann abspielen – 3 Fehler, die laufend wiederholt werden.
P – Der Ball wird blitzschnell im one-touch zum bestplatzierten Spieler weitergegeben.

G – Viel unnützes Klein-klein und Hin-und-Her Geschiebe des Balls.
P –  Laufend Raum-aufreißende Pässe.

G – Der Spieler versucht andere zu umdribbeln und bleibt hängen.
P – Dribbeln, die langsamste Art den Ball zu bewegen, ist ein No-No im Powerfußball.

G – Die Dreier-Taktik ist ein 50 Jahre altes Zwangskorsett, das noch nie zum Fußball gepasst hat.
P – Die organische Taktik ist die Spitze des Gipfels; sie kann nicht übertroffen werden.

G – Die Intelligenz der Spieler wird kaum genutzt; sie sind nur Befehlsausführer des Trainers.
P –  Die Intelligenz der Spieler wird voll genutzt; man „sieht“ sie beim Spiel.

G – Das Trainingsprogramm ist total daneben! Es befindet sich auf einem primitiven Niveau.
P – Der Powerfußball offeriert ein volles, allumfassendes, professionelles Programm auf elitärem  Niveau.

G – Die meisten Profivereine sind eine auf gut Dünken zusammengewürfelte internationale Truppe.
P – Die Spieler kommen aus der gleichen Gegend; sie haben also von Anfang an viel gemeinsam.

G – Der Ball wird hinten sinnlos hin und her geschoben.
P – Der Ball wird fast immer steil gespielt.

G – Lange Anweisungen für Auswechselspieler, die so tun, als ob sie verstehen, was der Trainer sagt.
P – Anweisungen sind nicht nötig; jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Immer.
 
G – Einfallslos.
P – Einfallsreich.

G – Keiner traut sich aus 30 Metern aufs Tor zu schießen.
P –  Distanztorschüsse sind die Norm.

G – Spieler wechseln laufend den Verein.
P – Spieler bleiben bei ihrem Verein bis sie pensioniert werden.

G – Das Trainingsprogramm ist drittklassig.
P – Das Trainingsprogramm ist erstklassig.

G – Immer die gleichen erfolglosen Spielzüge.
P – Immer die gleichen erfolgreichen Spielzüge.

G – 90% der Zeit Querspiel.
P – 90% der Zeit Steilspiel.

G – Selten sehenswerte Spielzüge.
P – Atemberaubende Spielzüge.

Gegenwärtiger Fußball und Powerfußball

Unterschiede, anders ausgedrückt

Gegenwärtiger Fußball

Dies ist der Stand der Dinge.  Seit über 80 Jahren (!) hat sich nichts verändert.  Wird es nicht höchste Zeit, dass wir uns im Fußball etwas Neues einfallen lassen?  Die Restriktionen und Limitationen des traditionellen Fußballs sind unüberschaubar:  ein leicht auszurechnendes Angriffs- und Verteidigungssystem, System begrenzte Kreativitätsmöglichkeiten; ein Hang zur Selbstdarstellung; ein langweiliges, statisches Hin und Her Geschiebe des Balles; ein Dribbelzwang (die langsamste Art den Ball vorwärts zu bewegen) da selten jemand freisteht oder sich frei läuft; Fehlpässe und Tormangel, da diese wichtigsten Dinge nur bedingt trainiert werden; seltene Anzeichen von Teamwork, da Spieler miteinander konkurrieren und sich oft anschreien; mangelnde Spielintelligenz, da gleiche Spielweisen sich immer wiederholen und dem Spiel keine neuen Impulse gegeben werden; etc.  Die Liste ist endlos.  Das Wesentliche im Fußball, denn darum geht es, nämlich Tore zu schießen, können nur wenige.  Und auch deren Torquote ist eigentlich jämmerlich.

Die Zuschauer kommen zwar noch vor die Fernsehschirme und in die Stadien, aber sie sind nicht zufrieden, denn Verbesserungen jeglicher Art haben Seltenheitswert.  Das ist das Erstaunliche:  auf der einen Seite wissen wir, dass Spieler unbegrenztes Potenzial haben; auf der anderen Seite verbessert sich das Gros der Spieler über Jahre nicht.  Warum nicht?  Weil sie wesentliches nicht üben, üben, üben.  So leben sie von ihren technischen Fähigkeiten, die sie gelernt haben, bevor sie in die höchste Liga aufstiegen. 

