EM 2008 - Eine Kritik

Die EM Spiele sind vorbei. Sie waren interessant, aber nicht hochklassig. 80 bis 90% der Aktion bestand aus Fehlern. Der Rest lief ganz gut. Sie glauben mir nicht? Gehen Sie zu www.powerfussball.net, Spielanalyse, unter „Training“ und analysieren Sie das Ihrer Meinung nach beste Spiel selbst. Der Prozess dauert ungefähr 8 Stunden. Es lohnt sich, denn Ihre Analyse wird Auswirkungen auf Ihr Trainingsprogramm haben. Es wird dem Powerfußball Training sehr ähnlich werden. Was folgt, ist eine Kritik einzelner Komponenten, die sich durch die Analyse ergeben haben.

Pässe

Tolle Pässe? Nein, sie kamen nur teilweise an und führten zu wenig. Sie waren mehr eine Ballabgabe – um ihn loszuwerden und so gut auszusehen – als eine Vorbereitung zum Torschuss. Ziel war, den Ball an irgendjemand abzugeben, fast nie auf den Fuß desjenigen Mitspielers, der so stand, dass er den Ball nicht nur leicht annehmen konnte, weil der Ball genau geschossen wurde, sondern ihn auch maximal weitergeben konnte. Das „Doppeldenken“ ist eine Kunst, die schwer zu erlernen ist. Jedoch, nach mehr als einer halben Million Pässen, über fünf Jahre, beherrscht man die Kunst, scharfe, flache, genaue Pässe zu schlagen, zur Perfektion.

Torschüsse

Es war schon erbärmlich, erleben zu müssen, dass die für Zig Millionen gehandelten Spieler unfähig sind, den Ball aus angemessener Distanz ins Tor zu schießen. Ballacks einer Glücksschuss, der zum Tor führte, war einer der wenigen guten Torschüsse. So sollte jedoch jeder Schuss aussehen. Jeder Spieler sollte in der Lage sein den Ball beidbeinig, auch aus 30 bis 40 Metern Entfernung, ins Tor zu schießen.. Im Powerfußball trainiert man den Torschuss nicht nur gelegentlich, sondern täglich, 200 bis 300 Mal, innerhalb 30 Minuten. Man entwickelt Scharfschützen, die den Ball mit so einer Wucht in die vier Ecken des Tores schießen können, dass dem generischen Torwart Angst und Bange wird.

 Taktik

Die Taktik war der größte Hemmschuh in allen Spielen. Mit der gleichen Taktik wird jetzt seit mindestens 50 Jahren gespielt. Verfolgen Sie die Geschichte der Taktik. Es wird höchste Zeit zum Wechseln, denn die Taktik ist zum Hemmschuh geworden. Es gibt eigentlich nur eine Taktik, die noch übrig bleibt, und das ist die organische Taktik. Sie ist die ultimative Taktik, sie kann nicht verbessert werden. Organische Strukturen und Organisation existieren schon seit 40 Jahren. Internetfirmen (Microsoft, Google, Yahoo, etc.) wendeten sie zuerst an. Im organischen System werden die Gehirne aller Teammitglieder zu einem Gehirn zusammengeschmolzen. Einer befruchtet den anderen. Ein jeder kennt die Gedankengänge des anderen. So muss es auch im Fußball sein. Ein Trainer wird nicht wirklich gebraucht, höchstens ein Fazilitator, der mit sanfter Hand (nicht durch autokratisches Führungsbenehmen, ein NEIN!, NEIN! im Teamsport) hilft und es ermöglicht Ziele zu erreichen. Irgend ein Verein, vielleicht in Asien oder Afrika, wo die Ideen noch nicht so festgefahren sind, wird die Idee der organischen Taktik auf den Fußball anwenden und ihn dadurch grundlegend verändern, und den ausgemergelten europäischen Fußball ersetzen.

