Organische Taktik: Fortsetzung No. 2

Taktische Formationen

Eine organische Taktik ist eine natürliche Taktik. Sie ist immer anders. Sie verändert sich von Moment zu Moment aus dem Spielgeschehen. Die Spieler müssen also während der ganzen Spielzeit immer hoch konzentriert sein. Sie sehen sich laufend um, um sicher zu stellen, dass sie zum Spiel richtig stehen.

Angriff und Verteidigung

Sichel- und elliptische Formationen gestalten und lösen sich.  Sie sind die Hauptkonfigurationen  im organischen Ganzen.  Sie symbolisieren Verteidigung und Angriff.  Man kann auch sagen, sie symbolisieren eine angriffsbereite Verteidigung und einen abwehrbereites Angriff. 

Ziel des Angriffs ist, Räume zu öffnen. So kommen Spieler zum Torschuss. Wie man diese Räume öffnet, ist zweitrangig, solange man viele Torschussmöglichkeiten herausläuft und herausspielt.  Daher müssen Spieler sich laufend bewegen. Eine Alternative zur Ellipse ist die Doppelangriffsreihe.

Steilangriffe

Die effektivste Art anzugreifen ist der Steilangriff. Der Torwart fängt den Ball ab, läuft blitzschnell zur Strafraumgrenze and wirft den Ball dem bestplatzierten Mitspieler in den Lauf. Dieser wiederum leitet ihn sofort im one-touch als Steilpass dem bestplatzierten, vorn stehenden Mitspieler in den Lauf. Täuschung und Geheimsprache ermöglichen den Torschuss.

Doppelangriffsreihe

Eine Reihe, fünf Spieler, steht vorn.  Die andere Reihe, ebenfalls fünf Spieler, steht dahinter.  Die hintere Reihe spielt sich den Ball zu, schnell, flach und sicher, immer hin und her, während die vordere Reihe versucht, durch Täuschungsmanöver in Schussposition zu kommen. Mal brechen Einzelspieler in der vorderen Reihe nach links aus, mal nach rechts.  Sie sind immer in Lauerstellung, bereit, den Ball mit Härte aufs Tor zu schießen, wenn sie ihn in den Lauf zugespielt bekommen.

Die hintere Reihe schätzt fortwährend ab, ob ein Pass zum Torschuss führen kann oder nicht.  Sie geht kein Risiko ein, spielt lieber noch einmal ab. Erst wenn die Wahrscheinlichkeit eines guten Torschusses höher als 50% ist, spielt sie den entscheidenden Steilpass.  Sie tut jedoch so (Täuschung), als ob sie ihn ganz woanders hin spielt, signalisiert aber (durch Geheimsprache) zu welchem Spieler er hingehen wird.

Der gegnerische Deckungsspieler muss überrascht sein, wenn man den Ball „seinem“ Spieler zuspielt.  Er wird also später als normal reagieren.  Dies gibt dem Mitspieler, der den Ball erhält, genug Zeit, um einen Schuss aufs gegnerische Tor abzugeben. Des intensiven Trainings wegen, sollte jeder zweite Schuss ins Tor gehen.

Einschläferungstaktik

Ein großer Vorteil der organischen Taktik ist, dass jeder Spieler haargenaue Pässe schlagen kann. Bei „haargenau“ meinen wir Pässe, die so hart geschlagen werden, dass kein Gegenspieler sie abfangen kann, und die so genau auf den Fuß oder in den Lauf des Mitspielers geschlagen werden, dass dieser den Ball, sofort im one-touch weiterspielen kann. Das lernen die Spieler in der Passhalle.

Diesen Vorteil kann eine Mannschaft nutzen, eine kleine Pause einzulegen. Die Spieler bewegen sich wenig, dreschen stattdessen den Ball über den ganzen Platz. So muss sich der Gegner bewegen.  So ermüden sie ihn, während sie sich selbst eine Verschnaufpause gönnen. Damit schläfern sie den Gegner ein, machen ihn unachtsam.  Wenn alle Gegner im Tiefschlaf sind, wenn er sich ganz entspannt, schleicht sich ein Mitspieler (nur einer, nicht mehrere, sonst bemerkt der Gegner, was los ist) in Torschussnähe. Er wird dann, überraschend für den Gegner, bedient, und schießt aufs Tor.

Einseitiges Spiel

Wollen Sie rechts Räume öffnen, spielen Sie nach links.  Alle Spieler, außer einem, bewegen sich nach links, ziehen die Verteidiger mit sich, und spielen links, bis der Eine, der rechts stehen geblieben ist, in idealer Schussposition läuft.