Warum lernen Spieler nichts dazu?  Weil ihre Trainer, fast ausschließlich ausgediente Fußballer, es ihnen nicht beibringen.  Woher sollte ein, sagen wir, rechter Verteidiger, der brav für 15 Jahre in der obersten Liga gespielt hat, selbst auch wenig dazu lernte, das Potenzial aller seiner Spieler hinausschieben können?  Bestimmt nicht durch den Kurzlehrgang um den Trainerschein zu erlangen.  Es passiert einfach nicht, die Spieler spielen immer das gleiche Spiel, unterbrochen von gelegentlichen Karrierehöhepunkten.

Die Zeit für einen Paradigmenwechsel ist gekommen.  Jetzt fordert ein neues System Fußball zu spielen das alte System heraus.  Es heißt Powerfußball.

Powerfußball

Im Gegensatz zum gegenwärtigen mechanistischen System ist Powerfußball ein zukunftorientiertes  organisches Bewegungssystem.  Im Powerfußball gibt es keine Formationen und Positionen.  Die organisatorische Struktur basiert auf Raum, Zeit und einer Ballbewegung, die jederzeit, auch während der Defensive, auf den kritischen Pfad (critical path) zum Tor ausgerichtet ist.  Die Struktur ist logisch, theoretisch gut fundamentiert, daher auswertbar, und für Spieler leicht verständlich.  Das Spiel ist nie gleich, es ist variabel und kreativ.  Alle Spieler sind laufend in geordneter Bewegung, die einen traditionellen, positions-orientierten Verein total aus der Fassung bringen wird.

Power zu haben heißt, besondere stark ausgeprägte Fähigkeiten zu besitzen.  Das Wort erscheint mir treffend.  Neun Merkmale prägen den Powerfußball.  Sie zu erlernen, verinnerlichen, anzuwenden und zur Perfektion zu bringen dauert ungefähr drei Jahre. 

Powertraining.  Das Training konzentriert sich, wie gesagt, auf das Wesentliche im Fußball:  den Ball mit Autorität, Härte und Genauigkeit im one-touch weiterzuleiten und ins Tor schießen zu können.  Diese beiden Fähigkeiten, Torschuss und Pass, werden nicht wie jetzt, einige Tausend Mal, sondern einige hundert Tausend Mal auf dem Spielfeld und im Kopf geübt.  So wird jeder Spieler in der Lage sein, bei Schüssen aus einer Distanz von 30 Metern mit hoher Wahrscheinlichkeit Tore zu erzielen und Pässe zu schlagen, die haargenau auf dem Fuß des Mitspielers ankommen.  Um zum Torschuss zu kommen, sollte jeder Spieler außerdem ein Repertoire von zehn bis zwanzig Täuschungsmanövern perfektionieren, um Verteidiger umspielen zu können.
 
Powertaktik.  Das Gerippe für Torschuss und Passspiel ist die Taktik.  Sie muss genau auf Pass und Torschuss zugeschnitten sein, sie komplementieren.  Wie sieht diese Taktik aus?  Powertaktik besteht aus elf Stürmern und elf Verteidigern.  Powertaktik ist Fußball Total.  Alle Spieler rotieren laufend, keiner hat feste Positionen.  Leere Räume leiten ihre Bewegungen.  Die Taktik ist also total organisch, sie entwickelt sich aus dem Spiel, aus den Raum- und Zeitverhältnissen.  Rollenbeschreibungen, das Haupthindernis eines flüssigen Spiels, gibt es im Powerfußball nicht.  Bei Ballverlust werden offene Räume zugemacht.
Die Spieler organisieren sich selbst, basiert auf die Bewegungen des Gegners.  Powertaktik ist also unbegrenzt flexibel und anpassungsfähig. 

