Organische Taktik: Fortsetzung No. 1

Eine Taktik ist organisch, wenn sie sich laufend neu entwickelt und verändert, basiert auf das Vorgehen auf dem Spielfeld.  Sie ist nie gleich, sondern immer anders.  Man kann sie also nicht direkt lernen, denn sie beruht nicht auf Wissen, Fakten oder Prinzipien.  Sie ergibt sich laufend aus dem Spiel heraus.  Man muss sie nur erkennen, und lernen danach zu handeln.  Raum und Zeit sind die zwei Hauptelemente in der organischen Taktik.

Raum und Zeit
  • Um im Fußball zu gewinnen, muss man mehr Tore schießen als der Gegner. Unsere Aufgabe ist daher: selbst Tore zu schießen und gegnerische Tore zu verhindern. 
  • Im Angriff öffnen wir Räume. In der Verteidigung schließen wir offene Räume.  Unsere Aufgabe im Angriff ist, die Verteilung der offenen Räume zu unserem Vorteil zu gestalten und zu nutzen. In der Verteidigung nutzen wir eine Kombination aus Mann- und Raumdeckung um Tore zu verhindern. Daher, seht alle drei Sekunden hoch und analysiert die Raumaufteilung auf dem ganzen Spielfeld.
  • Warum brauchen wir Raum? In der Offensive, um in Ballbesitz zu bleiben und Tore zu schießen; in der Defensive, um wieder in Ballbesitz zu gelangen und Tore zu verhindern. Im Angriff kreieren und nutzen wir offene Räume, in der Verteidigung schließen wir Räume.
  • Wenn wir angreifen, sollten wir den Gegner meiden.  Wir meiden ihn, indem wir die Räume nutzen, wo er nicht steht. 
  • Wir müssen lernen, wie man offene Räume erkennt, kreiert und nutzt. Räume sind die Lücken zwischen und um gegnerischen Spielern herum. Stehst du dort, bis du offen. Wenn du den Gegner wegziehst, kreierst du Raum. 
  • Eine gute Mannschaft nutzt Raum um im Ballbesitz zu bleiben, anzugreifen und Tore zu schießen.  Wir können Räume manipulieren – durch Position, Bewegung und schnelles Passspiel.
  • Zeit macht Raum wertvoll. Es kostet Verteidigern Zeit, Raum zu überbrücken.  Wie viel Zeit es kostet, hängt von der Große des Raums ab, und von der Schnelligkeit und Aggressivität des Verteidigers. 
  • Wenn wir weit ausgebreitet angreifen, muss der Gegner sich auch ausbreiten.  Das gibt uns mehr Raum, um anzugreifen oder zu schießen.  Auch sind die Verteidiger auf sich allein gestellt.  Breitet sich der Gegner nicht aus, haben wir viel Platz.  Da wir im Powerfußball aus 30 bis 40 Meter Tore schießen können – wir üben es ja täglich in der Schuss- und Passhalle – gibt es viele Tormöglichkeiten.
  • Jeder von uns ist daher verantwortlich, sich der Raumaufteilung während des ganzen Spiels immer bewusst zu sein, den Raum zu manipulieren und ihn zu unserem größten Vorteil zu nutzen. 
  • Im Angriff sollten wir sollten Räume laufend durcheinander wirbeln, bis sich eine Gelegenheit zum Torschuss bietet.
  • Die Kunst des Wirbelns muss gelernt sein. Sie ist unendlich variierbar. 
  • Taucht dort auf, wo der Gegner verteidigen sollte. Dann lauft dorthin, wo ihr nicht erwartet seid.
  • Wir sollten den Ball laufend im one-touch flach in Bewegung halten. Wir nutzen das ganze Spielfeld. So ist der Gegner immer vom Ball entfernt und wir können im Ballbesitz bleiben.  So können wir ihn ermüden.
  • Der Ball sollte meist nach vorn, selten zur Seite und fast nie nach hinten gespielt werden.
  • One-touch Pässe verhindern, dass sich die gegnerische Verteidigung am Ball massiert. Sie macht Druck und gibt wenig Gelegenheit zum Grätschen. So kommt die Verteidigung durcheinander und wird frustriert.
  • One-touch Pässe geben uns physische und psychologische Vorteile. Wir können Möglichkeiten sofort nutzen, z.B., Steilpässe und Torschüsse. Der Gegner wird zur Verzweiflung getrieben und wird schließlich apathisch und hilflos.  Ball und Gegner laufen. Wir stehen still, wenn wir ungedeckt sind. Sind wir gedeckt, laufen wir uns frei. 
Die Teile und das Ganze

Stellen Sie sich die Mannschaft als ein komplexes Ganzes vor, das aus verschiedenen Spielern (Teilen) besteht, die alle zusammen Tore schießen wollen, und daher von einander und vom Ganzen abhängig sind. Die Aktion eines jeden Spielers hängt also von den Aktionen aller anderen Spieler ab. Das ist die organische Taktik.