Der Positionsfußball

Verwandeln Sie sich einmal (nur einmal!) in einen Transvestiten. Ziehen Sie sich ein altmodisch-modisches Korsett an, einen BH der Ihre nicht sehr üppigen Brüste einzwängt, und balanzieren Sie auf 20 cm hochhackigen Pumps. Sie werden sich kaum bewegen können. So ist der gegenwärtige Positionsfußball. Er ist eine Zwangsjacke, ein einschnürendes Korsett, eine vergitterte Einzelzelle. Die Trainer ergötzen sich daran. Es gibt ihnen Power zu sagen, wer wo spielt. Sie sagen: Du spielst hier, das ist Dein Raum, Deine Verantwortung. Guck mal auf diesen Zettel: da geht es lang, verstehst Du es? Danach wirst Du bewertet. Verlass diesen Raum nur dann, wenn ein anderer ihn zeitweilig stellvertretend für Dich übernimmt. Laufe dann sofort zurück. Usw. Lauter Unsinn. Die Dreiertaktik und der Positionsfußball prägen den gegenwärtigen Fußball. Beide Designsteine sind überholt, gestrig, unzeitgemäß – nicht mehr haltbar. Sie werden von der einfach zu verstehenden, aber schwer zu erlernenden organischen Taktik abgelöst.

Täuschung

Fast kein Spieler beherrscht die Kunst des Täuschens (sehen Sie „Taktik & Täuschung“, unter Taktik).  Man täuscht den Gegner, um einen oft nur Halb-Sekunden Vorteil zu erringen, damit man (a) gut passen oder (b) zum Torschuss kommen kann. Täuschung scheint fast ganz unbekannt zu sein. Man weiß immer genau (besonders beim deutschen Team), wo ein Spieler den Ball hin spielen wird. Das darf nicht sein. Will man nach links schießen, muss man vortäuschen, nach rechts zu schießen, nicht nur beim Elfmeter. Immer!  Täuschung, leicht zu erlernen, ergibt wichtige Vorteile.

Geheimsprache

Geheimsprache und Täuschung gehen Hand in Hand. Da man den Gegner, und nicht seine Kameraden, täuschen will, ist eine Geheimsprache notwendig. Habe ich den Ball im Mittelfeld und will ihn nach links abspielen, drehe ich mich nach rechts, deute mit der Hand nach rechts und rufe laut HEJ Das sagt den Kameraden, dass ich nach links spiele. So gewinnt man die kritische halbe Sekunde, um zum ungehinderten Torschuss zu kommen. Denn so lange braucht der Deckungsspieler um zu registrieren, was vor sich geht. Und die halbe Sekunde (12 Sekunden per 100 Meter, sind 1,2 Sekunden für zehn Meter, also 5 Meter pro halbe Sekunde) genügt, um den  Ball in eine der vier Ecken des Tors zu knallen. Durch eine Geheimsprache kann sich die Mannschaft verständigen, ohne dass der Gegner weiß, worum es geht. Ein weiterer Vorteil.

Drittäugig sehen

Drittäugig sehen heißt, jeder Spieler lernt, alle drei Sekunden das ganze Spielfeld zu überfliegen, zu scannen, damit er weiß, wer wo steht, wo die Lücken sind, welchen von seinen Kameraden er anspielen könnte. Ziel des Scannens beim Angriff ist blitzschnell zu erkennen, welcher Spieler die höchste Wahrscheinlichkeit zum erfolgreichen Pass oder Torschuss hat. Das dritte Auge sucht also nach einer über 90 Minuten angehenden Chancenoptimierung. Bei der Abwehr kehrt sich der Prozess um. Jeder Spieler lernt zu erkennen, wo der Gegner die beste Chance hat ein Tor zu erzielen, und macht diese Räume dann zu. Am Ende des Spiels werden die Spieler ermüdet sein, nicht vom Laufen (denn die Spieler lernen, katzenartig, ohne viel Anstrengung zu laufen) sondern vom Scannen. Es erfordert höchste Konzentration, 90 Minuten lang, ohne Pause.

Powerfußball

Der Powerfußball ist wie Ballett: leicht und beschwingt. Fängt der Torwart einen Ball ab, läuft er blitzschnell zur Strafraumgrenze. Während er läuft, scannt er das Feld, denn von allen Spielern hat er den besten Überblick und darf den Ball dazu noch werfen. Er wirft den Ball genau auf den Fuß desjenigen Spielers, der am optimalsten steht. Optimal stehen heißt, der eigene Spieler muss den Ball nicht nur leicht (ohne gegnerischen Eingriff) annehmen können, sondern auch optimal positioniert sein, ihn weiterzugeben, und zwar zu demjenigen Mitspieler, der die beste Torschussmöglichkeit hat. Tut er das, und kann er das, (nicht leicht zu lernen, daher die 3 plus 2 Jahre Ausbildungszeit) resultiert sein Abwurf mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Tor. Angriffe im Powerfußball sind daher blitzschnell. Die Verteidigung ist jedoch langsam. Soll sich der Gegner verausgaben, soll er frustriert werden. Man deckt und tänzelt, so dass der Gegner nicht durchkommt. Der Gegner strengt sich sehr an, man selbst schont sich.