Teamarbeit.  Teamarbeit fehlt im heutigen Fußball.  Sie kann nicht vom Trainer befohlen oder von den Spielern beschworen oder auf dem Spielfeld gelernt werden.  Teamwork besteht aus einer Hingezogenheit zum Mitspieler, aus einem sich Gernmögen – basiert auf Respekt, Vertrauen, ja fast Liebe zu Mitspielern und aus Freude am Spiel.  Teamwork hat also mit dem Menschen, nicht mit der Sache zu tun.  Wenn gute Teamwork existiert, bemerkt man es sofort, denn sie manifestiert sich in einem fühl- und sichtbaren  Teamgeist.  Gute Teamarbeit führt durch Hingabe zum Spiel, durch Harmonie, Gemeinsamkeit, Einheitlichkeit, Selbsterneuerung, Dynamik, Kultur und Autonomie zur Effektivität.  Eine Mannschaft mit unbändigem Teamgeist, selbst wenn die Spieler keine Starqualitäten besitzen, ist schwer zu besiegen.

Mentale Arbeit.  Torschüsse, Pässe, Täuschungsmanöver, Taktik, das nächste Spiel, das eigene Benehmen, die Einstellung zum Spiel – kurz, alles was trainiert und gelernt wird, muss im Kopf vielfach wiederholt und so verinnerlicht werden.  Der Gedanke ist der Samen der Tat.  Die Tat selbst ist die Reaktion des Unterbewusstseins auf die Art und Weise des Gedankens.  Sieht ein Spieler sich in Gedanken auf dem Spielfeld – wie er sich frei läuft, in Schussposition bringt, Pässe schlägt, Tore erzielt – werden diese Vorstellungen sich mit der Wirklichkeit verknüpfen.  Die Macht (Power) der mentalen Arbeit wird in vielen Sportarten erkannt und genutzt.  Im Fußball ist sie weitgehend unbekannt.  Dabei gibt es ausreichend Beweise, dass z.B. mentales Training genau so erfolgreich oder sogar erfolgreicher ist wie wirkliches Rasentraining. 

Optimale Spielerentscheidungen.  Die Spieler lernen, bei jeder Ballabgabe optimale Entscheidungen zu treffen.  Anstatt also den Ball ohne viel zu denken an den nächststehenden Spieler abzugeben, die Norm,  versucht jeder Spieler bei jedem Abspiel eine optimale Entscheidung zu treffen, basiert auf eine laufend erneuerte Übersicht von „wer wo steht“ und wer die beste Möglichkeit zum Torschuss hat.  Diese äußerst wichtige Fähigkeit, die sehr schwer zu erlernen ist, die aber die Qualität eines Spiels bestimmt, wird von sehr wenigen Spielern beherrscht.  Die Basis für optimale Entscheidungen ist eine effektive Nutzung der offenen Räume.  So hat jeder Spieler zu jeder Zeit viele Anspielstationen. 

Menschenkenntnis.  Wer sieht die Möglichkeiten, wer ist kreativ?  Intuitive Typen.  Wer ist gut im Planen und Organisieren?  Denktypen.  Wer sind die Vollstrecker, die praktischen Realitätstypen?  Sinnestypen.  Wer sind die sozialen Spieler, die eine Mannschaft zusammenhalten?  Gefühlstypen.  Im Fußball unbekannt, werden C. G. Jungs Typen im amerikanischen Teamsport (und von einer Mehrheit der Fortune 1000 Firmen) genutzt, um effektive Teams zusammenzustellen.  Der größte Fehler, den Vorstand und Trainer routinemäßig machen, ist Spieler zu kaufen, die so sind, wie sie selbst.  So wird viel Geld vergeudet, denn eine Mannschaft, die aus gleichen Typen besteht (meist Sinnestypen, gesprenkelt mit Denktypen) kann nicht so erfolgreich sein wie eine Mannschaft mit verschiedenen, gezielt eingesetzten Typen. 

Spielerpower.  Alles (alles!) was gelernt werden muss, muss von den Spielern kommen:  Trainingsinhalt, Trainingsplan, Trainingszeiten, Powertaktik, mentales Training, usw.  Die Spieler müssen total involviert sein und sich so für die Entscheidungen 100%tig verantwortlich fühlen.  Denn die Summe der Spieler weiß ein Vielfaches von dem was ein einzelner Spieler oder der Trainer weiß.  Eine Mannschaft, in der der Trainer alles bestimmt, spielt immer unter ihrem Niveau.  Autokratisches Trainerverhalten und Teamsport sind Gegensätze, ein Oxymoron!  Wenn nur einer für alle denkt, vergeudet man wertvolle Brainpower.  Das darf im Teamsport nicht der Fall sein.  Beim Spiel sitzt der Trainer ruhig auf der Bank.  Denn die Summe der Spieler weiß ein Vielfaches von dem was er weiß. 