Sie muss gelernt werden. Taktik ist 90% Kopfarbeit, 10% Beinarbeit. Sie wird im Seminarraum gelernt, denn Taktik auf dem Spielfeld zu üben ist Zeitverschwendung. Sie muss durch unendlich viele Fragen und Antworten über Jahre im Kopf eingebrannt werden.  Denn ohne das Hirn bewegt sich der Fuß nicht. Ist das Gehirn richtig programmiert, ist das Spiel flüssig und erfolgreich. Immer!

Man muss jahrelang daran arbeiten. Und früh damit anfangen. Denn sind die Rillen im Gehirn erst einmal eingeritzt, wie es der Fall bei älteren Spielern ist, sind sie schwer zu löschen. Daher sollten Powerfußballer jung sein, mit einer tabula rasa, die dann von Anfang an „richtig“ beschriftet wird. Auch müssen alle Spieler die einheimische  Sprache voll beherrschen.

Taktik und Täuschung

Vor zwei-einhalb Tausend Jahren sprach Sun Tsu in „Kunst der Kriegsführung“ von der Wichtigkeit der Täuschung.  Warum ergänzen gute Täuschungsmanöver eine organische Taktik?  Weil Täuschung uns einen Zeitvorteil gibt. Sie gibt Spielern die halbe Sekunde Vorteil, bis der Gegner reagieren kann. Man könnte erwarten, dass sich mit guter Täuschung die Anzahl der Tore verdoppelt. Der Gegner wirk kontinuierlich düpiert. Das macht ihn unsicher. Er macht Fehler. Er wird unkonzentriert, weil er nicht weiß, worauf er sich konzentrieren soll. Täuschung macht unser Spiel für den Gegner unberechenbar. Täuschung ist Schauspielerei. Fußball ist Schauspiel. Daher passen die beiden Komponenten zueinander. Sehen Sie selbst:

  • Selbst wenn Du fähig bist, erscheine unfähig. 
  • Selbst wenn Du tätig bist, erscheine untätig. 
  • Bist Du tapfer, erscheine ängstlich. 
  • Bist Du stark, erscheine schwach. 
  • Bist Du ordentlich, erscheine chaotisch. 
  • Bist Du erfüllt, so erscheine leer. 
  • Bist Du weise, so erscheine töricht. 
  • Dringst Du vor, so scheine dich zurückzuziehen. 
  • Bewegst Du dich schnell, so scheine Dich langsam zu bewegen (husche!). 
  • Bist Du an einem Ort, so scheine an einem anderen Ort zu sein. 
  • Wenn du in Torraumnähe angreifst, so täusche vor, dass du ganz woanders hin spielst. 
  • Wenn du aus der Ferne angreifen willst, mach die anderen glauben, dass du nur eine kurze Strecke zurücklegen willst.  So ist der Gegner unvorbereitet.
  • Verwirre den Gegner und stifte Unordnung an.  Dann schlage zu.
  • Erblickst Du eine Lücke, dann rücke vor; erblickst Du eine volle Abwehr, dann halte inne.
  • Schläfer den Gegner ein, so dass er faul wird. 
  • Sind Gegenspieler jähzornig, errege sie derart, dass sie leichtfertig werden.
  • Gib Unterwürfigkeit und Schwäche vor, um die Arroganz des Gegners anzustacheln.  Dann wird er nachlässig und du kannst ihn besser angreifen.
  • Benütze deine Schnelligkeit und flache Pässe, um den Gegner zu ermüden.
  • Säe Zwietracht zwischen Deinen Gegenspielern, so spaltest Du sie und verhinderst Eintracht.
  • Greife an, wenn der Gegner unvorbereitet oder unaufmerksam ist, wenn er es also am wenigsten erwartet. 
  • Gib dem Gegner keine Möglichkeit sich zu organisieren.  Dafür eignet sich die formlose organische Taktik vorzüglich. 
  • Die wirkungsvollste aller Bewegungen ist die, die niemand erwartet; der beste aller Pläne ist der, der unbekannt bleibt.

Ellipsenförmige Angriffe

Eine organische Taktik ist nicht leicht zu erklären, denn sie ist situationsbedingt, verändert sich daher laufend.  Sie besteht aus zusammenhängenden, koordinierten Teilen.  Jeder Teil des organischen Ganzen beeinflusst jeden anderen Teil. 

Der Teil „ellipsenförmig“ ist einer von mehreren Angriffstaktiken.  Die zehn Spieler bewegen sich ellipsenförmig (eine Art „zusammengedrückter Kreis“) in der gegnerischen Hälfte.