Überhaupt sollten alle Spieler Sun Tsus Täuschungsmanöver perfekt beherrschen. Alle Täuschungen haben, wie mehrmals betont, nur ein Ziel: die Reaktionszeit des Gegners zu verlangsamen, um selbst zum Torschuss zu kommen.

Von Angriff auf Verteidigung

Wie verteidigt man im Powerfußball?  Indem man in Igelform einen Sichel Bogen 30 Meter vor dem eigenen Tor aufbaut. Sobald ein eigener Angriff gescheitert ist, ziehen sich die Spieler in Harmonikaform zurück, und nehmen eine Igelform ein. Dabei geht jeder Spieler direkt zurück: also, steht er links vorn, geht er nach links hinten zurück.  So erreicht er sein Ziel schnell und leicht.

Ziel der Verteidigung ist, Tore zu verhindern und den Ball zurückzuerobern.  Tore verhindert man, indem man sicher stellt, dass der gegnerische Spieler nicht zum Torschuss kommt.  Den Ball erobert man zurück, indem jeder Spieler versucht, dem Gegner den Ball wegzuspitzeln oder den Ball abzufangen, wenn er vom Gegner hin und her geschoben wird.  Das tut man am besten, indem man Fallen stellt.

Fallen stellen

Das Konzept, dem Gegner in der Abwehr Fallen zu stellen, ist eng verbunden mit dem Konzept, den Gegner beim Angriff zu täuschen, zwei Seiten einer Münze.  Hier sind ein paar Beispiele:

  • Erscheine unorganisiert, tue, als ob Du nicht richtig weißt, wen Du zu decken hast.
  • Erscheine fahrig, so dass der Gegner Dich unterschätzt.
  • Ziehe Dich von Deinem direkten Gegner zurück und guck woanders hin; behalte den Mann mit dem Ball jedoch im Augenwinkel; biete den Ball deinem Gegenspieler förmlich an. Dann stoß blitzschnell zu und fange den Pass ab.
  • Bewege Dich langsam, dann rechnet der Gegner mit Ball nicht damit, dass Du fähig bist, seinen Pass abzufangen.
  • Bewege und benehme Dich immer so, dass der Gegner Dich unterschätzt und unvorsichtig wird.
  • Verwirre und verunsichere den Mann am Ball laufend;
  • alle Verteidiger sollten sich so benehmen, als ob die Verteidigung ein Hühnerhaufen wäre, der total durcheinander ist und ängstlich umherläuft.
  • Zeige dem Mann am Ball scheinbare Lücken auf.
  • Drossel das Tempo, scheine Dich wie im Zeitlupentempo zu bewegen.
  • Zeige Dich ängstlich, damit der Gegner übermütig wird.
  • Greife den Gegner immer nur dann an, wenn er es nicht erwartet.
  • Verhindere, dass sich der Gegner gut organisiert.
  • Bewege Dich immer so, dass der Gegner überrascht ist.

Zusätzliche Täuschungsmanöver und Fallen sollte die Mannschaft in einem Seminar ausklügeln.

Wohin solltest Du den Ball spitzeln?  Ihn einfach wegzuspitzeln hilft wenig, wenn er wieder beim Gegner landet.  Du spitzelst den Ball in den offenen Raum und zwar so, dass eigene Spieler, die wissen, wie Du denkst (denn sie denken genau so wie Du), den Ball erreichen können. Spitzeln ist eine Hin und Her Bewegung.  Verfehlst Du den Ball, geht’s Du sofort in die vorherige Abwehrposition zurück.

Zwei Mann am Mann

Bei der Abwehr sollten immer zwei Spieler den ballführenden Angreifer decken.  Decken heißt, vor dem Angreifer hin und her tänzeln, entweder nebeneinander oder hintereinander, je nach Gegebenheit, und ihn zum Abspiel zu zwingen, nie aber einen Torschuss erlauben.  Die beiden Verteidiger wechseln laufend, je nach dem, wo sie in der Igelabwehr positioniert sind.  Wann-wer-wen deckt, ist schwer zu beschreiben, kann aber schnell gelernt werden. 

Die Prinzipien bei der Abwehr lauten also:  

  • Immer zwei Deckungsspieler am Ball. 
  • Den Gegner nicht angreifen, ihn zum fehlerhaften Abspiel zu verleiten.
  • Zwei Meter vor ihm tänzeln. 
  • Ihn nie zum Torschuss kommen zu lassen.
  • Den Ball in den freien Raum wegzuspitzeln, so dass der eigene Spieler ihn erreichen kann.