Rolle des Trainers.  Im Powerfußball wird der Trainer also zum Fazilitator.  Ein Fazilitator hilft, ermöglicht, leitet mit sanfter Hand, gibt Rat, stellt Fragen.  Er macht fast nichts selbst.  Er gibt keine Anweisungen.  Je besser er dies versteht (er sollte Socrates lesen) und je mehr er weiß - desto weniger sagt er.  Er ist der Weise im Verein.  Für seine Weisheit wird er respektiert, verehrt und bezahlt.  Er wandelt den Verein in einen Lernverein um, in dem jeder versucht sich laufend zu verbessern.  Er hilft Spielern ihr Potential nicht nur zu erreichen, sondern zu überschreiten.  Er hat den natürlichen Führungsstil eines Team Leaders.  Er aktiviert das Team.  Er ist der Vertraute von allen.  Er ist daher selten ein ehemaliger Spieler, sondern jemand der sich mit Menschen auskennt.   

Spielintelligenz:  Der Fazilitator entwickelt durch tägliche, mehrstündige, gut ausgedachte und angelegte Seminare und Workshops die Spielintelligenz seiner Spieler.  So weiß jeder Spieler am Ende der Lernzeit so viel über das Spiel des Fußballs wie die Summe von Spielern und Trainer.  Die Spieler kennen sich auch selbst gut.  Nach der Lernzeit, also während ihrer Spielkarriere, denken und kommunizieren die Spieler weiterhin fast nur über den Fußball, dem sie sich 100% hingeben.  So haben sie eine lange Karriere vor sich und können, wenn es ihnen liegt, sich mit der Zeit durch Nachahmung und Anwendung des Gelernten in Fazilitatoren verwandeln.  

Durch Powerfußball kann ein Verein sich laufend verbessern und erneuern.  Spielereinkäufe kommen so gut wie nie vor.  Vereine sparen deshalb eine Menge Geld.  Binden Vereine ihre jungen Spieler an den Verein, bekommt die Mannschaft auch wieder einen lokalen Charakter.  So können die Zuschauer sich mit ihrem Verein besser identifizieren.  Spielen sie dazu noch einen aufregenden Fußball, werden Heimspiele gut besucht sein.

Da es im Powerfußball keine Verteidiger, Mittelfeldspieler oder Stürmer gibt, sind alle Powerfußballer sofort integrierbar – im eigenen Verein, in andere Vereine und in der Nationalmannschaft.  Der Bundestrainer hätte so einen großen Vorteil.  Er bräuchte Spieler nur nach ihrem Gesamtpotenzial auswählen und könnte sie ohne Training sofort erfolgreich einsetzen. 

 

G – Der Trainer spielt eine große Rolle im traditionellen Fußball. Er trifft fast alle Entscheidungen. Das heißt, ein Gehirn arbeitet, die Gehirne der Spieler liegen brach. Wenn immer Sie eine Organisation antreffen, die auf diese Weise organisiert ist, können Sie gewiss sein, dass sie eine ineffektive Organisation vor sich haben. Die Japaner haben dies schon vor Jahrzehnten herausgefunden. Sie haben flache Organisationen entwickelt, in der fast alle Beteiligten voll involviert sind. So erzeugt eine Organisation Brainpower. Leider ist das weder in der deutschen Industrie, noch in der Bürokratie, schon gar nicht bei der Bundeswehr, und ebenfalls nicht im Fußball zu finden. Nur einige haben die Macht, das Sagen. Sie ergötzen daran und erheben sich dadurch, und verschwenden die Gehirnpower aller anderen Mitglieder ihrer Organisation. Ein Kardinalfehler.

P – Der Trainer sagt alles, was er zusagen hat, vor dem Spiel. Er sitzt auf der Tribüne. Das heißt nicht, dass er überhaupt viel zu sagen hat. Im Idealfall sagt er niemals, was zu tun ist, sondern bringt seinen Spielern bei, Probleme selbst zu definieren und zu lösen. Der Trainer delegiert, in anderen Worten. Er tut nicht so, als ob er mehr weiß als die Spieler, denn das Fußballspiel ist einfach, und nur deswegen populär. Anstatt zu sagen, stellt er Fragen. Er gibt nie Antworten. Auf diese einfache Weise involviert, energetisiert, harmonisiert und koordiniert er den ganzen Verein, von der Vereinsführung bis zum Platzwart. Er wird zum Weisen, zum Ratgeber, zum Vertrauten, zum Fazilitator.
 