  • Einmal bewegt sich die Ellipse nach links; ein anderes Mal wechselt sie blitzschnell und bewegt sich nach rechts; oder sie wird statisch. Der Spieler am Ball setzt das Zeichen, in welche Richtung sich die Ellipse dreht.
  • Es können sich kleinere Ellipsen innerhalb der großen 10-Mann Ellipse formen.  Ziel ist, den Gegner laufend zu verwirren, Öffnungen zu erzeugen, und so zum Torschuss zu kommen.
  • Jeder Spieler in der Ellipse versucht, anspielbar zu sein, wenn er sich im vorderen Teil der Ellipse bewegt. 
  • Jeder Spieler versucht laufend in Schussposition zu stehen, wenn er sich im vorderen Teil der Ellipse bewegt.  Bekommt er den Ball, schießt er sofort und blitzschnell aufs Tor.
  • Spieler, die im hinteren Teil der Ellipse stehen, sind nicht nur Ballverteiler; sie sind auch Verteidiger.  Sie haben also eine Doppelfunktion.
  • So wechselt die Rolle eines jeden Spielers beim Angriff laufend: von Ballverteiler zu Scharfschütze zu Verteidiger.
  • Verteidigt der Gegner mit allen Spielern, ist die Ellipse flach. 
  • Verteidigt der Gegner vertikal, also ausgestreckt, wird die Ellipse tiefer, kreisähnlicher.
  • Täuschungen verhindern, dass der Gegner sich auf ellipsenartige Angriffe einstellt.  Sagt der Ballverteiler z.B. „links“, spielt er den Ball nach rechts; dreht er sich nach rechts, spielt er den Ball nach links.  Ruft er z.B. „Yo He“, bekommt „Rudi“ den Ball rechts vorgelegt.
  • Ziel der Täuschung ist es, eine halbe Sekunde Reaktionsvorsprung herauszuholen, um zum Torschuss zu kommen.
  • Alle Spieler bewegen sich leicht und flüssig: einmal schnell, dann langsam, dann blitzschnell; sie sind körperlich entspannt, im Kopf jedoch hochkonzentriert.
  • Bekommt der Gegner den Ball, wird aus der Ellipse ein Sichelmond, eines der Verteidigungsformationen.

Sichel Verteidigung

Verteidigung im Powerfußball ist wie Angriff.  Es ist eigentlich nur eine Frage des Ballgewinns.  Wir wollen den Ball wieder haben.  Haben wir ihn, beginnt der Angriff.  Haben wir ihn nicht, greifen wir trotzdem an, um ihn wieder zu bekommen.

Sie kennen eine Sichel.  Man schneidet etwas damit ab.  Wie den gegnerischen Angriff.

  • Bei Ballverlust wird aus der Ellipse eine Sichel, es formt sich also eine andere taktische Struktur. 
  • Als Sichel kann man einen halbrunden Kreis bezeichnen, der dreißig Meter vor dem Tor das Tor nach allen Seiten hin abriegelt. 
  • Die Sichel sollte Zacken haben, das Innere also so aussehen wie ein grafische Darstellung des täglichen Börsenkursus.
  • Aus zehn Angreifern werden so zehn Verteidiger. 
  • Sie ziehen sich bei einem Ballverlust vertikal, also auf kürzestem Wege, zurück. 
  • Sie stehen daher bei jeder Verteidigungswelle woanders. 
  • Dort verteidigen sie im Zickzack Kurs „ihren“ Raum, bis der Ball abgefangen ist oder am Tor vorbei geht.
  • Das Ziel ist also den Ball abzufangen oder wegzuspitzeln, nicht!, den Gegner anzugreifen. (Greifen Sie an, können sie leicht umspielt werden.)
  • Dem Gegner darf auf keinen Fall erlaubt werden, aufs Tor zu schießen. (Das ist besonders wichtig, wenn Sie gegen eine Powerelf spielen).
  • Der Gegner, der den Ball führt, muss immer von zwei Spielern gedeckt werden, einer steht als Sicherung hinter dem anderen.
  • Daher ändert es sich laufend, wer wen deckt. 
  • Die Sichel Verteidigung ist also eine Mischung aus Raum- und Manndeckung.  Sie ist generell Raumdeckung.  Nur der Gegner, der den Ball führt, wird direkt gedeckt.
  • Jeder Spieler sollte die vielen Täuschungsmanöver anzuwenden wissen, die den Gegner dazu verleiten, den Ball so abzuspielen, dass die eigene Mannschaft ihn erobern kann.
  • Wird der Ball zurückerobert, wird aus der Sichel blitzschnell wieder eine Ellipse.
  • Jeder Spieler läuft gradlinig so schnell wie möglich nach vorn, um durch Steilpässe in den Lauf zum Torschuss zu kommen.
  • Sind Steilpässe keine Option, formt sich die kreisende Ellipse wieder.  Für den einzelnen gegnerischen Verteidiger kommt es vor, als ob er laufend andere Angreifer zu decken hat.  Das führt zu Verwirrungen, die wiederum Räume öffnen.

 

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