Soll der Gegner den Ball vor der eigenen Abwehrkette uneffektiv hin und her spielen.  Irgendwann macht er einen Fehler.  Der Druck liegt bei den Angreifern.  Die eigene Abwehr kann sich ein wenig ausruhen.

Verteiler und Scharfschützen

Es gibt im Powerfußball 22 Verteiler und Scharfschützen.  Also der gesamte Spielkader, einschließlich Torwart, übt sich in Pässen und Torschüssen.  Denn der Angriff beinhaltet den eigentlichen Sinn des Fußballs: Tore zu schießen. Die Verteidigung ist notwendig, um Tore zu verhindern, gewinnt aber kein Spiel. Sie ist bloß ein Mittel zum Zweck.

Verteiler

Das Verteilungssystem bestimmt den Erfolg.  Sind alle Spieler in der Lage, den Ball optimal nach vorn zu spielen, bleibt der Erfolg nicht aus.  By „optimal“ ist gemeint, dass alle Spieler die Fähigkeit haben, den Ball so nach vorn zu spielen, dass er auf kürzesten Weg zum Torschuss führt. 

Verteilen ist Kopfsache.  Spieler müssen „das Auge“ haben, um gute Verteiler zu werden.  Sie müssen  immer das ganze Spielfeld im Blickpunkt haben, sie müssen wissen wer wo steht, wer sich wohin bewegt, dies alles im Kopf analysieren, abwägen, bewerten, „sehen“, um den Ball dann dem Mitspieler zuzuspielen, der die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, durch einen Torschuss ein Tor zu erzielen.  Das ist nicht leicht. Das ist individuelle Kopfsache. Das bedarf der Entwicklung von Spielintelligenz.

Man verteilt den Ball aber nicht nur um Mitspielern den Torschuss zu ermöglichen.  In den meisten Fällen leitet man den Ball weiter zu einem Spieler, der besser positioniert ist.  Dafür haben wir ja Augen: eines, um, Priorität!, durch einen guten Pass einen Torschuss vorzubereiten; ein anderes, um den Ball weiterzuleiten an den Spieler, der die beste Möglichkeit hat, das zu tun, was man selbst nicht tun kann: eine gute Vorlage zum Torschuss zu geben.

Im Powerfußball wird „das Auge“ im Seminarraum jeden Wochentag für eine Stunde geschult.  Und das die ganze Spielkarriere lang. Nur so kann man Perfektion erlangen.

Übrigens hat der Torwart, weil er das ganze Spielfeld übersehen kann, die beste Möglichkeit ein guter Verteiler zu sein.  Er muss den Ball also blitzschnell aus der Luft greifen und ihn per Hand blitzschnell an denjenigen Mitspieler weitergeben, der den Ball am besten an einen Scharfschützen weiterleiten kann.  Der Torwart ist daher im Powerfußball ein wichtiger Mann: er muss sein Tor behüten und Angriffe einleiten. Er erfüllt eine Doppelfunktion.

In England kursiert eine Performance Analyse, die sie Prozone nennen und von der die Engländer viel halten.  Es ist jedoch nur ein „im-nach-hinein“ System, also zum Lernen ungeeignet, aber einigermaßen gut, um Spieler zu entlassen, die bei Anwendung von Prozone schlecht abschneiden. Sollen die Engländer stolz auf ihr neues System sein: es bringt jedoch wenig.

Jeder Spieler ist ein Scharfschütze

Natürlich ist jeder Spieler Verteiler und Scharfschütze.  Nur ist das Verteilen weitaus schwieriger, denn beim Torschuss, den man einige Hundert Tausend Mal beidbeinig in der Schusshalle geübt hat, knallt man einfach „drauf“, d.h.,  man schießt ihn dorthin, wo der Torwart den Ball nicht erwartet: in eine der vier Torecken. 

Auch verändert sich die Situation laufend.  In einem Moment ist man potenzialer Scharfschütze („scharf“ heißt mit Wucht, Energie, Chi), im nächsten schon wieder Verteiler.  Wer schließlich das Tor erzielt, ist unwesentlich. Verteiler und Torschütze sollten gleiche Punkte erhalten, wenn Verteilung und Schuss zu einem Tor führt. Vielleicht sollte der Verteiler sogar einen Punkt mehr bekommen, denn es ist ein leichtes, den Ball aus guter Position ins Tor zu schießen; es ist jedoch schwieriger, den Ball maximal zu verteilen.