A – Jeder Mensch ist anders. „Es gibt nichts im Universum (!!!) das komplexer ist als das menschliche Gehirn“ (Eric Kandel, u.a.). Die Anordnung der schätzungsweise zweihundert Milliarden Gehirnzellen, mit zugehörenden Synapsen, ist in jedem Menschen anders. Dies ist für uns Menschen kaum verständlich, unfassbar. Und die Bedeutung dieser wissenschaftlichen Kundgebungen sind uns noch nicht einmal keimweise aufgegangen. Schon gar nicht im Fußball. Da muss ganz anders trainiert werden. Jede individuelle Neigung muss ausgekundschaftet und dementsprechend angeregt, und optimal ins Spiel mit eingegliedert werden. Aber wer kann das schon?

Hier ist noch eine andere Dimension, die wir mit in den Fußball einbinden müssen: „Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will; daher gibt es ebenso viele Unterschiede zwischen uns und uns selbst, wie zwischen uns und anderen, sagt Michel de Montaigne. Angewendet auf den Fußball bedeutet das, dass jeder Mensch Pass und Schuss im Gehirn anders konzipiert. Daher gibt es keine Allgemeinformel: so passt oder schießt man. Jeder Mensch muss für sich herausfinden, wie für ihn ein idealer Schuss oder Pass aussieht. Wie macht man das? Indem man zum Beispiel den Spielern auferlegt, nicht vormacht, es im Seminarraum (mit Ball) herauszufinden, indem ein Spieler es einem anderen erklärt, was für ihn die natürlichste Weise ist, den Ball zu passen. Das macht er täglich, im Zeitlupentempo, für ein paar Monate, mit wechselnden Partnern. So wird der Schuss oder Pass bis ins kleinste Detail gefeilt, immer wieder, bis der Spieler eine innere Zufriedenheit spürt, diese dann ausweitet, so dass sich im Gehirn anfänglich ein kleiner Trampelpfad bildet, den er dann mit der Zeit in eine Pass- oder Schuss-Bundesstraße, und eventuell in eine Autobahn verwandelt. Das heißt, er kann dann, nur dann! perfekte Chi-Pässe schlagen. Erst dann darf er in die Passhalle oder Schusshalle gehen, um die Gehirnvorlage für Schuss Pass durch ständige, langjährige Übung zu perfektionieren, gleich ob die Pässe und Schüsse über 5 oder 50 Meter gehen.

Daher müssen die Spieler jung sein und ihr Fleckchen Gehirn, das sich mit dem Fußball befasst, unbefleckt, blank sein, damit alle Aspekte des Fußballs von Anfang an von den Spielern, mit Hilfe des Trainers, bestens selbst programmiert werden können.

Eine noch andere Sichtweise:
Mechanistischer Fußball & organischer Powerfußball

Beleuchten wir die beiden Systeme, für Schüsse und Pässe, noch von einer dritten Seite. Systeme bestimmen Effektivität und Erfolg von Organisationen.  Ist das System schlecht (nicht gut durchdacht, veraltet, etc.), hemmt es Leistung und Erfolg.  Im Design von Organisationen – Fußballvereine sind ja auch Organisationen – gibt es zwei extreme Systeme. Eines ist das mechanistische System; es ist gekennzeichnet, u.a., durch formelle Strukturen und wenig Mitbestimmung der Mitarbeiter.  Die Struktur definiert, wie Aufgaben, z.B. Tore zu schießen und zu verhindern, aufgeteilt, gruppiert und koordiniert werden.  Auf der anderen Seite des Spektrums finden wir das organische oder offene System; es ist flach, kennt  keine Abgrenzungen und involviert Mitarbeiter auch als Entscheidungsträger.  Welches System passt wohl besser zum Fußball? Und, welches System wird im Fußball angewendet?