Blitzschnell agieren

Die Spieler laufen nicht nur blitzschnell (die 100 m in unter 11 Sekunden, sonst kommen sie nicht ins Team). Alle Ecken, Einwürfe und Schüsse, die aus Fouls resultieren, werden blitzschnell ausgeführt, von dem Spieler, der am nächsten steht. Zweck ist, zu handeln, während der Gegner noch disorganisiert ist. Auch der Torwart, fängt den Ball ab, kommt blitzschnell auf die Füße, rennt zur Strafraumgrenze und schießt oder wirft den Ball demjenigen (eigenen) Spieler zu, der im Gesamtbild am besten steht. Einige wenige Torhüter (und Torwarttrainer) haben das schon mitbekommen. Auch Pässe und Torschüsse werden blitzschnell ausgeführt. Pässe im one-touch.  Der Ball wird immer flach gehalten, selten angenommen. Hohe Flanken in den Strafraum gehören der Vergangenheit an. Sie sind ein Armutszeugnis, denn sie hängen vom Glück, nicht vom gezielten Können, ab.

Vorteile führen zu Toren

Täuschung, blitzschnelle Reaktionen und sich laufend freilaufende Spieler ergeben eine lange Serie von Vorteilen im Spiel. Vorteile, und die Fähigkeit genaue Pässe schlagen und treffsicher aufs Tor schießen zu können, führen zu Toren. So einfach muss das Spiel werden. Das ist Powerfußball.

Dribbeln

Dribbeln ist die langsamste Art den Ball zu bewegen. Dribbeln ist ein Zeichen von Einfalllosigkeit und Selbstdarstellung. Es verzögert das Spiel. Es erlaubt der gegnerischen Abwehr, sich zu organisieren. Es gibt sogar neuerdings Laufstrecken Statistiken. Die Annahme ist, wer am meisten läuft, tut Gutes. Stimmt nicht. Wer am meisten läuft, schadet dem Spiel. Der Ball soll laufen, nicht die Spieler. To dribbel is out!

Klein auf Klein

Drei bis vier Spieler spielen Katze und Maus mit zwei bis drei Gegenspielern. Sie spielen sich auf engsten Raum gegenseitig den Ball zu. Sie ziehen ein kleines Nebenspiel auf, bis sie den Ball verlieren. Sie tun das, weil sie die Übersicht verloren haben. Klein-auf-Klein ist interessant für die Zuschauer, aber nutzlos für das Spiel. Es verzögert das Spieltempo. Klein-auf-Klein ist Zeitverschwendung.

Teamarbeit

Von der Nationalmannschaft kann man keine gute Teamarbeit erwarten. Es fehlt die Zeit, ein Team zu bilden, d.h., die Gehirne der 11 Spieler zu einem Gehirn zusammenzuschmelzen. Selbstprofilierung ist die Norm. Die Spieler wollen durch Glanz ihren Marktwert erhöhen, oder jedenfalls erhalten. Die Nationalmannschaft, wie auch vom Verein zusammengekaufte, sich durch Neukäufe und Verkäufe immer wieder verändernden Mannschaften können nie zu einem engen Team zusammenwachsen. Auch wenn eine Mannschaft nur aus Top Stars besteht, kann sie nie so gut spielen, wie eine „eingefleischte“ Teamelf, die schon seit langer Zeit zusammenspielt. Jeder Neuzugang im Team bedeutet, dass die Teamarbeit von vorn anfängt.

Kopfballtore

Was ist die Alternative zum Torschuss? Der Kopfschuss. Wenn man mit dem Fuß kein Tor erzielen kann, weil man es nicht mehrere Hunderte Tausand Mal geübt hat, versucht man es eben mit dem anderen Ende des Körpers, dem Kopf. Aber der Kopf ist eigentlich zum Denken da. Das Spiel heißt ja nicht Kopfball, sondern Fußball. Auch ist der Kopf zum Torschuss nicht gut geeignet. Kopfbälle sind zu ungenau. Sie sind auch ein Eingeständnis, dass es mit dem Fuß nicht klappt. Sie sind also ein Armutszeugnis. Kopfballtore sind daher abartig.