Insgesamt gesehen, hat jeder Spieler also drei Rollen zu spielen:  Verteiler,  Torschütze und Verteidiger.  Zu verteidigen und aufs Tor zu schießen sind im Vergleich relativ einfach.  Den Ball optimal zu verteilen, ist dagegen eine Kunst die gelernt werden kann.

Laufen

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass fast alle Fußballprofis schon nach wenigen Minuten schweißnass sind?  Und dass sie eigentlich wenig laufen?  Dass sie nicht genug Kraft haben, sich laufend vom Gegenspieler zu lösen?  Dass sie selten in freie Räume laufen?  Auch, dass sie, wenn sie laufen, es mit großem Energieaufwand tun?  Sie laufen mit aller Macht, sie stampfen oft wie eine Herde Büffel.

Profis heutzutage sind schnell erschöpft.  Sie sind meist zu schwer, wiegen zu viel, um leicht laufen zu können. Grund ist wohl falsches Essen und Trinken. Sie essen zu viel, dazu noch das Falsche. Sie stampfen über das Feld, wenn sie laufen. Sie brauchen auch eine Weile, um Ihren Lauf zu stoppen, wenn sie einmal in Gang kommen. 

Man könnte meinen, dass Profis sich oft eng decken lassen, um sich aufzuruhen.  Sie schubsen zwar ein wenig, aber sie laufen sich nicht frei.  Wenn Fußballprofis den Marathon laufen, werden sie zwar ins Ziel kommen, ihn aber nie gewinnen.  Sie wiegen zu viel. Sie sind zu gewichtig. Daher stehen sie meist.  Sie sind Positionsfußballer.  Sie bleiben in ihrem Positionsgebiet.  Sie können, physisch gesehen, gar nicht 90 Minuten lang laufen.  Sie und verbrauchen beim Laufen zu viel Energie. Sie haben es nie richtig gelernt, entspannt zu laufen.

Huschen

Daher müssen Spieler, wenn sie Powerfußball spielen, anders leben.  Sie müssen Ihr Jugendgewicht behalten, fit und schlank bleiben.  Richtig essen, keinen Alkohol.  Den Fortpflanzungstrieb nicht zum Sex sondern für das Spiel nutzen. Sie brauchen viel und regelmäßigen Schlaf. Sie müssen für den Beruf leben – die Berufsspanne beträgt ja nur 15 Jahre – und alles andere dem Beruf unterordnen. Sonst kann man kein Weltklassespieler oder Schwimmer oder Tennisspieler oder Boxer werden. Eiserne Disziplin ist erfordert.

Es gibt eine andere Art zu laufen.  Sie ähnelt einem Huschen.  Sie entspannen beim Laufen den ganzen Körper und nutzen nur die Muskeln, die Sie zum Laufen brauchen.  Dazu atmen Sie tief, in Rhythmen, die dem Lauftempo angepasst sind. Also, wenn Sie langsam laufen, atmen Sie im 4-4-4 Rhythmus (4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden den Atem halten, 4 Sekunden ausatmen).  Wenn Sie einatmen, heben Sie den Diaphragma.  Wenn sie ausatmen, drücken Sie ihn nach unten. Der Philip Lahm läuft ein wenig so. Er huscht, hält den Oberkörper ruhig und steckt die Energie in die Beine.

Ihr Lauf wird anderen ein wenig seltsam erscheinen, denn Ihre Schultern sind beim Laufen gesenkt, die Arme schlenkern ein wenig, der Körper ist leicht gebückt.  Die Haltung ist ähnlich wie vor dem Pass oder Schuss. Bekommen Sie den Ball zugespielt, gehen Sie durch die Pass- oder Schussfolge.  Im allerletzten Moment, setzen Sie dann die ganze, durch Entspannung aufgespeicherte Energie in den Schuss selbst. Wie beim Karate. So werden Sie zum Scharfschützen.  

Laufen Sie entspannt, können Sie 2 x 90 Minuten lang spielen.  Ausruhen, wird es nötig, können Sie sich, wenn Sie verteidigen. Die meiste Energie wird beim Angriff gebraucht, weil Sie sich dann kontinuierlich freilaufen, um den Pass, der zum Torschuss führt, zu erhalten. Laufen zu lernen, um Energien zu sparen wenn Sie nicht am Ball sind, ist im Powerfußball ein Teil des täglichen Trainings

 

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