Das mechanistische Model

Alle Fußballvereine auf der ganzen Welt spielen nach dem mechanistischen System.  Es besteht aus Positionsbeschreibungen (z.B. hinten links, Mitte, rechts) und einem starren taktischen Spielsystem (z.B. 4-3-3, 3-4-3).  Ein Verein hat’s dem anderen abgeschaut.  Das System ähnelt einer kleinen Bürokratie, mit genauen Rollenbeschreibungen.  Einer, der Trainer, hat das Sagen. Er trifft fast alle Entscheidungen.  Die Spieler machen nur das, was sie vom Trainer aufgetragen bekommen, d.h. wofür sie verantwortlich gehalten werden. Die Spieler erhalten verschiedene Anweisungen (du spielst vorn in der Mitte; hier ist dein Gebiet)  Diese Anweisungen füllen oft eine ganze Seite.  Keiner weiß genau, was die Aufgaben seiner Mitspieler sind, denn die Rollenbeschreibungen sind oft zu lang, um sie auswendig zu lernen.  Daher weiß jeder Spieler relativ wenig über die Aufgaben der Mitspieler, deren Territorium an seins angrenzt.  Nur der Trainer übersieht das Ganze. Er hat Positionspower.  Er hält alle Fäden in der Hand und trifft fast alle Entscheidungen. Die Spieler folgen seinen Anweisungen. Wenn sie aufmucksen, werden Sie bestraft: sie dürfen nicht mitspielen oder sie werden ausgewechselt.  Wenn Spieler mit der Zeit bockig werden und nicht den Vorstellungen des Trainers entsprechen, werden sie verkauft.  Übertreibt der Trainer sein autokratisches Führungsbenehmen, kommt es zur Spieler Revolte.  Die ist meist passiv, auf Apathie und Lustlosigkeit aufgebaut. 

Unter diesem System wird heute Fußball gespielt.  Elf Spieler folgen den Anweisungen von einem Menschen, dem Trainer.  Er ist verantwortlich. Wenn es nicht klappt, also wenn die Mannschaft zu oft verliert, wird er, der Entscheidungsträger, entlassen. Dabei reden wir oft von Teamwork.  Die Spieler sind ein Team, sagt man – und hat natürlich recht.  Nur passt das mechanistische Design nicht zum Teamsport. Da liegt der Fehler. Es ist nicht nur ein kleiner Fehler: es ist ein großer Design Fehler, fast ein Oxymoron. Kreativität, flüssiges Spiel, Spielfreude und eine hohe Torausbeute werden durch falsches Design unterdrückt.  Gute Teamarbeit kann als gar nicht aufkommen. 

Kurz gesagt, Design und Sinn des Fußballs passen nicht zueinander. Der heutige Fußball ist also nicht das, was er sein könnte.  Ein Systemwechsel ist dringend benötigt, damit der Fußball seine auferlegten Fesseln abstreifen kann. 

Das organische Model

Wenn man bedenkt, dass Fußball ein Teamsport ist, dass also Entscheidungen von den Teammitgliedern mitgetroffen werden sollten, und dass Spieler, wenn sie als Team arbeiten, Generalisten wie auch Spezialisten sein sollten, passt das mechanische Model überhaupt nicht zum Fußball. Daher das abgehackte, leicht auszurechende, oft einfallslose Spiel, das zu Recht von Reportern und Kommentatoren kritisiert wird. Ein Spieler-Generalist kann überall spielen, vorn und hinten, rechts und links. Er kann auch mit beiden Füßen Tore erzielen. Wenn er angreift, lernt er eine Reihe von Täuschungsmanövern, um an gegnerischen Verteidigern vorbei zu kommen.Wenn er verteidigt, nutzt er dieses Wissen, um Angreifern effektiv entgegen zu treten. Ein guter Stürmer wird so leicht nicht vom Gegner ausgespielt, wenn er verteidigt. Im gegenwärtigen Spiel ist dies noch ziemlich leicht.  Die Taktik ist ein offenes Raumsystem: jeder Spieler öffnet Räume wenn er angreift; und schließt Räume wenn er verteidigt.  So wird das Spiel dynamisch, offen und immer anders. Es gibt also keine auswendig gelernten, künstlichen, taktischen Varianten. Das Spiel wird laufend modifiziert, um sich den laufend verändernden Situationen anzupassen und sie zu optimieren. Innoviert wird auf dem Platz, während des Spiels, nicht vor dem Spiel. 