Fouls

Warum gibt es Fouls? Weil die Pässe nicht genau ankommen, ist wohl der Hauptgrund.. Ein schlechtes (oder hohes) Passspiel bedeutet, dass sich der Empfänger des Passes oft in Verletzungsgefahr begeben muss, um den Pass annehmen, oder ihn im one-touch weiterzugeben zu können. Oder der Spieler erhält eine gelbe Karte, weil er den Gegenspieler dabei verletzt. Mit perfekten Pässen und Schüssen gibt es selten Fouls, daher auch keine gelben oder rote Karten.

Kämpfen

Im Powerfußball gibt es kein „Kämpfen“. Warum auch? Fußball ist ja ein Spiel, kein Kampf. Im Boxen kämpft man, denn Boxen ist kein Spiel. Im Fußball steht jeder Spieler immer perfekt zum Spiel, also offen beim Angriff, und deckend wenn verteidigt wird. Bei der Verteidigung stehen immer zwei Spieler, einer hinter dem anderen, vor dem Angreifer. Der am dichtesten stehende Verteidiger tänzelt mit 2 Meter Abstand vor dem Angreifer hin und her. Der hinter ihm stehende Verteidiger kompensiert seine Bewegungen. Das Ziel der beiden Verteidiger ist nicht, dem Angreifer den Ball wegzuschnappen sondern einen Schuss aufs eigene Tor zu verhindern und den Angreifer zum Abspiel zu zwingen. Beim Abspiel stellen die Kollegen dann Fallen. Sie warten auf Fehler der Angreifer. Kein, oder nur wenig, körperlicher Kontakt findet statt.

Standardsituationen

Von Standardsituationen erhofft man sich Tore. Steht man nahe zum Tor, schießt man direkt aufs Tor. Die Standardsituation beschert daher entweder eine direkte Torschussgelegenheit oder eine Flanke. Mehr nicht. Standardsituationen sind nicht Ungewöhnliches. Strafstöße und Ecken sind einfach Pässe oder Schüsse. Standardsituationen werden im Powerfußball also nicht separat trainiert. Sie sind ein Teil des Passtrainings (in der Passhalle) oder des Torschusstrainings (in der Schusshalle). Sie werden nur dann zum Außergewöhnlichen, wenn einem sonst nichts einfällt, wie man Tore erzielen kann. Auf Standardsituationen zu hoffen ist daher ein Eingeständnis von Ratlosigkeit.

Endspiel: Deutschland - Spanien

Die Spanier spielten schnell und intelligent. Die Deutschen nicht. Sie wirkten einfallslos, langsam (auch im Kopf), hölzern, einfältig, ungelenk, umständlich, stumpfsinnig. Sie standen oft im Abseits und begangen viele Fouls. Die Ecken und Freistöße waren ein Disaster. Sie verzögerten das Spieltempo, weil sie den Ball erst annehmen mussten um mit ihm zu laufen, anstatt ihn gleich im one touch weiterzuspielen. In anderen Worten, die Spieler liefen, nicht der Ball, ein Unding im Fußball. So gaben sie der gegnerischen Abwehr viel Zeit sich zu organisieren. Die meisten Pässe sahen nach Ballabgaben aus: bloß keine Verantwortung übernehmen. Nichts falsch machen war das Motto. Beim Aufbau wurde der Ball hinten hin und her geschoben bis er, unter Druck, ohne Sinn und Verstand nach vor gedroschen wurde, fast immer auf den Gegner, denn die eigenen Stürmer können mit hoch nach vorn geschlagenen Bällen wenig anzufangen. Die Hoffnung auf Freistöße war groß. Das Schlimmste: keiner kann den Ball ins Tor knallen. Auch kann keiner genaue, harte, flache Pässe schlagen, die zu etwas führen. Die Spielintelligenz fehlte. Die Spiele reflektieren den Stand des Fußballs in der Welt: immer noch ziemlich primitiv. Hier und da blitzte aber schon das Neue auf. Eine neue Art zu spielen liegt in der Luft.

Den letzten beißen die Hunde

Wenn Veränderungen eintreffen, gleich welcher Art, sehen einige die Vorteile sofort und nutzen sie. Andere zaudern, zögern und scheuen das Risiko – ein Verhalten, das in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Prescht ein Verein mit Vollgas voran, und die anderen tun es nicht, liegt er vorn, meist für viele Jahre und fährt Ruhm und Reichtum ein. Andere Vereine gehen unter, denn sie gehen nicht mit dem Geist und dem Wissensstand der Zeit. So ist es, so war es schon immer. Der Fußball ist ein einfaches Spiel. Es gibt nichts einfacheres als den Powerfußball, denn er konzentriert sich ausschließlich auf das Wesentliche im Fußball

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