Ein organisches System führt zum Powerfußball. Hier gibt es weder Positionen noch eine vorgeschriebene Taktik. Die Spieler hängen nicht vom dem oft limitierten Wissen des Trainers ab.  Stattdessen maximiert der Trainer das kollektive Wissen seiner Spieler. Der Trainer lernt auf diese Weise genau so viel von den Spielern, wie die Spieler von einander. Entscheidungen werden zusammen getroffen. Das Wissen des Trainers kommt von den Spielern, nicht von Tagungen oder Kursen. Er besitzt die Fähigkeit, das oft unbewusste Wissen der Spieler bewusst zu machen. Das ergibt Experten-Power, Macht. Und hört nie auf, denn Wissen, wie auch das Potenzial eines Menschen, ist unbegrenzt. Trainer und Spieler – nicht die Vereinsfunktionäre – definieren so den Verein. Sie, nicht der Vereinsboss, sind voll verantwortlich für alles, was auf und außerhalb des Fußballplatzes passiert. 

Im Powerfußball verändern sich alle Ebenen im Verein, vom Präsidenten bis zum Platzwart. Auch die Erwartungen der Zuschauer werden sich steigern, denn sie werden in kürzester Zeit ein gutes, flüssiges, freudiges Spiel zu schätzen lernen und es daher erwarten. 

Zusammenfassung:

Worum geht es im Fußball?

Es geht um die Teile und das Ganze. Damit das Ganze, das Spiel, optimal läuft, müssen die Spieler einige Hundert Teile, die das Spiel ausmachen, nicht nur kennen und zig-tausendfach üben, sondern auch verinnerlichen, ins Gehirn einbrennen, mit sich selbst und mit dem Team in Einklang bringen und anwenden können.  Nur dann ergibt sich ein einfaches, schönes und erfolgreiches Spiel. Fehlen Teile, oder werden Teile nicht zu eigen gemacht, ist erfolgreiches Spiel reiner Zufall. 

Es geht um den Kopf. Ohne Kopf bewegt der Fuß sich nicht. Unser Körper ist kopfgesteuert.  Stimmt es im Kopf und ist das kommende Spiel vorprogrammiert, spielt man guten Fußball. Stimmt es nicht, ist erfolgreiches Spiel reiner Zufall. Daher muss im Training alles durch den Kopf laufen. Es ist sogar möglich, nur im Kopf zu trainieren und das Gelernte dann im Spiel erfolgreich anwenden zu können.Das passiert im Moment nicht. Von mentaler Reife gibt es keine Anzeichen.

Es geht um den Vorteil. Trainer müssen ihre Spieler veranlassen, laufend neue Ideen, Methoden, Techniken, Strategien, Taktiken, Wege, Handhabungen und Spielweisen zu entwickeln und zu  verbessern, um das Spiel auf diese Weise unendlich zu bereichern und variieren. So hat die Mannschaft einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Und auf den Vorteil kommt es an. Denn Vorteile ermöglichen Siege. Hat man dem Gegner gegenüber keine Vorteile, ist erfolgreiches Spiel reiner Zufall.

Es geht um das Wesentliche. Was ist wesentlich im Fußball? Allem voran der Torschuss. Der Sinn des Spiels ist mehr Tore zu schießen als der Gegner. Daher müssen Spieler genaue Pässe schlagen können, denn sie führen zum Torschuss. Täuschungsmanöver helfen, die Reaktionszeit der gegnerischen Spieler zu mindern. Die Taktik muss viele Torschussgelegenheiten ermöglichen. Ein optimales, blitzschnelles Weiterleiten des Balles hilft Spielern, auf schnellstem Wege zum Torschuss zu kommen. Der Teamgeist der Spieler sollte an Liebe grenzen. Eine ausgeprägte, gelernte, immer weiter ausgebaute Spielintelligenz ermöglicht ein einheitliches Denken von Spielern und Trainer. Eine Bereitschaft, eine Offenheit zum lebenslangen Dazulernen sprengt alle Grenzen und Fesseln. So entsteht mit der Zeit eine neue, andere, erfolgreichere Spielart, die kein Zufall mehr ist. Ich nenne diese Spielart Powerfußball.  

 

 

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